Vorab-Info VDP.Auktion.Réserve 2026

Titel VDP.Auktion.Réserve

Am 7. März 2026 (nächsten Samstag) findet auf Kloster Eberbach die VDP.Auktion.Réserve statt. Bei dieser werden entweder extrem seltene alte oder limitierte neue Weine aus dem Rheingau versteigert. Teils für die Beteiligten selbst, teils auch für einen guten Zweck. Der VDP.Rheingau war so nett, mir einige der Flaschen vorher zur Verfügung zu stellen. Ich habe die Weine probiert und stelle sie euch hier vor.

Wie funktioniert das Ganze?

Zunächst einmal würde ich euch empfehlen, auf diese Website von Kloster Eberbach zu gehen. Dort findet ihr alle Infos zum Ablauf und könnt euch auch den Auktionskatalog herunterladen. Das macht deshalb Sinn, weil ihr im Katalog einerseits die Taxpreise sehen könnt. Andererseits findet ihr im Katalog auch die wertvollen Einzelflaschen, die ich aus nachvollziehbaren Gründen hier nicht probiert habe. Den 1926er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder zum Beispiel. Zum Glück hatte ich vor drei Jahren schon einmal das Vergnügen, genau das zu tun. Und ich kann euch sagen, der 1926er war mit ganz oben in meiner Gunst.

Wer live vor Ort bei der VDP.Auktion.Réserve dabei sein will, kann sich auf der Website Tickets buchen. Zusätzlich muss man sich noch mit einem der im Dokument genannten Weinkommissionäre in Verbindung setzen, die dann für einen mitbieten. Selbst kann man auf Kloster Eberbach also keine Zahlen in den Raum schreien. Dafür entschädigt die Atmosphäre, das Drumherum, das Treffen mit Gleichgesinnten.

Es geht aber auch anders. Dafür muss man sich natürlich auch anmelden, kann dann aber vom heimischen Schreibtisch aus über eine Art virtuellen Weinkommissionär mitbieten. Ich habe das an anderer Stelle selbst schon einmal ausprobiert und auch etwas ersteigert. Das funktioniert also ziemlich gut, wenn man rechtzeitig auf die Gebote klickt.

Bevor ich meine Probeergebnisse hier präsentiere, möchte ich euch noch darauf aufmerksam machen, dass mein geschätzter Kollege Felix Bodmann seine Eindrücke bereits veröffentlicht hat. Lest also unbedingt dort nach. Jetzt aber zu meinen sieben Weinen.

VDP.Auktion.Réserve – die Weißen

VDP.Auktion.Réserve Rheingau 2026

Die »normalen« Weine für die VDP.Auktion.Réserve sind alles limitierte Exemplare, meist auf ein Fass beschränkt. Der Einfachheit halber sind sie als Ortsweine deklariert, stehen aber in der Praxis deutlich darüber. Strenge Selektion, Ausbau in bestimmten Gebinden, langes Hefelager – da ist alles möglich. Das Schicke für euch ist, dass alle oben abgebildeten Rieslinge bei lediglich 16 € Taxpreis liegen. Manche gehen nicht weit darüber weg, andere schon, aber das ist ja der Reiz einer Versteigerung.

Ich würde nach meinem Tasting die trockenen Rieslinge in zwei Pärchen teilen: Eser und Prinz auf der einen, Weil und Oetinger auf der anderen Seite.

August Eser Riesling VDP.Auktion.Réserve 2024

Die VDP.Auktion.Réserve vom Weingut August Eser aus dem Jahrgang 2024 ist von allen am deutlichsten »Riesling« – und zwar wegen der expressiven Frucht, des Süße-Säure-Spiels, der sofort nach Öffnung erkennbaren »Leckerheit«. Es gibt auch am siebten Tag (ich habe die Weine wirklich länger getestet, um ein wenig die Reife zu simulieren) noch viel Pfirsichfrucht, eine schöne Pikanz, dazu ein seidiges Mundgefühl. Wer von euch der geringste Freak und Extremismus-Fan sein mag, dies ist euer Wein.

Prinz Riesling Le Coeur 2023

Der Prinz-Riesling – übrigens der einzige mit 13 vol%, die anderen drei stehen bei 12,5 vol% – stammt aus dem Herzstück der Hattenheimer Jungfer, hence the name. Schon bei Felix’ Probe rief jemand »Kork!« in den Raum, und das war bei mir nicht anders. Andererseits sah ausgerechnet dieser Kork wirklich top aus, und mit den Tagen verringerte sich der Ton vor allem im Mund statt sich etwa zu verschlimmern. However, der Wein dahinter besitzt wie der Eser viel weißfleischige Pfirsichfrucht, darüber hinaus jedoch noch einen Anklang von Süßholz. Insgesamt ist da mehr Stoff und weniger Exuberanz.

