Die gute Primzahl – meine Tops des Jahres 2017

Eine Primzahl ist wie ein Wort, auf das sich nichts reimt. Erst einmal ist man irritiert, weil es die Harmonie stört, den Wohlklang, den gleichmäßigen Fluss. Aber dann wird einem bewusst, dass so etwas ja auch sehr spannend sein kann. Denn eine derartige Unvereinbarkeit bedeutet auch, dass man keinen Vorgaben folgen muss, sich nicht einschränken lassen muss in seiner Kreativität. Für mich war 2017 ein solches Jahr. Ich habe einen für mich neuen Kontinent besucht. Und ich habe eine Entscheidung getroffen, die für mein weiteres Leben ziemlich große Veränderungen mit sich bringen wird. Lest also hier Näheres zu meinen ganz persönlichen Highlights des Jahres.

Zunächst einmal möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass diese Jahresrückblicke für mich schon zu einer lieb gewonnenen Gewohnheit geworden sind. An den letzten Tagen eines Jahres (manchmal auch an den ersten des nächsten) schaue ich mir die Fotos durch, die ich im Verlauf der letzten zwölf Monate gemacht habe. Das sind immer ganz schön viele, ich kann es Euch verraten. Und dann überlege ich, welche Ereignisse, die hinter den Fotos stehen, mich innerhalb des Jahres nachhaltig beeindruckt haben. So wie bei 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015 (auf eine gewisse Art) und 2016. Wobei mich diese Auflistung unweigerlich darauf hinweist, wie lange ich das hier eigentlich schon betreibe…

Die Kategorien, in denen ich meine nachhaltigsten Erinnerungen küre, haben sich dabei im Verlauf der Zeit leicht gewandelt. Im Vergleich zum letzten Jahr habe ich die „Biere des Jahres“ weggelassen und stattdessen die Kategorie „Produkte“ eingeführt. Das lässt ein breiteres Spektrum zu. Der Rest ist derselbe geblieben. Vorhang auf also für meine Tops des Jahres 2017:

Wein

Der Jurançon Les Jardins de Babylone 2010 von Louis-Benjamin Dagueneau und Guy Pautrat. Es war immer der Traum von Didier Dagueneau, dem wilden Winzer von der Loire, im Südwesten des Landes einen richtig großen und eleganten Süßwein zu erschaffen. Oder vielmehr, wiederaufleben zu lassen, denn bereits die Lippen von Henri Quatre wurden bei seiner Taufe – so will es die Legende – mit diesem köstlichen Nass benetzt. Sowie mit einer Knoblauchzehe, ebenfalls ein Symbol für ein langes und starkes Leben. Didier Dagueneau hingegen war kein langes Leben beschieden, denn er stürzte im Jahr 2008 mit seinem Ultraleichtflugzeug ab. Seitdem führt sein Sohn nicht nur das heimische Weingut, sondern auch das Jurançon-Projekt mit demselben Enthusiasmus weiter wie sein Vater. Und der Wein ist fantastisch. Gelb und grün, leicht scharf und mineralisch, ein bisschen Mosel-Auslese, ein bisschen ichweißnichtwas, Weißdorn, Brennessel, Empfindungen von Schwertlilien, feine Süße, feine Säure, feines Holz. Kein Schnäppchen, aber ein Erlebnis. Spendiert übrigens von J., und zwar mit dem Hinweis, dass sie auch einmal etwas probieren möchte, was ich ansonsten immer in den Keller stelle…

Die Weine der Domaine Leroy sind auch ein Erlebnis. Ganz sicher. Nur keines für den Alltag, den prohibitiven Preisen sei Dank. Vermutlich kann man sich nicht mehr Mühe geben bei der Winzerei als die mittlerweile 85jährige Lalou Bize-Leroy. Alles biodynamisch, mit hohem Risiko im Weinberg und im Keller, den natürlichen Abläufen immer den Vortritt lassend. Legendär war der Jahrgang 2004, als Madame Leroy die vielen Grands Crus qualitativ nicht behagten und die Weine deshalb ausschließlich als Dorfappellationen in den Verkauf kamen. 2009 war das nicht zu befürchten, ein ziemlich starkes und reifes Jahr im Burgund. Den Nuits-St-Georges Aux Lavières aus diesem Jahrgang genoss ich bei einer öffentlichen Bezahlprobe in Tokios großem Kaufhaus Takashimaya. Eher hellrot in der Farbe, in der Nase die ganze Pinot-Faszination mit Noten von Erdbeere, edlem Holz und welker Rose, im Mund die weingewordene Eleganz schlechthin. Gleichzeitig schwerelos und tief wie der Baikalsee.

