RAW WINE Berlin – 5 Weingüter, die man nicht verpassen sollte

RAW Wine Berlin 2019

[Anzeige / in Kooperation mit RAW Wine] In nicht einmal zwei Wochen findet in Berlin die RAW Wine Berlin statt, die große Naturwein-Messe. Ich hatte im Vorfeld schon Isabelle Legeron interviewt, die Chefin dit Janzn. Ich finde ihren Werdegang und ihre Positionen zum Thema Weinbau und Nachhaltigkeit wirklich sehr interessant. Bei so einer Messe kommt aber natürlich noch ein anderer Aspekt hinzu. Er nennt sich „Praxis“ und besteht darin, die unendlich vielen Weine der 150 Winzerinnen und Winzer zu probieren. Ich bin deshalb als fleißige Servicekraft die lange Ausstellerliste einmal durchgegangen und habe wirklich eine Menge getestet. Hier folgen also fünf Weingüter der RAW Wine Berlin, die ihr nicht verpassen solltet. Nach meiner persönlichen Meinung wohlgemerkt…

Weingut #1 – Bianka & Daniel Schmitt/Deutschland

RAW Wine Berlin Schmitt Riesling

Als ich die Schmitts vor einigen Jahren das erste Mal bei einer Vin Naturel-Veranstaltung gesehen habe, da dachte ich zuerst, „Moment mal, wo sind denn die Winzer hin? Das hier ist doch der Cousin von den Jungliberalen.“ Kleider machen Leute, und Leute machen Weine. Aber so einfach ist es zum Glück nicht. Denn richtig interessant wird die Sache ja dann, wenn sich Brüche auftun. Wenn nämlich nicht der vierschrötige Gesichtstätowierte mit der Bandana, sondern der Typ im Rollkragenpullover die wildesten Weine macht. Das kann man wirklich mit Recht behaupten: Bianka und Daniel sind, obwohl noch so jung an Jahren, echte Urgesteine der Naturel-Szene in Deutschland. Und ihre Weine kommen heute genauso konsequent daher wie am ersten Tag. Demeter-zertifiziert, spontanvergoren, immer ein bisschen Maischestandzeit, ungeschönt, ungefiltert, ungeschwefelt. Voilà. So geht das in Rheinhessen, wenn man es wirklich will.

Was ist denn so toll daran?

Riesling ist ja so eine Sache. Die „wertvollste“ Rebsorte in Deutschland und quasi nationales Kulturerbe. Aber so richtig gut läuft Riesling hierzulande gar nicht mehr. Den Jungen schmeckt er zu sehr nach Opa, der Opa hat was von Sodbrennen gelesen, der Sommelier nimmt lieber den Grauburgunder. Das Tolle am Riesling von Bianka und Daniel ist, dass sie die Quadratur des Kreises geschafft haben. Nämlich einen Wein zu keltern, der gleichzeitig von Traubenschalen erzählt und richtig gut schmeckt. Der Rauch, Würze und Frucht miteinander kombiniert. Toll auch die Story zum Foto oben: Ich hatte mein ursprüngliches Foto verbaselt und bin gerade in Tokio. Soll heißen, ich hatte keinerlei Hoffnung, hier noch ein passendes Bild einfügen zu können. Aber oh Wunder, bei der Weinhandlung Aoyama Konishi steht doch tatsächlich genau diese Flasche im Schaufenster. Crazy. Die Welt weiß also schon, was die Schmitts können. Jetzt müsst ihr nur noch nachziehen.

Weingut #2 – Valentina Passalacqua/Italien

RAW Wine Valentina Passalacqua

Ich kenne viele oder eigentlich sogar sehr viele Menschen, die gern italienische Weine trinken. Dagegen ist auch erstmal nichts zu sagen, denn Italien besitzt eine uralte Weinkultur und ist zudem der mengenmäßig größte Weinproduzent der Welt. Letzteres deutet allerdings schon darauf hin, dass auch ein ganz kleines bisschen unpersönlicher, pardon, Schund dabei sein könnte. Weine aus Apulien bilden da leider überhaupt keine Ausnahme. Die von Valentina Passalacqua schon. Erst seit zehn Jahren macht Valentina Wein, nachdem sie ziemlich radikal mit ihrer Tätigkeit als international tätiger Juristin gebrochen hatte. Seitdem hat sie mit biodynamischen Mitteln ein grünes Paradies im heißen Süden geschaffen. Zur RAW Wine Berlin wird sie mit nicht weniger als 14 Weinen anreisen, darunter auch vier fröhlichen Literweinen. Aus aufwändigem Anbau, was es in dieser Kombination wahrhaftig nicht allzu häufig gibt.

Was ist denn so toll daran?

