Weingut Bickel-Stumpf – Silvaner von zwei Terroirs

Bickel-Stumpf Wein Franken

[In Kooperation mit dem Weingut Bickel-Stumpf] Liebe Freundinnen und Freunde der Vielfalt, in diesem Weingut gibt es alles zweimal, und zwar im allerbesten Sinne. Zwei Stammsitze, zwei Terroirs, zwei Große Gewächse, dazu eine Plethora nominell kleinerer Silvaner. Das Weingut Bickel-Stumpf, entstanden durch die Zusammenlegung von Mensch und Materie, ist ganz unzweifelhaft eine der spannendsten Adressen in Franken. Warum? Weil man hier exemplarisch sehen kann, wie unser aller Lieblingsrebsorte Silvaner sich unter identischer Hege und Pflege an zwei unterschiedlichen Standorten auch unterschiedlich äußert. Carmen Bickel ist auf Muschelkalk gewachsen, Reimund Stumpf auf Buntsandstein. Nach ihrer Heirat im Jahr 1976 haben sie alles fusioniert. Und doch blieben die charakterlichen Eigenheiten sämtlich weiter bestehen.

Silvaner-SchauWeingut Bickel-Stumpf – Buntsandstein und Muschelkalk

Mittlerweile (oder doch schon seit einer ganzen Weile) haben Matthias und Manuela Stumpf das Ruder übernommen. In diesem Artikel möchte ich euch fünf Weine von ihnen vorstellen. Vier davon sind Silvaner, was man bei der GROSSEN SILVANER-SCHAU durchaus erwarten kann. Der fünfte Wein stammt aus einem Weinberg, der nach alter Tradition mit verschiedenen Rebsorten im Mischsatz bestockt wurde.

Natürlich gibt es in diesem VDP-Weingut mit seinen insgesamt 15 ha auch sehr schmackhafte Guts- und Ortsweine. Einen davon, den Silvaner Buntsandstein aus Thüngersheim, habe ich euch ja schon im Rahmen der Terroir-Blindschmeck-Probe vorgestellt. An dieser Stelle möchte ich allerdings ein bisschen weiter oben einsteigen: bei den Lagenweinen und den Großen Gewächsen. Macht euch also bereit für die große Bickel-Stumpf-Schau.

Mönchshof und Rothlauf – die Großen Gewächse

Bickel Stumpf GG Silvaner VDP

Thüngersheim und Frickenhausen liegen etwa 35 km auseinander, und da sich mitten zwischen ihnen als Verkehrshindernis die Weinmetropole Würzburg befindet, dauert die Reise doch eine ganze Weile. Wie unterschiedlich die geologischen Rahmenbedingungen sind, könnt ihr sehr gut an den Steinen ersehen, die ich aus den jeweiligen Lagen geklaubt habe. Beim Rothlauf handelt es sich allerdings eher um Buntsandsteinadern im Muschelkalk – das Thüngersheimer Terroir kann nämlich beides.

2017 war (jedenfalls was die beiden Nachfolgejahrgänge anbelangt) ein vergleichsweise kühles Jahr, und diese kühle und zurückhaltende Note merkt man auch beiden Großen Gewächsen an. Allerdings sollte man wissen, dass dies ohnehin der persönliche Stil dieses Weinguts ist. Wer seine Silvaner elegant mag, ist hier also goldrichtig.

Der Rothlauf zeigt sich entsprechend dezent in der Nase, legt am Gaumen dafür aber durchaus los. Es gibt eine kräftige Säure, Fruchtaromen von Orange und Pink Grapefruit sowie ein leicht vanilliges Holz. Das ist ein edler Wein, extrem ernsthaft und erwachsen. Ein Wein, der noch viele Jahre lang Freude bereiten wird. 40 € ab Hof.

Frickenhausen Valentinskapelle

Der Mönchshof stammt aus der gleichnamigen GG-Lage innerhalb des Frickenhäuser Kapellenbergs. Die steileren und wertvolleren Flächen befinden sich seit jeher unterhalb der im Jahr 1699 erbauten Valentinskapelle. Der Mönchshof-Wein zeigt sich momentan in der Nase weitaus reduktiver, fast holzrauchig. Mit ein wenig Luft öffnet er sich langsam, bleibt aber auch am Gaumen eher kräuterwürzig und fruchtbefreit. Das Faszinierende bei diesem Understatement-Ansatz ist, dass man die echte Qualitäten eigentlich erst beim Essen spürt. Zu Flussfisch ist der Mönchshof ein geradezu genialer Begleiter, geschmeidig, nachhaltig, von subtiler Tiefe. Ebenfalls 40 € ab Hof.

Kapellenberg und Johannisberg – zwei Berge, zwei Sprachen

Bickel-Stumpf Lagenwein

Auch unterhalb der Großes Gewächse gibt es interessante Silvaner, was euch schwerlich verwundern dürfte. Ein Grund dafür liegt bereits in der Weinbergsarbeit. Die Trauben für alle Weine werden erheblich im Ertrag reduziert; bei den GGs auf 30-35 hl/ha, bei den Lagenweinen auf 45-55 hl. Und Ertragsreduzierung bedeutet Qualitätssteigerung. Die beiden Lagen-Silvaner werden nicht nur spontanvergoren, sondern anschließend auch im gebrauchten fränkischen Holzfass ausgebaut.

