Die Große Sekt-Gala

Große Sekt-Gala Buhl

Zwei Flaschen seht ihr auf dem Foto. In beiden steckt ein sprudelndes Getränk, bereitet aus Weintrauben. Im Grunde war es das dann auch mit den Gemeinsamkeiten. Beide werden aber Platz haben in der »GROSSEN SEKT-GALA«, die in der kommenden Zeit hier auf dem Blog stattfinden wird. Wer Schaumweine überhaupt nicht leiden kann, wird darüber nicht frohlocken. Aber alle anderen können sich auf Schräges und Gerades, auf Edles und Rustikales, auf Lokalhelden und Weltenbürgerinnen freuen.

Was soll das sein, die »Große Sekt-Gala«?

Große Sekt Gala

Schaumweine sind erst nicht seit gestern große Gewinner, und zwar global gesehen. Vielleicht müssen wir uns da beim Champagner und seinen nimmermüden Marketing-Kampagnen bedanken, dass sprudelnde Weine auf aller Welt als ideale Feierpartner angesehen werden.

Seit einiger Zeit beginnen jedoch auch hierzulande zarte Pflänzchen zu sprießen und zu schäumen. Nicht dass es in Deutschland früher keinen Sekt gegeben hätte. Aber was sich in den letzten Jahren getan hat, kann man wahrscheinlich nicht anders bezeichnen als eine echte Revolution. Und zwar eine, die alle glücklich macht. Grundweine für Sekt, früher einfach aus der Lameng genommen, manchmal gar in Spätlesequalität, brauchen nun einmal die kühle und säuerliche Ader, um zu wirklich großen Schäumern zu werden.

Im ältesten deutschen Weinguide, der noch mit mir zusammen im Büro lebt, dem Gault Millau des Jahres 2006, gab es schon eine Liste mit den zehn besten deutschen Sekten. Platz 1 ging mit 91 Punkten weg, für die Bronzemedaille brauchte man keine 90 Punkte. In der aktuellen 2023er Ausgabe des Vinum Weinguides (übrigens noch fünf personelle Übereinstimmungen in der Redaktion, was auch immer uns das sagen mag) hat Platz 10 bereits 93 Punkte. Und das liegt nicht daran, dass man heute so viel großzügiger bepunkten würde. Natürlich, die Preisgestaltung hat sich ein wenig gewandelt. Auch deshalb werde ich bei der GROSSEN SEKT-GALA vornehmlich in einem Preisbereich bleiben, der hoffentlich zeigen wird: Guter Sekt muss nicht teurer sein als die Monatsrechnung für die Gastherme.

Vom Champagner zum PetNat und wieder zurück

Champagne Deutz Epernay

Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen. Fakt ist, dass es im Schaumweinbereich genau ein Vorbild gibt, und das ist Champagner. Selbiges gilt in dem Maße wahrscheinlich nur noch fast ebenso stark für roten Burgunder. Wer hochwertige Schaumweine herstellen will, kommt also nicht umhin, ein paar Erfahrungen zu berücksichtigen, die in der Champagne über ihre lange Entwicklung hinweg gemacht worden sind. Ich werde deshalb in einem Blindtest-Artikel schauen, wie weit interessante deutsche Schaumweine stilistisch von einem bekannten Markenchampagner entfernt sind. Oder ob ich sie gar verwechsele.

Moet & Chandon Champagne Epernay

Aber die Champagne ist nicht bei allen Pricklern die große Leitkuh. Bevor der legendäre Dom Pérignon die Zweitgärung erfunden haben soll, gab es nämlich schon die althergebrachte Methode, den noch gärenden Most in die Flasche zu sperren. Die Hefen fraßen den Traubenzucker und schieden alsdann Wärme und vor allem Kohlendioxid aus. Während früher bei dieser méthode ancestrale die Flaschen ob der Druckzunahme auch gern mal in die Luft gegangen sind, weiß man heute, wie süß der Most noch sein darf, damit genau das nicht passiert.

Soll heißen: Es wird selbstverständlich in der GROSSEN SEKT-GALA auch sogenannten PetNat geben, pétillant naturel, der bereits mit einer einzigen Gärung Blasen hervorzubringen vermag. Anders als beim Perlenkettchen-Champagner darf es hier auch schon mal richtig trüb, unkonventionell und edgy zugehen. Ich bin jedenfalls schon sehr auf die PetNat-Verkostung gespannt.

