ProWine Tokyo 2026 – Lohnt sich das für deutsche Winzer?

ProWine Tokyo 2026

Der deutsche Weinbau hat schon bessere Zeiten gesehen, und damit meine ich nicht die klimatischen Entwicklungen. Kriege, Krisen und politische Schlafmützigkeit haben dazu geführt, dass die Konsumfreude bei uns ziemlich in den Keller gegangen ist. Wer seine Weine nicht mehr an die Stammkundschaft loswird und beim Preiskampf des Handels nicht mitmachen möchte, hat immer noch die Möglichkeit, sich woanders auf der Welt umzusehen. Ich bin deshalb bei der ProWine Tokyo 2026 gewesen und habe mich mit vielen unterhalten, die auch dort waren.

Was ist die ProWine Tokyo 2026?

Tokyo Big Sight

Wir alle kennen die ProWein in Düsseldorf, unsere deutsche Wein-Leitmesse, bis vor kurzem noch die größte der Welt. Eigentlich ein Wunder, dass sich so eine Messe im lediglich zehntgrößten Wein-Erzeugerland entwickeln konnte. Nun kann man aber nicht nur Wein exportieren, sondern auch ein Messekonzept. Ähnlich wie die Koelnmesse mit den Anuga-Ablegern, ist auch die Düsseldorfer ProWein (als ProWine) international gegangen. Es gibt mittlerweile ProWines Shanghai, Singapore und Hong Kong (abwechselnd), Mumbai, São Paulo – und eben Tokyo. Dabei darf man sich das nicht so vorstellen, dass es dort zehn Messehallen voller Wein gibt. Die ProWine Tokyo 2026 war beispielsweise nur Teil einer »Sammelmesse«. Auf dem Titelbild könnt ihr sehen, dass die FABEX die eigentliche Hauptmesse war. Die ProWine nahm rein räumlich genau 14% der gesamten Fläche ein und bot Platz für 188 Weinunternehmen aus 23 Ländern.

Wer war alles da im »German Pavilion«?

Loic Brunot Hopscotch Deutsche Weinkönigin Anna Zenz

Als ich am Morgen des ersten Tages der ProWine Tokyo 2026 zum German Pavilion komme, sind die beiden Menschen auf den Fotos oben schon da: Loïc Brunot und Anna Zenz. Loïc Brunot leitet die Partneragentur des DWI in Japan (Hopscotch), die deutsche Weine auf den japanischen Markt bringen soll und kennt sich entsprechend umfassend mit dem Thema aus. Monsieur Brunot erzählt mir, dass es lange keine eigentliche Weinfachmesse in Japan gab, seit 2024 ist aber die ProWine aktiv. In diesem Jahr seien 32 deutsche Aussteller dort, ein Rekord und auch die Spitze vor Frankreich mit 29 und Japan mit 26 Anbietern. Dass hier Wein in eine Food- und Horeca-Messe eingebunden ist, stört ihn nicht. Viele Gastronomen hätten so die Möglichkeit, an einem Tag das ganze Spektrum abzuklappern, und etliche Wein-Importeure würden auch mit anderen Waren handeln.

German Pavilion ProWine Tokyo 2026

Anna Zenz hingegen heißt die zur Messezeit noch amtierende Deutsche Weinkönigin. Sie ist am Stand für Weinpräsentationen zuständig, von denen es während der drei Messetage insgesamt acht gibt. Nach Den Haag ist das für sie die erste große Auslandstour, denn nach der ProWine Tokyo 2026 folgt noch die Ausgabe in Singapur, bevor es dann nach Miami geht. Ursprünglich kommt Anna von einem Weingut-Restaurant am Fuß des Bremmer Calmonts an der Mosel, seines Zeichens der steilste Weinberg Europas. Ihre Seminare, von denen ich gleich »Keep it light« besuchen werde, seien ein bisschen niedrigschwelliger angelegt als eine echte Masterclass. Also Anbaugebiete, Weinstile in Deutschland, ein paar Zahlen und Fakten. »Man kann ja nicht davon ausgehen, dass sich alle Leute hier so genau mit deutschen Weinen auskennen. Da geht es auch ums Ausprobieren und Neugierig-Machen«. Sagt sie und setzt sich extra fürs Foto nochmal das Krönchen auf.

