Boessneck-Sekt – ein festlicher Geheimtipp

Boessneck Sekt Meimberg

[In Kooperation mit dem Weinhaus Boessneck] Vor ein paar Jahren, ich hatte damals noch nichts mit dem Falstaff zu tun, waren mir im Falstaff-Guide Deutschland zwei erstaunliche Einträge aufgefallen. Eigentlich dachte ich, dass ich die meisten fränkischen Weingüter in den Guides zumindest namentlich kennen würde. Aber dann stand da: Weinkellerei Meimberg – Wein aus dem Keuperland, Betriebssitz in Emsdetten. Und ein paar Seiten weiter vorn: Weinhaus Boessneck – Spezialität Sekte, Betriebssitz in Iphofen, Ansprechpartner wieder dieser ominöse Mathias Meimberg. Nachdem die Sekte offenbar richtig ambitioniert und auch hoch bepunktet waren, wollte ich der Sache mal auf den Grund gehen. Die Auflösung findet ihr hier.

Festliche WeineMeimberg Arnold Boessneck – Wie alles begann

Mathias Meimberg & Johannes Arnold

Links auf dem Foto seht ihr Mathias Meimberg und rechts Johannes Arnold, ein Münsterländer und ein Franke. Johannes führt das VDP-Weingut Johann Arnold in Iphofen, ist aber zusätzlich Berufsschullehrer in Ochsenfurt. Mathias hingegen lernte zunächst Garten- und Landschaftsbau in München, wo er aufgewachsen war, und pendelte immer zwischen München und dem Münsterland hin und her. Das war vor über 20 Jahren, und es erschien unwahrscheinlich, dass sich die beiden jemals begegnen würden. Tatsächlich änderte sich das aber, und zwar (wie so oft) komplett per Zufall.

Gartenbau ist ja eine Tätigkeit, bei der sich die Arbeit meist auf die Vegetationsperiode konzentriert. »Auf diese Weise hatte ich viele Überstunden, die ich dann im Winter abgebummelt habe«, erzählt Mathias. Bekannte, die Traubenproduzenten in Südafrika waren, fragten ihn dann, ob er nicht Lust hätte, ihnen im Südsommer auf dem Betrieb zu helfen. »Ich bin also runter und habe schon nach zwei Wochen gemerkt: Das ist genau mein Ding – Weinbau. Dabei hatte ich bis dahin noch gar keinen Alkohol getrunken und musste erstmal anfangen zu probieren!« Nach seiner Rückkehr nach Deutschland überlegte Mathias dann, wie er seinen Weineinstieg strategisch realisieren kann. »Weil ich ja Familie in München und in Münster hatte, dachte ich mir, am besten nehme ich ein Weinbaugebiet, bei dem ich dann am Wochenende entweder in die eine oder in die andere Richtung fahren kann.« Franken, richtig geraten.

Und so trafen sich Mathias und Johannes auf der Berufsschule in Ochsenfurt, erst als Schüler und Lehrer. Der Kontakt brach aber nie ab, selbst als Mathias für ein paar Jahre bei Skærsøgaard Vin arbeitete, dem ersten dänischen Weingut mit EU-Herkunftsbezeichnung. Danach ging es weiter auf bekannten deutschen Betrieben und zuletzt beim Grafen Neipperg in Bordeaux, bevor Mathias sich entschloss, sich an der LWG in Veitshöchheim berufsbegleitend weiterzubilden. Jetzt waren beide wieder in Franken, diesmal als Freunde.

Woher kommen die Boessneck-Sekte?

Escherndorfer Fürstenberg Boessneck Chardonnay

Bevor wir uns anschauen, woher die Boessneck-Sekte kommen, stellen wir uns doch erst einmal die Frage, woher der Name Boessneck überhaupt kommt. Nun, Fritz Boessneck war der Urgroßvater von Mathias Meimberg, und Letzterer sagt, dass »eigentlich über die Oma Boessneck der Genuss in die Familie gekommen ist«. Die Namensgebung ist sozusagen eine Hommage an die Vorfahren.

