
[In Kooperation mit Tamino] Was seht ihr auf dem Titelfoto? Eine Bierflasche mit Kronkork, darauf ein T im Kreis, von mir selbst per Computergrafik ins Bild geworfen? Ja, stimmt alles. Aber die Essenz ist eine ganz andere, denn es geht um den Inhalt der Flasche. In jener – wegen des Pfandflaschen-Kreislaufs übrigens mit einem winzig kleinen CO2-Fußabdruck – befindet sich ein Wein namens Tamino. Tamino heißt der junge Prinz mit der Zauberflöte aus Mozarts gleichnamiger Oper. Tamino heißt aber auch eine Rotwein-Cuvée aus Baden-Württemberg, ein Projekt, dem sich 16 unterschiedliche Weingüter angeschlossen haben. Ich finde die Idee dahinter super. Deswegen berichte ich an dieser Stelle davon, und deswegen habe ich auch für euch alle 16 Taminos probiert.
Was ist die Idee hinter Tamino?
Die Idee hinter Tamino stammt vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg (WBI), einer Institution des Landes Baden-Württemberg. Bio-Urgestein Paulin Köpfer, der damals noch beim Weingut Zähringer arbeitete, sagte mir seinerzeit, dass die Freiburger ziemlich weit seien, was die Züchtung neuer roter Piwi-Sorten anbelangt. Piwis, das sind pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die grob gesagt aus der Kombination eines edlen und eines robusten Elternteils gezüchtet werden. Das edle Elternteil sorgt für den Geschmack, das robuste für die Widerstandsfähigkeit. Auf diese Weise ist es für die Winzer möglich, mindestens 80% ihrer Spritzmittel einzusparen, weil so ein Piwi schlicht viel weniger davon braucht.
Weil Wein aber ein Genussmittel ist, macht es keinen Sinn, eine robuste Pflanze zu haben, wenn das Ergebnis dann nicht gut schmeckt. Und genau daran haben die Freiburger seit Jahren gearbeitet.
Um dieses sehr löbliche Vorhaben über die Praxis bekannter zu machen, wurde Tamino ins Leben gerufen. Unter dem Tamino-Dach sind unterschiedlichste Weingüter aus ganz Baden-Württemberg vereint, die dafür jeweils einen Wein herstellen, der unter der Marke »Tamino« verkauft wird. Man hat sich darauf geeinigt, dass zwar unterschiedliche Piwi-Rebsorten verwendet werden dürfen, das Ergebnis aber ein dunkler und südlich wirkender Rotwein sein sollte.
Das Spannende dabei ist, dass die Interpretationen wie die Weingüter selbst durchaus unterschiedlich ausfallen. Findet man den virtuellen Süden nun in Bordeaux oder in Apulien, oder besitzt der »Weinsüden« Baden-Württemberg sogar eine ganz eigene Identität?
Ich finde wie gesagt bereits den Ansatz mehr als unterstützenswert. Zudem sind unter den derzeit 16 Tamino-Weinen auch winzig kleine und lokale Weingüter vertreten, die auf diesem Weg ein wenig überregionale Bekanntheit erfahren. Schaut also, was es im Tamino-Land alles zu entdecken gibt…
Tamino mit der Flöte – Hummel vs. Dreher

Wein- und Sektgut Hummel, Malsch
Jahrgang 2020, Regent, 13,5 vol%, 12,90 €.
Das Weingut Hummel aus dem Kraichgau gibt es nicht mehr. Die zum Teil sehr ambitionierten Weine, die Daniel Rhein als Nachfolger von Bernd Hummel erzeugt hatte, kann man allerdings noch im Shop von Daniel und Lisa Rhein erwerben. Oder gleich bei Tamino selbst. Das sollte ich nämlich am besten gleich zu Anfang verkünden: Alle Weine gibt es zentral im Online-Shop von Tamino, nebst jeder Menge interessanter Informationen.
Aber zurück zum Hummel-Wein. Der wurde nämlich nach Maischegärung und biologischem Säureabbau nicht weniger als 17 Monate in Barriques ausgebaut. Und genau das prägt seinen Charakter auch nach sechs Jahren noch. Dies ist eine der duftigsten Tamino-Ausgaben. Das neue Holz bringt ein wenig Vanille in die dunklen Beeren hinein. Eine spannende und nicht allzu kostspielige Reise zurück in der Zeit.
