Die große Silvaner-Schau – die beste Rebsorte der Welt?

Die große Silvaner-Schau

Die beste Rebsorte der Welt! Der Kultwein der Hollywood-Stars! Der Wein mit den 100 Parker-Punkten! So ähnlich blinkt es uns aus Dutzenden von Überschriften entgegen. Als ich jedoch einmal nachgeschaut habe, welche Weine ich im Verlauf des letzten Jahres privat getrunken habe, waren überraschenderweise gar nicht so viele weltberühmte Topstars dabei. Wenn bei uns abends nämlich ein Wein aufgemacht wird, dann heißt es oft, „hast du nicht mal einen schönen Trinkwein, einen, der zum Essen passt?“ Tatsächlich zeigt die Hausstatistik, dass wir im Frühjahr offenbar regelrecht Appetit auf Silvaner bekommen. Irgendwie scheint es mit dem ersten Grünen und Blühen der Natur zu tun zu haben, mit Bärlauch, Salatblättern und Spargel. Silvaner besitzt allerdings nicht nur die Fähigkeit, eine Vielzahl dieser eher leichten Gerichte hervorragend zu begleiten. Silvaner ist für mich irgendwie auch die Rebsorte der Sympathie. Zeit also für eine kleine, nein, eine große Silvaner-Schau!

Silvaner-Schau revisited

VDP Franken 2019

Auf die Idee mit der GROSSEN SILVANER-SCHAU bin ich gekommen, als ich mir die Fotos vom letzten Jahr angeschaut habe. Oben auf dem Bild seht ihr die VDP Franken-Präsentation in Würzburg. Drum herum fand das Best of Gold statt. Und etwas später auch der Wettbewerb um den Internationalen Silvanerpreis, beides Veranstaltungen, auf denen ich als Juror fungierte. Und jede Menge Silvaner probierte. In diesem Jahr, ihr könnt es euch denken, ist alles anders. Trotzdem ist es draußen grün geworden, die Blätter sprießen, das erste Gemüse steht bereit und wartet – auf den Silvaner. Deshalb werde ich in der nächsten Zeit hier auf dem Blog den Silvaner in den Mittelpunkt des Geschehens stellen.

Bei der GROSSEN SILVANER-SCHAU soll es heute zunächst um die Rebsorte selbst gehen. Dann werde ich in Franken herumbrausen und die prächtigsten Weinberge vorstellen, in denen der Silvaner wächst. Und schließlich werde ich auch (wer hätte es gedacht) Weine aus Silvaner präsentieren. Ganz junge werden ebenso dabei sein wie gereifte, berühmte ebenso wie Geheimtipps, Alltagsweine ebenso wie Freakiges.

Zunächst wollen wir aber der Frage nachgehen, wo er überhaupt herkommt, der Silvaner.

Die Vielfalt einer Rebsorte

Blauer Silvaner LWG

Als alter Lateiner (einmal muss mir doch das große Latinum etwas nützen…) dachte ich bei der Herkunft des Silvaners natürlich zuerst an silva, den Wald. Eine Waldrebe also? Nun, wahrscheinlich nicht ganz. DNA-Analysen haben nämlich das Ergebnis gebracht, dass der Silvaner eine natürliche Kreuzung aus Savagnin (= Traminer) und einer eher obskuren Rebsorte namens Österreichisch Weiß ist. Letztere war auch als Kahlenberger Weiße bekannt, benannt nach dem berühmten Wiener Aussichtsberg. Die alte Heimat des Silvaners dürfte also tatsächlich in Österreich oder etwas weiter östlich liegen. Stattgefunden hat diese Kreuzung auf jeden Fall schon vor relativ langer Zeit, denn schließlich kam der Silvaner bereits im 17. Jahrhundert nach Franken und wurde nachweislich im Jahr 1659 in Castell gepflanzt.

Der Blaue Silvaner, den ihr oben im Versuchsweinberg der LWG in Veitshöchheim sehen könnt, ist übrigens ebenso wie der Rote Silvaner trotz anders gefärbter Trauben lediglich eine Mutation des (Grünen) Silvaners, die sich genetisch nicht von der Stammform unterscheidet.

Silvanerheimat Franken

Best of Gold Würzburg 2019

Und da ist sie nun, die #silvanerheimat. Unter diesem Hashtag werben die Franken für ihre identitätsstiftende Rebsorte. Silvanerreben sieht man auf dem Foto mit den fränkischen Weinköniginnen von letzten Mai allerdings nicht, denn jene befinden sich direkt unterhalb der Hoheiten im Würzburger Stein.

