Natürlicher Dienstag # 72 – Raumland Cuvée Katharina

Raumland Cuvée Katharina

„Deutschlands bekanntester und beliebtester Schaumwein“ – das hier ist er! Jedenfalls dann, wenn man die richtigen Leute fragt. Als Deutschland noch ein Land war, bei dem Robert Parker sich ziemlich sicher fühlen konnte, deutsche Sekte als „schauderhafte Machwerke“ zu bezeichnen, die „überzeugten Masochisten vorbehalten bleiben“ sollen, da kannte er Volker Raumland noch nicht. Gut, nicht nur als Person, sondern auch als einen der vermutlich ersten richtig ernsthaften Sekterzeuger. Als einen, der sich nicht die Frage stellte, „was mach mer etz aus dem Glump, Sekt oder Federweißen?“ Sondern als einen, der stattdessen überlegte, „wie viele Jahre wollen wir ihn auf der Hefe liegen lassen?“ Herausgekommen sind dabei Schaumweine wie die Cuvée Katharina, und darüber können wir alle froh sein.

Cuvée Katharina Brut Nature 2013 vom Sekthaus Raumland

Im Jahr 1990, also vor genau 30 Jahren, haben sich Volker und Heide-Rose Raumland in Flörsheim-Dalsheim niedergelassen. Ein Jahr später begannen sie, Sekte aus eigenen Trauben zu erzeugen. Seit 2002 sind die Weinberge biologisch zertifiziert und umfassen mittlerweile rund 10 ha. Seitdem gibt es glaube ich kein Jahr, in dem die Produkte dieses Hauses einmal nicht „Schaumwein des Jahres“ und Volker Raumland „Erzeuger des Jahres“ wurde. Eins muss ich schlimmerweise zugeben: Als ich das erste Mal vom Sekthaus Raumland hörte, da dachte ich wegen des Namens, dass es sich um eine gigantische Genossenschaft handeln müsste. Raum-Land, ihr versteht, großvolumiger kann ein Name eigentlich gar nicht sein.

Tatsächlich ist es jedoch so, dass es handwerklicher kaum zugehen kann. Die eigenen Trauben werden zwingend per Hand gelesen, weil wie bei jedem guten Schaumwein ja Ganztraubenpressung stattfindet. Die Gärung dauert lange, der biologische Säureabbau wird zugelassen, die Flaschen handgerüttelt. Schwefel wird nur sehr sparsam verwendet, ebenso die Dosage. Die Cuvée Katharina des Jahrgangs 2013 zum Beispiel weist solche Werte auf wie 12,0 vol% und 7,7 g Säure bei 2,0 g Restzucker. Sie besteht primär aus Spätburgunder und Schwarzriesling, ist also ein Blanc de Noirs. Eigentlich kann man auch gleich Pinot Noir und Pinot Meunier zu den Trauben sagen, denn das ist alles hier von vorn bis hinten stärker an der Champagne orientiert als an dem Modell Deutscher Sekt.

Wie schmeckt der Wein?

Weingut Raumland

Eine Frage hatte ich mir vor dem Probieren der Cuvée Katharina gestellt: Wird er so eckig und kantig sein wie das Weingutsgebäude der Raumlands? Wenn man da als Referenzen Bauhaus oder Barock ansetzt, dann handelt es sich tatsächlich um eine eher gradlinige Variante. Logisch eigentlich bei einem Brut Nature. Die Perlage ist sehr angenehm, nicht zu grob und dennoch persistent.

In der Nase nehme ich deutliche Autolysenoten wahr. Das sind diese typisch hefigen Noten, die dann entstehen, wenn sich die Hefezellen selbstständig enzymatisch auflösen. Um diesen Prozess in Gang zu setzen und die Aromastoffe freizusetzen, muss das Hefelager aber lang genug sein. In diesem Fall ist der Jahrgang 2013 im Oktober 2019 degorgiert worden. Das dürfte also reichen. Vielleicht bin ich ein bisschen knäschig, wie man hierzulande sagt, aber irgendwie muss ich diesen Autolyseton erschnuppern, um einen Schaumwein richtig ernst nehmen zu können. Sehr deutlich nehme ich auch grüne Walnussnoten wahr mit Häutchen. Erinnert euch mal daran, wie ihr als Kinder im Sommer vorzeitig so eine schon leicht knackige, aber immer noch weißlich aussehende Nuss gegessen habt.

Im Mund gibt es zunächst wenig überraschend eine sehr kräftige Säure, ein bisschen Erdbeer, aber primär weiterhin diese grün-weißgelb-nussigen Noten. Florale Elemente sind auch da. Das Ganze ist ziemlich direkt, sommerlich, aber keineswegs anspruchslos oder gar dünn. Man weiß irgendwie um die Pioniertat, wenn man so etwas trinkt. Einfach sehr schön.

Wo habe ich ihn gekauft?

Wasgau Nieder-Olm Supermarkt

Gekauft habe ich die Cuvée Katharina vom Sekthaus Raumland genau hier, beim Wasgau in Nieder-Olm. Ich war auf dem Weg von den sehr aufschlussreichen Agrartagen zurück zum Bahnhof. Wasgau ist eine regionale Lebensmittelkette, und ich dachte mir, das wäre vielleicht der geeignete Ort, um ohne jegliche Komplikationen einen soliden regionalen Wein zu erstehen.

Tatsächlich ist das Sekthaus Raumland mit seinen beiden Töchter-Cuvées Marie-Louise und Katharina ziemlich gut im Weinhandel und im gepflegten LEH vertreten. Ich brauche euch also hier keinen einzelnen Shop zu verlinken, denn schon die simple Google-Suche bringt eine Menge an Bezugsquellen zum Vorschein. Preislich liegen wir hier ab Hof bei 19 €, und das gilt auch für die meisten Händler.

Wenn es jemandem gelingen sollte, einen gleichzeitig günstigeren, besser schmeckenden und ebenso umsichtig hergestellten Champagner zu finden, dann bitte melden. Ansonsten werde ich nämlich auch noch eine zweite Flasche bereitlegen für die Festivitäten, die dieses Jahr in einem gemütlich häuslichen Rahmen stattfinden werden…

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