Sekt aus Deutschland ist gut

Gut Wilhelmsberg Sekt Franken

Und schließlich gibt es noch eine Rubrik, die überhaupt kein französisches Vorbild hat. Ich spreche von Sekten aus Rebsorten, die es primär in Deutschland gibt. Riesling ist da natürlich eine ganz wichtige Nummer. Also werde ich schauen, ob ich aus der deutschen Leitrebsorte auch schöne Sekte von lässig bis pikant entdecke.

Schließlich, da schlägt meine Frankenliebe voll durch, gebe ich dem Silvaner auch bei den Sprudlern eine Chance. Eigentlich ist die Rebsorte ja eher für dichte, wenig säuregeprägte Speisenweine bekannt. Allerdings hat Silvaner bei den Stillweinen in den letzten Jahren ein paar ganz erstaunliche Seiten offengelegt, die man ihm vielleicht gar nicht zugetraut hätte. Also darf man sich schon fragen, ob das Zeuch auch mit Blasen etwas taugen könnte.

Summa summarum: Das wird hoffentlich eine runde Sache. Wer sich jetzt fragt, was das für ein Getränk oben rechts auf dem Titelfoto ist, das ist ein PetNat. Und zwar einer aus familiärer Herstellung, unverkäuflich, ein reiner Schwarzriesling ohne jegliche Behandlung, ohne Analysewerte und Punkte – aber richtig schön kernig, kirschfruchtig und leicht funky. Fängt schon mal gut an, finde ich.

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9 Antworten zu Die Große Sekt-Gala

  1. Christoph sagt:

    Ich weiß noch, wann du das Foto bei Champagne Deutz aufgenommen hast 🙂

    • Matze sagt:

      Genau 🙂 !!! Das nächste ist mit dir im Tor. War eine tolle Messe, sehr familär irgendwie, also das, was man gemeinhin bei Champagner eben nicht vermutet 😉

  2. Hartmut Scheuring sagt:

    Lieber Matthias, da hast du dir ein tolles neues Thema ausgesucht. Bin gespannt auf deine Entdeckungen. Wenn’s um Silvanersekt geht, solltest du auf jeden Fall den vom Weingut Roth in Wiesenbronn probieren. Traminersekt von MF- Frankensekt aus Steinbach finde ich auch sehr spannend. Und wenn du es mal nach Königsberg schaffst, dann hätte ich noch PetNat-Versuche von meinem “Müller” und “Müller mal anders” im Keller.

    • Matze sagt:

      Das mit Königsberg sollten wir eh mal ins Auge fassen 😉 . Und MF-Frankensekt klingt auch sehr spannend – und nicht weit weg. Was den Silvanersekt anbelangt, hat mir Nicole Roth gesagt, dass der leider total ausverkauft ist. Kommt also eher später mal…

  3. Da bin ich sehr gespannt. Ich liebe Sekt / Schaumwein, / Champagner / Cremant – you name it (letztendlich das gleiche).
    Freue mich auf den Beitrag!

  4. Tobias sagt:

    Gern auch die Sonderkategorie “gemacht / beeinflusst von Mathieu Kaufmann” – er versektet ja mittlerweile bei mehreren Weingütern.

    • Matze sagt:

      Das wäre tatsächlich spannend! Sozusagen Mathieu Kauffmann gegen den Rest der (deutschen) Welt 😉 . Ich fürchte, so speziell bekomme ich es nicht hin. Aber vielleicht wäre das eine Idee, wenn die »Christmann & Kauffmann«-Sekte offiziell auf den Markt kommen…

  5. Bodo sagt:

    Hallo Matthias,
    da bin ich auch gespannt, welche Schäumer du da bringst. Zu den Silvaner-Sekten hätte ich noch 2 Tipps: den 2017er Retzstadter Langenberg Brut Nature von Rudi May mit 3-jähriger Hefelagerung (ca. 24 EURO Endverbraucherpreis) und aus Rheinhessen den Brut Nature von Jens Windisch (Weingut Werther Windisch) mit mindestens ähnlich langer Lagerung (ca. 15 EURO Endverbraucherpreis). Aktuell bei letzterem Jahrgang 2015.

    • Matze sagt:

      Danke für die Tipps! Ja, Werther-Windisch hatte mich beim Tasting für den Falstaff-Guide wirklich begeistert. Und okay, Rudi May ist nicht gerade der unbekannteste Silvanerwinzer 😉 . Ich hatte vor, gerade beim Silvanersekt eine relativ große stilistische Bandbreite hinzubekommen. Mal schauen, ob es funktioniert…

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