Silvaner-Schau – Newcomer & Durchstarter

Silvaner-Schau Newcomer Durchstarter

Ist es übertrieben zu behaupten, dass Silvaner als Rebsorte ein kleines Revival feiert? Und mit ihm auch Franken als Herkunftsregion? Fast könnte man es denken, denn die Beiträge in Fachmagazinen häufen sich (z.B. vom geschätzten Christoph Raffelt in Meiningers Sommelier), in denen der Silvaner im Allgemeinen und bezüglich seiner gastronomischen Verwendungsbreite im Besonderen gelobt wird. Der Rebflächenanteil geht allerdings Jahr für Jahr leicht zurück. Und wenn später im Herbst die ganzen Weinguides herauskommen, wird der beste trockene Silvaner wieder mit 92 Punkten dastehen – so etwa auf Platz 100 der besten Weine Deutschlands. Lassen wir also ausnahmsweise mal Flächen Flächen und Punkte Punkte sein und kümmern uns lieber darum, was es (einigermaßen) Neues auf dem Silvanermarkt gibt. Denn da tut sich tatsächlich eine Menge. Vorhang auf für die Kategorie Newcomer und Durchstarter!

Was sind Newcomer und Durchstarter?

Silvaner-Schau Chez Matze

Mit Newcomern meine ich Winzerinnen und Winzer, die entweder dem elterlichen Betrieb einen neuen Twist geben, als Angestellte anderer Weingüter ihre ersten eigenen Weine machen oder tatsächlich ein kleines Weingut auf die Schiene gesetzt haben. Durchstarter hingegen sind für mich solche Weingüter, die es zwar schon länger gibt, die aber in der jüngeren Vergangenheit besonders stark aus dem Schatten der Nachbarn herausgetreten sind. Wenn ihr euch das Titelfoto dieses Beitrags anschaut und euch spontan höchstens ein einziges Etikett bekannt vorkommt, dann wisst ihr, in welche Richtung das hier geht.

Es scheint aber noch ein anderes Merkmal zu geben, das meine Newcomer und Durchstarter auszeichnet, und auch das kann man auf dem Foto erahnen. Alle sechs, die heute am Start sind, haben nämlich dem Bocksbeutel als Flaschenform adé gesagt. Ganz offenbar scheint der good old Beutel derzeit (noch?) eine Behäbigkeit auszustrahlen, mit der die coolsten und spannendsten Frankenweine lieber nicht in Verbindung gebracht werden möchten. Preislich liegen wir übrigens bei den ersten fünf  Weinen in der Kategorie 13-19 €. Nur der sechste Wein ist günstiger, ich komme noch dazu.

1. Tom Glass – Untereisenheimer Höll

Untereisenheim Obereisenheim Höll

Tom Glass hat schon für eine ganze Reihe renommierter fränkischer Weingüter gearbeitet. Momentan (wenn ich mich nicht täusche) setzt er seine Expertise dafür ein, das Weingut Baldauf weiter nach vorn zu bringen. Als Produzent eigener Weine hatte ich ihn bislang nicht auf dem Schirm, aber das kann auch an mir liegen. Jedenfalls holt Tom die Trauben für seinen Silvaner aus der Lage Untereisenheimer Höll. Oben auf dem Foto, das ich auf dem Kamm der Vogelsburg oberhalb von Escherndorf gemacht habe, seht ihr erst einmal den Main. In der Mitte liegt Fahr, am linken Bildrand Untereisenheim und am rechten Bildrand Obereisenheim. Dazwischen befindet sich ein Hang auf Muschelkalk, der prinzipiell nach Südosten ausgerichtet ist. Und von dort kommt dieser Wein.

Tom Glass Silvaner Höll Newcomer

1883, der Name dieses Weins, ist nicht etwa das Pflanzjahr der Reben (das wäre in der Tat sensationell), sondern die Bezeichnung für das Flurstück. Geerntet am 31. August im definitiv ungewöhnlichen Weinjahrgang 2018, wurden die Trauben über einen Zeitraum von vier Tagen in einer historischen Korbkelter gepresst. Dass dabei keine primärfruchtige Spaßbrause herauskommt, ist ziemlich logisch. Dicht und ziemlich kompakt zuerst, geht das von der inneren Struktur her fast in Richtung Loire, vielleicht auch wegen des Spiels mit den leicht oxidativen Elementen. Es gibt zwar definitiv Extrakt und Substanz, aber alles in dem Wein ist von einem festen Gerüst gehalten. Ziemlich beeindruckend ehrlich gesagt und gleich mal mein Favorit am ersten Tag.