Weingut Dreher, Emmendingen
Jahrgang 2023, Cabernet Cortis, Cabernet Cubin, 13 vol%, 11,90 €.
Florian Dreher gründete vor 37 Jahren das Weingut am Rand des Schwarzwalds. Der Dreher-Tamino stammt aus der Lage Mundinger Alte Burg. Nicht weit entfernt davon erntet übrigens das weltberühmte Weingut Huber seine Trauben. Keine schlechte Gegend also.
Der Wein gibt sich in der Nase nicht allzu aufdringlich, lässt aber eine feine, brombeerige Reife durchscheinen. Im Mund kommen dann viel Würze, Pfeffer und eine gewisse Kraft dazu. Trotzdem ist da nichts schwerfällig, sondern eher himbeerig mit schmeichelndem Holz. Das Raupapier-Etikett macht einen edlen Eindruck, und auch sonst muss ich gleich nach den ersten beiden Weinen zugeben: Hier steckt echter Ehrgeiz dahinter.
Größe trifft Seltenheit – Britzingen vs. Giringer

Winzergenossenschaft Britzingen, Britzingen
Jahrgang 2021, Cabernet Cortis, Regent, 13,7 vol%, 14,50 €.
Die Genossen aus Britzingen kenne ich seit Jahren. Zwar nicht persönlich, aber die Markgräfler produzieren einen Gutedel, der sich bei meinem säureempfindlichen Vater großer Beliebtheit erfreut. Vielleicht könnte ihm auch dieser Wein gefallen…
Der rote Tamino der Britzinger zeigt viel Intensität in der Nase, und zwar einen Ton zwischen grüner Paprika und Johannisbeerblatt. Das ist eindeutig Cabernet, und zwar in seiner frischen Variante. Diese Aromen setzen sich auch im Mund fort, und ich beginne sofort darüber nachzudenken, welche Speisen man denn hierzu reichen könnte. Vielleicht dunkles Fleisch in Richtung Wild, dem auf diese Weise Lorbeer und Waldfrische gleich mitgegeben werden? Oder doch etwas Vegetarisches? However, hier ist Kreativität gefragt.
Weingut Familie Giringer, Rottenburg
Jahrgang 2022, 12,5 vol%, 12 €.
Das Weingut Giringer besitzt gerade einmal 3.500 m² Rebland, also gut drei Baugrundstücke. Zudem befindet es sich im sehr sehenswerten Städtchen Rottenburg am Neckar, also weit von den heutigen Weinbaugebieten entfernt. Hier und im fünf Kilometer entfernten Unterjesingen gibt es allerdings noch teilweise terrassierte Hänge, in denen hauptsächlich Hobbywinzer in Handarbeit die alte Kulturlandschaft erhalten. Damit man das im Einklang mit der Natur machen kann, sind mittlerweile 85% der Giringer-Rebfläche mit Piwis bestockt. Ich finde das großartig, Daumen hoch also schonmal vor dem ersten Schluck.
Der Wein mit dem Rehbock auf dem Etikett gibt sich dann schmelzig und reif. Schwarzkirsche und schwarze Johannisbeere bringen ihre Frucht zum Tragen. Das ist vor allem rund, weich und samtig, und ich kann mir gut vorstellen, dass so etwas vielen Leuten gefallen wird. Vielleicht sogar mehr, als es Flaschen vom Wein gibt. Aber ein Klick im Shop bestätigt: Es ist noch was da!
Lagerpower und Biowein – Kuckuckshof vs. Kaufmann

Öko-Weingut Kuckuckshof, Ittersbach
Jahrgang 2018, 15 vol%, 25 €, bio.
EU-Bio, Ecovin; fungiert im Tamino-Shop als “Quarto Ecovion”, 7,2 g S, 1,1 g RZ.
In diesem Paar wartet gleich ein besonders spannender Wein auf mich. Das Öko-Weingut Kuckuckshof von Gerhard Neye im Kraichgauer Karlsbad (nicht etwa in Böhmen) ist auch nur 4 ha klein, aber offenbar richtig ambitioniert. Sein Tamino kommt nämlich mit lauter Rekordwerten daher: der älteste Jahrgang, der meiste Alkohol, die höchste Säure – und der höchste Preis. Ist man hier etwa nach dem Motto vorgegangen, »viel hilft viel«?