Die Boessneck-Sekte bestehen ganz klassisch champanös aus zwei Rebsorten, nämlich Chardonnay und Pinot Noir. Der Chardonnay wächst in der Lage oben auf dem Foto, dem Escherndorfer Fürstenberg. »Die Parzelle ist ganz schön steil«, erklärt Johannes Arnold. »Sie befindet sich gut belüftet ziemlich weit oben, wo der Muschelkalkhang direkt nach Osten dreht. Da scheint die Sonne nicht so stark drauf, die Reife ist auch verzögert. Also eigentlich optimal für Sektgrundwein.«

Während die beiden bei der Kellerarbeit die Entscheidungen gemeinsam treffen, erledigt Johannes größtenteils die praktische Arbeit draußen. »Alle paar Wochen komme ich aus dem Münsterland hergefahren«, sagt Mathias, »während der Ernte bin ich natürlich komplett dabei.« Mittlerweile sind die Weinberge auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. »Ich bin jetzt 53«, sagt Johannes dazu, »und mir gefällt es, in der Hinsicht noch einmal eine neue Herausforderung zu haben.« Die Grundweine für die künftigen Sekte bleiben bei ihnen teilweise sehr lange auf der Feinhefe liegen. Das prägt dann auch den Stil des Hauses. Das Versekten selbst übernimmt mit Karsten Höfer ein ausgesprochener Spezialist. Was letztlich dabei herauskommt, schauen wir uns jetzt an.

Boessneck Blanc – Resolut und Black Brut Nature

Boessneck Sekt Resolut Brut & Black Brut Nature

Zwei »weiße« Sekte gibt es bei Boessneck, wobei jene natürlich auch beide Rebsorten in sich tragen. Rechts auf dem Bild seht ihr den Resolut Brut (28 € im Shop). Leichte Briochenoten zeigt jener in der Nase, vor allem aber viel geröstete Haselnuss und Orangenschale. Am Gaumen geht es im selben Stil weiter. Die Perlage ist schön gleichmäßig, der Sekt kraftvoll und mit reichlich geschmeidiger Frucht ausgestattet. Vom Alkohol liegen wir hier bei 12,5 vol%, die Kraft kommt also aus der Strukturdichte des Grundweins. Quitte, Kumquat, gar ein wenig gelber Pfirsich, das ist ein wunderbar hedonistisches Exemplar. Reicht man den Resolut Brut zum Essen (er funktioniert natürlich auch ausgezeichnet solo), kommt er auch mit üppigeren Gerichten klar. Eher Geschnetzeltes also als eingelegter Rettich.

Der Black (55 € im Shop, momentan ausverkauft, aber es kommt wieder was) ist hingegen ein Brut Nature, also mit genau Null Gramm Restzucker. Unfiltriert ist er auch, sogar ungeschwefelt, was alles nur mit wirklich komplett gesundem Traubenmaterial funktioniert. Im Glas sieht man schon die leichte Trübung, und auch in der Nase ist das eine eigene Welt. Wow. Heu, leicht Rauch, ein bisschen oxidativer Jura-Touch, ganz faszinierend. Im Mund startet der Black kraftvoll, zeigt dann aber nach und nach eher florale Noten. Man glaubt das Keuper-Terroir direkt einsaugen zu können. Moment, Keuper, steht der Chardonnay nicht auf Muschelkalk? Ja, aber der Black hat 85% Spätburgunder, und jener wächst auf Keuper, ich zeige es euch gleich.

Bleiben wir noch ein wenig beim Geschmack. Hefenoten stellen sich ein, geschmeidig ist auch dieser Sekt, selbst völlig ohne Zuckerschwänzchen. Der Grad der Trübung nimmt mit weiteren Gläsern aus der Flasche zu. So ein Sekt kann ein komplettes Menü von vorn bis hinten begleiten. Immer verändert er sich leicht, immer hat er etwas Neues zu sagen. Ich bin ziemlich begeistert.

Boessneck Rosé vom Keuper – Resolut und La Grande

Rödelseer Schwanleite Spätburgunder Boessneck

Ich hatte ja schon beim Black auf den Keuper-Spätburgunder hingewiesen, und oben seht ihr die Lage. Es handelt sich um die Rödelseer Schwanleite. Diese Lage direkt unterhalb des Schwanbergs grenzt an den berühmten Küchenmeister, dreht aber um den Berg herum beinahe in Richtung Norden.