2. Tobias Winkler – Escherndorfer Fürstenberg

Escherndorf Fürstenberg Lump

Tobias Winkler arbeitet lediglich eine Mainschleife weiter südlich von Untereisenheim, nämlich beim höchst renommierten Weingut Horst Sauer. Ein bisschen (also, wenn man’s weiß) kann man das vielleicht auch an den grafischen Elementen auf dem Etikett erkennen. Der Escherndorfer Fürstenberg, aus dem dieser Wein stammt, umschließt ein wenig den Escherndorfer Lump. Zum Fürstenberg gehört der Teil des Berges zwischen Escherndorf selbst und Köhler, auf den wir hier blicken. Aber auch oben auf der Kuppe rechts von meinem Standort aus ist Fürstenberg-Land.

Tobias Winkler Silvaner Fürstenberg Newcomer

Auch dieser Silvaner stammt aus dem Jahrgang 2018, auch dies ist sozusagen ein Newcomer-Wein. Das PdC auf dem Etikett dürfte für pied de cuve stehen, die althergebrachte Angärmethode. Die Flasche ist schwer, die Ausstattung wertig, und obendrauf sitzt wie bei Tom Glass ein Schrauber. In der Nase nehme ich einen sehr interessanten Ton wahr, der mich stark an frischen Hopfen erinnert. Im Mund bin ich überrascht, dass wir hier 13,5 vol% vor uns haben, noch ein halbes Prozent mehr als bei Tom Glass. Der Wein kommt nämlich nur mit dezenter Kraft daher, denn vorn schwebt eine ganz typische Muschelkalkigkeit mit helleren Tönen. Später kommt noch etwas Cassis dazu. Geschmacklich (wenn man mal seinem Vorurteil folgen mag) ist dies hier der fränkischste Vertreter unter den Newcomern und Durchstartern, ein Silvaner vom Muschelkalk, den man gleich als solchen erkennt. Und ein sehr guter dazu.

3. Rudolf May – Stettener Stein Rossthalberg

Stettener Stein Rossthalberg

Der Rossthalberg ist einer der drei Berge der Lage Stettener Stein, die sich nebeneinander zum Main hin öffnen. Alle drei Berge befindet sich oberhalb einer beeindruckenden Wand aus Muschelkalk. Rudi May, der ja die Lagen seines Heimatortes Retzstadt bekannt gemacht hat, besitzt die Parzelle im Rossthalberg erst seit kurzer Zeit. Vom VDP ist der Rossthalberg übrigens „nur“ als Erste und nicht als Große Lage anerkannt, aber das sollte einen nicht irritieren. Sehr flachgründig ist die Humusauflage, unmittelbar darunter beginnt der Stein. Ein echter Newcomer ist Rudi May natürlich nicht. Aber ich habe den Eindruck, dass sein Weinstil, der von einer kühlen Mineralität geprägt ist, erst im Verlauf der letzten Zeit so richtig für Aufsehen gesorgt hat.

Rudorf May Silvaner Rossthalberg

Der Rossthalberg ist dann auch komplett im May-Stil gehalten. Gut, wir haben es hier mit einem Vertreter des Jahrgangs 2017 zu tun. Jener hatte sich zwar auch schon durch eine bis dato enorm frühe Ernte ausgezeichnet. Aber da wusste man noch nicht, was mit dem Jahrgang 2018 auf Weinfranken zukommen sollte. Farblich und auch in der Nase ist das hier ein sehr heller Wein. Kalkigkeit, helle Birne, fast ein bisschen in Richtung stahliger Chablis, etwas Estragon und andere Küchenkräuter im Hintergrund. Im Mund setzt sich diese vergleichsweise schlanke, aber interessanterweise nicht zu strenge Art fort. Leichtfüßiger bleibt der Wein, ohne jegliche Bemühtheit, allerdings auch mit etwas weniger Tiefe als der Wein von Tom Glass. Dafür ist die Kondition beachtlich: Am vierten Tag (ja, manchmal widmet man sich solchen Weinen ein bisschen intensiver) ist hier noch überhaupt nichts abgefallen, der Wein sogar mein Favorit in der Runde.