Ja, ist man. Aber mit großem Erfolg. Ich habe ja alle Weine blind probiert und hatte als Hintergrundfolie nur die Idee von Tamino als südlichem Rotwein im Kopf. Und das erfüllt dieser Knaller mit links. Die Säure wirkt dabei überhaupt nicht so bissig wie bei manchem Blaufränkisch, aber der dunkle Stoff, das Feuer, auch die zu Anfang noch deutlich spürbaren Gerbstoffe – hier sind wir wirklich in Süditalien. Aber nicht bei einem Primitivo, sondern viel eher bei einem Aglianico, der nicht nur Power, sondern auch Frische besitzt. Ein beeindruckender Wein, Hut ab, und eine meiner Top 3-Empfehlungen.
Bioweingut Kaufmann, Efringen-Kirchen
Jahrgang 2023, Prior, Regent, Cabernet Carol, Monarch, 13 vol%, 11,50 €, bio.
Efringen-Kirchen, war da nicht was? Ja, in diesem Ort nahe dem Drei-Länder-Eck mit Frankreich und der Schweiz ist mit dem Weingut Ziereisen einer der besten deutschen Rotweinproduzenten zu Hause. Und das Bioweingut Kaufmann, mittlerweile von Florian Kaufmann geleitet.
Bei der Probe gibt das eine wunderbare Ergänzung zum ernsthaften Brummer davor. Der Kaufmann-Wein ist schon farblich viel heller, aber auch in der Nase. Da gibt es Leder und Holz, vor allem aber eine saftige Kirschfrucht. Genau diese Frucht trägt den Wein auch im Mund. Fast ein bisschen fruchtsüß wirkt sie im Vergleich mit dem Dunkelwein, aber unheimlich lecker, süffig, wunderbar zum Wegtrinken auch für die jüngere Kundschaft. Das macht richtig Spaß. Die Tamino-Vielfalt hält definitiv, was sie verspricht.
Original-Tamino und Referenz – Freiburg vs. Zähringer

Staatsweingut Freiburg, Freiburg im Breisgau
Jahrgang 2023, Cabernet Cortis (Cabernet Sauvignon x Solaris), Monarch (Solaris x Dornfelder), Prior (Joannès-Seyve 23-416 x Blauer Spätburgunder & Bronner), 13 vol%, 7,50 € (0,5 Liter), bio.
Jetzt sind wir in Freiburg, und das dortige Staatsweingut fungiert als gelebte Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis. Bereits die sehr konkrete Beschreibung der Sorten mit ihren Züchtungspartnern weist darauf hin. Das, was im WBI alles erforscht wird, bringen Kolja Bitzenhofer & Co. auf die Flasche. In diesem Fall auf die 0,5-Liter-Mehrwegflasche mit Kronkork, was umweltmäßig im Glasbereich nicht zu toppen ist.
Sehr interessant auch, mit welcher Philosophie die Freiburger an ihre Tamino-Interpretation gegangen sind. In der Nase denke ich schon an eine hellfruchtige Version von Cabernet Franc, und im Mund wird mir endgültig klar, dass wir uns hier an der Loire befinden. Oder im Bordeaux der 1980er Jahre, vor Parker und Klimawandel. Da gibt es krautige Noten, Paprika, deutliche Gerbstoffe, schwarze Johannisbeere. Alles ist unheimlich frisch und leicht ausgerichtet mit dieser attraktiven Herbheit, die man im Bordelais längst verloren hat. Ein mutiges Ding ist das, sehr schön. Lasst das Fläschchen übrigens trotz des Kronkorkens ruhig über Nacht geöffnet stehen – der Wein wird dadurch wesentlich harmonischer.
Weingut Zähringer, Heitersheim
Jahrgang 2022, Prior, Regent, Monarch, 12 vol%, 9,50 €, bio.
