Rosé Rosé Rosétest – Franken Provence Gardasee

Das Bild ist aufgebaut wie ein Tryptichon: links eine Flasche Roséwein Montonia vom Weingut am Stein, in der Mitte ein Tenugui mit einer Krabbe, rechts ein Roséwein vom Clos de l'Ours aus der Provence

Die beste Zeit für den Roséwein ist gekommen, wenn jetzt endlich auch Baden-Württemberg und Bayern Ferien haben. Egal ob man traditionell das südliche Strandleben präferiert oder dank des Klimawandels auch mal überlegt, in Eckwarderhörne oder Neuharlingersiel seinen Urlaub zu verbringen, ein kühles Gläschen Roséwein ist dabei immer willkommen. In meinem Rosétest habe ich zwölf rosafarbene Freunde gegeneinander antreten lassen. Vier aus der Provence (logisch), vier vom Gardasee (warum nicht?) und vier aus Franken (tja, schaun mer mal).

Rosétest – das Vorgehen

Auf dem Bild sind drei Gläser mit unterschiedlichen gefärbtem Roséwein im Vordergrund und einem Laptop im Hintergrund

Was ihr wahrscheinlich nicht wisst: Ich habe mich in diesem Jahr schon öfter mit Rosé beschäftigt und für die Wein+Markt einen längeren Artikel über Premium-Rosé geschrieben. Da kamen dann illustre Menschen aus der Roséwelt zu Wort wie Pia Strehn, die Rosé-Queen aus Österreich, Arnaud Fabre von Alexandre Bonnet, berühmt für seinen Rosé des Riceys aus der Champagne, oder auch Gérard Bertrand, der ja mit dem Clos du Temple den annähernd teuersten Rosé der Welt auf dem Markt hat (hier probiert).

Für diesen Rosétest sollte es preislich ein bisschen ziviler zugehen. Bis auf eine Ausnahme liegen alle anderen Kandidaten im Preisbereich zwischen 9 und 19 €. Ja, das ist auch schon gehoben. Aber man vermeidet damit die stark getrimmten und gleichzeitig dünnen Brüder, die letztlich so wenig Spaß machen, dass man sich fragt, weshalb man nicht doch drei Euro mehr ausgegeben hat.

Dass die Provence dabei ist, geschenkt. Dass ich als Franken-Bewohner auch fränkische Rosés dabei haben wollte, persönliche Präferenz. Was ist aber mit den Italienern vom Gardasee? Nun, die Appellation Valtènesi, westlich des Sees in Richtung Brescia gelegen, ist eine strategische Partnerschaft mit dem Provence-Verband eingegangen, gemeinsame Messeauftritte inklusive. Das heißt, es könnte zukünftig auch mehr interessante Produkte der Region auf dem deutschen Markt geben. Ebenso interessant finde ich, dass die Rosés aus dem Valtènesi zu mindestens 60% aus der Rebsorte Groppello bestehen müssen, die schon als Rotwein leicht und trinkig ist. Mal schauen also, was diese drei definitiv unterschiedlichen Herkünfte gegeneinander so zu bieten haben…

Weltner gegen den Süden – Trio 1

Auf dem dreigeteilten Bild sind für den Rosétest drei verschiedene Flaschen Roséwein abgebildet

Franken: Paul Weltner, Rosé 2025, 100% Spätburgunder, 11,5 vol%, überwiegend Edelstahl, kleiner Teil Holz. Gibt’s im Rahmen des Sommer-Pakets ab Weingut, ich habe alle Frankenweine vom Edelfrei in Bamberg, ca. 11,50 €.

Provence: Château des Annibals, Cuvée Suivez-moi-jeune-homme 2025, 55% Grenache, 35% Cinsault, 10% Syrah, 13 vol%, bio-zertifiziert, relativ langer Schalenkontakt, erst Freilaufmost, dann sanft gepresst, Stahltank. Gibt’s bei den Amis du Vin für 12,90 €.

Gardasee: Avanzi, Chiaretto Rosavero 2025, 60% Groppello, 15% Marzemino, 15% Sangiovese, 10% Barbera, 12,5 vol%, Direktpressung, Edelstahl. Gibt’s bei Televino für 10,50 €.

Los geht die Chos’. Der Weltner-Rosé besitzt diese wirklich attraktive frische Erdbeernote mit leicht säuerlichem Kick, die vielleicht nur Spätburgunder auf diese Art hinbekommt. Viel sanfter und fruchtmäßig heller wirkend dann der Provence-Rosé. Ja, auch hier gibt es Frucht und Säure, konkret weißfleischigen Pfirsich, aber die Materie gleitet unglaublich luftig und sanft. Interessant dann der Garda-Rosé, denn hier bin ich mit Himbeere und ganz zartem Perlen wieder viel mehr beim Weltner – sehr schmackhaft. Verblüffenderweise könnten die beiden fast Nachbarn sein. Zur Thunfisch-Pizza siegt dann auch der Italiener, aber qualitativ haben wir hier dreimal dasselbe erfreuliche Niveau. Fängt gut an ehrlich gesagt.