4. Laura Seufert – Iphöfer Kalb

Iphofen Julius-Echter-Berg Kronsberg Kalb

Liebe Freundinnen und Freunde gepflegter Logik, jetzt müsst ihr ganz stark sein. Auf dem Foto oben ist die Iphöfer Weinlagen-Trilogie zu sehen, von vorn nach hinten Julius-Echter-Berg, Kronsberg und Kalb. Von letzterem Berg stammt dieser Wein. Kalb bezeichnet dabei nicht eine Kleinkuh, sondern ist der abgeschliffene Begriff für Kahler Berg. Deshalb heißt es auch nicht das Kalb, sondern… die. Die Kalb. Wer das weiß, gehört dazu. Bodentechnisch sind wir hier in der anderen Ecke Frankens, denn Iphofen ist das Zentrum des Gipskeupers.

Laura Seufert Silvaner Kalb Newcomer

Laura Seufert ist zwar irgendwie immer noch eine Newcomer-in, aber eine, die schon ein bisschen für Furore gesorgt hat. Im Jahr 2017 hatte sie nämlich den von der Zeitschrift Vinum ausgelobten Titel Deutscher Riesling Champion mitgenommen. Um Riesling soll es diesmal aber nicht gehen, sondern um einen Silvaner aus der Kalb mit ganz präziser Parzellenangabe auf dem Etikett. Trotz des heißen Jahrgangs und der ebenso bevorzugten Lage bleiben wir auch hier unter 14 vol% – puh. Was den Wein aber so speziell macht, dass man ihn nicht nur unter diesen sechs, sondern vermutlich sogar unter 100 anderen Silvanern herausfinden könnte, das ist sein Duft. Zuerst denke ich an Jasmin, aber im Laufe der Zeit geht es mehr und mehr in Richtung extreme Traubigkeit. Wie ein Biss in ganz frische Trauben, nur eben mit der Nase. Ein bisschen Grip am Gaumen gibt es, dazu eine verblüffend substanzielle Würze und Tiefe. Sehr individuell und wirklich spannend.

5. Christian Ehrlich – Rödelseer Küchenmeister

Rödelsee Küchenmeister

Der Rödelseer Küchenmeister ist der nördliche Nachbar des Iphöfer Julius-Echter-Bergs und damit ebenso klares Keuper-Terroir. Allerdings sind die meisten Parzellen hier nach Westen ausgerichtet, was möglicherweise für ein oder zwei Grad weniger im Weinberg sorgt. Ich hatte Christian Ehrlich zum ersten Mal vor etlichen Jahren auf der BIOFACH getroffen, ein gestandener Newcomer sozusagen. Damit ist dies auch der einzige bio-zertifizierte Wein in der Runde, auch wenn andere da noch nachziehen werden. Aus Drei Zeilen sind bei Christian inzwischen drei Hektar geworden, aber an der Philosophie des Zeitlassens und späten Abfüllens der Weine hat sich nichts geändert.

Drei Zeilen Christian Ehrlich Silvaner Küchenmeister

Deshalb ist der Silvaner aus dem Rödelseer Küchenmeister auch nicht Jahrgang 2018, sondern 2016. Geerntet wurden nur sehr reife Beeren, anschließend Spontangärung und Lagerung auf der Vollhefe im Holzfass bis zur Abfüllung. Heraus kommt dabei ein Typ Wein, der wiederum ganz anders ist als die vier Weine vor ihm. Das ist ehrlich gesagt ziemlich großartig und zeigt die Bandbreite, die der fränkische Silvaner mittlerweile im handwerklichen Bereich aufweisen kann. Ganz gelb ist der Wein, farblich wie aromatisch. Quitte, Salbei, Sanddorn, spürbares Holz, gleichzeitig weicher, cremiger und deutlich würziger, das genaue Gegenteil vom May’schen Rossthalberg. Aber interessanterweise ist auch dieses wieder kein Wein, der durch seine reiche Art unförmig wird. Er wirkt nur eben nicht mineralisch-straff, sondern vielschichtig, würzig und nachhaltig.

