Best of Franken 2026 – Hinter den Testkulissen

Best of Franken 2026

Schon ist es wieder vorbei, das Best of Franken 2026. Großer Jubel über den Ceratit Nodosus, die schwere Fossil-Trophäe aus dem Erdreich, die nur die elf besten der 400 eingereichten Weine bekamen. Wichtige Neuerung gegenüber der vorherigen Ausgabe: Wir haben eine neue Präsidentin! Es ist Barbara Becker, die Frau links neben Prinzessin Angelina. Damit hat nicht nur der Fränkische Weinbauverband das erste Mal seit 190 Jahren eine Frau an der Spitze. Nein, auch deutschlandweit ist Barbara Becker die erste Frau, die einem regionalen Weinbauverband vorsteht. Ob das ein bisschen auf die althergebrachten Selbstverständlichkeiten in diesem Metier schließen lässt? Äh, ja. Aber auch wenn die Mühlen langsam mahlen, sie tun es zumindest. Und damit direkt hinein in den Wettbewerb. Wer sich hingegen weniger für die einzelnen Weine interessiert und mehr dafür, was mir eingefallen ist, wie man den Wettbewerb etwas modifizieren könnte, bitte ganz nach unten scrollen.

Best of Franken 2026 – Wettbewerb Weiße Burgunder

Best of Franken 2026 Tasting

Wenn ich mich nicht täusche, habe ich über die Regularien schon öfter berichtet. Hier geht es zum Best of Franken des letzten Jahres, hier findet ihr die Ausgabe von 2024, und hier 2022, als das Ganze noch »Best of Gold« hieß. Ganz zu Anfang durften nur Weine mitmachen, die bei der Fränkischen Weinprämierung die Goldmedaille erhalten hatten. Dann wurde der Wettbewerb schrittweise aufgeweicht. Heute gibt es Große Gewächse oder hippe Naturweine, die beim Best of Franken mitmachen wollen und die mit Goldmedaillen ansonsten gar nichts am Hut haben.

Oben auf dem Foto seht ihr die wunderbare Marlis Bohnengel, Leiterin der Vinothek Edelfrei in Bamberg. Marlis war beim Best of Franken 2026 Patin in der Kategorie »Herausragend – Weißwein«, hinter der sich in erster Linie weiße Burgundersorten verbargen. Patin zu sein bedeutet, später auf der Bühne den erstplatzierten Wein bekanntzugeben und ein paar Worte an Winzer oder Winzerin zu richten. Das heißt, man überlegt in den Blindtest-Runden schon, welchen Wein man aus welchen Gründen nach vorn wählt, um nachher die richtigen Argumente zu haben.

Eigentlich sind hochwertige Weißweine verhältnismäßig leicht zu bewerten. Oft ist Holz im Spiel, das aber nicht auftragen darf. Der Wein sollte eine ausgewogene Reife besitzen, aber auch genügend Potenzial, um noch länger zu glänzen. Leider ist es manchmal dann doch nicht so easy. Wir bekamen nämlich einen Grauburgunder vorgesetzt, der sehr viel Farbe besaß und auch Grip, definitiv also mit Maischestandzeit ausgestattet. Andererseits war er so fantastisch frisch, lebendig und trotzdem keinesfalls mager, dass schon beim ersten Testnippen klar war: Der muss ganz weit kommen. Können wir aber den Käufer:innen in dieser Kategorie einen solchen Wein als Sieger präsentieren? Einen halben Orange Wine, wo man doch ansonsten burgundische Chardonnays oder elegante Weißburgunder erwartet?

Unsere basisdemokratische Entscheidung: Ja, kann man. Alles weitere unten.

Best of Franken 2026 – Wettbewerb Orange & Natural

Best of Franken 2026 Orange & Natural

Es gab noch eine zweite Weinkategorie, die ich als Juror bis ins Finale begleiten durfte. Sie hieß »Außergewöhnlich – Orange, Natural & Co.«. Tatsächlich hätte unser Grauburgunder hier auch hineingepasst. Aber ich weiß nicht, ob er gewonnen hätte, denn er war dann doch klassisch gewirkt, mit Finesse, Holztouch, leichten Gerbstoffen, und zumindest mit etwas Luft ohne zu große Wildheit. Rechts am Tisch seht ihr den Paten Christoph Raffelt in der Mitte, links Line und rechts Max. Alles Leute, die sehr oft solche Weine verkosten.

