BIOFACH-Woche – Zwölberich und Wachspapier

Biofach 2019 Mandeln

Heute war mein „Streifzug-Tag“ bei der Biofach 2019. Das bedeutete, dass ich ein bisschen an meine üblichen Rundgänge anknüpfen konnte. Im letzten Jahr hatte ich dort Fackel-Ingwer aus Indonesien entdeckt, im vorletzten Jahr die Gewürzkünstler Beendhi aus Paris. Und diesmal? Diesmal gab es zunächst einmal doppelt sanft geröstete Mandeln aus Mallorca mit Tap de Cortí. Das ist eine milde Paprikasorte, der typische traditionelle Geschmack der Insel.

Especias Crespí

Biofach 2019 Crespi

Das hat mir alles sehr freundlich und in ausgezeichnetem Deutsch Juan Velasco Bruckner von den Especias Crespí erklärt, dessen Großmutter glaube ich aus Österreich stammt. Sowohl Mandeln als auch Paprika kommen von den eigenen Ländereien, seit langer Zeit in Familienbesitz. Wenn man Mandeln zu heiß und zu schnell röstet, so erzählt er, werden sie nicht nur hart und trocken, sondern büßen auch viel von ihrem charakteristischen Aroma ein. Das glaube ich gleich, kenne ich doch die Kunst der Doppel“backung“ auch von belgischen Pommes. Ein passender Vergleich, wie ich finde. Die Firma Crespí stellt neben Mandeln und Paprika noch eine ganze Reihe interessanter Gewürzmischungen her, manche traditionell, andere als eine Art moderne Gemüse-Curries durchaus experimentierfreudig.

Weingut Im Zwölberich

Biofach 2019 Zwölberich

Hartmut Heintz ist schon so etwas wie „Il Padrone“ , immer untadelig in Jackett und Einstecktuch. Sein Nahe-Weingut Im Zwölberich bewirtschaftet nicht weniger als 33 ha, und zwar seit über 25 Jahren biodynamisch. Was das bedeutet, wird an der dritten Zahl deutlich: 15 Menschen arbeiten hier das ganze Jahr über fest, und während der Saison kommt noch einmal dieselbe Zahl hinzu. Da ist schon echte unternehmerische Verantwortung gefordert, die nicht nur heißen kann „wir machen so weiter wie immer“ . Der süße Gewürztraminer (er sollte ja eigentlich durchgären) war dabei allerdings eher eine Innovation aus Versehen. Nicht zu unserem Schaden, würde ich sagen.

Weingut Bergdolt St. Lamprecht

Biofach 2019 Bergdolt St. Lamprecht

Im Jahr 2009, so erzählt mir Herr Bergdolt vom Weingut Bergdolt St. Lamprecht aus der Pfalz, sei seine Tochter aus Geisenheim wieder zurückgekommen mit einer eindringlichen Botschaft: „Wir müssen auf Bio umstellen, etwas anderes hat gar keinen Sinn!“ Also haben sie es gemacht und den Schritt nie bereut. Die Rebstöcke würden jetzt einfach ganz andere Trauben produzieren können. Gelernt habe ich bei meiner anschließenden Querverkostung der feinen Bergdolt-Weine, dass der Ruppertsberger Reiterpfad eine so ausgedehnte Lage ist, dass man beim Großen Gewächs lieber die Parzelle ein ganz bisschen präziser angibt. Wie oben auf dem Etikett zu sehen.

Weingut Hubert Lay

Biofach 2019 Weingut Hubert Lay

Christian Lay vom badischen Weingut Hubert Lay hat mir eine ganze Reihe interessanter Weine vorgestellt, und zwar in der ungeschwefelten wie in der geschwefelten Version. Ob ich daraus ein Gesetz machen würde, weiß ich noch nicht, aber es war deutlich spürbar, wie der Schwefel die Ecken und Kanten abschleift, die Säure und die Tannine milder erscheinen lässt. Die Ungeschwefelten waren ganz klar immer noch als Pinot Noirs zu erkennen. Aber kann es sein, dass diese „typisch deutsche“ Himbeer-Kleber-Note (die Süße ohne Süße) in Spätburgundern ein aromatisches Ergebnis der Schwefelung ist? Das wäre doch eine spannende Erkenntnis.

Tütle

Biofach 2019 Tütle Frischhaltepapier

Ende letzten Jahres während meines Paris-Besuchs hatte ich auf Facebook oder Instagram mit Joerg Utecht diskutiert, ob ein exzellentes Pariser Käsegeschäft tatsächlich Plastikfolien für seine Käse verwendet. Oder wenn nicht, was es denn sonst sein könnte. Vielleicht ja so etwas ähnliches wie das hier. Heute bin ich nämlich zufällig am Stand des Papierherstellers Pfleiderer vorbeigekommen, der für die schwäbische Firma Apomore ein ganz spezielles Frischhalte-Papier herstellt. Brandneu übrigens, am Mittwoch war erst die Vorstellung der next generation des Tütle. Jenes besteht aus 70% Holzfaserstoff und 30% Grasfaser, darüber noch eine einseitige Beschichtung aus Bienenwachs (alles bio natürlich). Das Papier ist vor allem wegen der Grasfaser wesentlich ressourcenschonender in der Herstellung, gleichzeitig hydrophob und bis zu einem gewissen Grad luftdurchlässig. Eigentlich genau das, was man sich von einem guten Käsepapier wünscht. In der Tat, der Verpackungsmarkt im Biobereich wird immer spannender (muss er allerdings auch…).

Winzersnack

Biofach 2019 Winzersnack

Eine deutsch-russische Kooperation der sehr angenehmen Art. Die Leute der Firma Taiga Naturkost aus Frankeneck sind Nussexperten. Besonders für sibirische Zedernüsse, aber eigentlich geht es bei allen Nüssen primär um Frische und Qualität, egal welcher Sorte und egal woher. Die Legende will es, dass der Chef mit seinen Leuten nachmittags mit einer Flasche Wein im Restaurant sitzt, dessen Küche aber geschlossen ist (ich erinnere mich spontan an mein Interrail-Erlebnis). Schnell kommt die Idee auf, man müsste doch irgendetwas haben, das man auch zwischendurch bei kalter Küche zu Wein reichen kann. Oder zu verschiedenen Weinen. Oder auf Weinfesten. Auch der Winzer in seiner Probierstube. Oder in der Bar. Gesagt, getan, Winzersnack ward geboren. Mittlerweile gibt es fünf gewürzte Snacks auf Mandel- und Cashew-Basis, die als Begleitung zu bestimmten Weine gedacht sind. Ich nehme zum Testen die Cashews, die zu Sekt passen sollen …und bin gespannt.

Winterende

Biofach 2019 Winterende

Als ich von der BIOFACH nach draußen trete, ist der Winter auf einmal vorbei. Die Sonne scheint, und die Luft ist so mild, dass ich mich spontan auf eine Parkbank setze. Von der Grünfläche wabert doch tatsächlich schon der Duft der ersten Grillversuche herüber. Puh, denke ich mir, das war doch eine ereignisreiche, aber gar nicht mal so erholsame Woche. Die vom automatischen Schrittzähler am Handy geforderten 10.000 Schritte täglich habe ich immer mit großer Leichtigkeit übertroffen. Und das, indem ich nur ein bisschen von Stand zu Stand geschlendert bin. Interessant war es wieder mal auf der BIOFACH (ich hoffe, auch für euch ein bisschen) – jetzt aber ab ins verdiente Wochenende!

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