Stil übertrumpft Punkte – Trio 2

Dreigeteiltes Bild für den Rosétest mit drei Flaschen Rosé - eine aus Franken, eine aus der Provence, eine vom Gardasee

Franken: Weingut Schäffer, Rosé Eine Flasche Schäffer 2024, Schwarzriesling & Spätburgunder, 11,5 vol%, Handlese, Direktpressung, Spontangärung, Ausbau neun Monate im Edelstahl auf der Hefe. Gibt’s für 9 € direkt im Weingutsshop.

Provence: Maison Gassier, Le Pas du Moine 2025, Cinsault, Grenache, Syrah, Vermentino, 12,5 vol%, bio-zertifiziert, Nachtlese, Direktpressung, Gärung im Stahl und Ausbau im Betontank. Gibt’s bei einer Reihe von Shops, u.a. Perbaccowein für 17,08 €.

Gardasee: Selva Capuzza, San Donino Chiaretto 2025, Groppello, Marzemino, Sangiovese, Barbera, 12 vol%, Direktpressung, Edelstahl, keine malolaktische Gärung (gilt sicher für viele hier). Den neuen Jahrgang habe ich online noch nirgends gefunden, den Vorgänger gibt’s für 9,90 € bei Trinkenswert.

Schäffer bedeutet Charakterwein, und das zeigt sich auch hier. Leicht wild, saure Erdbeere, viel Energie, der hat sogar noch einiges an Lagerpotenzial. Ich sage »Saure Lüngerl« oder Ähnliches als Begleitung, während sich der Gelegenheitstrinker vielleicht etwas überfordert fühlt. Für diese Kategorie gibt es aber den Gassier aus der Provence. In der Nase verblüffenderweise mit ein wenig Zitronengras, geht es im Mund extrem zivilisiert daher. Ich habe noch ein Stück Pizza, aber der Gassier mag etwas Feineres. Vielleicht doch am besten mit Blick aufs Meer in schickem Gwand. Der Italiener zeigt wie beim ersten Paar wieder ordentlich Säure, da ist er Deutschland viel näher. Dann gibt es rote Johannisbeere, die Frucht mischt sich mit eleganter Zurückhaltung. Nicht die extreme Individualität, aber ganz klar der crowd pleaser des Trios.

Montonia, Costaripa & Co. – das Favoriten-Trio 3

Bild Rosétest mit drei Flaschen Roséwein aus Deutschland, Frankreich und Italien

Franken: Weingut am Stein, Montonia Rosé Fumé 2024, 100% Spätburgunder aus dem Stettener Stein, 12,5 vol%, bio-zertifiziert, ertragsreduziert, Blend aus verschiedenen Lesedurchgängen, teils Vorlese, teils Saftabzug vom Most für den Premium-Rotwein, Ausbau in französischen Barriques. Gibt’s beim Weingut für 28 €.

Provence: Clos de l’Ours, L’Accent 2025, 29% Cinsault, 27% Carignan, 24% Grenache, 10% Syrah, 10% Mourvèdre, 13 vol%, bio- und biodyn-zertifiziert (Biodyvin), Handlese, Direktpressung, alle Trauben gemeinsam, Ausbau im Stahltank auf der Feinhefe. Gibt’s bei der K&U-Weinhalle für 18 €.

Gardasee: Costaripa, Rosa Mara 2025, 50% Groppello, 30% Marzemino, 10% Sangiovese, 10 % Barbera, 13 vol%, Lacrima-Methode, also Vorlaufmost mit Sedimentation, Ausbau zur Hälfte im Stahl, zur Hälfte im Barrique. Gibt’s bei Superiore für 17,50 €.

Völliges Kontrastprogramm gleich beim ersten Wein. Deutlich Holz, aber nicht kitschig-vanillig, sondern edel-zedrig. Überdeutlich deutsch, VDP, GG, könnte blind auch ein Top-Grauburgunder von Heger sein (falls ich mich nicht versteige). Das ist ein Stil, den man der Welt zeigen sollte, die Weinfarbe ahnt man nur. Der Provence-Rosé zeigt sich schon in der Nase vielschichtig, und das bleibt auch so. Etwas kräuteriger, herber im Mund, immer mit einem kleinen Grip als Stopper. Das ist richtig stark, Nachhall, Druck, sowas begleitet ein ganzes Menü. Wieder ganz anders dann der Costaripa mit deutlich mehr unterschwelligem Druck und weißem Pfeffer. Ein Wein, der mehr von der Substanz lebt, sogar etwas alkoholische Noten zeigt und tatsächlich noch lagern muss, um sich richtig zu öffnen. Weniger Leckerschmecker, mehr Struktur in diesem Flight der Kritiker-Favoriten.