Das DWI auf der ProWine Tokyo 2026

ProWine Tokyo 2026 Moritz Volke DWI

Verantwortlich für den deutschen Wein-Messeauftritt ist Moritz Volke vom DWI. Japan-affin war Volke schon immer, seit 2026 ist er aber auch für den japanischen Markt zuständig. Messevorbereitung, Weintransport, Besucherakquise, Standbetreuung, Abendveranstaltungen, Nachbereitung, das alles gehört zu seinen Aufgaben. Da gerade das »Keep it light«-Seminar stattgefunden hat mit alkoholleichten, für mich überraschend aber eben auch süßen Weinen bis zur Spätlese, frage ich Moritz Volke einfach, wie das zustande gekommen ist. »Wir überlegen uns zusammen mit Hopscotch die Themen der Seminare, sind bei der Ausgestaltung aber natürlich immer auf das angewiesen, was uns die hier präsenten Weingüter zur Verfügung stellen.« In diesem Fall also auch mal einen Gewürztraminer, dessen potenzieller Alkohol von 15 vol% nur deshalb nicht zum Tragen kommt, weil man die Gärung vorher abgestoppt hat…

»Richtig. Auf vielen Märkten sieht man aber wieder eine kleine Tendenz zur Restsüße. Insofern fand ich das vertretbar.« In Düsseldorf würde das vermutlich etwas anders ablaufen, aber da hätte man ja auch eine viel größere Auswahl an Weinen. Natürlich möchte ich auch wissen, was Moritz Volke sich als Ziel für die ProWine Tokyo 2026 gesetzt hat. »Hauptsache glückliche Aussteller«, lacht er. Um das zu erreichen, gab es schon im Vorfeld eine Kooperation mit dem japanischen Fachmagazin Wine Kingdom. Die Aussteller hatten die Möglichkeit, dem Magazin vorab Weine zu schicken, woraufhin dann ein Artikel zum Thema erscheinen soll. Nach der Messe. Bei der Messe hat Wine Kingdom allerdings auch einen Stand, und ein Sommelier hält auf Japanisch dort ein Seminar ab, in dem drei ausgewählte deutsche Weine vorgestellt werden.

Exportspezialist – Gerd Stepp Winery

Sayumi Sawabe und Lídia Becvar auf der ProWine Tokyo 2026, Gerd Stepp Winery

Ich gehe die Reihen der deutschen Aussteller entlang und treffe auf ein sehr ungewöhnliches Weingut. Und vor allem ungewöhnliche Menschen. Gerd Stepp stammt aus der Pfalz, aber nicht aus einer Winzerfamilie. Mit 18 ging er erst einmal nach Neuseeland, kam dann zurück, machte eine Winzerausbildung und ging mit 24 nach Südafrika, dann nach Nigeria und Italien, um schließlich für lange Zeit Winemaker für Marks & Spencer zu sein. Schon 2003 baute er nebenbei sein eigenes Business auf, mit Weinen von seinen eigenen Flächen, aber auch mit Trauben von Partner-Weingütern. Erst 2021 beschlossen er und seine Partnerin Lídia Becvar (oben rechts auf dem Foto), physisch nach Bad Dürkheim überzusiedeln. Als echtes Weingut mit Haus und Keller und Besuchern. Ein großer Schritt für solche Kosmopoliten wie Gerd und Lídia, die ja bislang zu 100% auf Export gesetzt hatten.

Im Moment seien sie ein bisschen gestresst, gibt Lídia zu. Wegen ihrer Exportausrichtung seien sie überall auf den Messen unterwegs, das sei ja auch ihr Business. Aber »you know, the vineyards don’t wait«, daheim stünde halt auch eine Menge Arbeit im Weinberg an. Am Stand erhalten Lídia und Gerd Unterstützung von Sayumi Sawabe (oben links auf dem Foto). Sie war früher selbst Importeurin für ungarischen Wein und ist seit 30 Jahren in der Branche, berät und lehrt jetzt allerdings mehr. Eine perfekte Gesprächspartnerin, um mehr über den japanischen Weinmarkt zu erfahren. »Wein ist mittlerweile ein normaler Teil des Lebens in Japan geworden«, sagt sie. »In jedem Supermarkt gibt es zum Beispiel auch Salami und Käse. Und ich denke, gerade Käse könnte sich hier nicht verkaufen, wenn man ihn nicht in Verbindung mit Wein sehen würde.« Dass französischer Burgunder so teuer geworden sei, wäre für Produzenten wie Stepp eine wunderbare Lücke.