Das Tolle am Weingut ist, dass es Valentina überhaupt gibt. Eine Frau in Süditalien, gebildet, weit herumgekommen, die hier im Patriarchen-Homeland mit unheimlich viel Energie ein sinnstiftendes Unternehmen aufgebaut hat. 65 Hektar, zwölf feste Mitarbeiter/innen. Das ist schon einmal eine sehr gute Sache. Dazu kommt, dass ihre Produkte nicht die Probleme vieler Südroten haben, die vor lauter Kraft, Holz und Alkohol nicht gehen können – und auch keinen Trinkspaß entstehen lassen. Der Terrasasso oben auf dem Foto aus den einheimischen Rebsorten Negroamaro und Primitivo hat nur 12,5 vol% und ist natürlich trotzdem voll und ganz ein italienischer Rotwein. Zunächst würzig und zupackend mit Aromen von roten Waldbeeren, dann aber richtig elegant ausgleitend. Und die drei Rosés, die Valentina dabeihaben wird, holen dann auch am 1. Dezember den Sommer zurück.

Weingut #3 – Pierre Frick/Frankreich

RAW Wine Pierre Frick

Weine aus Frankreich sind bei der RAW Wine Berlin nicht unbedingt als rare Außenseiter zu bezeichnen. 37 Hersteller aus dem Land der untergehenden Sonne stehen auf der Liste. Einer davon ist Jean-Pierre Frick aus dem Elsass. Er spricht Deutsch, Französisch und Englisch, ist immer freundlich und kann jede noch so abwegige Frage beantworten. So habe ich ihn zumindest vor etlichen Jahren bei meinem ersten großen Messebesuch kennengelernt. Das Elsass ist unter Weintrinkern in Deutschland seltsamerweise gar nicht so beliebt. Vorurteile von schweren, mastigen Weinen wabern durch den Orkus. Dabei muss doch eine Sache erst einmal festgestellt werden: Das Elsass ist eine der wichtigsten Wiegen für alternativen Weinbau, für biologische Bewirtschaftung, auch für natural wine – und zwar auf der Welt. Fast zwei Drittel der Spitzenweingüter arbeiten biologisch oder biodynamisch. Die Domaine Pierre Frick gehört dazu. Und dicke, untrinkbare Weine kommen hier ganz sicher nicht auf den Tresen.

Was ist denn so toll daran?

Die Domaine Pierre Frick, das sind Jean-Pierre, Chantal und ihr Sohn Thomas. Seit 1970, also seit fast 50 Jahren, wird hier biologisch gewirtschaftet. Seit 1981, also seit fast 40 Jahren, sogar biodynamisch. Das bedeutet, dass Jean-Pierre Frick eine wahnsinnige Erfahrung hat in allen Dingen, die mit dem schonenden, nachhaltigen, ganzheitlichen Umgang mit Kulturland zu tun haben. Seit 50 Jahren keine Herbizide, keine systemischen Mittel im Weinberg, wow. Ich habe über die Jahre schon sehr viele Weine von Jean-Pierre Frick getrunken, unter anderem den köstlichen Crémant, den kühlen Pinot Noir und die kräuterigen Orange Wines. Hier habe ich den Bergweingarten ausgesucht, einen reinsortigen Silvaner, ungeschwefelt, unfiltriert, richtig trocken. Der Wein braucht richtig viel Luft, um sich zu entfalten, aber das ist ein lohnenswertes Unterfangen. Ein anspruchsvolles, individuelles und auf eine zurückhaltende Weise sogar edles Getränk. Ein bisschen wie sein Schöpfer.

Weingut #4 – Vins Nus/Spanien

RAW Wine Vins Nus

„Vins Nus“ – nackte Weine, das können auch des Katalanischen nicht Mächtigen wie ich fehlerfrei herausfinden. So hat Alfredo Arribas sein, ja, so ein bisschen etwas wie sein Zweitweingut genannt. Ansonsten produziert Alfredo in der nordspanischen Hochpreisregion Priorat kernige Weine aus biodynamischem Anbau. Bei seinen nackten Weinen ist er noch einen Schritt weitergegangen und hat nun auch auf Filtern und Schwefeln komplett verzichtet. Ich bin mir nicht sicher, ob der schwungvolle Messebetrieb es zulassen wird, aber wer sich mit Alfredo unterhält, wird schnell feststellen, dass es sich um eine äußerst interessante Persönlichkeit handelt. Senyor Arribas hat nämlich Architektur studiert und dann als Designer gearbeitet. In jüngeren Jahren hatte er maßgeblichen Anteil am Design-Fieber, das im Barcelona der späten 80er Jahren grassierte. Nachdem Alfredo bereits etliche Weinbars und Restaurants gestaltet hatte, war es im Jahr 2001 endlich soweit: Weingut gekauft, Weine gemacht. So geht das bis heute.

Was ist denn so toll daran?