Provinz gegen Provence – Trio 4

Letztes Bild Rosétest mit drei verschiedenen Flaschen Roséwein

Franken: Weingut Schloss Sommerhausen, Rosé de Provinz 2024, 100% Spätburgunder, 12,5 vol%, bio-zertifiziert, angequetscht und nach ein paar Stunden auf der Maische Direktpressung, reduktiver Ausbau im Stahltank auf der Hefe. Gibt’s eigentlich nicht mehr (aktueller Jahrgang ist 2025), also entweder den im Weingut bestellen oder nachfragen.

Provence: Château d’Ollières, Haut de l’Autin 2025, Grenache, Cinsault, Syrah, Rolle, 12,5 vol%, vier Parzellen auf Kalk, relativ lange Maischestandzeit, Direktpressung, jede Rebsorte einzeln, 80% Stahltank, 20% Barriques, Bâtonnage. Gibt’s bei Banneke für 19,49 €.

Gardasee: Pasini San Giovanni, Rosagreen 2025, 100% Groppello, 12,5 vol%, bio-zertifiziert, 2014 erster Valtènesi-Rosé, der nur aus Groppello gekeltert wurde, eine Nacht Schalenkontakt, Direktpressung, Ausbau im Stahltank. Gibt’s bei Genussland für 14,50 €.

Der Flight beginnt wie immer mit einem Franken, der alles andere als belanglos daherkommt. Frisch geöffnet mit ordentlich Reduktion, da winkt eher Aldinger herüber. Am Gaumen kommen dann durchaus Druck, deutlich Hefigkeit und auch ein ganz bisschen Restsüße. Das ist für mich ein Rosé-Schäumer ohne Blasen, also nicht im Stil der Provence, sondern der Champagne. Einen leichten Holztouch gibt es beim Provence-Rosé, der dann in Richtung Esclans geht, also hochwertig, aber blind getestet weißweinig. Sehr fein, elegant, wie sein Bruder im Flight davor mit leichtem Grip, das ist schon ziemlich konsistent. Zum Schluss zeigt der Gardasee auch noch einmal echten Charakter. Dunkler und würziger ist der Wein, balsamisch, malo-geprägt. Die milde Säure, die Würze, die Länge, das ist ein ausgezeichneter Grillbegleiter. Und sogar für Nerds geeignet.

Rosétest – mein Fazit

Das Bild ist dreigeteilt und zeigt ein Tenugui mit Krabbe im Vordergrund und Meeresstrand im Hintergrund. Von links nach rechts wird das Bild immer unschärfer.

Mein Fazit nach diesem Rosétest ist klar: Wir haben hier definitiv die dritte Weinfarbe vor uns, die man auch in diesem mittelpreisigen Segment absolut ernst nehmen sollte. Allerdings sind wir oberhalb der belanglosen Supermarkt-Regaler auch in einem Bereich, wo man sich ohne Beratung nie so richtig sicher sein kann, wie der jeweilige Wein denn schmeckt. Eigentlich hätte ich sagen wollen »ohne Beratung oder Recherche«, aber ehrlich gesagt habe ich im Netz nicht viele authentische Informationen über die geschmacklichen Eigenheiten der allermeisten meiner Rosétest-Weine gefunden. Also lieber selbst probieren…

Grundsätzlich scheint man in der Provence am weitesten zu sein, was einen einheitlichen Stil anbelangt. Der Clos de l’Ours ist für mich ein Beispiel dafür, wie man sich das vorstellen kann. Der Domaine de Terrebrune, den ich noch im Keller habe (vorprobiert bei der WineParis), zeigt das ebenso. Offenbar macht sich schonende und intelligente Weinbergsarbeit doch bemerkbar. Weißfleischiger Weinbergspfirsich als Frucht, etwas Grip, leichte Kräuterigkeit, die Fähigkeit, sich weiter aufzufächern, feine Eleganz, das sind die gemeinsamen Punkte. Der (teilweise) Holzausbau begleitet das nur. Untypisch Provence, weil Farbe und Wucht, aber trotzdem toll: Clos Cibonne.

Die fränkischen Rosés haben mich verblüfft in ihrer Individualität und Bandbreite. Da entsteht weit weg vom halbtrockenen Rotling etwas Spannendes, das vielleicht den einzigen Nachteil hat, eben keinen gemeinsamen Nenner zu besitzen. Lohnt definitiv mehr als einen Blick.

Schließlich bin ich bei den Rosés aus dem Valtènesi. Ob es an der Rebsorte Groppello liegt oder doch an bestimmten Bereitungsdetails, weiß ich nicht. Aber die Art der Frucht ist für mich viel »nördlicher« als bei Grenache oder Mourvèdre. Mir haben gerade als Speisenbegleiter die Italiener in Rosa jedenfalls besser gefallen als die ganzen Luganas, die ja (immer noch?) so angesagt sind.

Schaut also, ob von den Weinen oben einer dabei ist, der euch von seinem Geschmacksprofil entgegenkommt. Und dann her mit dem Kistchen! Damit wünsche ich eine schöne Urlaubszeit und einen hoffentlich nicht so extremen Spätsommer.

[P.S. Ich verdiene wie immer nix an Klicks oder Verkäufen, macht da nur, was ihr wollt…]

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