Silvanerkönig in der Pfalz – das Weingut Porzelt

Titel Porzelt

[In Kooperation mit dem Weingut Porzelt] Andreas und Anna Porzelt bewirtschaften etwa 20 ha Rebland in der Pfalz, biologisch zertifiziert. Bei dieser Kombination denkt man doch zunächst einmal an Riesling, oder? Und wenn man weiß, dass sich ihr Heimatort Klingenmünster in der Südpfalz befindet, kommen gedanklich vielleicht noch die Burgundersorten dazu. Und ja, so ganz falsch sind die Assoziationen auch nicht, denn zusammen genommen liegen die Burgundersorten bei den Porzelts mengenmäßig vorn. Gefolgt vom Riesling. Aber ein Silvaneranteil von 20% ist außerhalb Frankens nicht ohne, zumal die Weinguides behaupten, Andreas Porzelt mache „den unbestreitbar besten Silvaner der Pfalz“. Aber wie schmeckt so etwas? Eine kleine Tour durch das Reich des pfälzischen Silvanerkönigs.

Silvaner-Schau

Wie kommt der Silvaner in die Pfalz?

Der Silvaner stammt vermutlich aus Österreich, wurde von dort jedenfalls Mitte des 17. Jahrhunderts zunächst nach Franken gebracht und später weiter nach Westen. Mittlerweile weiß man, dass der Silvaner in Österreich eine spontane Kreuzung aus Savagnin = Traminer und Österreichisch Weiß war, und dieser wiederum stammt vom Heunisch ab. Das alles liegt schon viele Jahrhunderte zurück, in denen der Silvaner erstaunliche Ups und Downs erlebte. Um das Jahr 1900 herum bedeckte er nämlich rund 60% der deutschen Rebfläche, bevor er dann vornehmlich von ertragreicheren Neuzüchtungen verdrängt wurde.

In Österreich selbst gibt es kaum noch Silvaner. In der Pfalz ging sein Anteil am Rebsortenspiegel ebenfalls auf etwa 3% zurück, genau wie sein Ansehen. Ich kenne Pfälzer Winzer, die den Namen der Rebsorte nicht aufs Etikett schreiben mögen, weil er vor Ort als billiges Neutralgesöff gilt. Auf der anderen Seite gibt es ein paar wenige Newcomer, die den uralten und teils vernachlässigten Reben ein ganz neues Zuhause bieten. Und es gibt Winzer wie Andreas Porzelt, die den Silvaner nie haben hängen lassen.

Wie kommt der Silvaner zu den Porzelts?

Weingut Porzelt

Das Weingut der Porzelts [Fotocredits gehen ans Weingut selbst] befindet sich im Klingbachtal auf der Schwelle zwischen Reben und Wald. Wer schon einmal in der Gegend war, wird vielleicht bestätigen können, dass das landschaftlich gesehen eine absolut krasse Grenze ist, ebenso faszinierend wie unvermittelt. Seit dem Jahr 2015 ist das Weingut bio-zertifiziert (Mitglied bei Bioland), und im Keller geht es um Spontangärung, viel Fingerspitzengefühl und lange Ausbauzeiten.

Weshalb es hier übrigens so viele und so angesehene Silvaner gibt, hat irgendwie doch ein bisschen mit Franken zu tun. Gerhard Porzelt heiratete nämlich ins Klingenmünsterer Weingut ein und stammte – aus Franken. Insofern erfüllte ihn mit Freude, im Weingut in seiner neuen Heimat so viele Silvanerreben vorzufinden. Anders als viele andere widerstand er deshalb in den 1980er Jahren der Versuchung, den Silvaner zu roden und die Parzellen mit anderen Rebsorten zu besetzen. Well done, würde ich sagen. Und so kann ich euch heute fünf verschiedene Silvaner präsentieren, vom Literwein bis zum Tonneau-Geschöpf aus der Spitzenlage.

Porzelt Guts-Silvaner

Porzelt Silvaner Gutswein

Ich muss etwas zugeben. Ich mag es, wenn renommierte Weingüter die Tradition beibehalten haben, als Einstieg in ihr Portfolio einen Literwein in der Leichtglasflasche anzubieten. Das hat irgendwie etwas von „hier, für euch Stammkunden“. Und so gibt es also zwei Gutssilvaner bei den Porzelts, einen sehr günstigen in der Literflasche (5,80 € ab Hof, 11,5 vol%) und einen auch nicht übertrieben teuren im Schlegel (8,20 € ab Hof, 12,5 vol%).

