Best of Gold 2020 – Frankenwein lupenrein in Würzburg

Best of Gold Frankenwein Verkostung

Am Abend stand der große Horst Sauer auf der Bühne und hatte sich gerade zum dreizehnten oder vierzehnten Mal den Ceratit Nodosus abgeholt, die Trophäe für den besten Frankenwein seiner Kategorie beim Best of Gold. Da nutzte Moderatorin Klara Zehnder die gute Gelegenheit, ihn nach seinem Erfolgsrezept zu fragen. So nach dem Motto: „Sie gewinnen immer. Warum?“ Horst Sauer hätte jetzt etwas vom einmaligen Terroir erzählen können, von seinen einmaligen Meisterhänden im Keller oder auch eine Antwort geben nach dem Motto „euch Nasen werde ich das ausgerechnet verraten“. Stattdessen vergingen einige Sekunden, in denen er sichtlich nichts Wohlfeiles hinausposaunen wollte. In denen er offenbar über die Trauben nachdachte, die in seinen Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen steckten. Den seltensten, edelsten, hochwertigsten, risikoreichsten und derzeit unmodischsten Weinen. Dann sprach er ein paar Sätze, in denen die Worte Glück und Geduld und Demut vor der Natur vorkamen. So sind sie, die Franken.

Fossilien für alle!

Silvaner Frankenwein

Letztes Jahr war ich das erste Mal beim Best of Gold dabei (hier der Bericht), aber da war die Welt noch eine andere. Im letztjährigen Artikel hatte ich auch geschrieben, was das Best of Gold ist und wie die Verkostung funktioniert, weshalb ich mir das im Detail hier sparen möchte. Die Protagonisten auf organisatorischer Seite sind dabei ebenfalls dieselben geblieben, nämlich das Team vom Fränkischen Weinbauverband mit Veranstaltungschef Andreas Göpfert. Vor Beginn der Veranstaltung auf der Würzburger Steinburg konnte Fachberater Hermann Mengler noch verkünden, dass es – eher als Fortschreibungstendenz und nicht nur wegen Corona – diesmal einen Teilnehmerrekord gegeben hatte: 418 Weine durften wir verkosten, um nachher die zehn Siegerweine herauszufinden. Ober auf dem Foto übrigens Silvanerreben im Würzburger Stein, habt ihr natürlich sofort erkannt.

Die große Frankenwein-Leistungsschau

Seit den frühesten Morgenstunden schlürften, spuckten und notierten wir Weinbewerter also vor uns hin. Am Vormittag gab es die Vorrunde, und da fiel in „meiner“ Kategorie, den Premium-Silvanern, schon auf, dass das Niveau des Jahrgangs 2019 beeindruckend hoch ist. Vier Favoriten hatte ich dabei notiert, beziehungsweise deren Nummern, denn es handelte sich ja um eine reine Blindverkostung. Nach dem Ende der Veranstaltung durften wir dann unsere Nummern in einer Liste nachschauen lassen. Ich möchte euch deshalb nicht verheimlichen, dass ich blind ausgewählt hätte:

  • den Escherndorfer Lump vom Weingut Rainer Sauer
  • den Escherndorfer Lump S vom Weingut Horst Sauer
  • den Randersackerer Marsberg vom Weingut Störrlein-Krenig und
  • den Sander Kronberg vom Weingut A & E Rippstein.

Letzteren fand ich vor allem deshalb interessant, weil er noch unfertig, phenolisch, sichtlich anders daherkam als die feinen, fast grazilen Vertreter vom Muschelkalk. Und schließlich war es auch nur der Rippstein-Silvaner, der es nachher unter die Top 4 schaffte. Aber das ist das Schicksal eines demokratischen und vielleicht auch leicht übertemperierten Auswahlprozesses.

Auszählung

Nachmittags ging es nämlich erst ins Semifinale und schließlich ins Finale. Weil alles am selben Tag stattfand, wurde auch die Auswertung in Windeseile durchgeführt. Oben ein heimlicher Blick ins Herz des Datenzentrums.

Nur strahlende Sieger heute

Preisverleihung Best of Gold 2020

Da die Best of Gold-Veranstaltung aus Corona-Gründen unter einer bestimmten Teilnehmerzahl bleiben musste, waren zur Preisverleihung ausschließlich die Sieger/innen geladen. Das hatte automatisch zur Folge, dass es nur Jubel, Trubel und Heiterkeit auf der Bühne gab und keinen mies gelaunten zweitplatzierten Starwinzer, dem der schlaffe Nachbar das Fossil vor der Nase weggeschnappt hatte. Für alle, die ausschließlich an Ergebnissen interessiert sind, die Frankenwein-Werber/innen haben netterweise die Top 4 jeder Kategorie in ihrer Liste aufgeführt.