Und links auf dem Foto seht ihr die Top 3 des Finales. Ganz links ein klassischer trüber Orange Wine, heller und geschmeidiger als üblich, sehr schön ausgewogen, komplett fehlerfrei, aber mit Charakter. Das war letztlich unser Sieger. Den Wein in der Mitte fanden wir auch großartig. Ein bisschen Wildheit besaß er zwar auch, aber eigentlich hätten wir ihn lieber in der »Herausragend«-Sparte gesehen, wo er ebenso große Chancen gehabt hätte. Rechts wiederum war ein Orange Wine, der sich ein bisschen wilder gebärdete, aber eine wahnsinnige Frische mitbrachte. Super verführerisch, wollte man sofort runterschlucken (was natürlich nicht passierte), weshalb ich ihn persönlich auf die 1 gesetzt habe.

Schnelle Auflösung: Links der Siegerwein vom Weingut Deppisch, in der Mitte die weiße Reserve vom Weingut Drei Zeilen und rechts schließlich der »Siebenschläfer« der 2Naturkinder, ein Alter Fränkischer Satz. Ganz tolle Weine, die ich alle kaufen würde, absolut gleichwertig, nur unterschiedlich in ihrer Interpretation.

Weshalb ich die Plätze 2 und 3 der Gesamtwertung hier extra heraushebe? Nun, sie werden zwar im offiziellen Artikel der Silvanerheimat genannt, aber das war’s dann auch. Kein Erscheinen der Erzeuger bei der Siegesfeier, kein Ceratit, keine wirkliche Werbung. Nur 11 von 400 sollt ihr sein an der Spitze, so lautete ja das Motto. Ein paar Gedanken dazu später im Fazit…

Die Sieger des Best of Franken 2026

Best of Franken 2026 Siegerfoto

Hier seht ihr alle elf Trophäenträger vor der Kulisse des Zehntkellers in Iphofen. Letzterer ist seit ein paar Jahren Gastgeber der Veranstaltung, und ich habe noch niemanden gefunden, der sich darüber beklagt hätte. Weil ich diesmal alle elf Prämierten auch in Wort und Bild zeigen möchte, geht es jetzt zu den Siegerweinen.

»Einfacher« Silvaner von Divino

Divino Silvaner

Die »einfacheren« Weine beim Best of Franken 2026 werden in der Oberkategorie »Jederzeit« gesammelt. Eine der beiden Unterkategorien widmet sich dann dem (Grünen) Silvaner, die andere dem ganzen weißen Rest. Traditionell handelt es sich beim Silvaner um die Kategorie, die am schwierigsten zu gewinnen ist. Zum einen gibt es die meisten Anstellungen, zum anderen sind dank der Beschränkung auf den aktuellen Jahrgang und eine Rebsorte viele Kandidaten wahnsinnig eng zusammen. Soll heißen: Wer hier gewinnt, hat es erstens verdient, zweitens aber auch Glück gehabt. Eine Stunde später, drei Juroren ausgetauscht, und das Ergebnis kann durchaus anders ausfallen.

Herzlichen Glückwunsch also an den 2025er Nordheimer Silvaner der Divino. Die Genossen können schon was, falls das jemand vergessen haben sollte. Auch die Plätze dahinter mit dem Weingut Neder und dem Weingut Rainer Sauer sind sehr gut besetzt.