Aber haben die Franken denn Recht damit, wenn sie sich selbst mal flugs zum Epizentrum des Silvanerwesens küren? Nun, um das zu klären, hilft vielleicht ein Blick in die unbestechliche Statistik.

International gesehen gibt es nichts zu befürchten, denn Deutschland führt mit 4.744 ha Silvanerreben die Liste klar an. Frankreich (ausschließlich Elsass) folgt auf Platz zwei, dahinter die Schweiz, Italien und Kroatien mit weitem Abstand. Österreich als alte Silvanerheimat schafft es mit seinen 44 ha dagegen gerade einmal knapp in die Top Ten. Bei aller Begeisterung ist allerdings zu berücksichtigen, dass Silvaner auch in Deutschland einstmals eine weitaus größere Rolle spielte als heute. Anfang des 20. Jahrhunderts war es nämlich noch die am häufigsten angebaute Rebsorte hierzulande.

Casteller Schlossberg Silvaner

Die deutsche Statistik hält für die Franken dann aber einen echten Schrecken bereit: Sie sind ja gar nicht vorn! Rheinhessen hat mit exakt 2.162 ha Silvaner gegenüber 1.501 ha der Franken mengenmäßig mehr zu bieten. Allerdings liegt das in erster Linie daran, dass die gesamte Rebfläche in Rheinhessen viermal so groß ist wie in Franken. Würde man die Rheinhessen nach ihrem berühmtesten und wertvollsten Wein fragen, wäre es vermutlich kein Silvaner.

Soll heißen: Ja, es lässt sich nicht leugnen, dass aus Rheinhessen einige sehr interessante Exemplare kommen, ebenso wie aus dem Elsass und aus dem Südtiroler Eisacktal. Aber dennoch wage ich zu behaupten, dass sowohl die #silvanerheimat als auch DIE GROSSE SILVANER-SCHAU nicht ganz daneben liegen, wenn sie ihre stärkste Konzentraton auf die fränkischen Lande richten.

Die große Bocksbeutelei

Bocksbeutel Franken Silvaner

Und noch eine Sache gibt es, bei der die Franken nicht zu schlagen sind. Ich spreche von Geschmack und Stil. Visuell wird das sofort deutlich, betritt man das Treppenhaus der Winzergemeinschaft Franken in Repperndorf. Glasbausteine aus Bocksbeutelflaschen bilden eine Wand, die zum Besucher spricht. Früher dachte ich darüber übrigens ähnlich wie der große Robert Parker, der in seinem Wine Buyer’s Guide verkündete: „Frankenweine kosten eine Menge und sind wegen der unattraktiven Bocksbeutel, in die sie abgefüllt werden, schwierig zu lagern.“ In Wirklichkeit aber™ ist der Bocksbeutel großartig, und das aus zwei Gründen: Tradition und Identität.

Feldflaschen und ellipsoid flachgedrückte Trinkgefäße gibt es bereits seit ewigen Zeiten. Insofern ist das kein fränkisches Alleinstellungsmerkmal, was der Europäische Gerichtshof im Jahr 1983 leider auch so entschied. In Übersee wird mit dem Bocksbeutel deshalb vor allem der gräusliche Mateus Rosé aus Portugal verbunden, angeblich immer noch der meistverkaufte Wein der Welt. ABER: In Franken war und ist die fein abgerundete Flasche nicht etwa für einen billigen Hirtentrunk vorgesehen, sondern für ausgesprochen gute Weine. So beschloss der Würzburger Stadtrat, dass die besten Weine des städtischen Bürgerspitals in Bocksbeutel gefüllt werden sollten. Und so ist es frankenweit geblieben. Mit gewissen Ausnahmen, denn tatsächlich füllen Frevler mittlerweile auch schöne Silvaner in Schlegel- und Burgunderflaschen ab.

Wann immer ich mit echten Weinfreaks der Nach-Boomer-Generationen spreche, gibt es erstaunlich viele Stimmen, die den Bocksbeutel für attraktiv, gar schön halten. Oder wie es ein japanischer Weinfreund von mir sagte: „I love Bocksbeutel!“

Wo die Reben für diese Bocksbeutelweine wachsen, wie die Weine dann schmecken und worauf es bei der Kombination aus Spargel und Silvaner wirklich ankommt, davon beim nächsten Mal – hier bei der GROSSEN SILVANER-SCHAU.

