Zweimal Restaurants in Bari

Restaurants Bari

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal in Bari – ebenfalls im Januar. Das hatte mich so begeistert, dass ich überhaupt keine Schwierigkeiten hatte, zehn Gründe aufzulisten, weshalb man im Winter nach Bari fahren sollte. Also kam ich einfach wieder. Ich wusste bereits, dass die kleinen Boote in der Hafenbucht keine Deko sind, sondern dass die Fischer in ihnen jede Nacht hinausfahren, um am nächsten Morgen ihren Fang am Kai zu verkaufen. Was die gastronomische Szene anbelangt, musste ich bei mir jedoch noch große Lücken feststellen. Diese zu füllen, würde ein verlängertes Wochenende vermutlich nicht ausreichen, aber jeder Schritt ist besser als keiner. Zwei Restaurants mit lokaler Küche standen diesmal auf dem Plan. Beide werden von Einheimischen sehr geschätzt, wenn auch mit einem unterschiedlichen Fokus.

Ich hatte ja bereits bei meinem Jahresrückblick angekündigt, mich dieses Jahr stärker mit Italien beschäftigen zu wollen. Lange Jahre hatte ich das Stiefelland schmählich vernachlässigt – und das, obwohl doch Wein und Essen nicht nur meine, sondern auch der Italiener liebste Beschäftigungen sind.

Bei meinem ersten Bari-Besuch war mir allerdings aufgefallen, dass man im Süden Italiens wirklich fast ebenso spät essen zu gehen scheint wie in Spanien. Und ehrlich gesagt müsste ich meinen Rhythmus erst einmal ziemlich umstellen, um auch nach 23 Uhr noch Freude an üppigen Hauptgerichten haben zu können. Aus diesem Grund hatten wir beschlossen, die beiden Restaurants diesmal mittags aufzusuchen.

Ristorante Terranima

Terranima Restaurant Bari

Das Terranima bezeichnet sich selbst nicht ausschließlich als Restaurant, sondern eher als Ort für apulische Lebensart. Man tritt auch nicht durch die Tür ein, über der groß „Terranima“ steht, sondern über den Vorraum mit der Überschrift „Batafobrle – La Puglia“. Dieses seltsame Wort ist kein Dialektbegriff, sondern bezeichnet die Abkürzungen der fünf apulischen Provinzen: Bari, Taranto, Foggia, Brindisi und Lecce. Der Vorraum ist gleichzeitig ein Café mit generösen Öffnungszeiten. Zum Essen in den Hauptraum kommt man aber besser zu Normalzeiten, mittags also ab 13 Uhr.

Ambiente

Terranima Restaurant Bari

Irgendwie fühlen wir uns im Terranima gleich wohl. Der Raum ist hell und mit allerlei apulischen Gegenständen dekoriert. Auch beim Betrachten der Karte wird klar, dass es hier slowfood-mäßig um maximal lokale Speisen maximal handwerklicher Art geht. Die sehr freundlichen und aufmerksamen Bedienungen kommen passend in Pullover und Jeans daher. Die anderen Gäste, Paare in mittlerem Alter, kleine Familien, wirken künstlerisch angehaucht, bildungsbürgerlich und sind ganz bestimmt keine Anhänger populistischer Umtriebe. Es gibt Butzengläser für’s Wasser, und das Geschirr ist von den Großeltern: handgetöpfert und an manchen Stellen schon leicht angeschlagen.

Wein

Terranima Restaurant Bari Verdeca

Auf der Speisekarte steht, dass es eine eigene Weinkarte mit 180 ausschließlich apulischen Posten gibt. Uff. Das erscheint mir dann doch ein bisschen zu komplex für ein entspanntes Mittagessen. Also fragen wir den Chef. Er empfiehlt uns zu unserem Menü („Mare in tavola“, 35 €) den Wein auf dem Foto oben, den Verdeca Maioliche der Tenuta Viglione. Die Rebsorte Verdeca, mir bislang unbekannt, wird in Apulien zunehmend reinsortig gekeltert. Der Wein ist mit 11,5 vol% alkoholarm, sehr frisch und – man kann es an der Farbe ahnen – die Trauben sind zumindest ein Weilchen länger als üblich auf der Maische gewesen. Ideal für Fisch und Gemüse.