Das ist Franken – Alter Fränkischer Satz der Winzer Sommerach

Best of Franken 2026 Winzer Sommerach

Zweite »Jederzeit«-Kategorie, aber weitaus diverser. Hier konnten nämlich alle anderen Weißweine mitmachen – wenn sie niedrig genug im Alkohol waren. Das Ergebnis war ein buntes Feld interessanter Produkte. Gewonnen hat dann tatsächlich das bunteste und interessanteste Produkt. Bunt deshalb, weil der Alte Fränkische Satz 2025 der Winzer Sommerach nicht weniger als zwölf Rebsorten auf einer Parzelle vereint, darunter so obskure Sachen wie Vogelfränkisch oder Geisdutte. Interessant deshalb, weil ich beim Probieren gemerkt habe, dass hier noch eine ganze Menge Entwicklungspotenzial drinsteckt, und zwar weit über die Jederzeit-Kategorie hinaus. Ein toller Wein – und schon wieder Genossen, diesmal aus dem Nachbardorf.

Top-Silvaner von Geßner

Geßner Silvaner

Letztes Jahr hatte ich bei der Großen Silvanerschau einen Artikel über die Silvaner-Spitzen verfasst. Das waren Weine, die bei mir im Blindtest ganz oben lagen. Unter den vieren waren überraschenderweise ein Pfälzer, ein Südtiroler, aber eben auch zwei Franken. Einmal das GG vom Bürgerspital – und der Reider vom Weingut Geßner. Vor ein paar Jahren hatten sie schon einmal mit ihrem hochwertigen Silvaner beim Best of Franken gewonnen.

Wenn ich jetzt über die Region hinausblicke, würde ich sagen: Das sind ganz klar unsung heroes, von denen man unbedingt etwas probieren muss. Schaut euch im Shop die Lagenweine an und bestellt dann einfach einen gemischten Sechserkarton. Marco Geßner sagte mir am Rand des Best of Frankens, dass sie nicht so die Lautsprecher wären und Marketing nicht ihre große Stärke. Aber die Weine sind es – sage ich total objektiv, denn ich habe ja keinerlei Verbindung zum Weingut. Der Sieger: 2023er Hergolshäuser Mainleite Silvaner.

Das Bürgerspital schlägt sich selbst

Bürgerspital Pfülben

Das wäre die absolute Königskategorie in jedem deutschen Weinguide und den allermeisten deutschen Weinbaugebieten. »Herausragend – Riesling«. In Franken steht der Riesling ja immer ein bisschen im Schatten des Silvaners. Auch ich musste mich zu Anfang erst ein wenig daran gewöhnen, dass die meisten guten fränkischen Rieslinge weniger Soloprotzer als vielmehr Top-Speisenbegleiter sind. Und von denen standen gleich drei wirklich herausragende Exemplare aus dem Podium: zweimal Würzburger Stein, einmal vom Bürgerspital und einmal vom Staatlichen Hofkeller. Und das 2024er GG aus dem Randersackerer Pfülben, wiederum vom Bürgerspital, das schließlich den Ceratiten abgeräumt hat. Großartige Arbeit von Karl Brand, der (soweit ich das sehe) wie kaum ein anderer in Franken für einen eher schlanken und extrem finessenreichen Stil steht.

Crazy Grauburgunder vom Kreuzberg

Kreuzberg Grauburgunder

Das ist unser Siegerwein aus der herausragenden Weißwein-Kategorie. Völlig überraschend und mit einem ebenso unterschätzenden Etikett ausgestattet: der 2024er Volkacher Ratsherr Grauburgunder des Weinguts am Kreuzberg. Ja, frisch geöffnet ist da ein kleiner Stinker. Und ja, die Farbe irritiert ein bisschen. Aber überwindet euch einfach, denn das ist ein wunderbarer Wein. Und wenn ihr Weinfreaks seid, müsst ihr euch noch nichtmal überwinden. Nur die Leute, die im Restaurant ungefragt einen Grauburgunder verlangen, sollte man vielleicht ein bisschen aufklären. Auf Platz 2 übrigens der Weißburgunder Ramsthaler St. Klausen vom Weingut Baldauf mit viel Dichte und Kraft. Dahinter der feingeistig-schlanke Weißburgunder aus dem Escherndorfer Fürstenberg vom Weingut Horst Sauer.