Neues ausprobieren – United Winemakers & Fleischmann-Krieger

United Winemakers of Germany Katharina Krieger

Das Faszinierende an diesen internationalen Weinmessen ist, dass man ständig auf völlig unterschiedliche Konzepte und Herangehensweisen trifft. Links seht ihr Thomas Vogel von der pfälzischen Winzergenossenschaft Herxheim am Berg. Die Herxheimer haben sich mit drei anderen Genossenschaften zusammengeschlossen, um jetzt als »United Winemakers of Germany« schön konzertiert in den Export zu gehen. Auf der anderen Seite des Pavillions befand sich übrigens Nicola Blanchard mit ihrer »German Wine Group«, wieder vier Genossenschaften aus vier Anbaugebieten, die Precursor dieses Trends. Anfang des Jahres hatte sich mit »Associated Wines Germany« sogar ein dritter Zusammenschluss gegründet, diesmal nur drei Mitglieder. Thomas Vogel ist zum ersten Mal auf der Messe in Tokyo. Er sagt: »Die Idee dahinter ist, dass man sich die Kosten teilt, und dieser Solidaritätsgedanke passt ganz gut zu Genossenschaften. Außerdem sind wir so flexibler und stärker als allein und können uns bei Kundenwünschen ergänzen.«

Auch Katharina Krieger ist das erste Mal in Tokyo. Ihr Weingut Fleischmann-Krieger, das sie als next generation gemeinsam mit ihrem Bruder betreibt, hat auch überhaupt keine Exporterfahrung nach Asien. »Es gab eine Ausschreibung, aber ich glaube, es sind alle zugelassen worden, die sich angemeldet haben.« (Für alle Interessierten: Dank der Förderung kostete jeder der Einheitsstände 2.300 €, Flüge und Unterkunft sind extra.) Bislang hätten sie auf Privatkunden und Gastro gesetzt, aber jetzt geht es hinaus in die Welt – bei über 40 ha Rebfläche auch eine gute Idee. »Ich hatte mich natürlich vorher informiert, was gut gehen könnte, auch Importeure angeschrieben. Tja, und jetzt stehe ich hier und schaue, was kommt«, freut sie sich auf Kontakte. Schaumwein hat sie dabei, Burgunder und einen fruchtsüßen Kabinett – das müsste doch eigentlich funktionieren. Toi toi toi schon einmal.

Besucher:innen auf der ProWine Tokyo 2026

Was alle tatsächlichen und potenziellen Aussteller bei der ProWine Tokyo 2026 natürlich interessiert: Wer besucht denn eigentlich diese Messe? Bereits zahlenmäßig ist das nicht so leicht zu erfassen. Schließlich fanden unter dem FABEX-Banner gleich mehrere Messen statt, und man konnte in den Hallen problemlos von einer Messe zur anderen wechseln. So sind die 57.000 insgesamt angegebenen Besucher:innen mit Vorsicht zu genießen. 2025 hatte der ProWine-Teil laut Angaben der Veranstalter allein rund 5.500 Menschen angezogen. Für die gesamten (Fach-)Messen kamen 2026 knapp ein Drittel aus dem Bereich Großhandel und Import, ein weiteres Drittel aus dem Horeca-Bereich.

Aber nicht immer wussten unsere Winzerinnen und Winzer an den Ständen, mit wem sie es denn zu tun hatten. Das Wichtigste steht nämlich nicht im Report: Dies ist eine zu 95% japanische Messe. Es gibt Importeure wie die beiden Herren vom, äh, Herrenberger Hof, die hier als Kundenpflege die Stände der von ihnen gelisteten Weingütern besuchen. Und vielleicht auch ein bisschen rechts und links schauen. Aber bei Ständen, wo viel los war und die Sprachbarriere ein gewisses Hindernis darstellte, war nicht immer klar, wer probiert denn hier? Kann es sein, dass ein Importeur einfach mal anonym durchchecken möchte? Kann es sein, dass das Gastronomen-Paar ein Sterne-Restaurant besitzt oder für eine große Kette probiert? Oder testen sie nur zwischendrin ein Weinchen, weil der Stand in der Nähe der Lebensmittelfarben für Backwaren ist? Alles möglich.

Ist japanischer Wein interessant?

ProWine Tokyo 2026 Wein aus Japan

Eigentlich könnte ich es damit bewenden lassen und mein Messe-Fazit schreiben. Aber mich interessiert auch das, was andere Herkünfte hier machen.