Beide stammen aus dem Jahrgang 2020. Und der hat angenehm resche Weine hervorgebracht, wie sie in dieser Kategorie eigentlich die Regel sein sollten. Der Literwein ist dabei der ideale Alltagsschoppen auf gutem Niveau. Ich denke spontan an meine Eltern und Schwiegereltern, die sowas immer vorrätig haben sollten. Der Schlegel-Gutswein zeigt hingegen schon eine beginnende Cremigkeit, eine gewisse Hefigkeit und eine fast an Franken erinnernde Muschelkalk-Leichtigkeit. Tolle Einstiege sind das, die es Weinfreunden wirklich leicht machen.

Porzelt Orts-Silvaner

Porzelt Silvaner Lagenwein

Muschelkalk und Tonmergel steht auf den Etiketten, was ganz unzweifelhaft darauf hindeutet, dass es hier an der Südlichen Weinstraße unterschiedliche Formationen gibt. Das hängt mit dem Bruch des Rheingrabens zusammen, durch den Schichten an die Oberfläche gelangten, die vorher schön säuberlich übereinander lagerten. So gibt es bei den Porzelts Muschelkalk und Buntsandstein, Ton und Löss und Kiesel – ein bisschen wie im Elsass. Der Tonmergel-Silvaner stammt zum Beispiel aus dem Gewann Miedig. Der Boden ist schwerer, das Klima geringfügig kühler. Mal schauen, was das für den Weincharakter bedeutet.

Interessant finde ich beim Quertest erst einmal den großen Jahrgangsunterschied zwischen 2018 und 2019. Der 2018er Muschelkalk kommt sehr engmaschig daher, braucht Luft und Zeit, besitzt auch die helleren Aromen. Der 2019er Muschelkalk zeigt sich dagegen viel offener, fruchtiger, aprikosiger. Mein persönlicher Favorit ist allerdings der 2018er Klingenmünsterer Orts-Silvaner vom Tonmergel (12,50 € ab Hof wie die anderen auch). Das Holz ist mit viel Fingerspitzengefühl abgestimmt, der Wein ungemein feinnervig und weniger fruchtbetont frontend. Diese leise Eleganz muss man vielleicht mögen, aber mein Ding ist das auf jeden Fall. Ein wunderbarer Speisenbegleiter zudem. Der 2018er ist mittlerweile ausverkauft (offenbar gefällt er auch anderen Menschen), aber in Kürze wird der 2020er gefüllt. Stay tuned sozusagen.

Die Krönung – Silvaner Kirchberg

Gleichzellen Kirchberg

Auf dem Foto, das mir das Weingut Porzelt zur Verfügung gestellt hat, blicken wir von Osten nach Westen, also sozusagen in den Pfälzerwald hinein. In der Talspalte befindet sich das Weingut, rechts der Ort Klingenmünster und links der Ort Gleiszellen. Der Buckel zwischen den beiden Orten ist der Kirchberg. Die Neigung nach Südosten (also fast außerhalb des Bilds) garantiert eine höhere Sonneneinstrahlung, und der Boden ist sehr steinig, so dass die Reben tief wurzeln müssen. Der leicht rätselhafte Name des Porzelt’schen Spitzen-Silvaners, nämlich 500.6, löst sich ein bisschen auf, wenn man an den Ausbau denkt. 500 Liter fasst nämlich das Tonneau, in dem dieser Wein zu 100% ausgebaut wurde.

Porzelt Silvaner Kirchberg

Natürlich spürt man in der Nase, dass dieser Wein aus dem Holzfass stammt. Es gibt ein bisschen Vanille, ein bisschen Haselnussschale, aber auch hier keine hervorstechende Primärfrucht. Am Gaumen fällt mir die höhere Viskosität gegenüber den anderen Porzelt-Silvanern auf, die größere Dichte und Tiefe. Einen ganz ruhigen Fluss zeigt der Kirchberg, eine salzige Note, viel nachhaltige Eleganz. Natürlich gibt es Menschen, die einen solchen Wein jetzt schon aufmachen und trinken mögen. Dagegen ist auch gar nichts zu sagen, denn mit ein wenig Luft gibt der Kirchberg bereits heute eine gute Figur ab. Aber – und da muss man kein Prophet sein, um so etwas zu verkünden – hier handelt es sich um ein edles Werk, das seinen wirklichen harmonischen Höhepunkt vermutlich erst in einigen Jahren haben dürfte. 22,50 € ab Hof.

Mein Fazit

Nachdem ich jetzt fünf Silvaner aus der Pfalz probiert habe, stellt sich für mich nur eine entscheidende Frage: Warum bringt man dieser Rebsorte westlich des Rheins eigentlich so wenig Liebe entgegen?

Das Weingut Porzelt tritt nämlich den Beweis an, dass mit ein bisschen Hege, Pflege und viel Know-how Weine entstehen können, die es meiner persönlichen Einschätzung nach mit Weiß- und Grauburgunder leicht aufnehmen können.