Dabei gab es durchaus einige Überraschungen – für mich jedenfalls. Gut, Horst Sauer bei den Süßweinen, Daniel Sauer (Foto oben) beim Gutssilvaner oder Andrea Wirsching mit dem Premium-Riesling gehören eher nicht dazu. Das Weingut Dereser aus Stammheim hingegen, das mit einem Muskateller gewann und darüber hinaus in nicht weniger als drei anderen Kategorien unter die Top 4 kam, hatte ich vorher noch überhaupt nicht auf dem Schirm. Eine ganz starke Leistung auf jeden Fall.

Siegerwein Rippstein Silvaner

Bei den Premium-Silvanern hatte ich persönlich tatsächlich auch den Stammheimer Eselsberg vom Weingut Dereser vorn gesehen, aber gewonnen hat dann ein anderer Wein mit Tierbezug. Es handelt sich um den Silvaner aus dem Wiebelsberger Dachs vom schon oben erwähnten Weingut A & E Rippstein. Das Weingut befindet sich in Sand am Main, also ganz im Nordosten des fränkischen Weinbaugebiets. Kaum jemand außerhalb der Region kennt die Lagen dort. Ich fand es deshalb sehr interessant, mich länger mit dem Preisträger Mathias Rippstein zu unterhalten. Er war früher hochdekorierter und weitgereister Sommelier, übernahm dann den Hof der Eltern mit einer großen Bio-Landwirtschaft und einem kleinen Weinbereich. Wahrscheinlich ist das aber alles eine eigene Geschichte wert, und die wird kommen, ich verspreche es.

Hausbesuch I – Zehnthof Weickert

Zehnthof Weickert

Nun aber zu Teil 2 der Best of Gold-Geschichte, dem Frankenwein auf der Spur, gern auch bezeichnet als das Vergnügen nach dem langen Arbeitstag vorher. Im letzten Jahr, ich erinnere mich gern, ging es erst zur GWF nach Kitzingen-Repperndorf und dann zum Power-Duo-Weingut Meier Schmidt ins mittelfränkische Weinparadies.

Diesmal sind wir in Sommerach zu Gast bei drei unterschiedlichen Weingütern. Zuerst geht es für unsere Gruppe zum Zehnthof Weickert. Tobias Weickert hat schon eine ganze Reihe von Ceratiten mit nach Hause genommen, und das vor allem mit einem einfachen Trick, der gar keiner ist: der Konzentration auf Scheurebe. 22% der Rebfläche der Weickerts entfallen auf diese Rebsorte, zusammen mit Traminer und Bacchus sind es gar 35% an Aromasorten. Allein vier trockene Lagen-Scheureben gibt es auf der Liste, das nenne ich doch mal ein konsequent ausgelebtes Alleinstellungsmerkmal.

Hausbesuch II – Winzer Sommerach

Winzer Sommerach

Zweite Station: Winzer Sommerach. Ich persönlich finde Genossenschaften ja immer sehr spannend. Und zwar wegen des ursprünglich zugrunde liegenden Prinzips, dass auf diese Weise auch Nebenerwerbs- und Kleinwinzer weiterhin Ertragsweinbau betreiben können. Nun haben sich die Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit natürlich verändert, und viele Genossenschaften stehen bereits jetzt vor großen Herausforderungen. Wie die Sommeracher damit umgehen, erläuterte uns Geschäftsführer Frank Dietrich. Was mir schon vorher positiv aufgefallen war: Die Sommeracher drucken bei ihren Weinen immer die Namen der Winzerfamilien auf das Etikett, deren Trauben für den jeweiligen Wein verwendet wurden. Bei manchen besonderen Weinen sind es sogar nur ein oder zwei Namen, die dort stehen. Ich finde, das ist sichtbare Wertschätzung auf ganz simple, aber wirksame Art.

Kellermeister Stefan Gerhard konnte schon am Vortag den Ceratiten für seinen trockenen Riesling Kabinett mitnehmen. Interessant fand ich auch die Verkostung von vier kleinen Vertikalen der Spitzenweine der Genossen. Meine persönliche Meinung, egal ob Silvaner oder Weißburgunder: Die 2015er stehen im Moment ganz oben. Das ist genau die richtige Mischung zwischen Flaschenreife und Spannung. Zu stark ins Tertiäre sollte es nicht gehen, und zu jung fehlt noch etwas die Harmonie.

Hausbesuch III – Richard Östreicher

Östreicher Referenzen Burgund

Sicher keinerlei Sorten wegen des Reifepotenzials muss man sich bei den Weinen des Weinguts machen, das als dritte Station auf unserer Liste stand. Richard Östreicher und seine Frau Kerstin führen nämlich einen kleinen Betrieb, der unter Frankenwein-Freaks einen gewissen Kultstatus genießt. Und zwar vor allem deshalb, weil hier nicht die Primärfrucht im Vordergrund steht, sondern die Struktur. Ein ganz klein bisschen kann man sich das schon denken, wenn man in der Verkostungsstube herumschaut und die Referenzen auf dem Foto oben entdeckt. Ich weiß, dass es gelegentlich nervt, wenn jeder Nicht-Primärfrucht-Spätburgunder-Winzer in Deutschland gleich mit dem original Burgund und irgendwelchen Premiers und Grands Crus in Verbindung gebracht wird. Aber hier ist das so offensichtlich… Meursault-Klone im Chardonnay Rossbach, entsprechende Fässer im Keller, Spontangärung, BSA, Bâtonnage, no Restzucker, das genügt doch eigentlich als Beweis.