6. Noel Scholtens – Steinbacher Nonnenberg Terrassenlage

Steinbach Nonnenberg Franken

Zum Schluss gibt es das vielleicht unbekannteste Weingut mit einem Wein aus der mit Sicherheit unbekanntesten Lage. Es sei denn, ihr habt den Artikel mit den zehn schönsten  Weinlagen Frankens gelesen, dann kennt ihr den Steinbacher Nonnenberg schon. Östlich von Schweinfurt gelegen, blickt man hier von den alten Terrassen aus ins an dieser Stelle weite Maintal. Das Weingut Scholtens mit seiner wirklich entzückenden Weinstube im Stil flandrischer Estaminets befindet sich in Fatschenbrunn, einem kleinen Dorf mitten im nördlichen Steigerwald. Die Scholtens‘ haben in den letzten Jahren ein paar ganz großartige alte Weinberge ihrem Portfolio hinzufügen können. Die Spitze bilden die wurzelechten Sätze im Zeller Schlossberg. Aber auch die Terrassen hier am Main sind weinhistorisch gesehen nicht von schlechten Eltern.

Scholtens Silvaner Terrassenlage Nonnenberg

Die Arbeit, die sich Scholtens-Sohn (und mittlerweile Weingutsinhaber) Noel mit diesen großartigen und unbedingt erhaltenswerten Lagen macht, ist absolut verdienstvoll. Das ist auch der wichtigste Grund, weshalb ich seinen 2016er Silvaner aus dem Steinbacher Nonnenberg hier mit in die Riege der Newcomer aufgenommen habe. Denn eigentlich gehört er nicht ganz in dieselbe Kategorie wie die anderen fünf Weine. Mit 8,50 € ab Hof sind wir hier sowohl preislich als auch qualitativ ein kleines Stüfchen weiter unten. Der Wein ist mit 0,2 g RZ komplett trocken und säurekompakt, was für die Begleitung von Speisen sehr vorteilhaft erscheint. Solo bleibt er aber ziemlich verschlossen und zeigt nur ganz verstohlen ein bisschen Frucht. Aber interessant ist er allemal, und vielleicht sieht der 2018er schon ganz anders aus.

Ein kleines Fazit

Ein kleines Fazit ist schnell gezogen. Wie vermutlich überall sonst in Deutschland und der Welt, bleibt auch in Franken die Zeit nicht stehen. Allerdings haben viele Weingüter hier tatsächlich erst in den 1980er oder gar in den 1990er Jahren mit dem stark hilfsmittelgeprägten Weinbau begonnen. Entsprechend dauert es offenbar wieder eine Generation, bis die Talente nicht nur aus dem Boden sprießen, sondern auch auf dem elterlichen Hof das handwerkliche Kommando übernehmen dürfen. Mittlerweile gibt es dort oder ganz abseits der Hoffolge plötzlich Newcomer-Silvaner in kleiner Auflage, wie sie noch vor zehn Jahren kaum vorgekommen sind. Wie unterschiedlich und wie charakterstark die Interpretationen dabei sind, ist wirklich beeindruckend. Mir persönlich macht die Sache jedenfalls so viel Spaß, dass ich fast dazu neige, noch einmal eine neue Runde mit Newcomern und Freispielern zu starten…

Nur so als Anregung zum Schluss: Vier der sechs Weine habe ich bei Rot Weiß Rosé in Würzburg gekauft, einen bei delikatEssen in Nürnberg und einen beim Weingut direkt.

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15 Kommentare zu Silvaner-Schau – Newcomer & Durchstarter

  1. Du kennst Dich sehr gut aus in Franken – das Lesen dieses Beitrags ist eine wahre Freude!
    Ich werde versuchen, alle Weine zu probieren..

    • Matze sagt:

      Dankeschön! Ich hoffe, die Weine gefallen dir dann auch 😉 . Meine Konzentration auf Franken hat natürlich auch etwas mit Corona zu tun. Ich habe ja seit Monaten die Region praktisch nicht verlassen, was ganz zweifellos nervt. Auch weil ich merke, wie sehr ich mich daran gewöhnt habe, immer mal unterwegs zu sein und wie mir das tatsächlich fehlt. Der Vorteil ist aber, dass ich praktisch keinerlei Ablenkung habe bei der Silvaner-Fokussierung. Letztes Jahr hatte ich enorm viele Silvaner blind bei Wettbewerben probiert und dann nachher immer geschaut, was das war. Jetzt versuche ich mir die interessanteren Weine einfach selbst zu besorgen (nebst Weiterhangeln, Mund-zu-Mund-Propaganda etc.) 😉

