Rosé aus Frankreich von Nord nach Süd

Rosé Frankreich

[In Kooperation mit Vinergie] Ich habe gestern mal meine Fotos durchgeschaut nach Motiven, die für mich typisch französisch aussehen. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele (ehrlich gesagt ziemlich positive) Assoziationen es so gibt, die mit Frankreich zu tun haben. Die »Ente« sprich 2CV gehört dazu, alternativ vielleicht auch der R4, den mein Onkel fuhr. Die Mode, die Kunst, das Bukolische selbstverständlich, Weinlandschaft, Olivenöl, schmackhaftes Essen. Schlicht das gute Leben. Und der Rosé mit seinen vielen verschiedenen Farbschattierungen und Flaschenformen, der an nichts anderes erinnert als daran, am liebsten morgen schon wieder hinzufahren nach la douce France. Deshalb möchte ich euch den Rosé ein bisschen gezielter näherbringen – mit vier Weinen von vier Herstellern aus vier französischen Regionen.

Rosé, wohin man schaut…

Rosé Frankreich Supermarkt

Geht man heute in einen französischen Supermarkt, gibt es dort eine überwältigende Zahl an Roséweinen – aus heimischer Produktion, versteht sich. Beinahe jeder dritte in Frankreich konsumierte Wein ist mittlerweile ein Rosé. Das ist ein Anstieg um über 50% in den vergangenen 15 Jahren. Dabei ist der Roséwein gar keine modische Neuerscheinung. In antiken Zeiten bis teilweise ins 20. Jahrhundert hinein wurde Wein selten sortenrein angebaut oder abgefüllt. Die Herkunft war wichtig, also ob es ein Falerner war, einer aus Caecubum oder Raeticum, aber die Farbe variierte zuweilen bei derartigen Mischsätzen. Der erste wirklich berühmte Rosé war eigentlich der Clairet aus Bordeaux. Gedacht als Rotwein, aber durch die kurze Zeit auf der Maische sehr licht ausgefallen, wurde er umso beliebter gerade in England.

Heute sind farbkräftige Rosés wie der Clairet oder auch der Tavel von der Südrhône eher die Ausnahme. Der modernen Legende nach war es Régine Sumeire von Château Barbeyrolles in der Provence, die 1985 zum ersten Mal dunkle Trauben direkt nach der Ernte presste und dadurch einen derart hellfarbigen Wein erhielt, dass sie ihn »Pétale de Rose« nannte – Rosen(blüten)blatt. Nun zieht die Provence als Herkunft von allen möglichen Dingen immer, Rosenblatt klingt auch schön, die zarte Farbe suggeriert Leichtigkeit und Sommer. Aber es kam noch etwas dazu: In den Provence-Appellationen hat man nämlich beschlossen, keine Standard-Flaschenform vorzuschreiben. Der Kreativität, der Individualität, der Schmuckstück-Haftigkeit sind damit keine Grenzen gesetzt.

Bailly-Lapierre – die nördlichen Burgunder

Bailly-Lapierre Burgund Saint-Bris

Beginnen möchte ich unsere kleine Tour de France aber ganz woanders – in einem Landstrich, der nun wirklich überhaupt nicht mit Rosé in Verbindung gebracht wird. Die Kooperative Bailly-Lapierre befindet sich nämlich im reizenden 1.000 Einwohner-Dorf Saint-Bris-le-Vineux in der Nähe von Chablis. Schlau wie die Genossen sind, haben sie erkannt, dass man in ihrem Klima ganz ausgezeichnete Schaumweine herstellen kann. Mit anderen Worten: Bailly-Lapierre, das bedeutet Crémant de Bourgogne. Für ihre insgesamt 13 Crémants verwenden die Burgundwinzer alle Rebsorten der Region, von den aus der Champagne bekannten Pinot Noir und Chardonnay über den weißen Aligoté bis – etwas überraschend für mich – den roten Gamay.

Rosé Brut Vive-la-Joie

Rosé Brut Bailly-Lapierre

Je nach Jahrgang etwa 15-20% Gamay stecken im rosa Schäumer »Vive la Joie«, von dem wir auf der WineParis den aktuellen Jahrgang 2022 probieren. Der Rest, sprich der Löwenanteil, ist Pinot Noir. Geschäftsführer und Kellermeister Sylvain Martinand erklärt, dass die Rebsorten aber nicht das Wichtigste seien beim Crémant. Schließlich gibt es für den Grundwein noch die Zweitgärung in der Flasche und ein nicht unbeträchtliches Hefelager von mindestens 24 Monaten, das manchmal auch deutlich länger dauern kann.

