ProWein-Nachlese – Jungwinzer aus Württemberg

Wein.Im.Puls Jungwinzer Württemberg Seybold Schäfer-Heinrich

Sie nennen sich Wein.Im.Puls und sind ein Zusammenschluss von nicht weniger als 40 Jungwinzer/innen aus Württemberg. Eine wirklich bunte Truppe ist das. Männlein und Weiblein in ausgewogenem Verhältnis, vom kleinen Bio-Betrieb bis zur Genossenschaft ist alles dabei, vom Trollinger für jeden Tag bis zu ungeschwefeltem Natural Wine wird alles produziert. Gemeinsam ist ihnen, das ist vermutlich nicht so schwer zu erraten, dass alle jung sind und in Württemberg beheimatet. Wieso ich bei 6.800 Ausstellern auf der ProWein ausgerechnet hier vorbeigekommen bin und auch noch darüber berichte? Nun, das sind die manchmal schicksalhaften Fügungen, eine Verkettung angeblich zufälliger Ereignisse…

Los ging es eigentlich damit, dass Alex Zülch mir erzählt hatte, er hätte seinerzeit zum ersten Mal einen „vin naturel“ herstellen lassen, vielleicht den ersten überhaupt in Deutschland, und zwar beim Weingut Schäfer-Heinrich aus Heilbronn. Bei der BIOFACH bin ich dann gleich zum Stand von Schäfer-Heinrich gegangen, um den Wein zu probieren. Dabei habe ich festgestellt, dass mir deren Lemberger auch sehr gut gefallen. Das wiederum hat mich dazu veranlasst, mir für das BIOFACH-Tasting, für das ich in diesem Jahr verantwortlich war, einige Weine vom Weingut schicken zu lassen. Aus diesen habe ich dann den 2017er Trollinger P für die Verkostung ausgesucht, ein toller Wein aus einer in Fachkreisen meist nur milde belächelten Rebsorte. Und der Wein hat dann in der Tat nicht nur mich begeistert. Elke Hieber schrieb mir nach der Veranstaltung, dass sie auch bei der ProWein seien, und zwar Sohn Lars am Gemeinschaftsstand der Württemberger Jungwinzer.

Seid ihr noch dabei? Ich ging also bei der ProWein zu diesem ominösen Jungwinzer-Stand und fand direkt neben Schäfer-Heinrich das Bio-Weingut Seybold. Irgendwie, das schwante mir bereits, gibt es im deutschlandweit eher als leicht verstaubt geltenden Württemberg doch einige Winzer, die richtig schöne rote Trinkweine machen können. Und die man woanders viel zu wenig kennt. Ich probierte also besonders die Schwarzrieslinge, weil ich die Rebsorte mag und sehen wollte, ob sie das etwa auch noch können, die Schwaben.

Schwarzriesling aus Lauffen

Und tatsächlich, sie können es. Der 2015er ist ein schönes, würzig-saftiges Exemplar, 12,5 vol% und knochentrocken. Christian Seybold meinte, als sie sich selbständig gemacht hätten, wollten sie gleich auf einem höheren Niveau anfangen. Also Bio-Anbau, Handlese, die Weine richtig trocken im Holz ausgebaut. 9,50 € kostet der Schwarzriesling konsequenterweise, und die ist er allemal wert. Im Nachfolgejahrgang 2016 ist der Wein noch etwas knackiger ausgefallen mit einer wirklich schönen Frucht. Interessanterweise heißt er nicht mehr „Schwarzriesling„, sondern „Pinot Meunier„, was selbstverständlich dieselbe Rebsorte ist. Aber Christian sagte mir etwas, das auch schon Andreas Durst mit seinem Portugieser gemeint hatte: „Der Name, so blöd sich das anhört, bringt wirklich etwas. Die Leute kaufen Pinot Meunier lieber als Schwarzriesling, weil es sich edler anhört.“

Natürlich habe ich dann auch den Spitzenwein probiert, den Pinot Meunier Y aus dem Jahrgang 2017. 13,5 vol%, also wirklich reif geerntet, 5 g Säure und 1,7 g Restzucker pro Liter, ein Jahr Ausbau im Barrique, 13,50 € ab Hof. Momentan ist der Wein natürlich noch sehr jung, ein bisschen pikant-bissig, aber mit richtig gutem Potenzial. Eigentlich, sagte ich mir, kann man sowas gar nicht mehr unterschätzen, wenn man es einmal probiert hat. Die Frage ist: Wer tut das außerhalb der Region, wer hat dazu die Gelegenheit, welche überregionalen Händler führen solche Weine, welche interessanten Restaurants?

