Der Schlummertrunk des Sonnenkönigs: Rosé des Riceys

Dass bereits Sonnenkönig Ludwig XIV. diesen Wein genossen haben soll, ist ein Gerücht. Sagen die einen. Nein, das ist die reine Wahrheit, behaupten die anderen. Und da es meist mehr als eine Wahrheit gibt, gibt es auch mehr als eine komplett wahre Geschichte, wie denn der in Versailles residierende König zu diesem denkwürdigen Getränk gekommen ist. In Riceys selbst ist Ludwig jedenfalls nie gewesen. Bauarbeiter aus Riceys (so die eine wahre Geschichte), die an den Fundamenten des Schlosses von Versailles arbeiteten, hätten sich ein Fässchen ihrer Lieblings-Maurerbrause mitgebracht. Einem Herrn, der an der Baustelle vorbeigekommen sei und sich für die dortigen Tätigkeiten interessiert habe, sei auch gleich ein Gläschen angeboten worden. Und oh, dem schmeckte das Getränk wohl! Dass es sich bei nämlichem Herrn um den inkognito nach dem Rechten schauenden König selbst gehandelt habe, hätten die fleißigen Maurer aus Riceys erst viel später erfahren. Weiterlesen

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Le Beurre Bordier – auf dem Butter-Olymp

Als Schüler habe ich in den Ferien in der Molkerei gejobbt. In einer kleinen Molkerei, wie es vor gar nicht so schrecklich langer Zeit noch viele gab. Die Mitarbeiter waren meist Nebenerwerbs-Landwirte, die von ihren zwei Kühen und ihrem kleinen Weizenacker allein nicht leben konnten. So auch Knut. Er war weit über die Molkerei hinaus als “Knut der Butterer” bekannt und das vor allem wegen seiner ausgeprägten Oberarme. Um diese bei Laune zu halten, musste er nie ins Fitness-Studio gehen, sondern einfach nur zur Arbeit. Während die 250-Gramm-Stücke mittlerweile mittels einer Maschine geknetet und verpackt wurden, hatte sich für Großabnehmer wie Bäckereien mit ihren 10-Kilo-Bestellungen komischerweise noch die komplette Handarbeit gehalten. Knut rührte, stampfte, knetete und presste dann alles in die Form. Ob Jean-Yves Bordier seine Karriere auch als Hand-Butterer begonnen hat? Weiterlesen

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Der Festtags-Champagner: ein Vorschlag

Nein, heut’ ist natürlich alles andere als Weihnachten. Aber schließlich geht man an Weihnachten ja auch nicht in die Stadt, um einen feinen Champagner zu erstehen, was einen Kauftipp, der am 25. Dezember erscheint, ziemlich obsolet macht. Aus taktischen Gründen habe ich mir deshalb überlegt, dass ich Euch a) meine Champagner-Empfehlung für die Festtage schon einmal vorab präsentiere und b) bei dieser Gelegenheit jene an und für sich zweckgebundene Flasche gleich einmal anteste. Bei mir wird es zum Fest deshalb die übliche Diät aus Wasser und Brot geben. Bei Euch hingegen (wenn Ihr sehr schnell seid) eventuell diesen Champagner, sollte Euch die Beschreibung zusagen. Weiterlesen

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Schweres Gerät zum Feierabend

Mein Auto macht Zicken, ausgerechnet hier in der Bretagne. Gut, wohlmeinende Menschen hatten mich schon oft gewarnt, ich sollte doch nicht immer so alte Schlemsen kaufen, die kurz vorm Auseinanderfallen sind, aber es hilft ja jetzt nichts. Als ich also nach halbwegs getaner Arbeit die Zangen wieder in den Werkzeugkoffer stecken wollte, ist mir eingefallen, dass ich jene vielleicht noch zu ganz anderen, wesentlich angenehmeren Tätigkeiten verwenden könnte. Ich ging also die paar Meter am Kai entlang zu den “Viviers de la Houle“, meinem präferierten Austern- und Krustentierbesitzer. Dort erstand ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Seespinne sowie einen Taschenkrebs, falls ich das mit der Spinne nicht schaffen sollte. 18 € bezahlt, schweres Gerät mit in die Wohnung genommen, los geht’s. Weiterlesen

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Das Imperium des Olivier Roellinger – oder: Gibt es ein Leben nach den drei Sternen?

Ein kurzes Märchen zum Einstieg, das Märchen des Olivier R., Sohn der Stadt, in der er noch immer wirkt. Klein-Olivier interessierte sich zwar schon immer für das Meer und für das Essen, aber – wie üblich bei solchen Werdegängen – studierte erst einmal Chemie, “um meine Mutter glücklich zu machen”, wie er später betonte. Nach einem Überfall, bei dem er schwer verletzt wurde, brauchte er zwei lange Jahre, um wieder zu genesen und hatte dabei genug Zeit, über sein Leben und seine Bestimmung nachzudenken. Das Resultat war klar, er ließ die Chemie sausen und eröffnete gemeinsam mit seiner Frau ein “Table d’Hôte” in Cancale, also eines dieser in Frankreich so beliebten privaten Esszimmer. Sechs Monate später hatte er 15 Punkte im Gault Millau, und der Rest… folgt im nächsten Absatz. Weiterlesen

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Geliebter ungeliebter Muscadet

Als ich vor ziemlich genau 15 Jahren als Student (“aha, so alt schon”/”was, so jung noch”/”hab ich mir eh gedacht”) ein Essen für meine Freunde aufgetischt hatte, gab es zwei Weißweine zur Auswahl: einen Franken-Silvaner und einen Muscadet. Ich kann mich deshalb noch genau daran erinnern, weil einer der Gäste sofort krächzte, “oh Gott, bloß keinen Muscadet, ich hasse süße Weine!”. Natürlich war der Muscadet geradezu furztrocken wie praktisch alle Muscadets, aber die Verwechslungsgefahr mit einem Muscat oder Muskateller ist, das gebe ich gern zu, vom Wortklang her sehr groß. Kam ich mir damals noch mondän vor, einen solchen Wein in die zugige Bude mitgebracht zu haben, musste ich später lernen, dass der Muscadet in weiten Kreisen einen Ruf genießt, der sich auf einer Stufe mit demjenigen eines Beaujolais oder eines Kalterersees befindet. Weiterlesen

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