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14 Kommentare zu Die große Silvaner-Schau – die beste Rebsorte der Welt?

  1. Thomas Riedl sagt:

    Lieber Matthias,

    DAS ist ein höchst begrüßenswertes Vorhaben!

    Bei uns trinken wir Wein weit überwiegend zum Essen. Und da kommt Silvaner deutlich öfter auf den Tisch als z.B. Riesling.
    Die Gründe sind die tolle stilistische Bandbreite der heutigen Silvaner aus Deutschland, das irre gute PLV und die sanfte Säurestruktur, die besser zu allen Gerichten passt, in denen säuerliche Elemente oder Zutaten auftauchen.

    Apropos Rheinhessen: Mir ist bis heute die VDP-Politik schleierhaft, die in Rheinhessen die Abfüllung von Grossen Gewächsen aus Silvaner verhindert.

    Die besten Silvaner Rheinhessens macht m.E. immer noch Michael Teschke. Sein 2012er „Sur Sel“ hat in einer Probe von mir sogar den großartigen „Creutz“ vom Zehnthof Luckert geschlagen! Und das für ein Fünftel des Geldes…

    Toll sind aber auch die Weine aus wurzelechten Reben von Gutzler, Sander und Thörle. Von Thörle habe ich letztens noch einen einfachen Gutswein des Jg. 2015 getrunken. Der Wein war knackfrisch und wunderbar präsent.

    Und auch in Franken gibt es jenseits des VDP herrliche Entdeckungen: Höfling aus Eußenheim, Emmerich aus Iphofen, 3 Zeilen aus Rödelsee, Baumann aus Handthal – ach, da fände ich kein Ende 😉

    Worauf es bei Spargel & Silvaner ankommt? NICHT darauf, dass der Silvaner aus dem Bocksbeutel kommt. Aber unbedingt darauf, dass die Sauce niemals nicht aus der Tüte stammt!

    Herzliche Grüße

    Thomas

    • Matze sagt:

      Ja, das sieht hier genauso aus. Beruflich bedingt probiere ich natürlich viel Riesling, und gegen die Rebsorte ist ja auch gar nichts zu sagen. Aber als Kontextwein ist der Silvaner (wenn er nicht zu breit ist) wirklich unser Favorit. Die Namen, die du nennst, kann ich alle sehr gut nachvollziehen. Wagner-Stempel und Riffel mag ich aus Rheinhessen beispielsweise auch noch. Aus Franken habe ich (wirst du ja bald sehen 😉 ) ein paar sehr unbekannte Sachen am Start, Taubertal, Mittelfranken, da sind die Preise sehr dezent. Bin jedenfalls selbst schon gespannt 😉

  2. Rolf-Bodo Dorrer sagt:

    Hallo Matthias,

    eine gute Idee, den immer noch unterschätzten Silvaner mal etwas mehr in den Fokus zu nehmen. Als Franke habe ich natürlich eine besondere Verbindung zu dieser Rebsorte, zumal aus kaum einer anderen Rebsorte so ein weites Spektrum an verschiedenen Stilistiken produziert werden kann. Ich bin sehr gespannt, welche Winzer Du abseits des Mainstreams ausgewählt hast. Bei Tauberfranken wirst Du kaum an Stephan Krämer vorbeikommen. Von ähnlicher „Naturausrichtung“ in Mittelfranken sind die interessanten und teils unfiltrierten Silvaner von Tommy Neumeister aus Ippesheim, der ebenso wie Krämer „vom Boden her denkt“ und weniger das Winemaking betont. Vom Preis-/Leistungsverhältnis finde ich auch die „Herzwerk“-Weine (maischevergorene Silvaner mit Barriqueausbau) des ansonsten konventionell arbeitenden Weinguts Münch in Sommerach (2015er bzw. 2016er jeweils 11,50 Euro) recht interessant. Wie Thomas bereits angedeutet hat, gibt es noch viele weitere Silvaner-Adressen, die einen Besuch lohnen.

    LG
    Bodo

    • Matze sagt:

      So richtig daneben liegst du mit deiner Vermutung nicht… 😉 Ich werde von Stephan Krämer aber einen gereifteren Silvaner mit hineinnehmen, um zu schauen, wie sich so ein Silvaner nach ein paar Jahren Kellerlagerung macht. Die Weine von Tommy Neumeister werden ja auch im Krämer-Keller betreut 😉 . Weingut Münch kannte ich noch nicht, vielen Dank für den Tipp!