Schön schön, Schönborn

Schönborn Scheurebe

Vor vielleicht zwei Monaten war ich dabei, als die Fachzeitschrift Wein+Markt nach Talenten aus Franken gesucht hat. In den Blindtests gerade der Kategorie, die zwischen gehobenem LEH und einfacherem Fachhandel eingeordnet werden kann, stach uns ein Sieger hervor. Nein, kein einzelnes Weingut, sondern eine einzelne Rebsorte: Die Scheurebe performte dort nämlich hervorragend. Scheurebe hat leckeren Saft, ein wenig Parfümiertheit, liegt in der Säure aber unterhalb vom Sauvignon Blanc. Das ist einfach einer der besten Kompromisse für die weintrinkende Realität Deutschlands. Ungekrönter Scheurebe-Frankenkönig ist eigentlich Tobias Weickert vom Weingut Zehnthof. Diesmal aber wurde er »nur« Zweiter und Vierter, den Sieg trug die 2025er Scheurebe des Grafen von Schönborn davon. Dabei ist seine Scheurebe so scheu, dass sie sogar ihr E auf dem Etikett versteckt…

Emmerich mit richtig altem Zeuch

Emmerich Silvaner 2009

Das Weingut Emmerich hat sich, ich denke, das kann man sagen, in der Spitze auf extrem lang gelagerte Weine spezialisiert. In der Kategorie »Gereift – Silvaner« waren zwar solche ab dem »aktuellen Jahrgang minus drei« zugelassen, die Emmerichs fanden das aber ein bisschen lasch. Ihr Siegerwein: die 2009er Selection aus dem Iphöfer Julius-Echter-Berg. Zwar war ich selbst bei dieser Kategorie nicht Teil der Jury, Pate Shahzad Talukter brachte das Ringen der Gruppe auf der Bühne aber gut zum Ausdruck. Viele großartige Silvaner hätten sie probiert, sagte er, aber manche seien noch gar nicht auf ihrem Höhepunkt gewesen. Und dafür könne man dann keinen Preis in einer Kategorie vergeben, die sich explizit den gereiften Weinen widmet. Glückwunsch also an die Emmerichs!

Rainer Müllers Kellerversteck

Max Müller Riesling 2013

Rainer Müller vom Weingut Max Müller I konnte eine ähnliche Geschichte des Lagerns erzählen. Sein Siegerwein: der 2013er Riesling Berg, und zwar in der Kategorie »Gereift – alle anderen Sorten«. Der Wein hätte immer in einer dunklen Ecke des Kellers geschlummert. Wahrscheinlich hätte er leicht verkauft werden können, zum Glück für uns ist das aber über die Jahre nicht geschehen. Was die gereifte Kategorie für Weingüter immer ein bisschen tricky macht: Es muss noch eine ausreichende Menge der entsprechenden Flaschen vorhanden sein. Ein Siegerwein, von dem die Jury gerade das letzte Exemplar verkostet hat, macht ja auch keinen Sinn.

Immer wieder Christoph Walter

Walter Spätburgunder

Rotwein ist in Franken nicht so das große Ding. Zwar gibt es mittlerweile selbst aus Muschelkalk-Land ein paar wirklich schöne Spätburgunder, aber letztlich ist dort immer Weiß vorn. Ganz anders im äußersten Westen des Anbaugebiets. Wir sind wirklich ausgesprochen happy, dass Churfranken weiterhin zu Franken zählt, denn dort beweist nicht nur Sebastian Fürst, dass fränkischer Spätburgunder ganz oben stehen kann. Einer, der schon oft oben gestanden hat, tat das auch beim Best of Franken 2026. Christoph Walter vom Weingut Josef Walter hat mit seinem 2022er Spätburgunder Bürgstadter Berg wieder einmal die Rotwein-Kategorie abgeräumt. Allerdings offenbar mit dem »falschen« Wein, denn er hatte noch eines seiner absoluten Flaggschiffe mit im Wettbewerb, das aber vielleicht noch ein wenig zu jung war. Nächstes Jahr dann. Oder übernächstes.