Robert Weil Riesling VDP.Auktion.Réserve 2024

Bei der VDP.Auktion.Réserve von Wilhelm Weil sind wir geschmacklich in einem anderen Bereich unterwegs. Hier gibt es gleich zu Anfang deutlich mehr Grip, Schaligkeit, mehr Haselnuss und Hopfen als beim Eser, den ich davor probiert hatte. Auch nach Tagen schwingt beim Weil-Riesling immer eine dunkel anmutende Mineralität mit, das ist alles wesentlich »burgundischer« im Sinne von wenig Frucht, wenig Süße, mehr Sponti-Taktilität. Sollte man also nicht unbedingt solo reichen, sondern zum Essen trinken. Das Spannende ist, dass tatsächlich nach einer Woche (immer wiederverkorkt) die Saftigkeit am stärksten vorscheint. Sehr schön jedenfalls.

von Oetinger Riesling Am Hoen Reyn 2023

Zum Schluss noch der Riesling von Achim Oetinger, der ja ohnehin immer etwas freier in seinen Interpretationen erscheint als die Mehrzahl der klassischen Rheingauer. Das ist auch beim 2023er nicht anders, der aus dem Erbacher Hohenrain stammt. Als einziger der Rieslinge mit einem Schrauber ausgestattet, kommt der Versteigerungswein ausgesprochen gelassen aus dem Glas. Vergleichsweise weniger Säure (die Rheingauer Rieslinge eigentlich immer zur Genüge haben), durch den Ausbau vollkommen abgeschmirgelte Primärfrucht, Lakritze, Weißdorn, frei gleitend, ein totaler Gastrowein. Mit den Tagen harmonisiert sich das alles noch. Ich würde jetzt nicht unbedingt sagen, dass es sich um einen »Freakwein« handelt, aber wer lieber Struktur statt Rieslingfrucht mag, kann sich über diesen Wein sehr freuen. Es gibt allerdings nur 150 Flaschen – deshalb VDP.Auktion.Réserve…

VDP.Auktion.Réserve – die Roten

Auktion.Réserve Rheingau Weiß Schaumwein

Zwei Rote und einen Sprudler habe ich noch getestet, und mehr Schaumweine kommen bei der Auktion auch nicht unter den Hammer. Was ich hier neben den extremen Raritäten nicht getestet habe, sind die Fruchtsüßen, darunter ein paar wirklich sehr schöne Kabis. Schaut einfach in den Katalog, denn auch bei denen geht es preislich human los.

Georg Müller-Stiftung Pinot Noir VDP.Auktion.Réserve 2023

Extrem hell in der Farbe ist der Pinot Noir von Tim Lilienström. Das hat aber selbstverständlich in fortgeschrittenen Kreisen keinerlei Relevanz für die Beurteilung. In der Nase ist ein Ton zu vernehmen, den man als leichten Acetongeruch wahrnehmen kann. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, aber ich hatte gerade am Wochenende zwei Weine, die jung diesen Ton besaßen, nach einem Jahr zusätzlich in der Flasche aber nicht mehr. Wird also vermutlich verschwinden. Dahinter sehr leichtgewichtig, Cranberry, eine gewisse Kräuterigkeit. Den Wein sollte man noch ein wenig weglegen, dann wird das ein schön elegantes Exemplar.

Kloster Eberbach Pinot Noir VDP.Auktion.Réserve 2023

Deutlich anders als der Georg Müller präsentiert sich die VDP.Auktion.Réserve von Kloster Eberbach. Himbeere und Süßkirsche in der Nase, aber auch diese enorm typische Pinot-Duftigkeit. Im Mund ist da frisch geöffnet eine gewisse Speckigkeit zu spüren, ein fast zu rundes Mundgefühl, aber auch eine definitiv attraktive Kirschfrucht. Im Verlauf der nächsten Tage bindet sich alles immer mehr ein. Efeu und trockene Küchenkräuter gesellen sich zur Frucht und zum Holz, Raucharomen und sogar etwas Zitrisches sind spürbar. Es ist logisch, dass sich derart junge Weine noch sehr stark verändern, ich möchte hier nur noch einmal darauf hinweisen. Ansonsten ein sehr schöner Wein.

Barth Riesling Brut VDP.Auktion.Réserve 2021

Ein USP-Produkt in diesem Reigen. Hefelager, handgerüttelt, in der Flasche zweitvergoren, mit 35 € Taxpreis allerdings auch höher angesiedelt als die Mitbewerber. 2021 war ein eher frischer Jahrgang, und von der Fruchtart und der Säureanmutung bestätigt das dieser Schäumer auch. Mir ist die Säure aber nicht zu hoch, weil ich etwas anderes auch bei den momentan angesagten Brut Nature-Champagnern nicht erwarte. Im Gegensatz zu jenen lugt beim Barth-Riesling die rebsortentypische Frucht durchaus an den Seiten hervor, aber eben feinapfelig, zitronig, floral und nicht etwa wie eine »gelbe Spätlese mit Perlen«, wie wir die Riesling-Sekte der Vergangenheit kennen. Dennoch: Riesling und Schaumwein, das bleibt immer so eine Sache; vielleicht, weil wir uns schon zu stark an das Champagner-Ideal mit Autolyse und ohne Fruchtcharakter gewöhnt haben. Definitiv aber sehr gelungen, wenngleich ich wesentlich mehr als den Taxpreis (plus Steuer und Kommission) auch nicht zahlen würde.

Mein Tipp

Mein Tipp sieht folgendermaßen aus: Geht hin ins Kloster Ebenbach, wenn ihr an einem der wertvollen Einzelstücke interessiert seid. Das macht einfach mehr Spaß, hat mehr Flair, und wenn man für eine Methusalem Monte Vacano, eine Jeroboam Wild Ferment oder gar den 1926er Benefizwein entsprechendes Geld hinzulegen bereit ist, passt das einfach.

Ansonsten: Meldet euch Online an und macht bequem von zu Hause aus mit. Meine Favoriten der »einfacheren« Weine wären (in dieser Reihenfolge) Oetinger Riesling, Weil Riesling, Eberbach Pinot Noir. Eine super Gelegenheit jedenfalls, einen solchen Wein exklusiv im Restaurant präsentieren zu können. Viel Erfolg!

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