Boessneck Sekt Rosé & La Grande

Farblich gibt es diesmal keinen großen Unterschied zwischen den Weinen, die sich beide in feines Lachsrosé hüllen. Das war es dann allerdings auch mit den Gemeinsamkeiten. Der Resolut Rosé Brut nämlich (28 € im Shop) zeigt in der Nase sofort eine feine Erdbeerfrucht neben seinen leicht hefig-nussigen Tönen. Im Mund ist das wiederum ein ausgesprochen schmackhaftes Exemplar, fruchtbetont in Richtung Erdbeere und Himbeere, sehr ausgewogen. Ein Schäumer, der einen sofort duzt und von einer guten Zeit in Gemeinschaft kündet.

Der Brut Nature La Grande (noch nicht im Shop) ist hingegen ein Rosé-Sekt aus einer anderen Welt. Gut, mindestens fünf ganze Jahre muss er gereift sein, spätere Versionen kommen sogar mit zehn Jahren Hefelager auf den Markt. Das macht natürlich schon einen großen Unterschied. Zusätzlich gibt es auch hier wieder überhaupt keinen Fruchtzucker. In der Nase spüre ich neben der fein durchscheinenden Erdbeere viel mehr balsamische Noten. Dazu gibt es etwas Nougatschokolade. Im Mund erinnern mich das Balsamische ein ganz bisschen an ein flämisches Oud Bruin. Da gibt es einen Ton, der von Hefe und Holzlaktik kündet, der eine weitere Dimension unterhalb der Frucht aufbaut. Lang hält der Geschmack an, und auch wenn ich zunächst dachte, das sei ein reiner Menübegleiter, bin ich jetzt der Meinung, den Sekt sollte man mit ein bisschen Luft und Wärme unbedingt auch einmal für sich allein probieren. Sehr charaktervoll.

Ich glaube, ich habe verstanden, was die Boessneck-Sekte ausmacht.

Fazit

Das Meimbergs Emsdetten

Oben auf dem Foto seht ihr Das Meimbergs. Das ist die Winzerwirtschaft im münsterländischen Emsdetten, die das eigentliche Zuhause von Mathias Meimberg darstellt. Hier könnt ihr alle Weine der Weinkellerei Meimberg, des Weinhauses Boessneck und auch des Weinguts Johann Arnold probieren, nicht weniger als 30 verschiedene. Sicher 20 davon, sagte mir Mathias, gibt es auch im offenen Ausschank. Dazu werden Flammkuchen, Brotzeiten und andere Kleinigkeiten gereicht, die hervorragend mit den Weinen harmonieren, jene aber im Vordergrund lassen.

Ich habe ja hier die vier Sekte des Weinhauses Boessneck probiert und behauptete, ich wüsste, was die Boessneck’sche Philosophie ausmacht. Also rein vom Degustieren her natürlich. Die beiden Resolut-Sekte sind top gemachte, kraftvolle und fruchtbetonte Schaumweine, mit denen man gerade bei größeren Gesellschaften genau richtig liegt. Alle Gäste schmecken, dass die Weine mit Leidenschaft und handwerklicher Präzision gemacht sind, aber man muss keinen Avantgarde-Titel der Sommellerie besitzen, um sie zu verstehen.

Die beiden Premium-Cuvées sind dagegen für Fortgeschrittene. Auch da haben wir keine schlanken, straffen, säurebetonten Sekte, sondern zumindest unterschwellige Power, Hefe und ungemein viel Charakter. Das ist durchaus nonkonformistisch, gehört aber genau deshalb zu den spannendsten Weinen, die ich in letzter Zeit probiert habe. Da es sich ja um die ersten lang ausgebauten Sekte der beiden handelt, die jetzt auf den Markt kommen, bin ich natürlich sehr gespannt, was in den folgenden Jahren noch auf uns wartet. Eins kann man glaube ich mit Bestimmtheit sagen: Festlich wird es ganz sicher.

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