Die Geschmeidigkeit und Weinigkeit ist es dann auch, die mich bei diesem Wein begeistert. Ich schmecke Erdbeere und Süßkirsche, die Perlage ist ganz fein und elegant, der Schäumer ungemein ausgewogen und dennoch frisch. 12 vol% gibt es hier nur, aber viel schöne Frucht. Ehrlich gesagt müsste man sich fast ein »Steigle« davon mitnehmen, wie man hierzulande sagt. Für alle möglichen Gelegenheiten. Ich sehe, dass es den Vive-la-Joie Brut Rosé bei Jacques für 23,50 € gibt. Oder sagen wir, er kommt hoffentlich bald wieder rein. Das ist zwar kein Super-Schnäppchen, aber glaubt mir, ein wirklich sehr sehr schöner Wein…

Marrenon – mein Erstweinerlebnis

Marrenon Ventoux

Weiter geht es in Frankreich die Autobahn zur Sonne weit nach Süden. Hinter dem Mont Ventoux biegen wir in Richtung Aix-en-Provence ab und sind dann bald im Naturpark Luberon. Hier war es, da Peter Mayle sein Jahr in der Provence beschrieben und damit den ganzen Provence-Craze so richtig ausgelöst hat. Administrativ gehört der Luberon und damit auch die Kooperative Marrenon in La Tour d’Aigues allerdings noch nicht zur Provence, sondern zur südlichen Rhône.

Interessanterweise habe ich eine ganz besondere Beziehung zu Marrenon, von der die Genossen selbstverständlich nichts ahnen. Ihr wisst ja vielleicht, dass ich Geograph bin. Für meine Diplomarbeit war ich damals ohne wirkliche Französischkenntnisse an die Südrhône gereist, um die Altstadt von Carpentras zu kartieren. Das war auch der Startschuss für mein erstes Weininteresse, denn es wurde früh dunkel, das Zimmer im Berufsschulwohnheim war karg und die Weinvielfalt im Intermarché verlockend. Als ich dort einkaufte, wurde gerade Wein von Marrenon angeliefert (damals hießen sie noch anders). Eine ganze Palette, ein frisch abgefüllter heller Rotwein, günstig zu erwerben – und absolut köstlich. So hatte ich mir das vorgestellt! Ich kaufte den Wein mehrmals nach wie auch andere Kunden, die Palette war innerhalb von vier Tagen leergeräumt.

Weil mich das so begeistert hatte, löste ich in der Badewanne das Etikett von der Flasche. Auf die Rückseite schrieb ich meine allererste Weinkritik und vergab meine allerersten Punkte. Sie lautete: »trocken, leicht, sehr preiswert, 1-2.« Das ist mittlerweile 30 Jahre her. Das Etikett habe ich immer noch, ihr könnt es oben bewundern. Vollkommen logisch also, dass ich unbedingt einen Rosé von Marrenon in meinen Artikel packen musste.

Rosé Petula – Luberon

Rosé Petula Marrenon

Bei der WineParis probiere ich mich mit Exportleiter Julien Di Matteo durch das Programm. Meine Wahl fällt auf den Rosé links, »Petula«. Das klingt doch verdächtig nach Régine Sumeires »Pétale«, aber natürlich ist der Hintergrund ein ganz anderer. Petula Garcia war nämlich eine vermögende Brasilianerin, die im Jahr 1966 ein Forsthaus namens Marrenon mitten im Luberon erbte. Dort lud sie Freunde aus aller Welt ein und beauftragte die lokalen Winzer, einen Wein für sie herzustellen, den sie mit »Marrenon« signierte. Quasi als Hommage an die Frau und ihre Taten heißen die Genossen von La Tour d’Aigues heute Marrenon und der Wein Petula. Ganz einfach.

Petula der Rosé besteht aus 95% Syrah mit einem kleinen Anteil an Grenache und stammt aus einer Einzellage. Direkt gepresst, neutral vergoren und nach vier Monaten auf der Feinhefe abgefüllt, ist das ein erstaunlich fruchtbetontes Exemplar. Ich schmecke neben der üblichen Erdbeere viel Pfirsich und Melone, Cavaillon-Melone natürlich. Das ist schmeichelnd und fein und ausgesprochen gut begleitend. Online gibt es den Petula zum Beispiel bei Bruno für 12 € ([email protected]).