Das Weingut Zähringer brauche ich hier eigentlich nicht mehr vorzustellen. Die Bio-Pioniere aus Heitersheim im Markgräflerland hatte ich vor gut zwei Jahren schon einmal besucht und darüber berichtet. Alles, was Fabian Zähringer hier aus dem traditionellen Vierlig-Fass holt, ist wirklich absolut probierenswert. Der Tamino allerdings, mit weniger als 10 € für ein solch renommiertes Weingut ausgesprochen preiswert, stammt »nur« aus großem Holzfass und Stahltank.
In der Nase gibt es rauchige Noten nach dem Öffnen, etwas Schinkenspeck, Umami, die Frucht folgt erst dahinter. Im Mund ist das schlicht ungeheuer professionell. Brombeere, Sauerkirsche, saftig, Säure und Fruchtsüße in eine ausgewogene Melange gebracht. Sicher könnte der Wein für Freaks wie mich etwas trockener, gar unzugänglicher sein. Aber der Saft macht sich einfach richtig gut. Das ist vielleicht gar unter meinen Top 3…
Tamino in Etikettenvielfalt – Kuhnle vs. Ruesch

Weingut Kuhnle, Strümpfelbach
Jahrgang 2023, 13,9 vol%, 12,90 €.
Mit dem Weingut Kuhnle sind wir im Remstal östlich von Stuttgart gelandet. Namhafte Betriebe wie Haidle oder Beurer zeigen hier, wie württembergische Spitzenweine aussehen. Ganz so ambitioniert ist man bei den Kuhnles natürlich nicht – auch preislich nicht. Trotzdem bauen sie ihren Tamino ganz traditionell im Eichenfass aus.
In der Nase zeigt sich zunächst eine hellere Himbeerfrucht und ein Ton wie frisch geschnittenes Gras. Im Mund wird das Ganze aber deutlich kraftvoller, schwarzfruchtiger. Wem manche Remstal-Weine zu straff und säurespitz sind, bekommt hier einen brombeerfruchtigen, leicht fruchtsüßen Typus geliefert.
Ökohof Ruesch, Buggingen
Jahrgang 2023, Regent, Cabernet Carbon, Prior, 12,8 vol%, 11 €, bio.
Das Bio-Weingut Ruesch befindet sich am Ortsausgang von Buggingen. Hier stehen nicht etwa ausschließlich Reben, sondern es gibt eine vielfältige Landwirtschaft, bei der sich Wiesen, Felder und Weinberge abwechseln. Wir sind hier etwa eine halbe Stunde südlich von Freiburg im Markgräflerland. Und das Etikett mit der erhabenen Schrift wirkt schon mal ziemlich edel.
Sehr dunkel wirkt der Wein in der Nase, aber dass das nicht schwer wird, merkt man schon beim ersten Schluck. Die Säure ist wahrhaft erfrischend, dazu gibt es ein klein wenig Gärkohlensäure. Sauerkirsche ist die bestimmende Frucht neben schwarzer Johannisbeere. Saftig wirkt der Wein, frisch, ein Jungbrunnen und wirklich gelungen.
Schwarzwaldklinik trifft Solawi – Glottertal vs. Dilger

Roter Bur Glottertäler Winzer, Glottertal
Jahrgang 2019, 13,5 vol%, 9,90 €.
Wer denkt beim Glottertal nicht an die Schwarzwaldklinik, an Professor Brinkmann, Schwester Christa und an Sascha Hehn als Steward? Ach nein, die Rolle hatte er ja im Traumschiff. Die Winzergenossenschaft Roter Bur ist mit gerade einmal 60 ha Fläche jedenfalls eine der kleinsten im Ländle. Und da jedes Mitglied im Schnitt gerade einmal 0,6 ha bewirtschaftet, weiß man auch: Hier wird viel nach Feierabend gewerkelt.
Sehr dunkel und reif wirkt die Frucht des Glottertälers. Wenig Säure, viel Brombeere, schmeichelnd und mit ein bisschen Holz ausgestattet. Fast könnte man an das südliche Inlandsspanien denken, an Jumilla, an die Monastrell-Traube. Dafür ist der Schwarzwälder aber dann vielleicht doch nicht üppig genug. Dennoch: Man spürt die Richtung vollkommen.
Weingut Andreas Dilger, Freiburg
13 vol%, 12 €, bio.
