Die Große Silvaner-Schau 2021

Große Silvaner-Schau 2021Es ist wieder soweit! Draußen grünt und blüht es, Frühling nennt sich das. Höchste Zeit also, auch in diesem Jahr DIE GROSSE SILVANER-SCHAU hier auf dem Blog zu starten. Nicht weniger als 45 Weingüter mit bislang noch nicht durchgezählten Weinen sind diesmal am Start. Und es werden täglich mehr. Das Spektrum reicht dabei vom 5 €-Schnäppchen bis zum 100 €-Monument. Vom blitzsauber-fruchtigen bis zum naturtrüb-schalenvergorenen Exemplar. Was mache ich also damit? Probieren, auswählen, präsentieren, wie ihr das vielleicht schon aus dem letzten Jahr kanntet.

Warum die Große Silvaner-Schau 2021?

Würzburger Stein

Aber warum eigentlich Silvaner? Nun, Silvaner ist für mich eine der vier Rebsorten in Deutschland, mit denen ich zum internationalen Grand Prix antreten würde. In Rot wären das Spätburgunder und Lemberger, und in Weiß selbstverständlich noch der Riesling, der von seinen Charakteristika her das faszinierende Gegenteil des Silvaners darstellt. Riesling besitzt eine ausgeprägte Primärfrucht, eine pikante Säure und findet sein Equilibrium oft mit ein wenig Fruchtsüße. Silvaner hingegen, das Wald- und Erdgewächs, kann bei seiner zurückhaltend-feinen Frucht zu beachtlicher Dichte und Struktur kommen. Milder in der Säure, wenngleich nicht flach (wenn man es gut macht), sind richtig trockene Silvaner einfach die idealen Begleiter für eine große Bandbreite an Speisen.

Dabei werde ich bei der GROSSE SILVANER-SCHAU darauf verzichten, die besten Spargelrezepte von Mutti zu präsentieren. Stattdessen möchte ich ausprobieren, welche Art von Silvaner zu so unterschiedlichen Sachen wie Sushi oder Sichuan-Küche (die mit dem Mala-Gewürz) passen könnte.

A propos ausprobieren: Gerade hier in Franken ist man ja besonders stolz auf die Trias, die geologische Abfolge von Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Aber kann man (oder eher: ich) blind das Gestein erschmecken, auf dem der Silvaner gewachsen ist?

Bock auf Beutel

Bocksbeutel

Die GROSSE SILVANER-SCHAU wird nicht umhin kommen, sich mit den Gestalten auf dem Foto oben zu beschäftigen. So mit ihrer Schlankseite aufgenommen, erkennt man vielleicht gar nicht auf den ersten Blick, dass es sich um Bocksbeutel handelt. Und zwar links um die alte und rechts um die neue Version, intern Bocksbeutel PS genannt. Ist ein Bocksbeutel also hübsch oder hässlich, identitätsstiftend oder alter Ramsch? Befürworter und Gegner werden dabei Argumente auf den Tisch bringen, die raffinierter sind als in jedem Bundestagswahlkampf.

Geheimes in Franken

wurzelechter Rebstock

Was knollt denn da aus dem Boden heraus? Eine Silvanerrebe, ihr könnt es euch denken. Aber aus diesen Reben entsteht ein ganz besonderer Wein, dessen Story ich mir direkt im Weinberg erzählen lasse. Ohnehin wird die GROSSE SILVANER-SCHAU nicht nur aus Würzburger Stein und VDP-Gütern bestehen. Ganz im Gegenteil. Ich bin mir ziemlich sicher, bereits an dieser Stelle eine Garantie über das Vorhandensein etlicher Geheimtipps abgeben zu können. Weingüter, von denen ich vorher noch nichts gehört hatte; verschwiegene Lagen, die man schon im Nachbardorf nicht mehr kennt; einstellige Preise für feine Weine.

Silvaner Sylvaner

Südtirol Wein Pergola

Nein, ihr habt nicht vor lauter Lockdown die neueste Gebirgsfaltung vor eurer Haustür verpasst. Auf dem Foto ist also nicht der Steigerwald abgebildet, sondern es sind in der Tat die Alpen. Es gibt nämlich teilweise sensationelle Silvaner auch außerhalb Frankens. Dort werden sie gern unter ihrer alten Schreibweise mit Y auf den Markt gebracht. Ich spreche von Regionen wie Südtirol, dem Elsass, uralten Reben in der Pfalz und Top-Weinen aus Rheinhessen. Kellers Feuervogel, Odinstals Naturwein, der Praepositus aus dem Eisacktal – alle dabei.

