Best of Gold 2020 – Frankenwein lupenrein in Würzburg

Best of Gold Frankenwein Verkostung

Am Abend stand der große Horst Sauer auf der Bühne und hatte sich gerade zum dreizehnten oder vierzehnten Mal den Ceratit Nodosus abgeholt, die Trophäe für den besten Frankenwein seiner Kategorie beim Best of Gold. Da nutzte Moderatorin Klara Zehnder die gute Gelegenheit, ihn nach seinem Erfolgsrezept zu fragen. So nach dem Motto: “Sie gewinnen immer. Warum?” Horst Sauer hätte jetzt etwas vom einmaligen Terroir erzählen können, von seinen einmaligen Meisterhänden im Keller oder auch eine Antwort geben nach dem Motto “euch Nasen werde ich das ausgerechnet verraten”. Stattdessen vergingen einige Sekunden, in denen er sichtlich nichts Wohlfeiles hinausposaunen wollte. In denen er offenbar über die Trauben nachdachte, die in seinen Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen steckten. Den seltensten, edelsten, hochwertigsten, risikoreichsten und derzeit unmodischsten Weinen. Dann sprach er ein paar Sätze, in denen die Worte Glück und Geduld und Demut vor der Natur vorkamen. So sind sie, die Franken. Weiterlesen

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Natürlicher Dienstag # 61 – Richard Östreicher Silvaner

Östreicher Silvaner Honigberg

Was ist eigentlich ein typisch fränkischer Wein von einem typisch fränkischen Winzer? Ein Wein, dessen Trauben in Franken gewachsen sind, auf einer der drei Trias-Formationen Buntsandstein, Muschelkalk oder Keuper? Eine Rebsorte, die seit langem in Franken heimisch ist? Aus einem alteingesessenen Weingut in einem schnuckeligen Ort mit Steinhäusern, ein bisschen Fachwerk gar, viel Barock auf jeden Fall? Nach diesen Kriterien ist der Silvaner aus dem Dettelbacher Honigberg von Richard Östreicher ein typischer Frankenwein, ein Überperformer gar. Das Weingut 250 Jahre alt, die Rebsorte noch viel älter, der Boden Muschelkalk, und sowohl Dettelbach als auch Sommerach, der Sitz des Weinguts, sind visuell überaus schnuckelig. Wieso aber warnen dann die Weinguides so explizit? “Nur wenn einem dieser Wein zusagt, sollte man bei Östreicher weiterverkosten”, schreibt der Gault Millau. Also doch krasses Zeug? Ich war gespannt. Weiterlesen

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Natürlicher Dienstag # 60 – Siegloch Trollinger Booom

Siegloch Trollinger Red Booom

Der Vorteil beim professionellen Verkosten ist ja, dass man sich nicht aussuchen kann, was da vor einem auf den Tisch kommt. Hört sich nicht nach Vorteil an? Okay, zugegeben, für Menschen, die immer nur Wein trinken, den sie bereits kennen, ist es das auch nicht. Und ebenfalls zugegeben, bei manchen Weinen denkt man sich auch, uff, wäre ich mal besser davon verschont geblieben. Aber die Vorteile überwiegen. Wer sich nämlich wirklich für Wein interessiert, verschafft sich auf diese Weise das Wichtigste, was man bei der Beschäftigung mit irgendetwas haben kann: Überblick. Und tatsächlich sind immer wieder Entdeckungen und Erweckungen dabei, die man noch überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Wie dieser Wein, ein echter Naturel der Gebrüder Siegloch aus Württemberg. Weiterlesen

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Natürlicher Dienstag # 59 – Yves Leccia Rosé

Yves Leccia Rosé Korsika

Yves Leccia gehört zu den großen Winzern der durchaus spektakulären Mittelmeerinsel Korsika. Dennoch bin ich mir gar nicht so sicher, ob viele von euch schon von ihm gehört haben. Weine aus Korsika (außer Le Corsaire vielleicht, der ab und zu im Supermarkt auftaucht) sind nämlich hierzulande gar nicht so leicht zu bekommen. Yves stand nach seinem Önologiestudium vor der Entscheidung, eine internationale Ausrichtung einzuschlagen – oder auf seine Heimatinsel zurückzukehren. Er tat letzteres, nahm dann aber schon in jungen Jahren offizielle Posten an wie den des AOC-Präsidenten, was ihm Bekanntheit und Einfluss verlieh. Was er aber zeitlich nicht mehr einrichten konnte, war seine musikalische Karriere. Ursprünglich war Yves nämlich Mitglied des Vokalensembles A Filetta. Wer diese faszinierend altertümliche polyphone Musik nicht kennt, unbedingt mal anhören! Weiterlesen

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Natürlicher Dienstag # 58 – Escoda-Sanahuja

Escoda-Sanahuja La Llopetera

Escoda-Sanahuja ist ein Name, den ich mir irgendwie noch nie merken konnte. Sollte ich aber. Deshalb gleich mal zu Anfang die moderne pädagogische Methode des Einbimsens qua Wiederholung. Sprecht mir einfach nach: Escoda-Sanahuja, Escoda-Sanahuja, Escoda-Sanahuja. Geht doch. Die kleine Kellerei im katalanischen Hinterland von Tarragona ist nämlich ein echter Pionier in der spanischen Naturwein-Szene. In früheren Jahren hatte ich schon einiges von ihnen getrunken und fand es soweit gut. Nachdem ich jetzt aber diesen neun Jahre alten ungeschwefelten Pinot Noir probiert habe, muss ich schlichtweg sagen: Hut ab! Weiterlesen

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Shopping in Ostbelgien – Nicht nur Muscheln & Fritten

Stavelot

Ich bin mir ziemlich sicher, in der Schule nicht gelernt zu haben, dass es einen Teil Belgiens gibt, in dem Deutsch gesprochen wird. Aufgefallen war mir das zum ersten Mal, als ich einen belgischen Biathleten bei Olympia sah, und der eindeutig mit rheinischem Zungenschlag sprach. Was ist also Ostbelgien? Als Ostbelgien im engeren Sinn bezeichnet man tatsächlich die neun deutschsprachigen Gemeinden. Ich möchte hier jedoch einem erweiterten Verständnis folgen, denn wenn man ein Weilchen in einer Region zubringt, macht man beim Einkauf ja nicht an der Gemeindegrenze Halt, weil alles auf der anderen Seite ungültig wäre. Hier soll es also um allerlei primär food-orientierte Besonderheiten gehen, die ihr in Malmedy und Umgebung, aber auch in Verviers oder gar (Frevel!) in Maastricht erstehen könnt. Macht euch bereit, es wird bunt. Weiterlesen

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