Der Tamino von Andreas Dilger ist ein bisschen eine Ausnahme in diesem Reigen, ebenso wie der Winzer selbst. Ich hatte ihn kennengelernt, weil er (neben Jan-Philipp Bleeke an der Mosel) die erste Wein-Solawi Deutschlands gegründet hat. Wer mehr darüber wissen will, klickt auf die Links oder macht euch bei Andreas Dilger auf der Website schlau. Was den Wein anbelangt, auch der weicht ein wenig ab: Als Landwein deklariert, ist es offenbar ein Verschnitt unterschiedlicher Jahrgänge, ausgestattet mit einem handgeschöpft aussehenden Papieretikett.
Himbeere und Brombeere in der Nase, duftig wie ein dunklerer Pinot-Typ, auch mit leichtem Holzeinschlag durch das 12-monatige Barriquelager. Im Mund gibt es eine gute Säure, etwas Laktik und Leder, leicht wild, aber auch eine attraktive Altkirschnote. Das ist definitiv der »freieste« Wein der Serie, irgendwie Freiburg-typisch zwischen akademischer Bürgerlichkeit und Naturwein-Touch. Ich lasse ihn stehen, und als ich ihn am 7. Tag (!) nachverkoste, sind da immer noch viel Kirschfrucht und dieser offenherzige Weitblick. Definitiv kein Primitivo-Typ, aber unter meinen Top 3.
Von Rabenkraft und Kugelstoß – Rabenhof vs. Maier

Ökologisches Weingut Rabenhof, Jechtingen
Jahrgang 2022, 14 vol%, 24 €, bio.
Jetzt kommen wir zu zwei Kraftprotzen. Dem ersten sieht man es zunächst gar nicht an. Der Feurige Rabe vom Rabenhof aus Jechtigen am Kaiserstuhl ist der einzige der Weine hier, der nicht den Namen Tamino auf dem Etikett trägt. Dafür gibt es den Weinguts-Raben und insgesamt eine Ausstattung, die mich sehr sympathisch an die allererste Öko-Gründungswelle der 1980er erinnert.
Zwei Hektar Rebland besitzt der Rabenhof nur, die komplett mit Piwis bestockt sind. Und aus diesen Reben holt Bernd Sacherer einen konzentrierten Saft. Kaum im Mund, gibt es sofort viel Energie, Holunder und Gerbstoffe, die richtig zum Beißen sind. Das ist ein kraftvoller, unverbogener Roter, der einiges an Lagerpotenzial mitbringt und immer harmonischer werden dürfte.
Bioweingut Maier, Baden-Baden
Jahrgang 2022, Cabernet Carbon, Cabernet Cortis, Monarch, Prior, 13 vol%, 14 €, bio.
Beim zweiten Wein können nur Eingeweihte die Power auf dem Etikett ahnen. Abgebildet ist nämlich ein stilisierter Kugelstoßring von oben mit Weitenlinien und den Abdrücken der Eisenkugeln. Winzer Volker Maier war nämlich früher ein beachtlicher Kugelstoßer, jetzt geht es ganz im Einklang mit der Natur vorwärts.
Der Wein schließt sich zunächst dem Kraftsportler-Eindruck an mit viel dunkler Frucht und dichter Materie. Die Struktur schielt dabei eindeutig in Richtung Bordeaux, denn selbst wenn man dem Tamino ein wenig Luft gibt, lappt er nicht über den Rand und tritt über, sondern bleibt in seinem festen Gefüge. Hier wird hier weniger auf weite Würze als auf Präzision Wert gelegt. Ein Angleiter, ganz klar.
Tamino in Württemberg und Baden – Walz vs. Schmidt

Weingut Walz, Ensingen
Jahrgang 2023, Cabernet Carol, 12,5 vol%, 9,40 €.
Und schon sind wir beim letzten Paar angekommen. In jenem tritt noch einmal Tamino Baden gegen Tamino Württemberg an. Bleiben wir bei Letzterem. Die Familie Walz hat ihre Cabernet Carol-Reben in den Horrheimer Klosterberg gepflanzt, was mir so unbekannt vorkam, dass ich erst einmal bei Weinlagen-Info nachschauen musste. Ganz klar, hier in Württembergs Westen sind wir im Reich der (teilweise sehr guten) Genossenschaften, da spielen die Einzellagen eine geringere Rolle.