      Insgesamt möchte ich versuchen, ein möglichst breites Spektrum abzubilden, also vom Crowd-Pleaser über das Große Gewächs bis zum Naturwein. Diversität ist ja eh mein Thema, und irgendwie passt das beim Silvaner (selbst wenn er „nur“ aus Franken kommen sollte) besonders gut…

      • Matze sagt:

        P.S. und hatte ich ganz vergessen: Auf Facebook und Instagram nehme ich noch ein paar einzelne Weine extra, die nicht gleich einen ganzen Artikel nach sich ziehen. Die Würze der Kürze 😉

    • Thomas Riedl sagt:

      Hallo Bodo,

      kannst Du Dich noch erinnern, dass Du mir bei unserem zufälligen Treffen beim Randersackerer Weinfrühling 2017 den 2015 Bimbacher Schlossgarten, Silvaner trocken vom Weingut Laufer empfohlen hast?
      Vielen Dank nochmal, denn das war ein unglaubliches Schnäppchen! Dem Weinhändler meines Vertrauens hatte ich den Wein seinerzeit blind zur Verkostung eingegossen ohne irgendwas zu dem Wein zu sagen. Er hatte auf „Silvaner Grosses Gewächs“ getippt, mit 90/100 gewertet und gemeint, wenn der Wein im Einkauf 15 Euro kosten würde, wäre er günstig. Er konnte es nicht glauben, dass der Wein nur 8 Euro kostet.
      Ich habe seinerzeit mit Weinfreunden zusammen fast 300 Flaschen bestellt.
      Gestern Abend habe ich bei einem dieser Weinfreunde den Wein blind ins Glas bekommen und ihn sofort erkannt. Dieser Silvaner steht immer noch quicklebendig da. Ein toller Speisenbegleiter! Ich habe ihn zu gebratenem Lachs, Spargel mit Sauce Hollandaise, Wiener Schnitzel, Schweinefilet und Pastagerichten serviert. Immer ging der Wein mit.

      Nun kommt das Beste: Es gibt ihn noch!
      https://weingut-laufer.de/shop/silvaner-trocken-bimbacher-schlossgarten-2015/

      Und NEIN! Ich bin mit dem Weingut in keiner Weise geschäftlich verbandelt.

      Aber diese nette Erfahrung mit Dir 2017 regt mich dazu an, Deinen heutigen Empfehlungen nachzuspüren.

      Schönen Gruß nach Würzburg

      Thomas

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  5. Thomas Riedl sagt:

    Hallo Bodo,

    kannst Du Dich noch erinnern, dass Du mir bei unserem zufälligen Treffen beim Randersackerer Weinfrühling 2017 den 2015 Bimbacher Schlossgarten, Silvaner trocken vom Weingut Laufer empfohlen hast?
    Vielen Dank nochmal, denn das war ein unglaubliches Schnäppchen! Dem Weinhändler meines Vertrauens hatte ich den Wein seinerzeit blind zur Verkostung eingegossen ohne irgendwas zu dem Wein zu sagen. Er hatte auf „Silvaner Grosses Gewächs“ getippt, mit 90/100 gewertet und gemeint, wenn der Wein im Einkauf 15 Euro kosten würde, wäre er günstig. Er konnte es nicht glauben, dass der Wein nur 8 Euro kostet.
    Ich habe seinerzeit mit Weinfreunden zusammen fast 300 Flaschen bestellt.
    Gestern Abend habe ich bei einem dieser Weinfreunde den Wein blind ins Glas bekommen und ihn sofort erkannt. Dieser Silvaner steht immer noch quicklebendig da. Ein toller Speisenbegleiter! Ich habe ihn zu gebratenem Lachs, Spargel mit Sauce Hollandaise, Wiener Schnitzel, Schweinefilet und Pastagerichten serviert. Immer ging der Wein mit.

    Nun kommt das Beste: Es gibt ihn noch!
    https://weingut-laufer.de/shop/silvaner-trocken-bimbacher-schlossgarten-2015/

    Und NEIN! Ich bin mit dem Weingut in keiner Weise geschäftlich verbandelt.

    Aber diese nette Erfahrung mit Dir 2017 regt mich dazu an, Deinen heutigen Empfehlungen nachzuspüren.

    Schönen Gruß nach Würzburg

    Thomas

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