Weingut Richard Östreicher

Aber, und deshalb ist das hier nicht burgundisches Burgund, sondern burgundisches Franken, das Terroir ist natürlich ein ganz anderes. Rechts seht ihr das Luftbild von der Sommeracher Weininsel. Was man nur beim genauen Hinzoomen erkennen kann, sind die kleinen, rot markierten Parzellen. Dort haben die Östreichers ihre Reben. Das Weingesetz von 1971 hat den ganzen Schwung dort als Katzenkopf definiert, auch wenn Bodenverhältnisse, Höhenlage und Exposition unterschiedlich sind. Deshalb besitzen die Östreicher-Weine die alten, präziseren Gewannnamen. Augustbaum, Rosen, Rossbach, Hölzlein. Nur im Einstiegsbereich wird ein bisschen lagencuvetiert. Das betrifft zum Beispiel den Silvaner Dettelbacher Honigberg, den ich kürzlich im Natürlichen Dienstag beschrieben habe. In jedem Fall eine Pflichtadresse in Sommerach, ganz klar.

Nach dem Gold ist vor dem Gold

Regen Würzburger Stein

Zeit für ein kleines Resümee, sprich meine Erkenntnisse in Bulletpoints gegossen.

  • Der Jahrgang 2019 ist vielversprechend.
  • Frankenwein passt super zum Essen, gerade trockener Silvaner. Das wissen viele, nur müssen sie das gute Zeug dann auch kaufen.
  • Sommerach ist schnuckelig und sehenswert und interessant. Nicht dass die mainfränkischen Weinorte unter Besuchermangel leiden würden, aber ich persönlich bin eigentlich zu selten dort.
  • Es sieht in vielen Weinbergen richtig trocken aus. Zum Glück zieht gerade ein Regengebiet herbei, als ich nach dem Ende der zwei Tage Best of Gold den Würzburger Stein wieder erreiche.
  • Das Best of Gold war wieder mal picobello organisiert, und wir Tester haben alle davon profitiert. Vielen Dank dafür nochmal!
  • Ebenfalls picobello waren die angestellten Weine, die ich getestet habe. Sauber, frisch, gehaltvoll. Allerdings hatte ich keinen einzigen Silvaner mit echten Ecken und Kanten im Glas (wobei ich nicht in der Gruppe mit den 2018ern war). Ich ganz persönlich hätte mir ein paar von diesen Exemplaren gewünscht, weil ein solcher Wettbewerb ja eigentlich alles abbilden sollte, was Franken so zu bieten hat. Mir ist aber auch bewusst, dass gerade bei einer Frankenwein-Blindprobe mit „Gemeinschaftsnoten“ derartige Versionen einen schweren Stand haben. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann einmal eine Kategorie à la all that crazy stuff…
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2 Kommentare zu Best of Gold 2020 – Frankenwein lupenrein in Würzburg

  1. Thomas Riedl sagt:

    Hallo Matthias,

    danke für den interessanten Artikel und den verlinkten Hinweis auf die Siegerliste.
    Was ich in dieser Liste der Siegerweine nicht verstehe: Es gibt zwei Gruppen SIlvaner in der Kategorie „Echt fränkisch“ – trockene Weißweine, max. 12,5 % vol. vorhandener Alkohol.
    Was ist der Unterschied zwischen beiden Gruppen? Weißt Du das?

    Das Weingut Dereser hat auch in Vorjahren schon mehrfach mit vorne gelegen. Und auch A. & E. Rippstein hat ebenso wie Burrlein mehrere Siegerkandidaten aufzuweisen. Beeindruckender Auftritt dieser drei Güter, oder?
    Getrunken habe ich vor Jahren nur mal Weine von Burrlein. Die waren nett, günstig aber glatt.
    Was passiert da gerade aus Deiner Kenntnis? Generationswechsel? Stilwechsel?

    Schönen Gruß

    Thomas

    • Matze sagt:

      Danke für den Hinweis! Da hatten sie in der Pressemeldung offenbar eine Zwischenzeile vergessen. Die erste Kategorie Silvaner ist wie von dir beschrieben, die zweite Kategorie betraf solche über 12,5 vol%.

      Was Dereser anbelangt, ja, Generationenwechsel, schöne Kollektion. Bei Burrlein kann ich es dir leider nicht genau sagen, ich habe die Weine auch nicht bewusst probiert…

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