  2. Thomas Riedl sagt:

    Hallo Matthias,

    was Du wieder alles ausgräbst, toll!
    Einer unserer gemeinsamen Bonner Weinfreunde scheint aufgrund Deiner Empfehlungen schon Weine besorgt zu haben.
    Ich selber habe Alexandra und Christian Ehrlichs Silvaner aus dem Küchenmeister im Keller. Er wurde anteilig im Tonneau ausgebaut und ist wie der Wein von N. Scholtens sehr günstig. Für so eine Qualität im Glas darf man beim VDP schnell das 1,5-fache zahlen. Ich möchte allen interessierten Leser*innen empfehlen, die 3 Zeilen-Weine eine Weile reifen zu lassen. Sie profitieren aromatisch davon. Ein wirklich toller und ernsthafter Tischwein ist auch der (neu angelegte) Gemischte Satz des Ehepaars Ehrlich. Ich habe im Mai meine letzte Flasche des Jg. 2015 geöffnet und der Wein war wunderbar.
    Familie Scholtens ist zwar nicht bio-zertifiziert, aber die treiben einen Wahnsinnsaufwand für die biologische Diversität in ihren Weinbergen und die Restaurierung alter Terrassenmauern und setzen weder Herbizide noch Insektizide ein.
    Die Stilveränderung bei Rudolf May habe ich auch festgestellt. Die Weine wirken straffer, klarer und mineralischer. Mays machen übrigens im Langenberg auch einen schönen Grauburgunder.

    Ich bin weiter gespannt auf Deine nächsten Teile der großen Silvanerschau und danke Dir herzlich für Deine Mühen und die wieder einmal tollen Bilder.

    Thomas

    PS: Ich kannte nur drei der Etiketten, aber fünf der Lagen. Sprichst Du trotzdem noch mit mir? 😉

    • Matze sagt:

      Thomas, du kennst dich einfach zu gut aus 😉

      Ich finde es interessant zu sehen, dass es zunehmend Silvaner hier in Franken gibt, die wirklich bewusst auf eine gewisse Reifezeit in der Flasche ausgerichtet sind. In der Regel wollen die Leute ja immer den neuesten Jahrgang und sind schon skeptisch, wenn der Vorgänger noch im Regal steht („hast wohl net gut verkauft?“). Und die meisten Weine entsprechen ja auch dem Klischee und werden matt, wenn die Primärfrucht dahin ist. Aber es gibt halt auch welche, bei denen sich erst Holz und Aromatik und Struktur einbinden müssen. Gerade gestern hatte ich einen 2012er aufgemacht (kommt nächste Woche im Blog), tadellos und echt wesentlich harmonischer als im Jungweinstadium…

  3. Bodo sagt:

    Hallo Matthias,
    eine sehr interessante und gelungene Auswahl von Silvanern teils nicht so bekannter Produzenten. 5 der 6 genannten Erzeuger kannte ich bereits, lediglich Tobias Winkler war mir bisher nicht bekannt. Anscheinend überlässt Horst Sauer teilweise sein Traubengut bzw. Weinberge zur Bewirtschaftung an seine Mitarbeiter, die dann die Weine unter eigenem Kabel vertreiben (siehe die Weine von Patek & Bachner). Es bleibt jedenfalls weiter spannend und dynamisch im Frankenlande….

    • Matze sagt:

      Absolut! Tommy Neumeister und seine im Weingut Krämer bereiteten Weine fallen mir gerade noch ein. Ja, ich finde das auch eine tolle Sache, wenn Weinleute auf die Weise die Chance bekommen, ihre Möglichkeiten auszuloten. Das wirft irgendwie auch immer ein gutes Licht auf Chef oder Chefin, oder? 😉

  4. Stefan Krimm sagt:

    Kompliment! Wer diese Güter, kennt sich in Franken wirklich aus. Sehr vergnügliche Lektüre!

  5. Stefan Krimm sagt:

    Pardon, so muss es heißen:
    Kompliment! Wer diese Güter „auf dem Bildschirm hat“, kennt sich in Franken wirklich aus. Sehr vergnügliche Lektüre!

  6. Michael sagt:

    Sehr interessant, wie auch schon die „Weinberge“.
    Hatte ich von denen noch (Erinnerung Verlass mich nicht) 5 gekannt, so von den Winzern /Etiketten zwei, drei schon mal getrunken.
    Und es gibt sicher genug für eine weitere Runde! Die Entwicklung bei Nachwuchswinzern ist in Franken schon fast genauso dynamisch wie in der Pfalz oder Rheinhessen.

