
Es ist, ich muss es zugeben, für mich immer ein erhebendes Gefühl, wenn ich einen Wein trinke, der älter ist als ich selbst. Als angehender Methusalem wird es natürlich nicht leichter, einen solchen zu finden. Aber vor zwei Wochen habe ich einen Laden entdeckt (ehrlich gesagt ziemlich per Zufall), in dem solche Schätze wie der abgebildete St-Emilion ohne viel Schnickschnack angeboten werden. Wenn ich so eine Flasche öffne, dann begebe ich mich mental immer auf eine Zeitreise. Auf eine Zeitreise in eine Welt, in der die Hausfassaden der Stadt noch steinernbraun oder eisengrau verputzt waren. In eine Welt, in der die Traktoren per Kurbel in Gang gesetzt werden mussten. In der man Hochdeutsch allerhöchstens aus dem Schwarzweiß-Röhren-TV hören konnte. Es kann allerdings passieren, dass ich aus diesen Träumereien jäh herausgerissen werde – dank der verblüffenden Essighaftigkeit des Getränks. Diesmal zum Glück nicht. Weiterlesen





