Silvaner-Schau-Finale – Geheime Ecken in Weinfranken

Weinfranken Silvaner-Schau

Zum Abschluss der GROSSEN SILVANER-SCHAU 2021 möchte ich euch vor dem Start des Hochsommers noch einmal ein paar wirklich interessante Weine aus versteckten Ecken des fränkischen Subkontinents vorstellen. Oben seht ihr zum Beispiel einen Teil der Lage Tauberzeller Hasennestle. Und ja, ich finde es dort mit der einspurigen Schaukelstraße im Tal wirklich genauso nett wie es der Name der Lage andeutet. Stephan Krämer holt hier die Trauben für seinen Silvaner Muschelkalk. Aber weiter unten folgen auch noch ein Eiswein von der Waldlichtung und ein Orange Wine aus einer Lage, die es bis vor kurzem gar nicht gab. Vorhang auf für die geheimen Ecken in Weinfranken!

Silvaner-Schau

Rücker Schalk

Rücker Schalk

Nein, es braucht euch nicht unangenehm zu sein, wenn ihr von dieser Lage noch nie etwas gehört habt. Schließlich sind wir hier bei den geheimen Ecken in Weinfranken. Der Rücker Schalk ist von seinem Charakter her dem Hundsrück beim Bürgstadter Centgrafenberg gar nicht unähnlich. Beide Lagen befinden sich in Churfranken auf Buntsandstein. Beide besitzen eine ziemlich freie Exposition in Richtung Südwesten, aufbauend auf einer alten Terrassenlage. Und beide haben auch eine Waldkuppe aufzuweisen, was erosions- und klimawandelvorbeugend eine sehr gute Sache ist. Geheim und versteckt also ja, aber definitiv mit viel Potenzial.

Giegerich Silvaner Schalk 2018

Giegerich Silvaner

Natürlich, Churfranken ist in erster Linie für seine Spätburgunder bekannt. Im Weingut Giegerich, das gerade den Wechsel auf die junge Generation vollzogen hat, gibt es allerdings Spitzen in beiden Weinfarben. 43 Jahre sind die Silvanerreben alt, die auf kargem, verwittertem Bundsandsteinboden entsprechend tief wurzeln. Der Ausbau im großen Holzfass ist in dieser Kategorie selbstverständlich, das Weingut seit September 2020 bio-zertifiziert. Der Schalk-Silvaner präsentiert leicht laktisch-rauchige Noten in der Nase, dazu Kräuter. Eine sehr schöne Kombination aus Frucht, Struktur und Ausbau, ich denke spontan an ein GG. Im Mund spürt man einerseits, dass dies der heiße Jahrgang 2018 war. Es gibt viel Stoff, dazu Säure und Süße in einer hochpikanten Balance. Die Frucht pendelt zwischen Reneklode und Ananas, die Spannung bleibt erhalten. Der Ausbau stützt nur das Rückgrat und drängt nicht nach vorn. Das ist ein echt starker Wein, Hut ab, 22 € ab Hof.

Bimbacher Schlossgarten

Bimbacher Schlossgarten

Sehr grün ist es im Bimbacher Schlossgarten. Es gibt Wiesen, Felder, Bäume, einen kleinen Bachlauf (die Schwarzach) – und natürlich Reben. Aber die stehen hier noch gar nicht allzu lang. Zwar pachteten die Großeltern von Dieter Laufer (und damit die Urgroßeltern von Kerstin Laufer) das Schlossgut bereits im Jahr 1928. Aber die Laufer’schen Reben standen primär am Main, während das kleine Dorf Bimbach den weitgehend rebflächenfreien Bereich zwischen Steigerwald und Main markierte. Erst eine Flächenübertragung im Jahr 2011 ermöglichte die Anpflanzung. Seitdem stehen hier Silvaner, Riesling, Scheurebe, Weißburgunder und Chardonnay in Monopollage.