    Silvaner wird es weiter schwer haben, sich gegen Riesling durchzusetzen (oder auch gegen Grauburgunder, was ich nun überhaupt nicht verstehe).
    Wobei ich gestern noch einen Bocksbeutel-Silvaner von May auf hatte und vorgestern eine 2009er Schlegelflaschen-Silvaner vom Störrlein. Die Flaschen-Philosophie muss man auch nicht verstehen.

    Die Newcomer / Durchstarter darzustellen, ist natürlich einerseits verdienstvoll und für die Winzer beste Werbung. Andererseits versaut das früher oder später die Preise bzw das PLV.

    Aber grundsätzlich: Sehr positiv!

    Michael

    • Matze sagt:

      Ach, ich glaube, dass es foodkompatible Rebsorten wie Silvaner (oder, warum auch immer 😉 , Grauburgunder) in nächster Zeit gar nicht so schwer haben. Ich mag ja nun auch sehr gern Riesling, habe aber schon von ziemlich vielen Leuten gesagt bekommen, dass sich an Riesling tatsächlich die Geister ein bisschen scheiden, vor allem wegen der oft gleichzeitigen Präsenz von Süße und Säure. Klar wird Silvaner keine Konkurrenz bei Großen Gewächsen oder TBAs, aber bei Trinkweinen sehe ich das ehrlich gesagt ganz positiv.

      Was die Preise anbelangt: Ja, manchmal werden Weine teurer, wenn viele Menschen (positiv) darüber sprechen. Aber manchmal erlauben es höhere Preise den Winzerinnen und Winzern auch, zum ersten Mal An- und Ausbauphilosophien zu verfolgen, an die sie sich nicht herangetraut hätten, würden sie weiter alles für 4,50 € verkaufen müssen. Ist halt immer eine Frage der Balance 😉

  7. Thomas Riedl sagt:

    Abseits des Weins mal Hand auf’s Herz und nix für ungut: Für Deinen CO2-Fußabdruck sind die Reisebeschränkungen genauso das Beste, was passieren konnte, wie für den Fußabdruck von uns allen.
    Eigentlich lese ich lieber Berichte über Weine und Leckereien aus Deiner Region, als Berichte, für die Du tausende von Kilometern geflogen bist. Ich habe 2000 das letzte Mal in einem Flugzeug gesessen und glaube momentan nicht, dass ich es nochmal tun werde. Und zwar ausschließlich aus ökologischen Gründen.

    • Matze sagt:

      Du wirst es mir nachsehen, dass ich dieses Thema hier nicht zur Gänze diskutiere, denn es ist sehr komplex. Ich bin auch sehr dafür, dass man in ökologischer Hinsicht genau abwägt, was man warum tut. Aber pauschal nicht zu reisen, würde bedeuten, viele Formen möglicher Völkerverständigung nicht zuzulassen.

  8. Bodo sagt:

    Neben umweltfreundlichen Aspekten hat Covid19 auch dazu animiert, sich wieder mal in seiner nächsten Umgebung umzuschauen. Letztes Wochende unternahm ich einen kleinen Ausflug zum ältesten Weinberg Frankens (Pflanzjahr 1835), dem Rimbacher Landsknecht, der noch wurzelechten Reben trägt. Leider ein Bild des Jammers, da hier der Frost brutal zugeschlagen hat. Ich hoffe, dass Ottmar Zang auch in 2020 noch ein paar Flaschen von seinem Alten Satz erzeugen kann. In meiner Hauslage Würzburger Abtsleite dagegen sind kaum Frostschäden auszumachen.

    • Matze sagt:

      Ja, das ist lokal extrem unterschiedlich gewesen. Im Taubertal habe ich an einer Stelle gesehen, dass oben am Hang alles kaputt war und unten offenbar der Flussnebel die Reben geschützt hat. Ich hoffe auch, dass es vom Alten Satz in diesem Jahr wieder etwas gibt. Irgendwie ist das ja eine großartig unspektakuläre Parzelle, pures Understatement!

    • Thomas Riedl sagt:

      Hallo Bodo,
      das ist angesichts der historischen und kulturellen Bedeutung dieser Parzelle wirklich traurig, aber wie ich von Zangs weiß, gar nichts Außergewöhnliches. Die Reben sind zu 90% Elblinge und die besitzen eine extreme Frosthärte. Otmar Zang hat mir mal erzählt, dass die Reben bislang auch nach schwerem Frost im nächsten Jahr wieder ausgeschlagen sind. Wäre es nicht so, gäbe es den Alten Satz längst nicht mehr.

      Schönen Gruß nach Franken!

      Thomas

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