Im Gutswein-Bereich gibt es die fruchtig-frischen Zechweine, die nun wirklich nicht erklärungsbedürftig sind. Bei den Ortsweinen kann man wählen, ob man eher zur saftigen oder eher zur tonischen Variante neigt. Und schließlich gibt es noch den Kirchberg, der den Beweis antritt, dass Silvaner auch dicht und langlebig sein kann. Das ist summa summarum ein durchdacht abgestuftes Programm für viele Gelegenheiten und Vorlieben.

Solltet ihr nach den fünf Silvanern überrascht feststellen, dass im Sechserkarton noch Platz für einen anderen Wein ist, möchte ich euch folgende Information nicht vorenthalten: Die Porzelts machen auch sehr feine Roséweine. Schließlich hat der Sommer gerade erst angefangen…

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4 Kommentare zu Silvanerkönig in der Pfalz – das Weingut Porzelt

  1. Thomas Herr Riedl sagt:

    Hallo Matthias,

    sehr schön, dass Du das Weingut Porzelt vorstellst. Ein Muss für Silvaner-Freundinnen und -Freunde!

    Die Bezeichnung „Silvaner 500.6“ bezieht sich meiner Erinnerung nach darauf, dass Andreas Porzelt 2018 zum 6. Mal den Kirchberg im Tonneau ausgebaut hat.
    Diese Fassgröße verwenden inzwischen eine ganze Reihe Winzer für Ihren Top-Silvaner und nach meiner Erfahrung trägt die Rebsorte das sehr gut.
    Mir spontan einfallende Beispiele wären das Südpfälzer Weingut Stern (Silvaner ***), Johannes Zang (Natur), Jens Bettenheimer (Appenheimer Eselspfad), Thoerle (Probstey), Werther-Windisch (Harxheimer Lieth).

    Die drei letzten Beispiele belegen, dass Deine Frage „Warum bringt man dieser Rebsorte westlich des Rheins eigentlich so wenig Liebe entgegen?“ so lauten müsste:
    „Wo bringt man der Rebsorte westlich des Rheins so viel Liebe entgegen wie in Franken?“
    Darauf könnte ich – zum Glück! – mit vielen weiteren Weingutsnamen vornehmlich aus Rheinhessen antworten (Teschke! Bischel, Jürgen Hofmann, Eckehart Gröhl, Thomas Schätzel, Kai Schätzel, Gutzler!). Denn noch immer sind in Rheinhessen absolut gesehen ja mehr Hektar mit Silvanerreben bepflanzt als in Franken. Weißt DU natürlich. Und gerade in Rheinhessen gibt es noch eine Reihe wurzelechter Bestände, also Klone mit erhaltungswerter Genetik.

    Silvanern aus dem Tonneau sollte man 5 Jahre Flaschenreifung gönnen. Dann sind es großartige Speisenbegleiter zu allen Spargel- und Gemüsegerichten, hellem Fleisch mit burgundischer Eleganz und – im Idealfall – herrlicher Mineralität.
    Und 10 Jahre Reifung sind in aller Regel auch kein Problem.

    Und was Du hoffentlich noch bringst, sind die Sylvaner aus Saale-Unstrut (Gussek, Der Steinmeister, Grober-Feetz) und die Weine von Helmut Dolde.

    Herzliche Grüße!

    • Matze sagt:

      Ja, du hast recht, es gibt immer ein paar Weinguts-Refugien, in denen der Silvaner wirklich geschätzt wird. Ich werde demnächst ein paar „außerfränkische“ Silvaner vorstellen, auf die das zutrifft. Aus organisatorischen Gründen ist die Auswahl allerdings beschränkt, wie du dir vorstellen kannst 😉 .

      Ich habe ja vor der Silvaner-Schau ziemlich viel recherchiert bei den verschiedensten Guides und Weingütern. Dabei ist mir aufgefallen, dass es außerhalb Frankens wirklich nur ganz ganz wenige Weingüter gibt, bei denen der Silvaner wirklich die Hauptrolle spielt. Also Gutzler, Wittmann, Wagner-Stempel, wo es auch immer sehr gute Silvaner z.B. in Rheinhessen gibt, immer haben sie noch hochwertigere Weine aus anderen Rebsorten auf Lager. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass sie dort kein VDP-GG aus dem Silvaner machen dürfen, aber ich wollte es nur gesagt haben 😉 . Einzige krasse Ausnahme, die mir spontan einfällt, ist Michael Teschke. Dessen Wein und Gusseks Dachsberg Alte Reben kommen allerdings (wenn ich das schon mal verraten darf) erst im nächsten Jahr, die brauchen noch ein bisschen Reife, wie ich finde.

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