Kerstin Laufer Silvaner Orange Wine 2018

Laufer Silvaner

Kerstin Laufer holt aus dem Bimbacher Schlossgarten auch einfachere, klassischere Weine wie den sehr schönen trockenen Silvaner Kabinett. Aber hier möchte ich euch ein besonderes Exemplar vorstellen, den Orange Wine aus dem Jahrgang 2018. Trotz des heißen Jahres hat der Wein – obwohl vollkommen trocken – nur 12,5 vol%. Der Maischegärung sei Dank. Zu 90% Maische-Silvaner gesellen sich noch 10% Most-Kerner in diesem Wein. In der Nase spürt man sofort, dass hier der Barriqueausbau am Werk war. Wer diese vanillige Note liebt, wird den Wein sofort aufmachen und austrinken wollen. Wer hingegen eher die aromatische Ausgewogenheit schätzt, wartet vielleicht noch ein bisschen. Der Wein besitzt nämlich genügend Grip, Tiefe und Substanz, um sehr vorteilhaft reifen zu können. Ein echt individuelles Exemplar, 19,90 € ab Hof.

Tauberzeller Hasennestle

Tauberzeller Hasennestle

Tauberzell liegt (der Name deutet es an) im Taubertal, genau zwölf Kilometer nördlich von Rothenburg. Das Taubertal ist eine alte Weinbauregion, aber da es im Allgemeinen kühler ist als am Main, wurden viele Flächen seit dem 19. Jahrhundert nach und nach aufgegeben. Die verbliebenen Hänge und Weininseln verteilen sich auf die Weinanbaugebiete Franken, Baden und Württemberg, was einer konzertierten Marktbeschickung alles andere als förderlich ist. Der Haupthang des Tauberzeller Hasennestles ersteckt sich südlich des Ortes, während es nördlich anschließend auch noch ein paar ausgesprochen charmante und teils terrassierte Einzelparzellen gibt. Ich habe sie euch auf dem Titelfoto schon gezeigt.

Krämer Silvaner Steillage Muschelkalk 2015

Krämer Silvaner Muschelkalk

Stephan Krämer besitzt zwar kaum mehr als 4 ha, macht aber weithin geschätzte Weine. Vor einiger Zeit hatte ich bereits seinen 2013er Silvaner aus dem Röttinger Feuerstein vorgestellt. Jetzt also zwei Jahre jünger und aus Tauberzell. Die Lage steht allerdings nicht auf dem Etikett, und das hat auch einen Grund. Der Wein ist nämlich sichtbar unfiltriert und wurde zudem noch mit leichter Maischegärung bereitet, weshalb Stephan darauf verzichtet hat, ihn bei der Qualitätsweinprüfung anzustellen. Meine persönliche Qualitätsweinprüfung hat er aber schon in der Nase bestanden. Leicht rauchig-reduktiv, mineralisch, Zitronenpuder, komplex, aber nicht kompliziert. Am Gaumen passiert ebenfalls eine Menge. 12,5 vol%, komplett trocken und Noten nach Koriandersamen, Efeu, Bratapfel, Mandel, Limette, alles mit viel Spannung und mittlerer Säure. Gebt den Krämer-Weinen Zeit (= diese sechs Jahre), dann belohnen sie euch. Aktuell 19 € ab Hof.

Sander Kronberg

Sander Kronberg

Zum Schluss noch eine der erstaunlichsten Lagen von ganz Weinfranken. Der Sander Kronberg im Abt Degen-Weintal ist nämlich komplett von Wald umgeben. Und nicht nur das. Als Nicht-Anlieger kann man ihn eigentlich nur zu Fuß und nur auf einem einzigen Waldweg erreichen. Es wird schon langsam dunkel, als ich Sand am Main erreiche. Ein Gewitter droht in der Ferne, und so beschließe ich, das Fahrverbot auf dem Waldweg nur für dieses eine Mal und im Sinne des höheren Auftrags zu ignorieren. Auf der anderen Seite des Berges teilen sich die Bäume, und ich stehe vor einer ausgedehnten, mit Reben bepflanzten Lichtung. Ob hier überhaupt schon jemals Ortsfremde waren? Wenn es eine Lage gibt, die quasi die perfekte Ausprägung einer geheimen Ecke in Weinfranken darstellt, dann diese hier. Schilfsandstein übrigens, aber das nur nebenbei.