Estandon – Provence zu allen Jahreszeiten

Var Provence Winter

Dritter Rosé-Ort und nicht allzu weit vom zweiten entfernt. Vor zwei Jahren hatte ich den Besuch der Millésime Bio in Montpellier dazu genutzt, mich Ende Januar ein wenig im Süden Frankreichs umzuschauen. Im Zentrum stand dabei die Mimosenblüte an der Côte d’Azur und die Oursinade in der Nähe von Marseille, aber ein wenig Var-Provence passte auch noch ins Programm. Das ist die Gegend, in der die Kooperative Estandon ihre Rosé-Weine erzeugt, genauer gesagt im Ort Brignoles. Jetzt im Winter besaßen die Rebstöcke natürlich keine Blätter. Aber es gab die ersten Blüten im Weinberg, auf den Märkten frische Zitrusfrüchte – und das Licht, die Sonne! Wenn man sich nicht gerade ein ungeheiztes Kellerzimmer aussucht, ist die Provence auch im Winter ein wunderbares und garantiert nicht überlaufenes Reiseziel.

Rosé Lumière – Coteaux Varois en Provence

Rosé Lumière Estandon

Bei Estandon dreht sich alles um den Rosé. Chefönologin Catherine Huguenin berichtet mir, dass mittlerweile 93% der gesamten Produktion auf die beeindruckende Vielfalt von Roséweinen entfällt. Im Export werden es dann gar 99%. 13 Stillweine und einen Schäumer habe ich in Paris probieren können, von frisch-fruchtigen über geschmeidige bis hin zu eindrucksvollen Exemplaren wie den »Ceux de 1906«, die mit Malolaktik und neuem Barrique spielen. Das »chou-chou« von Catherine und Exportleiter Alexandre heißt übrigens Impressions und stammt vom Fuß des mythischen Bergs Sainte-Victoire.

Ich habe mich hier aber für die Cuvée »Lumière« entschieden. Beim Öffnen fallen mir gleich zwei Dinge auf, denen viele Weingüter gar keine Beachtung schenken, die je nach Kundschaft aber nicht unwichtig sind. Zum einen besitzt der Lumière den kunstvoll abgestuften Flaschenboden vom Titelfoto, der sich im Etikett widerspiegelt. Und dann (ja, das gibt es jetzt auch in Frankreich) lässt sich der Wein über den Stelvin Lux+ wunderbar aufschrauben mit einer ganz anderen Haptik als bei billigen Schraubern.

Aber zum Inhalt: Der Lumière besteht aus den klassischen Rebsorten des Südens, namentlich Grenache, Cinsault und Syrah. Im Direktvergleich mit dem Marrenon davor ist dieser Rosé weniger fruchtbetont und mehr würzig-strukturiert mit Frische. Welchen ich lieber mag, kann ich gar nicht sagen, das könnt ihr auch selbst ausprobieren. Der Lumière jedenfalls würde blind ganz eindeutig als Weißwein durchgehen, sehr reintönig, frühsommerhaft, die kühle Nachtbrise wirkt noch mit hinein. Zum Glück gibt es ihn bei einer ganzen Reihe von Online-Shops, bei Wein-Moment, Wein & Mehr, AixVinum, der Weingesellschaft, Casa Molina oder dem Weinhaus Süd. Soll heißen: Das ist eine echte Erfolgsgeschichte. Der Preis liegt dabei zwischen 9,50 € und 11 €.

Plaimont – Feels like Homecoming

Plaimont Sud-Ouest

Zum Schluss geht es in Frankreichs Südwesten, und das nicht nur virtuell. Ich war ja letzten Sommer bei Plaimont im Département Gers und habe unglaublich viele tolle Momente dort mitgenommen. Klickt ruhig auf den Link, er führt zu meinem Reisebericht. Seitdem habe ich die Plaimont’ler schon auf mehreren Messen getroffen, und irgendwie fühlt es sich mittlerweile ein wenig an wie Homecoming. Plaimont ist dort in der Region der größte Arbeitgeber mit einer entsprechenden Verantwortung für das dünn besiedelte und extrem ländliche Umland. Ich finde es faszinierend, wie vielfältig sich die Genossen engagieren, sei es beim internationalen Jazzfestival von Marciac, bei der Weinschule oder bei einer Senioreneinrichtung für ehemalige Winzer:innen.

