Franken kulinarisch – Karpfen essen beim Wiethaler

Karpfen Franken Wiethaler

Winterzeit ist Karpfenzeit – jedenfalls auf dem fränkischen Land. Und ich hatte überhaupt nicht realisiert, dass das eine ziemliche Besonderheit ist, die man gar nicht in jedem Landstrich zu sich nimmt. Das haben mir erst Besucher aus Norden, Osten und Westen bewusst gemacht, die sämtlich Karpfenessen geschleppt wurden. Aus der anfänglichen Karpfenskepsis („fettig“, „glitschig“, „moderig“) wurde alsbald Begeisterung. Und so möchte ich euch hier meinen persönlichen Lieblingskarpfenort vorstellen, den Gasthof Wiethaler in Neunhof.

Karpfen und Bier

Brauerei Wiethaler

Franken ist zumindest bei verständigen Menschen weit über seine Grenzen hinaus als Bierregion bekannt. Rund 300 Brauereien gibt es in Franken, und der Bezirk Oberfranken hält den Bierdichte-Rekord mit 160 Braustätten auf eine Million Einwohner. Wer dies liest und selbst in einer Millionenstadt lebt, mag feststellen, dass es da noch Luft nach oben gibt. Nun befindet sich der Wiethaler in Mittelfranken mit einer etwas geringeren Brauereiendichte, hält aber die Fahne hoch, was die Kombination aus handwerklicher Brauerei, gut geführtem Gasthof und wunderbarer Fachwerkarchitektur anbelangt.

Franken Biere Wiethaler

Zum gebackenen Karpfen muss es zwingend Bier sein, obwohl ich auch schon Menschen beobachtet habe, die sich ein Gläschen Silvaner dazu bestellen. Bei der Brauerei Wiethaler hat man biertechnisch mittlerweile die Qual der Wahl. Ich persönlich neige zum Hellen (rechts auf dem Foto), das sowohl Fisch als auch Panade am harmonischsten begleitet. Wer dunkelmalziger unterwegs ist, mag das dunkle Landbier (links auf dem Foto) nehmen, den anderen Klassiker aus dem Sortiment. Als Goldstoff (hell) und Festbier (dunkel) gibt es zur Saison noch üppiger eingebraute Versionen von Hell und Dunkel. Das Weihnachts-Festbier hatte ich vor einigen Jahren schon einmal in einer umfassenderen Probe mit am Start. Der Bock ist dann noch einmal ein Stück stärker, das Weißbier spritziger, und das Pils… ja, das nehmen die Gäste, die statt Semmelbrösel „des Brötchens Krümel“ sagen. In der Mitte seht ihr noch das Hoptimum Pale Ale, obergärig und aromahopfig.

Gasthof Wiethaler in Neunhof

Wirtshaus Franken Wiethaler

Mich überrascht immer wieder, wie gut besucht der Wiethaler ist. Neulich mussten wir quasi in der dritten Stube Platz nehmen, nachdem sowohl die klassische Wirtsstube als auch die gesamte obere Etage bereits belegt waren. Eine Reservierung ist also sehr zu empfehlen. Äußerst vorteilhaft finde ich, dass es durchgehend warme Küche gibt. Und so haben wir schon manchmal samstags einen 15 Uhr-Karpfen zu uns genommen.

Ein so gut besuchter Brauerei-Gasthof wirkt sich natürlich auch ansonsten auf das Dorfleben aus. Einerseits gibt es eine in solchen Gefilden eher ungewöhnliche Parkplatznot. Andererseits gibt es eben auch Arbeitsplätze und Aktivität tagsüber, anders als in den meisten Schlaf- und Pendeldörfern. Vielleicht konnten sich dadurch auch Bäcker und Metzger in Neunhof halten, bei 800 Einwohnern.

Speisekarte Wiethaler Schiefertafel

Der große Gästezuspruch macht einen Spontanbesuch zur Stoßzeit zwar manchmal ein bisschen schwierig, garantiert dafür aber einen laufenden Absatz. Soll heißen: Die Gerichte sind immer frisch, und zusätzlich zur Standardkarte gibt es meist noch ein paar weitere Schmankerl auf der Schiefertafel. Dass die fränkische Wirtshausküche fleischlastig ist, wird sicher niemanden wundern. Aber wer nicht so sehr auf Schäufele & Co. steht, findet auf der Karte beispielsweise auch so etwas wie „Variationen von Gnocchi, Waldpilz- und Spinatknödeln an Salbeibutter, Tomatensoße und Parmesanspänen, dazu Blattsalat“. Aber wir sind ja jetzt wegen des Karpfens hier.

Karpfen-Menü

Pfannkuchensuppe Karpfen

Ein anständiges Karpfen-Menü beginnt mit einer Vorsuppe. Mein Favorit ist dabei die Pfannkuchensuppe mit Leberknödel, aber je nach Saison halte ich es auch mit Kürbis- oder Spargelcremesuppe aus. Den Karpfen, der immer mit einem Salatteller (Kartoffel, Sellerie, Blattsalat) gereicht wird, gibt es dabei in verschiedenen Größen je nach Appetit. So superklein ist er aber nie. Das entscheidende Element, das über Wohl und Wehe beim Karpfen entscheidet, ist die Panade. „Gebacken“ bedeutet ja in heißem Fett ausgebacken. Also darf die Panade nicht zu dick und nicht zu dünn sein, schön knusprig, aber nicht verbrannt, fein würzig, aber nicht versalzen. Übrigens isst man die Flossen mit, so weit es geht jedenfalls. Mit den Fingern natürlich, ein Knuspersnack. Zum Abschluss kann man optional eine der Nachspeisen wählen oder aber einen heimischen Obstler. Da ich aber vorweg immer die Suppe nehme und außerdem der Fahrer bin, verzichte ich auf beides.

Franken Winter Karpfen Landschaft

Wenn es in Richtung Herbst geht, werden überall in der Region die Karpfenteiche abgelassen und „abgefischt“. Die Wiethaler-Teiche liegen dabei, sofern ich mich nicht täusche, eher etwas außerhalb des Ortes Neunhof und nicht hier in Richtung Bullach, aber jedenfalls besitzen gar nicht so wenige Wirtshäuser in Karpfenfranken noch ihre eigenen Teiche. Rechts außerhalb des Bildes (aber zu dieser Saison ohnehin nicht so besonders spektakulär) befinden sich ein paar Hopfenfelder. Wie sich das für fränkische Regionalbrauereien ziemt, stammt von hier ein Teil des Hopfens für die Wiethaler’schen Biere.

Sollte ich jemals diese Region verlassen, werde ich einiges sicher nicht vermissen. Anderes hingegen schon. Und ziemlich weit oben auf dieser Vermiss-Liste steht definitiv das fränkische Wirtshaus mit dem gebackenen Karpfen. Fahrt also sofort los, auf dass ihr noch in einem Monat mit dem „r“ im Namen ankommt. Im Mai ist nämlich alles wieder vorbei.

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