Best of Franken 2026 – Premiere für das Weingut Deppisch

Best of Franken 2026 Deppisch Orange

Premiere in der Orange- und Natural-Kategorie. Ich hatte euch oben ja schon verraten, dass hier der 2020er Orange des Weinguts Deppisch aus dem Theilheimer Altenberg gewonnen hat. Wer schon einmal bei den Deppischs war (wie ich zum Glück, hier könnt ihr darüber lesen), kann nichts anderes sagen, als dass es sich um wahnsinnig sympathische Leute handelt. Dabei paaren sich Ehrgeiz mit Understatement, denn wer kommt bitteschön auf die Idee, seinen Nebenerwerbsbetrieb biodynamisch nach Demeter zertifizieren zu lassen?

Ein bisschen musste ich auch schmunzeln, denn bei der Preisverleihung des Best of Franken 2026 äußerten viele Winzer auf der Bühne, wie viel sie im Weinberg und wie wenig bis nichts sie im Keller getan hätten. Denn genau das tun die Deppischs, die es aber eben nicht sagten. Wobei das langsame Pressen mit dem Klick-Klack-Modell und das stetige Beobachten beim risikoreichen Werden des Weins ja auch Arbeit sind. Wer sich übrigens wundert, dass Manfred Rothe diesmal nicht auf dem Podium war: Nach vielen Erfolgen der Vergangenheit hatte er sich entschlossen, diesmal nicht mitzumachen. Denn wenn eh nur alle vom Sieger sprechen, verdeckt das zu stark die Leistung der Platzierten.

Echte Freude beim Winzerhof Burrlein

Burrlein Sekt Schlossportal

Letzte Kategorie, auch ziemlich neu beim Best of Franken, und auch meiner Meinung nach nicht einfach zu verkosten. Die Rede ist vom Schaumwein. Letztes Jahr hatte ja Carsten Höfer vor Carsten Höfer gewonnen, und ein bisschen hatte ich das diesmal auch wieder erwartet. Aber nichts da. Gut, der Höfer-Sekt (Silvaner sans dosage) wurde Zweiter, aber den Preis weggeschnappt hat ihm vollkommen überraschend der Silvaner Brut Alte Reben vom Winzerhof Burrlein. Und wenn das nicht echte Freude auf der Bühne ist, dann weiß ich auch nicht. Eine großartige Leistung.

Der Mann für alle Gelegenheiten

Best of Franken 2026 Andreas Göpfert

A propos großartige Leistung. Und auch vielleicht a propos unsung heroes. Es gibt eine Konstante in praktisch allen Veranstaltungen, die mit Frankenwein zu tun haben. Eine Konstante, die nie einen Preis bekommt und nur selten auf der Bühne steht, dafür aber wochenlang vorher alles anschreibt, telefoniert, überzeugt, organisiert. Ihr wisst, wen ich meine: Andreas Göpfert. Auch beim Best of Franken 2026 wäre es fast wieder passiert, dass er nicht auf der Bühne gestanden und nicht zumindest einen Blumenstrauß als Dank mitgenommen hätte. Links seht ihr Andreas in seiner üblichen Abwinkehaltung, »nicht doch, ihr übertreibt«. Rechts auf dem Foto hat er dann aber doch erkannt, dass wahnsinnig viel ohne ihn nicht laufen würde.

Und wieder ein à propos und »nicht laufen«. Es gibt beim Best of Franken praktisch keine Fehler in der Organisation. Alle Weine kommen immer pünktlich und in der richtigen Reihenfolge auf den Tisch, alle Punkte sind korrekt ausgerechnet, alle Weinprinzessinnen wissen genau, was sie zu tun haben. Nachdem Bernd Küffner beim letzten Mal seinen Abschied gefeiert hatte, steht jetzt Michael Sauer in der Verantwortung. Und in diesem Fall ist die Aussage, dass alles beim Alten bleibt, ausschließlich positiv zu verstehen.

Wie geht es weiter nach dem Best of Franken 2026?

Ich habe als eine Art Fazit mal versucht, meine Gedanken als Punkte zusammenzufassen. Das ist relativ spontan, vorläufig, und man kann auch eine völlig andere Meinung dazu haben. Aber lest selbst.