A. & E. Rippstein Silvaner Eiswein 2018

Rippstein Silvaner Eiswein

Eine ganz besondere Lage, ein ganz besonderer Wein. Ich weiß nicht, wie oft ihr Eiswein zu trinken pflegt, aber bei mir ist das äußerst selten der Fall. Kein Wunder natürlich, denn ein Winzer muss den Mumm haben, die vollreifen Trauben hängen zu lassen, bis es eines Nachts dann unter -7°C gibt. Fallen sie vorher ab, war es das. So sind die Vorgaben. Mathias Rippstein hatte offenbar den Mumm. Kennengelernt hatte ich ihn letztes Jahr beim Best of Gold, als wir seinen eigentlich kleinen Silvaner richtig groß auszeichneten. Seitdem weiß ich, dass man in Sand sehr schöne Weine machen kann. Der Eiswein ist natürlich nochmal eine ganz andere Nummer. 6,5 vol%, hohe Süße, hohe Säure, unheimlich lecker (jawohl) bereits in der Nase. Im Mund ist das dann die pure Frucht, ganz viel Mango, ein bisschen Ananas, sehr frisch, rein, für die Ewigkeit bereit. 32 € die halbe Flasche ab Hof.

All around Weinfranken – die SILVANER-SCHAU 2021

Man glaubt es kaum, aber mit diesen geheimen Ecken in Weinfranken bin ich tatsächlich am Ende der GROSSEN SILVANER-SCHAU 2021 angelangt. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich in den nächsten Monaten nicht doch mal den einen oder anderen Silvaner hier auf dem Blog, bei Facebook oder Instagram vorstellen werde. Dafür mag ich die Rebsorte einfach zu gern. Aber selbst der größte Silvanerfan wird zugeben müssen, dass etwas Abwechslung auch nicht gar so schlecht ist.

An dieser passenden Stelle aber noch einmal die Links zu allen SILVANER-SCHAU-Artikeln von diesem Jahr:

Ich hoffe, ich konnte euch mit den Artikeln ein bisschen für den Silvaner begeistern – diese alte kontinentale Rebsorte, die es in Deutschland mittlerweile in großartigen Versionen gibt. Man muss bloß ein bisschen mehr über sie sprechen…

Dieser Beitrag wurde unter Wein abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu Silvaner-Schau-Finale – Geheime Ecken in Weinfranken

  1. Mit Spannung stets erwartet und jedesmal beglückt!
    Unter uns: Abwechslung zur Frankentraube, ganz selten mal in meinem Kühlschrank ist schon okay, zu oft aber lieber nicht.

    • Matze sagt:

      Da ich ja im Allgemeinen kein Anhänger der Monokultur bin, freue ich mich jetzt tatsächlich auch mal wieder auf etwas anderes 😉 . (Okay, 39 verschiedene Silvaner stehen hier noch, wird also Rückfälle geben…)

  2. Thomas Riedl sagt:

    Lieber Matthias,

    ganz herzlichen Dank für diese großartige Silvaner-Schau 2021 und das tolle Finale!
    Auch Kerstin Laufers Vater Dieter macht gute Weine im Bimbacher Schlossgarten. Diese Lage habe ich 2017 kennengelernt durch den großartigen Tipp eines Würzburger Weinseminaristen. Er empfahl mir den 2015er Silvaner aus der Lage, den Dieter Laufer bis heute in seiner Linie „geistReich – grosses Franken“ erzeugt. Tolles Silvaner-Kino auf GG-Niveau für 8.00 Euro!!! Wenngleich leider nicht biologisch erzeugt, was mir auch zum höheren Preis lieber wäre.

    Völlig neu für mich ist der Rücker Schalk. Klasse! Danke danke danke 😉
    Deine Photos finde ich auch immer wieder prima, weil lehrreich und wirklich illustrierend. Selber habe ich viel zu wenig Zeit, um durch die Lande zu fahren, die Lagen in Augenschein zu nehmen und dann mitten im Wald in den Kronsberg zu stolpern.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Spaß bei Deinen Recherchen und Berichten!

    • Matze sagt:

      Ja, das Weingut Laufer (und jetzt natürlich besonders die KL-Linie von Kerstin) ist, wie ich festgestellt habe, wirklich recht bekannt in der Region. Vor allem in Richtung Bamberg, sie sind ja eines der wenigen Güter, das auch in Oberfranken Wein anbaut. Unterhaider Röthla, ich werde noch berichten 😉 .

      Den Rücker Schalk hatte ich ganz per Zufall kennengelernt, weil Benedikt Baltes da einen sehr interessanten Spätburgunder hergeholt hat. Die Parzelle hat mittlerweile das Weingut Giegerich übernommen. Also nur für den Fall, dass dir auch mal nach ein bisschen Abwechslung ist… 😉

  3. Pingback: Natürlicher Dienstag # 111 - Sylvaner Handwein - Chez MatzeChez Matze

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.