Silvaner auf Schloss Castell – Neue Wege am alten Berg

Castell Lagenweine

[Anzeige / In Kooperation mit dem Fürstlich Castell’schen Domänenamt] Meine persönliche Beziehung zu Castell-Weinen geht mittlerweile deutlich ins dritte Jahrzehnt. Im Jahr 1997, damals noch Student in Bamberg, kaufte ich mir für immenses Geld (8,99 DM) einen 1993er Silvaner aus dem Casteller Kirchberg. Auf der Rückseite des Etiketts vergab ich nach dem Genuss die Schulnote 2 und schrieb: „Trotz des Alters frisch, angenehm, typisch, sehr guter Franke.“ Das nenne ich doch mal eine kompetente Analyse. In diesem Artikel möchte ich aber nur ein ganz bisschen in der Vergangenheit schwelgen. Es hat sich nämlich Neues getan in diesem altehrwürdigen Weingut…

Das Weingut Castell besitzt nicht weniger als 70 ha eigene Rebfläche und gehört damit zu den größten privaten Gütern der Region. Als ich meinen Kirchberg-Silvaner kaufte, tat ich dies in dem Bewusstsein, die absolute Spitze Frankens erreicht zu haben. Irgendwie hatte ich dann aber ein paar Jahre lang das Weingut ein wenig aus den Augen verloren, vielleicht auch deshalb, weil inzwischen einige kleinere Weingüter mit an diese Spitze vorgestoßen waren. Zwar wird man bei Castell kaum von einer explizit ruhigen Phase sprechen können, aber die Performance muss ja auch immer entlang der eigenen Ansprüche gesehen werden. Und die sind hoch – völlig zu Recht.

Casteller Lagenschatz

Castell Silvaner

Um das mit der Grundlage dieser Ansprüche etwas zu verdeutlichen, sei an dieser Stelle ein kurzer Schwenk in die Historie des Weinguts gestattet. Wie man auf der gut gemachten Website des Weinguts lesen kann, wurde der Ort Castell selbst bereits im Jahr 816 erwähnt, die Rebflächen der Grafen zu Castell im Jahr 1224, die Weinlagen Schlossberg, Hohnart, Reitsteig und Trautberg im Jahr 1266 und schließlich die Rebsorte Silvaner zum allerersten Mal überhaupt im Jahr 1659. Es ist dieser Dreiklang aus kontinuierlichem Familienbesitz, kontinuierlich bewirtschafteten Lagen und kontinuierlichem Anbau einer Traditions-Rebsorte, die das Weingut so besonders werden lassen.

Castell Gipskeuper

Die vier genannten Lagen befinden sich im übrigen im Alleinbesitz des Hauses Castell, was eine leichte Kopierbarkeit schlichtweg ausschließt. Geprägt werden sie – wie hier am Westrand des Steigerwalds üblich – vom Gipskeuper, der spätesten Formation der fränkischen Trias. Was das bedeutet, kann man am besten an einer Handvoll Schlossberg erkennen: Kleine, graubraune Partikel sind da zu sehen, viel eher Plättchen denn abgerundete Körner. Alabaster ist hier im Schlossberg zu finden, Calciumsulfat. Diese Schwefelhaltigkeit des Gesteins war übrigens der wesentliche Grund dafür, weshalb das Heilwasser von Castell bereits im Jahr 1399 erwähnt wurde. Ob der Wein aus dem Schlossberg damit doppelt wirksam ist, indem er gleichzeitig mundet und gesundet, vermag ich nicht zu sagen. Möglich ist es aber.

Besuch auf dem Weingut

Castell Franken

Gehört hatte ich schon davon, dass sich bei Castell einiges getan habe. Also war ich umso gespannter, was denn Weingutsleiter Peter Geil und Vertrieblerin Charlotte Scholz mir zu sagen und zu zeigen hatten. Beide sind nicht nur erst seit kurzer Zeit auf dem Weingut, sondern auch noch jung an Jahren, wenn ich das so sagen darf. Und ein bisschen frischen Wind kann ja dieser prächtige Viermastsegler von einem Weingut durchaus gebrauchen.