Wein.Im.Puls in die Offensive!

Und da bin ich jetzt endlich wieder bei den zu Anfang angesprochenen Winzer/innen von Wein.Im.Puls. Christian Seybold ist nämlich Vorstandsvorsitzender der Jungwinzer. Oben auf dem Foto seht Ihr übrigens von links nach rechts Christian Seybold, seine Schwester Cathrin und Lars Hieber. Das nur, weil ich es oben vergessen hatte zu erwähnen. Nachdem ich jetzt also gleich mehrfach davon überzeugt worden bin, dass in diesem Landstrich a) schöne Rotweine aus b) autochthonen Rebsorten, die c) ziemlich unterschätzt werden von d) jungen Leuten gemacht werden, da… Ja, da denke ich mir, wäre es doch an der Zeit, tatsächlich einmal dort hinzufahren und zu schauen, was in der Region weintechnisch so alles geht. Gut, momentan hänge ich noch extrem unglücklicherweise im foodmäßig ganz und gar nicht lohnenden Brüssel fest. Aber wenn die Reben anfangen zu grünen, dann möchte ich mal eine Expedition nach Württemberg wagen.

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4 Kommentare zu ProWein-Nachlese – Jungwinzer aus Württemberg

  1. Johann Kornmeier sagt:

    Brüssel foodmäßig nicht lohnend. Das ist aber feine Ironie.

    • Matze sagt:

      Lustig, genau darüber hatten wir uns gerade unterhalten. Frau Pop, die mit mir hier in Brüssel ist, meinte, „glaubst du, die Leute verstehen das?“. Ja, tun sie 😉

  2. Thomas Riedl sagt:

    Hallo Matthias,
    da muss ich doch gleich oberlehrermäßig nachhaken: Von welchen „autochthonen Rebsorten“ schreibst Du bezogen auf Württemberg?
    Ich würde Samtrot und Clevner (=Pinot droit) als flächenmäßig seltene Gebietsspezialitäten gelten lassen, Lemberger und Trollinger sind weitere, nicht seltene Gebietsspezialitäten. Aber autochthon?

    Völlig stimme ich Dir hingegen zu was die Qualität der Weine von Schäfer-Heinrich angeht. Das ist alles prima und Trollinger wird in der Tat sträflich unterschätzt.
    Ich versuche gerade, den Bonner Weinzirkel vom (Froh-)Sinn einer Vergleichsprobe Trollinger – Vernatsch zu überzeugen.
    Genauso gut könnte ich auf den Mann mit der gelben Katze auf dem Kopf einreden, dass eine Mauer an der mexikanischen Grenze rausgeschmissenes Geld ist…

    Weißt Du, dass die Württemberger alljährlich ein Paket mit den Siegerweinen aus dem Trollinger-Wettbewerb anbieten? Und da sind richtig schöne und im besten Sinne preiswerte Weine dabei.

    Schönen Gruß

    Thomas

    • Matze sagt:

      Ich finde persönlich ja auch, dass sich gute Trollinger sehr lohnen, gerade als Trinkwein, vielseitig zum Essen, zum Zusammensitzen. Also zu Gelegenheiten, wo man nicht umbedingt immer total akademisch an die Sache rangeht mit Solotest und Punktevergabe. Kann man aber natürlich auch machen. Also viel Erfolg beim Überzeugen des Zirkels, meine mentale Unterstützung hast Du auf jeden Fall!

      Was das Autochthone anbelangt, halte ich es mit Ian d’Agata in seinem „Wine Grapes of Italy“: a) in der Region entstanden, b) seit mehreren Jahrhunderten dort angebaut, weil dann biologisch vollständig adaptiert. Trollinger ist, wenn ich mich nicht täusche, schon von den Römern nach Germanien gekommen, also sicher autochthon in dem Sinne. Lemberger gegen 1850, darüber kann man also streiten. Schwarzriesling wahrscheinlich im 16. Jahrhundert schon in Lothringen, und von da ist es ja nicht mehr weit 😉 . Gut, genau weiß ich es nicht, aber da Samtrot ja eine Mutation des Schwarzrieslings ist, gab es Letzteren auf jeden Fall schon deutlich früher in Württemberg.

      Wenn ich jetzt „autochthon“ ausschließlich auf die Entstehungsregion beschränken würde, müsste ich mein allgemeines Verständnis von Integration vielleicht auch noch mal überdenken. Möchte ich das? Ich glaube nicht 😉

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