Antipasti

Terranima Restaurant Bari

Auf der Karte stehen zwar etliche Speisen, aber das ganze Drumherum wirkt derart vertrauenswürdig, dass wir der Bedienung sagen, sie mögen doch einfach drei Gänge à la carte blanche machen, also was sie denken, dass wir Typisches essen sollten. Das freut sie sichtlich, und wenig später kommen verschiedenste Antipasti auf den Tisch. Es gibt Büffelkäse in verschiedenen Varianten, viel jahreszeitliches Gemüse, vegetarische Frikadellchen, Oktopussalat. Und ausgezeichnetes Brot dazu.

Primo piatto I

Terranima Restaurant Bari

Weil sich die Küche nicht recht entscheiden kann beim ersten Gang (der ja traditionell kohlehydratbetont ist, während der zweite Gang Proteine als Schwerpunkt hat), gibt es gleich zweimal halbe Portionen für uns. Nummer eins ist Pasta namens Troccoli mit Puree aus dicken Bohnen, Rucola-Pesto und Sepia. Sehr grün-winterlich, ein schöner Einstieg.

Primo piatto II

Terranima Restaurant Bari

Die zweite Version sind Strozzapreti mit Zackenbarsch und Tomaten. Irgendwie habe ich aber das geschmackliche Gefühl, alles sei auch noch einmal in Schweineschmalz gebraten worden. Also eine mediterrane Verbindung von Meer und Land.

Secondo piatto

Terranima Restaurant Bari

Als Proteingang nehme ich diesen hier, der zwar nicht total fotogen daherkommt, aber sehr intensiv schmeckt. Es handelt sich um Triglie alla Molese. Mola di Bari ist ein Fischerort etwa 20 km südlich von Bari, und dort gibt es die Tradition, die Triglie (= Rotbarben) zusammen mit Zitronenscheiben zu köcheln. Eine Variante, die mir bislang noch nicht untergekommen war.

Dolce

Terranima Restaurant Bari

Als Nachspeise gibt es kleine Küchelchen mit Puderzucker, die nur oberflächlich so aussehen wie Faschingskrapfen. In Wirklichkeit ist es eher eine Blätterteigpastete mit einer Füllung aus, tja, Milch-Mandel-pudding. Vielleicht kennt ja jemand von Euch den Namen dieser Speise.

Noch ein Kaffee und wir verlassen den gastfreundlichen Ort wieder, zumal es draußen inzwischen aufgehört hat zu regnen. Wenn Ihr in Bari seid und auf lokale Küche mit Bewusstsein steht, das Terranima ist genau der richtige Ort für Euch.

Ristorante Le Terrazze del Santa Lucia

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Am Sonntag gibt es dafür ein Kontrastprogramm. Bari ist nicht wirklich mit einer romantischen und gepflegten Meerespromenade gesegnet. Westlich des Hafens gibt es zwar die Straße namens Lungomare, aber zwischen Wohngebiet und Messegelände (mit dem Eataly am Eingang!) kommt echte Meeresstimmung nur dann auf, wenn man sich von der Stadt abschottet. Genau das hat der Restaurantkomplex Santa Lucia getan. Geparkt wird an der Durchgangsstraße, und über Eingänge, die man getrost als wenig einladend bezeichnen kann, gelangt man in Terrassenrestaurants mit Fensterfront zum Meer. Vier oder fünf solcher Restaurants liegen hier nebeneinander. Nachdem das erste voll belegt war, nehmen wir halt das zweite, Le Terrazze del Santa Lucia.

Ambiente

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Ein echtes Kontrastprogramm zum Terranima, wahrhaftig. An langen Tischen sitzen bürgerliche italienische Großfamilien mit Kind und Kegel, drei, manchmal gar vier Generationen. Man ist hierhin gekommen, um den Geburtstag eines Familienmitglieds zu feiern oder weil es am Sonntag einfach nichts Passenderes gibt, als zu essen, zu trinken und sich zu unterhalten. Die Sitzordnung steht allerdings von vornherein fest, was nicht jede/n gleichermaßen fröhlich stimmt. Und vor 16 Uhr wird die Tafel ganz sicher nicht aufgehoben. Wir haben großes Glück, noch einen Zweiertisch zu ergattern, zu dem uns livrierte Kellner führen. Ein Menü gibt es hier nicht, sondern man wählt aus den verschiedenen Vorschlägen der Karte – oder fragt den Kellner, was es gerade gibt. Preislich sind wir hier im selben Bereich wie beim Terranima: 35 € für drei Gänge, dazu noch Coperto, Wasser, Wein und Kaffee, was aber – anders als gelegentlich in Deutschland – keine riesigen Posten sind.