Castell Weingut Fässer

Für Peter Geil ist klar, wo es anzusetzen gilt: „Die Weinqualität muss stimmen. Wir haben deshalb alles quasi eine Ebene höher geschraubt: Bereits der Gutswein kommt zum Teil ins große Holzfass, was vorher nur die höherwertigen Weine durften.“ Und auch bei den Lagenweinen gab es ein gewisses Upgrade: Einerseits arbeitet Castell hier vermehrt mit der Spontangärung und mit höheren Trubgehalten bei der Vergärung, um mehr Körper und Länge in die Weine zu bekommen. Andererseits werden die Lagenweine erst im September des folgenden Jahres auf den Markt gebracht, also entsprechend der Regelungen für Große Gewächse. Das Große Gewächs wiederum folgt dementsprechend erst nach zwei Jahren. Soll heißen: Die 2018er-Lagenweine habe ich noch überhaupt nicht probieren können. Zeit ist bei Wein ja kein ganz unwesentliches Element, und dass man hier den besseren Weinen diese Zeit bereits im gutseigenen Keller lässt, finde ich persönlich eine sehr gute Sache.

Silvaner-Weinprobe

Castell Lagenweine

Das Weingut Castell hat eine beeindruckende Vielfalt von Weinen im Angebot, so dass für alle Geschmäcker etwas dabei sein dürfte. Ich wollte mich allerdings auf den Kernbereich konzentrieren, und das ist ganz zweifellos der Silvaner aus den unterschiedlichen Lagen um Schloss und Ort herum. Hier kommen also vier Silvaner aus Ersten oder gar Großen VDP-Lagen, drei aktuelle Jahrgänge und ein gereiftes Gewächs.

Casteller Hohnart 2017

(13 vol%, 16,50 € ab Hof): Der Hohnart ist ein dem Ort vorgelagerter warmer Südhang, der schon im Jahr 1266 erwähnt wurde. Gipskeuper beherrscht den Untergrund gemeinsam mit Schilfsandstein, aber der Boden ist relativ tiefgründig, tonig und lehmig.

Der Wein zeigt sich hellfarbig wie alle drei „Jungweine“ hier. In der Nase gibt es sehr angenehme Noten, Birne, ein bisschen Grapefruit, ein bisschen Passionsfrucht. Am Gaumen ist der Hohnart der zugänglichste der Castell-Silvaner, aber die Tropenfrucht steht nicht im Vordergrund, sondern sorgt lediglich für einen pikanten Kick. Schön ausgewogene Säure, ein wirklich sehr erfreulicher Wein.

Casteller Kugelspiel 2017

Castell Kugelspiel

(13 vol%, 14,50 € ab Hof): Die Lage Kugelspiel befindet sich westlich des Ortes und ist mit ihrer bewaldeten Kuppe im Rücken eher nach Norden ausgerichtet. Logischerweise sind hier durch das kühlere Mikroklima zartere Weine zu erwarten.

In der Nase ist das Kugelspiel eindeutig zurückhaltender als der Hohnart, auch weniger tropisch. Der Silvaner bleibt auf der hellen Seite, weißblütig, mineralisch, birnig. Am Gaumen ist ein dezenter Holzeinsatz zu spüren, der Wein bleibt aber insgesamt sehr straff, mineralisch, ein eleganter Leisetreter. Vielleicht gefällt er mir deshalb subjektiv sogar am besten, zumal er sich als Speisenbegleiter sehr vielseitig zeigt. Flussfisch, Frühlingsgemüse, ja sogar Sushi gehen da gut.

Casteller Schlossberg GG 2016

Castell Schlossberg

(13 vol%, 28 € ab Hof): Der Schlossberg, Monopol- und GG-Lage, ist natürlich das Herzstück des Weinguts. Auch hier standen bereits im Jahr 1266 Reben auf einem Süd- bis Südwesthang unterhalb der Burg. Gipskeuper mit hohem Alabasteranteil befindet sich im Untergrund, und die Humusauflage ist nur sehr dünn. Ein Felsenwein sozusagen, der zusätzlich von der Abendsonne profitiert.

Der Schlossberg hat am meisten Holz gesehen, und diese feine Note, die eher in Richtung Zimt als in Richtung Vanille geht, nimmt man in der Nase auch deutlich wahr. Ansonsten gibt es sowohl hier als auch am Gaumen eine elegante Zurückhaltung. Keinerlei Primärfrucht into your face, keine stark dominierenden Aromen. Würze und Tiefe deuten sich an, sind aber noch nicht in starkem Maße ausgeprägt. Natürlich kann man dieses Große Gewächs bereits öffnen und mit Genuss trinken. Beim Solotest hatte ich noch geschrieben, dass sich das Holz vielleicht noch ein bisschen besser einbinden könnte. Interessanterweise ist es aber ausgerechnet diese zusätzliche Komponente, die den Wein selbst zu mediterranem Essen wie in der Pfanne gebratenem Seeteufel überraschend gut aussehen lässt.

