Essen im Elsass – Au Bon Pichet in Sélestat

Au Bon Pichet Sélestat

Lang ist es her, seit ich das letzte Mal über einen Restaurantbesuch berichtet habe. Ich glaube, dabei ging es um Tortellini in Bologna, meinen letzten kulinarischen Auslandsbesuch vor dem Lockdown. Diesmal bin ich (sehr kurz) im Elsass unterwegs, und zwar in der Gegend um Sélestat, unter Deutschsprachigen auch als Schlettstadt bekannt. Sélestat kann gleich vier interessante Weinhandlungen aufweisen, davon drei in derselben Straße. Aber auch die Küche kommt hier nicht zu kurz. Zwar gibt es kein Sternerestaurant wie in manch anderem Städtchen der Gegend, dafür aber ein Gasthaus, das seit letztem Jahr endlich mit dem Bib Gourmand im Guide Michelin ausgezeichnet wird: Au Bon Pichet. Übersetzt heißt das „Zum guten Krügelein“.

Au Bon Pichet – Bib Gourmand in Sélestat

Das Restaurant existiert seit dem Jahr 1932 in der Familie Barthel, erst als Winstub und seit 1991 als Restaurant in der heutigen Form. Franck Barthel übernahm es im Jahr 2011 von seinem Vater. Klingt gewöhnlich, wären da nicht zwei entscheidende Details: Vater Roland besaß in erster Linie eine Metzgerei, und Sohn Franck lernte kochen bei Paul Haeberlin in der Auberge de l’Ill. Im Bon Pichet geht es also um exzellent zubereitetes Fleisch, aber nicht im Stil eines grand restaurant, sondern eines Bistrots.

Gaststube Au Bon Pichet

Ganz so superlässig sollte man bei einem Besuchsversuch allerdings nicht sein. Wir hatten nicht reserviert und waren am Dienstag Mittag um Punkt zwölf Uhr dort. Gerade rechtzeitig für den letzten freien der lediglich sieben Tische. Reservieren schadet also nicht. Die Gaststube ist gemütlich eingerichtet in einem relativ schlicht-zeitlosen holzbetonten Stil. Die Kundschaft an diesem Tag setzt sich aus aus Paaren zwischen 40 und 70 zusammen, garniert mit ein paar örtlichen Honoratioren. Für ein Tellergericht kommt hier allerdings niemand, alle nehmen eines der drei Menüs.

Das Tagesmenü für 23 € (man könnte auch alle drei Gänge einzeln wählen) hätte bestanden aus einem Heringssalat, einem Charolais-Steak und einem Eisbecher. Ich nehme allerdings das menu découverte für 33 €, das ebenfalls drei Gänge beinhaltet.

Au Bon Pichet Sélestat

Natürlich gibt es im Bon Pichet auch Flaschenweine auf einer relativ kurzen Karte, die aber alle französischen Weinregionen repräsentiert. Mein persönlicher Favorit wäre dabei ein roter Korse vom Weingut Jean-Charles Abbatucci gewesen, aber es ist ja mittags. Und außerdem wollen wir das Krügelein haben. Flugs werden die schicken Gläser also gegen hochstielige Römer ausgetauscht, in die ein solider und lokaler Pinot Noir vom Weingut Christian Barthel kommt. Möglicherweise Verwandtschaft, aber ich habe vergessen zu fragen.

Das Menu Découverte für 33 €

Menü Au Bon Pichet Sélestat

Los geht es mit einer offenen Kategorie als Vorspeise, nämlich dem „Fisch des Tages“. Heute sind das Zanderklößchen. Als wir vor zwei Jahren das erste Mal hier waren, hatte J. Hechtklößchen genommen und war sehr zufrieden. Auch diesmal kann man nur sagen, ja, sowas können sie hier. Ganz zart und fein in Konsistenz wie in Geschmack, von der Sauce leicht aufwürzend begleitet.

Menü Au Bon Pichet Sélestat

Hauptgang. Natürlich muss ich die Metzger-Variante nehmen, und zwar Bavette d’Aloyau mit Griespflutta, Thymian und in Pinot Noir geschmorten Zwiebeln. Das Bavette d’Aloyau ist ein Teilstück des Bauchlappens vom Rind, ein hierzulande ziemlich seltener Geselle, sehr lang- und grobfaserig, aber auch sehr aromatisch. Eine gewisse Herausforderung also für den Koch – und bei weniger gelungenen Versionen auch für den Esser beziehungsweise Kauer. Wegen solcher Gänge gehen die Leute ins Bon Pichet. Weil sie sich sicher sein können, dass der Koch weiß, was er tut. Weil er eine konsequente Nose-to-Tail-Philosophie verfolgt. Und weil er darüber schlichtweg gar kein Aufhebens macht.

Menü Au Bon Pichet Sélestat

Als Nachspeise nehme ich die weniger klassische Variante, nämlich Erdbeergratin mit Pistazie. Dabei handelt es sich um eine geflämmte Pistaziencreme mit Vanilleeis in der Mitte auf einem Bett von warmen Erdbeeren. Ein nicht wirklich instagram-tauglicher Mantsch, dafür aber schmackhafter als gedacht. Zum Abschluss einen Café, logisch.

Mein Fazit

Au Bon Pichet Sélestat

Zu Hause, ich gebe es offen zu, koche ich gern ein bisschen Asian Fusion oder italienische Pasta-Klassiker oder auch Bratkartoffeln mit Ei und sauren Gurken. Das aufwändige Fleischgericht, stunden- oder gar tagelang vorbereitet, kommt da eher selten vor. Aber für solche Gelegenheiten gehe ich in ein Restaurant wie das Au Bon Pichet.

Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber dieser typische Bib Gourmand-Ansatz gefällt mir sehr. Hier kommen Können und Genussfreude und Lokalstolz zusammen, und trotzdem bleibt es gänzlich unprätentiös. Das einzige Zugeständnis an den Zeitgeschmack scheinen die braunen Steingut-Teller zu sein statt einem Porzellan mit Goldrand wie bei Tante Alwine. Summa summarum: Wer nicht vegetarisch lebt und das Klassische schätzt, sollte auf jeden Fall einmal im Bon Pichet vorbeischauen.

Hier die Koordinaten:

  • Au Bon Pichet, https://aubonpichet.fr/
  • 10 place du Marché aux Choux, 67600 Sélestat
  • (derzeit) geöffnet: DI bis SA 12:00-13:30 und 19:00-21:30
  • Telefon (die Franzosen rufen immer und überall an): +33 3 88 82 96 65
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