Der Kapellenberg zeigt sich bereits in der Nase ganz typisch muschelkalkig. Zitrisch ist er, apfelig, hell und einfach sehr attraktiv. Auch am Gaumen behält der Wein sein unmittelbar ansprechendes Wesen bei. Vielleicht ist der 2019er Jahrgang auch insgesamt etwas fruchtbetonter als der 2017er. Jedenfalls gibt es hier im Vergleich zum Mönchshof zwar weniger Tiefe und Eleganz, dafür aber einen guten Fluss und das Gefühl von einem Hauch mehr Fruchtsüße. 18 € ab Hof.

Rothlauf

Der Silvaner aus dem Thüngersheimer Johannisberg (oben auf dem Foto seht ihr den Rothlauf) besitzt in der Nase ebenfalls viel Frucht. Ich denke spontan an Pink Grapefruit oder auch an einen kleinen rotbackigen Apfel. Im Mund setzt sich die Saftigkeit fort, aber eben ganz anders als beim Kapellenberg. Hier gibt es weniger Zitrone und grünen Apfel, sondern viel mehr Grapefruit und weißfleischigen Weinbergspfirsich. 18 € ab Hof übrigens. Insgesamt wirkt der Wein stoffiger und weniger frühlingshaft, und es macht wirklich viel Spaß diese beiden Weine einmal direkt miteinander zu vergleichen.

Übrigens: Mir ganz persönlich hat vielleicht der Johannisberg bei den Lagenweinen und der Mönchshof bei den GG eine Nuance besser gefallen als sein jeweiliges Pendant. Aber probiert es doch einmal selbst aus!

Fränkische Tradition – der Mischsatz

Fränkischer Satz Bickel-Stumpf

Zum Schluss möchte ich euch noch mit dem Genossen auf dem oberen Foto bekannt machen. Über die alte fränkische Tradition, viele verschiedene Rebsorten in einer Parzelle zusammen zu pflanzen, zu ernten und weiterzuverarbeiten, habe ich schon jede Menge geschrieben. In früheren Zeiten ging es primär darum, unter schwankenden Bedingungen jedes Jahr eine sichere Ernte einbringen zu können.

Beim Weingut Bickel-Stumpf hat man sich dazu entschlossen, diese Tradition fortzuführen. Allerdings aus Gründen des Respekts und der Authentizität und weniger wegen ökonomischer Zwänge. In der ideal gelegenen Parzelle an der Valentinskapelle haben sie nämlich diesen Mischsatz im Jahr 2007 neu angelegt. Und was ist drin enthalten? Silvaner, Weißer Elbling, Roter Elbling, Riesling Schlangengraben-Selektion, Gelber Muskateller, Gewürztraminer, Goldmuskateller, Weißer Gutedel, Roter Gutedel. Nicht schlecht, oder?

In der Nase macht der Fränkische Satz einen ganz anderen Eindruck als die Silvaner. Viel blütiger, floraler ist er, dazu mit Apfelnoten in allen Farbabstufungen ausgestattet. Auch am Gaumen würde ich behaupten, dass zumindest in diesem Jahrgang eher der Elbling als der Muskateller zum Tragen kommt. Es gibt weißen Pfirsich, Nana-Minze und insgesamt eine präsente Kräuterigkeit. Als einziger der hier vorgestellten Bickel-Stumpf-Weine ist der Mischsatz auch nicht „fränkisch trocken“, sondern hat mit 6 g RZ ein ganz leichtes Zuckerschwänzchen. 19,50 € ab Hof.

Was für mich immer besonders faszinierend ist: Durch die je nach Jahresverlauf mengenmäßig leicht unterschiedliche Komposition ist so ein Gemischter Satz eigentlich das Idealbild eines Jahrgangs. Sofern in der Vinifikation nichts geändert wurde, kann man sich auf diese Weise mit unterschiedlichen Jahrgängen jeden Sommer noch einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Mein Fazit

Bei insgesamt sieben trockenen Silvanern vom Gutswein hinauf zu den großen Gewächsen wird man kaum umhin kommen, das Weingut Bickel-Stumpf als Silvanerspezialisten zu bezeichnen. Zudem habe ich das Gefühl, dass die ganze VDP-Pyramide exakt für solche Weine gedacht ist. Oder vielmehr: Die Weine füllen die Pyramide ideal aus. Auf jeder Stufe erkenne ich, warum es sie gibt. Und ich erkenne auch die Unterschiede zwischen den beiden Terroirs wie im Bilderbuch. Nun ist es nicht notwendigerweise so, dass man fränkische Silvaner als Weiterbildungsobjekte nutzen muss. Man kann sie nämlich auch sehr gut ohne viel Gebaren trinken. Aber wer Spaß daran hat, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, wird bei Bickel-Stumpf gleichzeitig schlauer und glücklicher werden können…

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3 Kommentare zu Weingut Bickel-Stumpf – Silvaner von zwei Terroirs

  1. In der Tat – schön gesagt – Silvaner: „unser aller Lieblingsrebsorte“, so ist es!
    Echten Ritterschlag (Bong!) erhält unsere Trias-Membran aktuell noch von gut profunder Stelle: Master of Wine Romana Echensperger verrät, dass Silvaner aus Franken als ganz persönlicher Lieblings-Hauswein stets griffbereit bei ihr im Kühlschrank weilt (Vinum Juni 2021, Fragebogen S.98). Für unsere Silvaner in Franken hat mich das sehr gefreut! 🙂

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