Natürlicher Dienstag #31 – Labet Fleur de Savagnin

Labet Jura Fleur de Savagnin

Im Reich der (relativ gesehen) natürlichen Weine gibt es eine große Zahl von Produkten, von denen die breitere Weinöffentlichkeit noch nie etwas gehört hat. Es gibt aber auch echte Stars. Selbstverständlich ist der Starstatus ein anderer als bei, sagen wir, Dom Pérignon. Aber wer sich ernsthaft mit der Materie beschäftigt, dürfte von diesen Weinen schon einmal etwas gehört haben. Der Wein, den ich heute bei der bereits 31. Folge (puh!) des Natürlichen Dienstags vorstellen möchte, gehört zu diesen Szene-Stars. Es handelt sich um einen Savagnin aus dem Jura von der Domaine Labet.

Domaine Labet – Savagnin aus dem Jura

Weine aus dem Jura gehören nie zu den Weichspülern des Genres. Süße Frucht, milde Säure, vanillige Noten vom Neuholz – das gibt es hier in aller Regel nicht. Die Roten, gerade aus den lokalen Sorten Trousseau und Poulsard, sind oft eher Liebe auf den zweiten Blick. Die Weißen aus Chardonnay und Savagnin zeigen meist eine knackige Säure, wobei Savagnin schon von sich aus diese Apfelnoten besitzt, die sonst ungeschwefelten Weinen vorbehalten sind. Und die oxidativ ausgebauten Schätzchen vom Schlage eines Vin Jaune sind derartig komplex, dass sie eher erfahrenen Weintrinkern gefallen. Über die Juraweine und ihre Protagonisten hatte ich aber schon vor einiger Zeit berichtet, als ich mich in Dole einquartiert hatte.

Jetzt aber zur Domaine Labet, die sicher eine bekannteste Vertreterin des Juras ist. Die drei Geschwister Julien, Romain und Charline bewirtschaften 13 ha Reben biologisch zertifiziert um das Örtchen Rotalier herum. Wie üblich im Jura, ist das keine Monokultur-Landschaft, sondern viele Parzellen gerade mit alten Reben sind weit verstreut und in Wiesen, Wald und Feldern eingebettet. Julien kam nach Weinbaustudium und Praktika mit anderen Vorstellungen von der Weinbereitung zurück als sie seine Eltern hatten. Deshalb bekam er zunächst einmal ein paar Hektar zum Ausprobieren und gründete damit seine eigene Domaine. Mittlerweile hat man sich aber im Familienverband geeinigt. Die Eltern sind offiziell im Ruhestand, aber Vater Alain beteiligt sich noch sehr aktiv, insbesondere bei den oxidativen Weinen. Ähnlich wie (Fast-Nachbar) Ganevat haben die Labets etwa 30 verschiedene Weine im Angebot. Eine Marketingagentur scheinen sie also nicht befragt zu haben.

Wie schmeckt der Wein?

Die Labets sind auf Juliens Initiative hin biologisch zertifiziert, gehen aber in allen Punkten weit über die dortigen Anforderungen hinaus. Die Erträge sind winzig (meist unter 15 hl/ha), praktisch alles wird per Hand gemacht. Es wird spontan vergoren, nicht filtriert, noch nicht einmal gepumpt, im Holzfass ausgebaut und nach rund eineinhalb Jahren ungeschwefelt auf die Flaschen gefüllt. Als ich vor knapp 15 Jahren das erste Mal von diesen Weinen hörte, wurden sie auch noch zu Preisen verkauft, von denen ehrlich gesagt kaum jemand leben konnte, erst recht nicht mehrere Familien. Das ist mittlerweile ein bisschen anders geworden. Gut 20 € kostet der „kleinste“ Wein, die Exemplare aus speziellen Parzellen gehen für knapp 40 € über den Ladentisch.

Der Fleur de Savagnin liegt da in der Mitte. Er stammt aus den Reben fünf verschiedener Parzellen, die auf Mergel stehen und zwischen 1953 und 1985 gepflanzt wurden. 65% sind Savagnin vert und 35% Savagnin jaune. Mein Wein aus dem Jahrgang 2014 hat 12,7 vol% Alkohol und einen pH-Wert von 3,1, weshalb das mit der Nicht-Schwefelung auch besser funktioniert. Ab ins große Glas damit, ein bisschen Luft sollte schon sein. Durchaus kräftig in der Farbe, spüre ich in der Nase leicht laktische Töne vom biologischen Säureabbau, dann primär florale und pflanzliche Noten. Frische Champignons, Wiesenkräuter, Strohblumen, Senfkörner, nur ein bisschen gelber Apfel. Im Mund ist die Säure zwar präsent, aber nicht dominierend, denn insgesamt ist das eine ziemlich elegante und ausgewogene Sache. Leicht Rauch, ein Touch Fenchel, saure chinesische Pflaume, gelber Apfel. Und alles ist gut eingefasst, da lappt nicht heraus. Ein richtig überzeugender Wein, ohne jeden Zweifel.

Wo habe ich ihn gekauft?

Pinot Weinhandel Nürnberg

Gekauft habe ich den Fleur de Savagnin der Domaine Labet genau hier, im Pinot Weinhandel zu Nürnberg. Das ist natürlich easy, wenn man in derselben Stadt wohnt. Ansonsten bekommt man die Labet-Weine bei nettem Nachfragen auch bei Vins Vivants, bei Cool Climate und wahrscheinlich auch bei anderen Läden, die sich nicht im Internet damit schmücken.

Der Fleur de Savagnin bleibt, wie alle anderen Weine von Labet, selbstverständlich ein besonderer Wein für besondere Gelegenheiten. Den einfach als Leckerschmecker hinterzukippen, wird der ganzen Sache nicht gerecht. Andererseits ist es so, dass es sich nicht um ein ausgesprochenes Freakprodukt handelt. Fehltöne (selbst im Qualitätsweinprüfungsmodus) habe ich keine gefunden. Ohnehin haben mich ehrlich gesagt die Weine von Labet noch nie enttäuscht. Anders übrigens als (das sage ich aber nur ganz leise) gelegentlich bei Ganevat. Wer sich also mal auf die gehobene Variante von Naturweinen einlassen möchte, voilà, hier ist die Gelegenheit.

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