Der Walz-Tamino präsentiert in der Nase zunächst weniger Frucht als viele andere Vertreter hier. Mit seinen Noten nach dunklem Rauch, Graphit und Kräutern erinnert er vielmehr leicht an Cool Climate-Syrah. Tatsächlich aber bringen mehr Luft und ein wenig Zeit die Harmonie im Mund immer stärker zum Scheinen. Achtung, das ist kein hellfruchtiges Säftchen, wir bleiben hier im Umfeld von Verbena, Schwarzkirsche und Schlehe. Aber alles wirkt doch wirklich schön leicht und beweglich.
Weingut Schmidt, Eichstetten
Cabernet Carbon, Cabernet Cortis, 13,5 vol%, 9,90 €, bio.
Der letzte Wein stammt noch einmal von Bio-Pionieren. In Eichstetten am Kaiserstuhl hatten Waltraud und Richard Schmidt schon bei der Gründung 1987 alles ökologisch bewirtschaftet. Helen und Martin führen es in genau diesem Sinne fort.
Ihr Tamino zeigt eine leicht »modern« anmutende Nase durch den Holzeinfluss, der aber nicht in Richtung Vanille abgleitet, sondern die Brombeer-Sauerkirschfrucht sehr schön unterstützt. Im Mund wird das Ganze dann durchaus kernig. Die Gerbstoffe sorgen für eine Struktur, die schlicht nach Speisen verlangt, und genau das sollte man dem Wein auch geben. Mir bitte ebenso, denn nach 16 Taminos habe ich doch wirklich Appetit bekommen.
Was übrigens den Charakter der Freiburger Piwi-Rebsorten anbelangt, finde ich den gar nicht leicht zu fassen. Der Schmidt-Tamino beispielsweise erinnert mich an ein halbes Glas Pinot Noir, ein halbes Glas Merlot, aber mit der Frische vom Blaufränkisch. Als Sommelier steht man da noch ein wenig auf dem Schlauch, ahnt aber, dass sich hier wirklich etwas tut in good old Germany.
Tamino für alle – Mein Fazit

Was kann ich sagen nach 16 Taminos? Das Erste ist ganz klar: Ich habe die Idee verstanden. Dabei geht es zum einen darum, die Freiburger Forschungsergebnisse ganz praktisch begreifbar zu machen. Denn Rebsorten, die einen besseren ökologischen Fußabdruck besitzen, die weniger Spritzmittel und weniger Überfahrten bedeuten, zudem weniger Kosten und weniger Arbeit für die Winzer, das muss doch einfach belohnt werden.
Zum anderen geht es aber auch darum, und das zeigen mir die extrem unterschiedlichen Weingüter von Genossenschaft und VDP-Betrieb über Rundum-Öko-Unternehmen bis zum Feierabendwinzer, hier ein Netzwerk zu entwickeln. Menschen, die sich einer gemeinschaftlichen Sache widmen, die sie zwar in Eigenverantwortung herstellen, aber mit dem Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein.
Damit komme ich zum Schluss zur Zielgruppe. Ja, natürlich, Endkunden soll es geben, denn nur so können unsere Weingüter in schwierigen Zeiten überleben. Die Käuferinnen und Käufer werden hier von einer Weinidee begrüßt, die in ihrem Ansatz an das anknüpft, was viele Deutsche gern trinken: einen kraftvollen, südlich anmutenden Roten.
Für mich als Weinfreak ist dabei sehr spannend zu sehen, dass die einzelnen Weingüter dennoch unterschiedliche Wege wählen. Manche Taminos sind saftig-zugänglich-lecker, andere haben mehr Power, Gerbstoffe und Lagerfähigkeit. Aber ehrlich gesagt sind es ja genau diese individuellen Züge, die unsere Weinwelt in ihrer Diversität so spannend machen.
Schaut also, welche Weine euch von der Aufmachung und von der Beschreibung her am besten gefallen und klickt euch dann einfach im Tamino-Shop durch. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Eine gute und absolut unterstützenswerte Idee – viel Erfolg, liebe Taminos!