Rosé d’Enfer – Saint Mont

Rosé d'Enfer Plaimont

Besonders bekannt ist Plaimont aber für ihre Forschung zu alten Rebsorten geworden. Selbst mit zwei wurzelechten Parzellen aus dem 19. Jahrhundert ausgestattet, haben sie dabei Rebsorten wiederentdeckt, die als verschollen galten. Forschungsleiterin Elodie Gassiolle, die ihr rechts auf dem Foto sehen könnt, scheut dabei nicht davor zurück, wilde Weinreben aus dem dicht bewachsenen Wald zu untersuchen. Plaimonts neuester Coup ist die alte, spät reifende und alkoholarme Rebsorte Tardif, ideal für Klimawandel und veränderte Trinkgewohnheiten.

A propos Trinkgewohntheit, da stehen Roséweine natürlich weiterhin hoch im Kurs. Nicht unbedingt eine uralte Tradition des Südwestens, aber Plaimont kann auch damit punkten. Unter anderem mit dem »Rosé d’Enfer« und seinem Teufelsetikett auf der Innenseite. Er ist farblich noch heller als die Provence-Rosés, und Olivier sagte mir, dass es sich wegen der kurzen Mazerationszeit fast um einen Blanc de Noirs handeln würde. Fast.

Das Besondere an diesem Rosé ist zudem seine wichtigste Rebsorte, der Pinenc. Auch als Fer Servadou bekannt, ist das bestimmt nichts, was Gelegenheitstrinkern schon einmal untergekommen ist. Im Rosé d’Enfer sorgt diese alte autochthone Sorte aber für eine herrlich pikante Frische mit johannesbeeriger Frucht, die ich fast atlantisch nennen möchte. Mit 11,5 vol% auch vom Alkohol her richtig schlank, ist das wirklich ein fantastischer Begleiter zu Fisch und Meeresfrüchten. Der Preis erscheint ebenfalls sehr verlockend, das haben ja die Südwest-Weine häufig an sich. Bei Raible könnt ihr noch den 2023er für 7,90 € bekommen (da funktioniert sicher auch ein bisschen Reife gut), bei Lucies Laden gibt es ihn frisch für 8 €.

Urlaubsküche zum Rosé

Essen zum Rosé

Mit meiner Meeresfruchtempfehlung zum Rosé d’Enfer hatte ich ja schon ein bisschen die Richtung vorgegeben. Denn: Natürlich kann man einen französischen Rosé ganz ausgezeichnet solo auf der Terrasse nur zum Sonnenuntergang trinken. Aber als Speisenbegleiter finde ich ihn häufig noch viel interessanter. Aus gegebenem Anlass habe ich euch hier ein paar Anregungen aus der Freiluftküche mitgebracht. Seit vielen Jahren fahren wir nämlich immer wieder in den nördlichsten Zipfel der Provence – oder den südlichsten von Rhône-Alpes. Was man dort alles machen kann, davon könnt ihr hier lesen. Letzten Frühherbst waren wir schließlich auch in Grignan, haben Märkte und Trüffelzüchter besucht und den vielen Katzen beim abendlichen Stelldichein zugeschaut.

Was dabei immer eine wichtige Rolle spielt, ist supersimples Essen auf dem Campingkocher. Oben links seht ihr mich beim Zubereiten von Gemüse, rechts gibt es Paëlla vom Markt-Traiteur, links unten habe ich kleine Tintenfische gebraten und mit Piment d’Espelette bestreut, und rechts ist der Tischgrill einfach mit Zucchinischeiben, Paprika, Pilzen und Venusmuscheln belegt. Dazu gibt es Brot und verschiedene Dips, denn in der französischen Küche gibt ja immer die Sauce den Ton vor. Zu all dem passen die empfohlenen Rosés ganz ausgezeichnet.

Wenn ich alle vier vor mir hätte, würde ich den Vive-la-Joie als Apéro zu Hefecräckern reichen, den Rosé d’Enfer für die maritime Vorspeise mit Muscheln und Zucchini, den Lumière zum würzig-olivenölgeprägten Tintenfisch und Petula zur (nicht zu süßen) Nachspeise mit Pfirsich und Brandteig. Voilà!

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