Casteller Schlossberg GG 2007

Castell Schlossberg 2007

Zum Schluss noch ein Blick in die Vergangenheit, und zwar gleich doppelt. Zum einen handelt es sich hier um einen nicht weniger als zwölf Jahre alten Wein. Zum anderen stammt das GG aus dem relativ warmen Jahrgang 2007 und aus einer früheren Schaffensperiode des Weinguts. Farblich kann man die Reife sofort erkennen, denn nur dieser Wein erreicht fast quittengelbe Töne. In der Nase zeigt sich ebenfalls ein gänzlich anderer Ausdruck: Expressiv, gelbfruchtig, kandierte Ananas, Banane gar. Am Gaumen kommt zu diesen gelben Aromen noch eine interessante Note von Küchenkräutern wie Kerbel hinzu, etwas Safran auch. Diese gegenüber den neueren Weinen doch deutlich andere Aromatik bedeutet auch eine andere Speisenpräferenz. Gelbes Curry mit Kurkuma oder auch Kuskus liegen dem Wein am besten.

Das Fazit

Castell Bocksbeutel klein

Keuper-Weine sind ohnehin etwas verschlossener als solche vom Muschelkalk. Dazu kommt ein Gutsstil, der konsequent trocken ist und auf jegliche Primärfrucht-Aromatik verzichtet. In Kombination mit dem Holzfassausbau ergibt das eine ganz klare Linie, bei der die Eleganz im Vordergrund steht und nicht das Plakative. Die Lagen kommen schön zum Ausdruck, alles gleitet und fließt. Dieser eindeutige Vorteil, pikant und elegant daherzukommen, wandelt sich nur dann in einen Nachteil, wenn es um Soloverkostungen geht, bei denen oft die auffälligeren Vertreter mehr im Rampenlicht stehen. Vielleicht wäre es aber tatsächlich auch eher ein bisschen bedenklich, sollte aus dem Hause Castell plötzlich ein 100 Punkte-Blockbuster kommen.

Denn Wein im Allgemeinen und mit einer solchen Philosophie im Besonderen brilliert bei Tisch als Speisenbegleiter. Und zwar dadurch, dass er sich harmonisch ins Gesamtbild einfügt, vielleicht ein paar eigene Nuancen setzt und zu einem rundum gelungenen Erlebnis beiträgt. Das können die Castell-Weine bereits jetzt richtig gut. Gerade beim Großen Gewächs bin ich aber sehr gespannt, welchen Twist ihm das neue Team noch mitgeben wird. Im September kommt hier der 2017er Jahrgang auf den Markt – das wird der nächste interessante Schritt.

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7 Kommentare zu Silvaner auf Schloss Castell – Neue Wege am alten Berg

  1. Sehr schöner informativer Text! Als (Teil-fränkin) Sommeliere IHK geprüft, 2011. Und Übersetzerin, stelle ich immer fest, dass die meissten Franken keine schönen informativen Texte schreiben können! Es „stinkt“ nur so vor Eigenlob, und ist ein wenig peinlich, oft. 😉
    Danke für den schönen Text, als Teanager bin ich nach Castell zum Weinfest gelaufen. Das ist mein Heimatteroir! 🙂 LG Gerhild Magerl

    • Matze sagt:

      Dankeschön! Am dritten und vierten Juli-Wochenende ist wieder Weinfest in Castell, das 50. sogar. Das wäre doch mal eine Gelegenheit, die Teenager-Erinnerungen aufzufrischen 😉

  2. Stefan Krimm sagt:

    Knapp, sehr informativ, vorzügliche Fotos. Man möchte sich gleich wieder auf den Weg machen, auch wenn man gerade erst heimgekommen ist aus Franken! Nur das schöne Casteller Weinfest ist mittlerweile leider etwas überlaufen. Nicht zuletzt von den Massen von Kleinbus-Insassen aus den Flusskreuzfahrt-Monstern, die das Land zunehmend als ihr persönliches Museum nutzen, um sich dann wieder auf dem „Schiff“ versorgen zu lassen.

    • Matze sagt:

      Ja, von den Flusskreuzfahrten hatte ich schon gehört, dass das so zugenommen hat. Das ist hier in Nürnberg natürlich weniger ein Thema. Wobei ich persönlich einen Fluss wie den Main vor der Haustür schon irgendwie schätzen würde 😉

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