Was mache ich mit einem Riesenbovist?

Riesenbovist Größenvergleich

Ein Riesenbovist ist nichts anderes als ein Wunder der Natur. Dieser Pilz wächst auf feuchten Wiesen am Waldrand. Und zwar mit einer derartigen Geschwindigkeit, dass er in wenigen Tagen einen halben Meter im Durchmesser erreichen kann. Man braucht also kein Pilzsuch-Adlerauge zu besitzen, um einen Riesenbovisten zu finden. Allerdings doch ein Quäntchen Glück, denn der Riesenbovist ist vergleichsweise selten. Wenn es euch gelungen sein sollte fündig zu werden, stellt sich allerdings die nächste Frage: Was macht man damit? Kann man den essen? Und falls ja, auf welche Weise kann man ihn zubereiten? Nichts leichter als das!

Riesenbovist from Outer Space

Ich muss zugeben, ein bisschen erinnerte mich die Situation an eine Szene aus Monty Python’s Flying Circus. Da waren außerirdische Puddinge auf die Erde gekommen, um sie zu erobern. Erst einmal wollten sie allerdings Wimbledon gewinnen. Dieses Vorhaben (und damit auch das zweite) scheiterte dann schlichtweg daran, dass zwei Zuschauer, Mr. und Mrs. Brainsample, auf den Centre Court kamen und den Pudding einfach aufaßen. Welt gerettet.

Nun ist es relativ unwahrscheinlich, dass der Riesenbovist aus dem Weltall gekommen ist, um sich die Menschen untertan zu machen. Und dass man ihn essen kann, deutet sich schon botanisch an, denn Calvatia gigantea gehört zu den Champignonverwandten. Trotzdem bleibt natürlich die Frage, was man mit einem solchen Riesenpilz konkret anstellt. Ich bin ja sehr häufig auf Pilzsuche unterwegs, aber so ein Exemplar hatte ich noch nie gefunden. Hier folgt also mein Rezepttipp (wenn man es so nennen darf) in sechs Schritten.

Auf dem Weg zum Rezept

Schritt 1 – Dokumentieren

Ihr wisst ja, Dokumentation ist die halbe Miete. Ich bitte also die Schwiegermutter, den Pilz zwecks Größenvergleich hochzuheben. Das Ergebnis seht ihr auf dem Titelfoto.

Schritt 2 – Mitnehmen

Riesenbovist

Zum Mitnehmen erscheint mir das riesige Exemplar dann allerdings doch ein bisschen übertrieben. Außerdem hatten Spaziergänger vorher den größten Pilz ebenfalls fotografiert. Jedenfalls lag er eher wie ein Fußball herum und war nicht mehr im Boden verwurzelt. Ich entscheide mich also für den kleinsten und frischesten.

Schritt 3 – Schneiden

Riesenbovist in Scheiben

Die Probe auf’s Exempel folgt in der Küche. Nur wenn der Riesenbovist beim Durchschneiden so strahlend weiß ist, sollte man ihn auch verwenden. Später wird er dann außen und innen bräunlicher, wenn die Sporen reifen. Für meine Schnitzelversion schneide ich den Pilz in etwa drei Zentimeter dicke Scheiben.

Schritt 4 – Panieren

Riesenbovist panieren

Jetzt wird es tricky. Wenn man keine Profifriteuse hat, in der man alles knusprig und nicht zu fettlastig ausbacken kann, sollte man meiner persönlichen Meinung nach nicht zu gewöhnlichem Paniermehl oder Semmelbrösel greifen. Jene saugen sich nämlich immer zu voll. Gute Erfahrungen habe ich mit Tempuramehl gemacht. Das gibt es beispielsweise als Tempura-Mix von Arche Naturküche oder auch wie auf dem Foto vom Asia-Markt.

Noch besser gefällt mir sogar die Variante mit Panko. Panko besteht aus Weißbrot ohne Kruste und ist deshalb meist deutlich heller in der Farbe als gewöhnliches Paniermehl. Es ist von der Textur her gleichzeitig knuspriger und luftiger. Dadurch nimmt es Fett oder Öl weniger auf, bleibt also leichter.

Ich mixe erst einmal zwei Eier, bestreiche mit der Eimischung die trockene, leicht eingemehlte Bovistscheibe und wälze sie dann in Panko. Oder eben in Tempuramehl, denn ich wollte ja beides ausprobieren. Man kann aus dem Tempuramehl auch eine fertige Mischung bereiten, indem man es mit Ei und Eiswasser vermengt. Das funktioniert als Teig zum Hineintauchen zwar besser mit kleineren Objekten, aber zur Not geht’s auch mit unseren Riesenscheiben.

Schritt 5 – Ausbacken

Riesenbovist Rezept

Das Ausbacken in der Pfanne kann man dann nach Gutdünken handhaben. Ich nehme Butter, die zwar den Nachteil des niedrigeren Rauchpunktes hat, aber geschmacklich ideal zu Pilz und Eimischung passt.

Schritt 6 – Essen

Riesenbovist als Fleischersatz

Bis jetzt habe ich noch nichts gewürzt. Das mache ich erst zum Schluss mit ein bisschen Salz und Pfeffer aus der Mühle. Auch da gibt es aber verschiedenste andere Möglichkeiten.

Was mich total verblüfft, ist nicht nur die Tatsache, dass der Riesenbovist keineswegs so geschrumpft ist, wie ich das von vielen anderen Pilzen gewohnt war. Er hat auch die weiße Farbe behalten. Vor allem ist der Bovist aber unter der Panko-Haube richtig saftig geblieben.

Nun esse ich selbst gern mal ein „echtes“ Schnitzel. Vielleicht fällt es mir deshalb auch ein bisschen leichter zu beurteilen, wie gut (oder eben nicht) sich verschiedene Fleischersatzprodukte machen. Und dieser Riesenbovist ist für mich tatsächlich der beste Fleischersatz, den ich bislang kennengelernt habe.

Wenn ihr also das Glück haben solltet, auf einer Wiese einen Hexenring an Riesenbovisten zu finden, freut euch darüber und nehmt das vermeintlich frischeste Exemplar mit. Es lohnt sich wirklich.

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