Japanischer Wein, und ich meine Traubenwein und nichts anderes, ist außerhalb Japans ein wahrer Exot. Innerhalb des Landes sieht das mittlerweile ein bisschen anders aus. Es gibt 519 selbst abfüllende Betriebe. Präfekturen wie Nagano (hochgelegen), Hokkaido (im kühleren Norden) oder Yamagata (in den Bergen in Richtung östliches Meer) haben die höchsten Zuwachsraten. Nur ein Fünftel der Weinberge gehören dabei den Abfüllbetrieben selbst. In Japan ist es wesentlich üblicher, mit Traubenbauern zusammenzuarbeiten, allerdings in der Regel seit und für viele Jahre. Wie das alte japanische Sprichtwort sagt: »Vertrauen ist gut, mehr Vertrauen ist noch besser.«

Ich bin ja schon relativ oft in Japan gewesen. Schaut zum Beispiel hier meinen Besuch auf der Coco Farm & Winery oder den wirklich superinteressanten Besuch bei einem handwerklichen Miso-Hersteller oder lest vom regnerischen Sonntag im Curry-Restaurant. Tatsächlich hatte ich aber bei der ProWine Tokyo 2026 zum ersten Mal das Gefühl, dass es interessant sein könnte, japanischen Wein zu importieren. Warum? Weil die Produkte immer besser werden (den rechts oben gibt es in einem Schweizer Sterne-Restaurant), weil es ein Freihandelsabkommen gibt, weil hinter jedem Wein eine Story steckt, weil Japan einfach faszinierend ist… Und noch aus einem Grund, demselben, der unseren Export dorthin ein wenig behindert: Der Yen steht wahnsinnig schlecht. Das heißt, ich konnte als Endverbraucher japanische Weine für weniger als 10 € im Laden erstehen, einen echten Natural Wine für 13 €, den ikonischen Koshu von der Grace Winery für 18 €.

Made in Akita – Export nach Europa

ProWine Tokyo 2026 made in Akita

Aus dem Grund habe ich schnell mal die Seiten gewechselt und bin als interessierter Kunde zum Stand von Made in Akita gegangen. Hier gibt es unglaublich spannende Produkte aus der Präfektur Akita, gelegen im Nordwesten der Hauptinsel. Das ist eine ländliche Region, die unter Abwanderung leidet und deshalb Geld in den Zuzug großstadtmüder innovativer Leute steckt und deren Businesse unterstützt. Das Beste für uns und für hiesige Gastronomen, die diese Produkte probieren wollen: Made in Akita hat ein Büro mit Lager in Amsterdam. Also kein Trouble mit Einfuhrbestimmungen.

Der Yama Sauvignon Rosé der Winery Konohana oben auf dem Foto kostet für Endverbraucher im Online-Shop zum Beispiel 17 €. Und es ist ein ebenso wildes wie geniales Ding. Auch das leicht rauchige Belgian Brown Ale mit Salz von der Halbinsel Oga geht in diese Richtung. Unglaublich raffiniert, individuell, zutiefst japanisch und gleichzeitig weltoffen. Sowas ist natürlich für die Sterne-Gastronomie, für die Nordic Cuisine, aber vielleicht auch für Asian Innovative und aufgeschlossene japanische Restaurants gedacht. Für mich aus Freaksicht der spannendste Stand der Messe.

Rosé-Education für Asien

ProWine Tokyo 2026 Provence Rosé

Zum Schluss schaue ich noch ins nach Deutschland zweitgrößte Ausstellerland der ProWine Tokyo 2026, Frankreich. Hier den Stand vom Maison Saint Aix und dem provençalischen Weinbauverband CIVP zu besuchen, mag seltsam anmuten. Oder können wir etwas vom Erfolgsmodell »Provence-Rosé« lernen?

In diesem Fall können wir vielleicht lernen, wie man Pioniermärkte strategisch angeht. Pioniermärkte? Ja, denn Rosé als Weinfarbe ist in Japan noch ziemlich unbekannt. Und der provençalische Lifestyle à la Hollywood-Stars, der ja eher die Côte d’Azur-Schiene bedient, zieht in Japan auch nicht so. Extra dahin zu fahren, wo es heiß ist, halbnackt zu sein, ins Meer zu springen, sich am Pool zu sonnen und abends Clubbing zu House-Sounds? Jeder einzelne Punkt dabei ist komplett »unjapanisch«. Allenfalls die Provence von Peter Mayle mit bukolischer Romantik und dem architektonisch alten Europa fände spontane Anhänger.