Das Priorat ist eine ganz individuelle, unwirklich karge Bergregion im spanischen Nordosten. In dieser Region gibt es mittlerweile eine Vielzahl hochwertigster Weine, die in winzigen Mengen produziert werden. Die meisten sind schwarz, stark – und teuer. Die Weine von Alfredo Arribas hingegen sind zwar ebenfalls ein bisschen wild, aber durchaus erschwinglich. Acht Weine wird er bei der RAW Wine dabeihaben, und zwar aus der SiurAlta-Linie (von 750 m Höhe) und aus der InStabile-Serie. Letztere sollen nicht etwa bereits im Namen andeuten, wie instabil sie sind (das sind sie nämlich gar nicht; ich nuckele heute schon den dritten Tag an der Flasche vom Foto oben). Vielmehr handelt es sich um Weine, die sich nie wiederholen, die nur dieses eine Mal gemacht werden, wie das Künstler/innen nun einmal so schätzen. Die No. 3 ist ein Weißwein von heller, blütiger Art, die No. 4 ein saftiger Roter, die No. 5 wieder ein Weißer aus den Bergen, die No. 6…

Weingut #5 – Edgar Brutler/Rumänien

RAW Wine Edgar Brutler

Zum Abschluss gibt es ein Weingut, das nun wirklich den Titel besonders interessant verdient hätte. Wer bei dem Namen Edgar Brutler spontan an irgendeinen Film-Bösewicht der 60er Jahre denkt, liegt falsch. Wer bei den Schiebereglern auf dem Etikett an einen DJ-Wein für die Ibiza-Crowd denkt, liegt noch falscher. Und wer bei der Rebsorte Grünspitz eine Verortung im Württembergischen vermutet, darf endgültig nicht mehr weiterraten. Edgar Brutler ist nämlich ein Naturel-Winzer aus dem Westen Rumäniens. Sämtliche Vorfahren bauten dort zwar bereits seit Jahrhunderten Wein an, Edgar gründete sein eigenes Weingut aber erst im letzten Jahr. Stilistisch spricht er von „old school avantgarde“, und das trifft den Nagel auf den Kopf. Die Etiketten sehen witzig retro-stylish aus. Die Weine dahinter sind aber uber-traditionell, spontan vergoren, ungeschönt, unfiltriert, nur 10 mg SO2 und ein bisschen gerbig wie in der (ansonsten in vielen anderen Aspekten gar nicht so guten) alten Zeit.

Was ist denn so toll daran?

Ziemlich viel ist toll daran. Wir sind hier in einer Region, die – obgleich momentan ein bisschen vergessen wirkend – die Brutstätte vieler Rebsorten war, die in Deutschland heute heimisch sind. Grünspitz und Königliche Mädchentraube haben es anders als Silvaner oder Heunisch (als Riesling-Elternteil) zwar nicht ganz herübergeschafft bis zu uns, machen aber allein der Namen wegen schon einiges her. Beide Weine sind ganz trocken und leicht gerbig, was eine fantastische Kombination sowohl mit allerlei Gemüsegerichten als auch mit Paprika-Bratwürsten ergibt. Die Mädchentraube wirkt etwas heller schwebender, der Grünspitz etwas spröder und bäuerlicher, aber beide Weine sind absolut sauber und mehrere Tage lang selbst in der offenen Flasche haltbar. Acht Weine wird Edgar bei der RAW Wine dabeihaben, von Field Blends über Schäumer bis zu Orange. Und ich werde sie alle probieren, garantiert.

Who else?

Wer an dieser Stelle jetzt weitere prominentere Namen der Szene vermissen sollte, dem werfe ich sie einfach entgegen: Frank Cornelissen, der Zampano vom Ätna. Volker Benzinger, der Spätberufene mit den leckeren Oranges. Judith Beck aus dem Burgenland, muss man gar nicht vorstellen. Roxanich aus Kroatien, der Karst, der Karst. Château Le Puy aus dem Bordelais, seit 1610 in derselben Familie. Domaine de l’Horizon, Thomas Teibert au Sud. Frank John, Rudolf Trossen, die Schmitts, Aldo Viola, Domaine de la Pinte, Cider aus Polen, Sake aus Japan und zwölf Georgier, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Alles in allem kann das doch nur eins heißen:

RAW Wine Berlin 2019 – hingehen!

RAW Wine Berlin 2019

Alle weiteren Infos gibt es hier: https://www.rawwine.com/fairs/berlin-2019/

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Ein Kommentar zu RAW WINE Berlin – 5 Weingüter, die man nicht verpassen sollte

  1. Hofstetter-Straka Andréas sagt:

    Geb ich einer Freundin den link von Valentina Passalaqua weiter; bekomme ich als Antwort, dass ihre Weine im neuen Restaurant hier in Stuttgart ausgeschenkt werden. Casa del Consumo; Heusteigstraße

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