1. Die uneingeschränkt positive Basis

Das Best of Franken ist ein großartiges Event, wie es sonst auch nicht annähernd in einer anderen deutschen Region existiert. Die Veranstaltung als solche ist sogar so attraktiv geworden, dass eine extrem hochwertige Jury (Sterne-Sommellerie, wichtige Weinpublikatoren etc.) freiwillig und liebend gern jedes Jahr wieder zusammenkommt. Auch der Festakt begeistert alle mit Harmonie und fröhlicher Stimmung. Und schließlich stellen immer mehr Top-Weingüter der Region ihre Weine hier an, was sie bei »gewöhnlichen« Medaillen-Wettbewerben niemals täten.

2. Wir für uns

Dennoch habe ich nach langen Jahren der Teilnahme ein bisschen das Gefühl, das man sich zwar im Detail immer mehr verbessert und öffnet, im Ganzen jedoch noch etwas getan werden könnte. Konkret: Wir feiern uns sehr stark selbst. Das ist dann okay, wenn man primär einen der beiden Aufträge des Fränkischen Weinbauverbands (bzw. aller »Wein-Offiziellen«, Bezirk und Gebietsweinwerbung sitzen ja auch mit im Boot) betrachten würde: das Schaffen eines inneren Zusammenhalts. Aber was ist mit der Außenwirkung, also über den Winzer- und Regionsbereich hinweg?

3. Mehr Bedeutung

Das Best of Franken ist einer der exklusivsten Wettbewerbe, denn die Gewinnerquote liegt bei 2,75 Prozent. Nur: Weiß das jemand? Also weiß jemand, dass das Best of Franken anders arbeitet als die Berliner Weintrophy oder Mundus Vini oder Gilbert & Gaillard oder wie die ganzen Medaillenschmieden so heißen. Ich fürchte: Nein. Deshalb gibt es für mich zwei Lösungen. Entweder wir arbeiten so heftig am Renommee, dass deutschlandweit klar wird, hier gibt’s kein Gold frei Haus. Oder wir erhöhen die Siegerquote und geben damit mehr guten Weinen die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Erst wenn der Norddeutsche Rundfunk, die FAZ und das dritte Fernsehprogramm darüber berichten (um mal ein paar altbackenere, aber weiterhin einflussreiche Medien zu nennen), dann ist das Best of Franken da, wo es hinsollte.

4. Neue Patenregelung

Es gibt Paten für die Siegerweine. Bislang ist es so, dass diese Paten ausgewählt werden und dann auf der Bühne etwas zum jeweiligen Siegerwein sagen. Weil das bekannte und einflussreiche Leute sind, ist das auch sehr schön. Aber was kommt dann? Ich war vorgestern in der Vinothek Edelfrei in Bamberg und habe dort mit Marlis Bohnengel gesprochen. Sie nimmt »ihren« Siegerwein kurzfristig ins Programm der Vinothek auf. Nein, kein Dauerplatz, so schnell kann man das Sortiment nicht ändern. Aber wer in den Laden kommt, sieht dort den Patenwein vom Best of Franken 2026, wird darauf aufmerksam gemacht, beraten. Das lohnt sich ganz konkret für das Weingut. Nicht nur, weil es ein paar Flaschen mehr verkauft. Sondern vor allem, weil es dadurch in anderen Kreisen bekannt wird.

Ähnlich könnten das die anderen Paten auch tun. Auf die saisonale Karte, als »limited edition«, im Magazin explizit auf einer halben Seite darüber berichten, in einflussreichen sozialen Medien. Oder auch die Weingüter, indem sie etwas mit dem Paten/der Patin machen. In jedem Fall wäre es schön, wenn mehr Verbindlichkeit und Nähe in die Sache kommt.

5. Summa summarum

Das Best of Franken ist so ein tolles Weinevent und es bringt so viele großartige Winzer und Jury-Mitglieder zusammen, dass dabei möglichst viel herauskommen sollte. Packen wir es also an!

Dieser Beitrag wurde unter Wein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.