Manon Penot vom CIVP hat deshalb in erster Linie einfachere Rosés mitgebracht – wegen der niedrigeren Hemmschwelle, sowas versuchsweise einzulisten und einfach »um die Weinfarbe Rosa in die aktive Wahrnehmung zu transportieren«. Claire de Lange von Aix hingegen verweist auf »Nebenprojekte« wie die Spotify-Playlist, Merch und Lifestyle-Partnerschaften auf Events. Worum es bei beiden nicht in erster Linie geht, ist der reine Weingeschmack. Beide sind sich nämlich sicher, wenn die Japaner:innen erst einmal das Konzept verstanden haben, und käme es ihnen noch so fremd vor, würde die Nachfrage anziehen.

Mein Fazit der ProWine Tokyo 2026

Ich hatte ja in der Überschrift versprochen, dass es darum gehen sollte, ob sich der Besuch der ProWine Tokyo 2026 für deutsche Winzer:innen lohnt. Hier also mein Fazit:

Es lohnt sich, wenn ihr

  • schon einen Importeur in Japan habt, der euch dann bei allem hilft. Möglicherweise könnt ihr auch Events und Präsentationen miteinander verknüpfen, eine Tour durch die Provinzen, ausgewählte Händlergespräche etc.
  • Produkte mitbringt, die gezielt für den japanischen Markt gedacht sind. Gyotaku von Christophe Mittnacht habe ich beispielsweise in vielen Shops in Tokio gesehen. Oder Calon-Ségur mit dem Herzen, ein echter Burner um den Valentinstag herum (nicht für Japan gedacht, aber perfekt geeignet).
  • eine Person an der Hand habt, die Japanisch spricht und sich mit der Kultur auskennt. So wie Sayumi Sawabe zum Beispiel. So können die Besucher:innen der Messe völlig anders angesprochen werden, und sie fühlen sich auch sicher. Wer in Japan nicht perfektes Englisch spricht (= so gut wie alle), traut sich aufgrund dieses Mankos kaum, aktiv zu euch an den Stand zu kommen.
  • Interessen miteinander kombiniert. Neue Märkte explorieren, mal beim Botschafter sitzen, einen Eindruck von Tokio bekommen, wo ihr schon immer hinwolltet, vielleicht sogar eine zweite Messe woanders anschließen (die ProWine Singapore war fast unmittelbar danach).
  • einen Sinn für Invest habt, womöglich gar für antizyklische Entscheidungen. Wer dabei ist, wenn es allen nicht so gut geht, wird umso mehr geschätzt, wenn’s dann wieder besser läuft.

Es lohnt sich nicht, wenn ihr

  • euch einen ostasiatischen Rundumschlag erhofft. Die ProWine Tokyo 2026 war komplett japanisch, und die nächste Ausgabe wird auch nicht anders sein.
  • denkt, mit diesem einen Termin könnt ihr durchstarten. Japan ist immer noch das Land der Beziehungen, die sich ganz langsam aufbauen, dann aber auch ganz stabil sind. Nach diesem Besuch wisst ihr vielleicht gar nichts, und das müsst ihr aushalten und nicht enttäuscht sein.
  • die Hoffnung auf einen Massenansturm an eurem Stand habt. Die 57.000 Leute verteilen sich extrem auf die Hallen, zumal es sehr unterschiedliche Schwerpunkte gibt. Die ProWine-Abteilung lag rein räumlich ganz am Rand.
  • Probleme damit habt, schnell auf Emails zu antworten, geschmeidig Glückwünsche zu verschicken, einen Clip mit einem auswendig gelernten japanischen Satz aus eurem Weinberg zu drehen. Die Konkurrenz ist riesig, und Sympathie und Kontaktpflege sind da vielleicht nicht alles, aber doch extrem wichtig.

Und damit schließe ich das Thema ProWine Tokyo 2026 und diesen langen Artikel. Ich hoffe, er hat für all diejenigen, die sich überlegen, an einer dieser Messe einmal teilzunehmen, ein paar Eindrücke vermittelt. Das Thema werde ich zukünftig mit anderen Artikeln noch vertiefen, schließlich war ich ebenfalls auf der ProWine Singapore 2026. Ich hatte auch Anfang 2026 für WEIN+MARKT einen längeren Artikel über den Weinexport nach Japan und Vietnam verfasst, der natürlich eine ganz andere Datenbasis besitzt. Wenn ihr das Heft nicht (mehr) habt, fragt mich einfach.

Allen anderen, die mit Weinexport so gar nichts zu tun und bis hierhin durchgehalten haben, schüttele ich virtuell die Hand, das war wirklich tapfer von euch. Es wird auch wieder Reisen und Weinproben geben, versprochen.

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