Wein

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari Fiano

Bari liegt am Meer, und die Restaurants in Santa Lucia sind primär wegen ihrer Meeresküche bekannt. Deshalb wähle ich wieder einmal Weißwein, den Fiano von Villa Schinosa. Auch dies ist ein frischer Weißer mit Noten von geriebener Zitronenschale und Fenchel, ein guter Speisenbegleiter.

Antipasti I

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Aufmerksamkeit hilft oft weiter. J. hatte beobachtet, dass man sich am Nachbartisch Seeigel kommen ließ, und zwar genau solche, die derzeit am Kai von den Männern mit den kleinen Fischerbooten offeriert werden. Ricci heißen die Seeigel, und sie schmecken nach Jod und Meer und ein bisschen nach Eigelb. Vor einiger Zeit hatte ich übrigens einmal (erfolgreich) versucht, selbst einen Seeigel zu öffnen.

Antipasti II

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Auch die zweite Vorspeise gefällt mir ausgesprochen gut. Es handelt sich um Tartare di Branzino, also sehr zarte rohe Häppchen vom Wolfsbarsch. Dazu gibt es eine kleine Beilage von Zitrusfrüchten und Gurken. Mir war gar nicht bewusst, dass die Italiener (oder zumindest die Baresen) durchaus gern rohen Fisch und anderes Meeresgetier essen – Ceviche und Sashimi gibt es also auch auf apulische Art.

Primo piatto

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Der Pastagang ist dann ein kurzes Abweichen vom Meeresfokus. Weil dieses Gericht so ungeheuer typisch apulisch ist, muss ich es nehmen: Orecchiette con cime di Rapa. Der Stängelkohl ist ein typisches Wintergemüse, und er wird hier nicht etwa „trocken“, sondern mit Brühe gereicht.

Secondo piatto

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Frittura mista – das kann alles und nichts bedeuten. Das Spektrum reicht dabei von unerfreulich gummiartigen Tintenfischringen bis zu – so wie hier – einer fast an japanische Tempura gemahnenden Mischung. Verschiedene Tintenfische gibt es, Garnelen („gamberi rossi“), Rotbarben und als Highlight einen Weißfisch in der Mitte, dessen genaue Bezeichnung mir verborgen bleibt. Aber sehr fein war er.

Dolce

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Weil bereits der zweite Tag mit einem mehrgängigen Mittagsmenü ein wenig an der Kondition zehrt, entscheiden wir uns gegen ein klassisches Dessert und nehmen etwas (wieder am Nachbartisch beobachtet), das als „Zwischengang“ gereicht wird. Das Sorbetto al Limone ist cremig, kalt, sehr süß und sehr sauer gleichzeitig. Und es wird vom Magen wohlwollend aufgenommen.

Caffè

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Zum Schluss gibt es natürlich noch den unvermeidlichen Kaffee. Es gibt ja das Vorurteil, dass Italiener stets und ständig Kaffee trinken, also auf dem Weg ins Büro, als Stopper beim Shoppen, zum Ratschen, vor, nach und statt des Essens. Mit Grund, ohne Grund, einfach immer. Ich habe in Bari einmal ein bisschen stärker darauf geachtet, ob das auch tatsächlich so ist. Empirische Evidenz dank Durchzählen. Und ja, sie tun es wirklich.

Ausklang in Bari

Le Terrazze del Santa Lucia Restaurant Bari

Während die Sonne untergeht, überziehen rosafarbene Wolken den Himmel und spiegeln sich im Wasser. Mein kleines Fazit nach diesem neuerlichen Bari-Wochenende: Die italienische Küche ist durchaus formell, das Essen kann anstrengend werden, es geht ins Geld und auf die Hüften. Aber – zählt doch bitte mal spontan drei andere Sachen auf, die in unserem Alter mehr Spaß machen als gutes Essen in angenehmer Begleitung an einem gastfreundlichen Ort. Und Bari ist ohne Zweifel dieser gastfreundliche Ort. Meine beiden Restaurantbesuche haben mir wirklich gefallen, trotz oder wegen der so unterschiedlichen Atmosphäre in den Lokalen.

Würden nicht schon ein paar andere Dinge auf der Agenda stehen, fast wäre ich geneigt, für Anfang März schon wieder Bari III anzuvisieren. Ich bin mir sicher, es würde sich lohnen.

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