Die Vielfalt in zwei Apothekerfläschchen

Franken Silvaner Castell Schmitt's Kinder

Gestern Abend, Online-Probe der Weingüter Höfler, Castell und Schmitt’s Kinder. Als ob ich’s geahnt hätte, bot der Inhalt der niedlichen Fläschchen, wie man sie sich derzeit zuschickt, einen echten Vorgeschmack auf das, was silvanermäßig möglich ist. Zum Beispiel in Form der Großen Reserve von Schmitt’s Kindern und der ganz frisch abgefüllten 2017er Barriqueversion der Domäne Castell. Die Große Reserve besitzt eine faszinierende Nase nach pikantem Apfelrauchholz, wie ich das bislang nur aus dem Jura kannte. Und der Apriles, der das beurkundete Eintreffen des Silvaners in Castell feiert, kommt mit Schmelz und angelikahaften Gelbfrucht daher.

Wer übrigens an dieser Stelle den zur lieben Gewohnheit gewordenen „Natürlichen Dienstag“ vermisst, auch der versteckt sich in dem einen oder anderen Silvaner.

Jetzt muss ich aber Schluss machen mit den ganzen Vorgeschichten, schließlich will der Kühlschrank befüllt werden. Am Freitag geht es nämlich los mit der Schau.

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8 Kommentare zu Die Große Silvaner-Schau 2021

  1. Uli Teige sagt:

    Schmitts Kinder Yeah!!!

    • Matze sagt:

      Ja, eine echt beeindruckende Kleinflasche. Mir persönlich wäre er in einem kühleren Jahrgang wahrscheinlich noch lieber, aber der ist schon superinteressant. Selektierte Trauben aus dem Marsberg, ein Jahr mit Spontangärung und Vollhefelager im Stückfass, das wirkt charakterbildend 😉

      • Thomas Riedl sagt:

        Charakterbildung durch Vollhefelager im Stückfass!? Da fallen mir einige christdemokratische und christsoziale Herren ein, für die das wohl die letzte Chance wäre.

        Sorry, der musste jetzt sein…

        Ich freue mich auch dieses Jahr auf Deine Entdeckungen und Geschichte, Matthias!

        • Matze sagt:

          Dankeschön, ja, ich bin auch sehr gespannt, was mich erwartet – also silvanermäßig 😉

          Tatsächlich und ganz ohne Quatsch könnte man aber tatsächlich (wenngleich nicht auf diesem Blog) überlegen, wie man Charakter- und Rückgratbildung bei künftigen Entscheidungsträgern positiv beeinflusst. Wenn es nämlich Schmu und Intrigen bereits benötigt, um überhaupt in eine Position mit Verantwortung und Handlungsmacht zu gelangen, müsste man vielleicht schon ein bisschen früher ansetzen… Aber das ist arg off-topic 😉

  2. Bin da richtig gespannt drauf! Verfolge Dienstags-Kolummne schon seit einiger Zeit mit hohem Interesse (und mit Notizbuch bzw. Bookmark). Eine sensationelle Fundgrube. Dank und Lob aus Bamberg! P.S. Bei Interesse: http://www.instagram.com/hausschoppen. Hab das neu begonnen und Silvaner/Franken wird Schwerpunkt sein. Herzlich Grüße! Andreas Schneider

    • Matze sagt:

      Dankeschön, ja, ich bin selbst sehr gespannt! Die meisten Weine, die hier stehen, kenne ich tatsächlich höchstens aus der Literatur (oder von Blindproben wie Best of Gold o.ä., aber da wusste ich ja nicht, was es war). Wie es sich gehört, werde ich jetzt erstmal mit den Gutsweinen anfangen… Und der Insta-Hausschoppen ist angeklickt 😉

      • Wow! Dank dafür, und hohe Ehre! Mein Silvanerglück, das ich zuletzt exciting fand:
        – May: Vdp-Gutswein (2020!)
        – Bausewein: Fass No. 1 (2019)
        – Keuper-Connection: Stollenweine (alle drei 2017er)
        – Weigand: Der Wilde (2020) und Der Echterberg (2017)
        – Scholtens: Steinbacher Nonnenberg Terrassenlage (2016)
        – Störrlein-Krenig: Randersacker Marsberg Alte Reben (2016)
        – Hillabrand: Hüttenheimer Tannenberg Steiler Südhang (2018)
        – Schömig: Am Wengertshäusla (2019)
        – Der trockene Franke: Alte Reben Terrassensteillage Flur-Nr. 966/137 (2015)
        – Kraemer: Taubertäler Landwein Silex (2017)
        Herzlich Grüße aus Bamberg!
        Andreas

        • Matze sagt:

          Das ist in der Tat eine feine Kollektion! Bei mir sind jetzt erstmal die Gutsweine dran. Oder eher: Silvaner zwischen 5 und 10 €.

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