Es fehlt noch ein großer trockener Weißwein, und hier ist er. Wie schmeckt ein Riesling, der 16 Jahre lang im Holzfass ausgebaut wurde? Nun, nicht automatisch besonders gut, würde ich sagen. Wenn einem Riesling schon bei seiner Geburt nicht die notwendige Ruhe, Sorgfalt und Materie mitgegeben wurde, haben wir nach 16 Jahren im Holz vermutlich einen ausgezehrten Sportdrink Marke Sauerkrautsaft vor uns. Das ist hier natürlich ganz anders auf dem Planeten Nikolaihof. Am ersten Tag der Weinmesse 501-Biodyn in München hatte ich den Riesling Vinothek 2000 schon probiert, und am zweiten Tag kam ich mit einem Freund noch einmal zurück, nur für den Fall, dass ich mich vielleicht beim ersten Mal getäuscht hatte. Hatte ich aber nicht. Dies ist – ähnlich wie der Leroy in Rot – nicht etwa ein vordergründig beeindruckender, sondern ein ungemein tiefenentspannter Wein, gleichzeitig elegant und dicht, sehr schwer mit anderen mir bekannten Rieslingen zu vergleichen. Und der nächste Jahrgang wird wieder ein großer sein, davon kann man ausgehen…

Essen

Seit einigen Jahren ist die New Nordic Cuisine auch in den besternten Restaurants südlich der Ostsee angekommen. Und das betrifft nicht nur die besonders herbe Erscheinung des Gastraums, sondern vor allem die Neigung, lokale und saisonale Produkte mit bloßen Händen aus See, Wald und Feld zu fischen. Gesetzt aber den Fall, man ist wirklich ganz weit im Norden, drei Fahrstunden nördlich des Polarkreises, was mag es da wohl geben? Diese Frage kann man sich im Restaurant Aanaar des Hotels Kultahovi in Inari beantworten lassen. Nordfinnland. Auf dem Teller oben seht Ihr eine Vorspeise. Leichtgeräuchertes Rentierherz, mariniertes Wurzelgemüse, Wacholderbeeren, Meerrettichjoghurt, Tannenbaumflechte. So sieht das hier aus. Und ich hätte in dieser Kategorie auch die anderen Gerichte prämieren können, die Große Maräne aus dem Inari-See mit Angelika-Sauce oder das Tanneneis. Die ganze Reise in die Polarnacht war sehr beeindruckend, und die Speisen von Heikki Nikula haben ihren Teil dazu beigetragen.

Ein Platzhalter. Aber nur ein bisschen. Das M Restaurant in Aubenas an der Ardèche steht nämlich für all die kleinen Restos und Bistrots, die von jungen Leuten mit oft wenig Geld aber viel Überzeugung irgendwo in der Provinz aufgemacht werden. Nicht wenige dieser jungen Leute haben in der Großstadt bei einem Sternekoch gelernt. Respektive ein Jahr lang Karotten geschrubbt und im zweiten die Saucen gerührt. Wenn sie dann selbst ihren ersten Laden eröffnen wollen, gehen sie oft wieder zurück in ihre Heimatregion, weil da zufällig im Nachbarort ein Lokal leer steht und die Miete ein Fünftel von der in Paris kostet. Der M aus unserem Restaurant, das ist Michaël Dumas, und er kocht wirklich schon sehr gut. Auf dem Foto oben seht Ihr wiederum die Vorspeise, nämlich „Moules de Bouchot. Velours de fenouil et chips chorizo“. Dazu gibt es nicht erwähnte, kross frittierte laitues de mer. Ich sollte mehr in solche Läden gehen, denn dadurch kann ich die jungen Kochtalente ganz direkt unterstützen und meinem Geschmacksempfinden auch noch etwas Gutes tun. War das der erste Vorsatz für 2018? Hört sich ganz danach an…

Ich habe mir einen original Iwatani-Grill aus Japan kommen lassen, dazu einen Aufsatz à la Korean Barbecue. War alles überraschenderweise weder teuer noch kompliziert, hat mich aber in die glückliche Lage versetzt, endlich mal unter freiem Himmel genau das zu tun, was ich in Japan und Korea auch so oft getan habe. Nämlich Fleisch grillen, und zwar kleine Stücke vom Rindfleisch, die gleichzeitig außen kross und innen zart werden. Hatte ich in der normalen Pfanne nie geschafft. Pilze und Zucchini werden ohnehin top. Dazu noch die Möglichkeit, die pimientos de padrón schön anzukokeln, ganz so wie es sich gehört. Oben auf dem Foto seht Ihr schließlich noch frische Tintenfischtentakeln, die für Deutschland schon sehr exotisch anmuten. Kurzum, in Verbindung mit den verschiedenen Dips haben wir uns hier ein Essen auf den Campingtisch gezaubert, das uns so begeistert hat, dass es den Sprung auf diese Liste schaffte. Nicht der übergroßen Sophistication wegen, soviel steht fest, aber auch die einfachen Dinge machen manchmal große Freude.

Produkte

Wie viel man bei ganz einfachen Dingen richtig machen kann, das habe ich gemerkt, als ich zum ersten Mal eingedosten Binnenfisch aus Finnland gegessen habe. Es gibt offenbar überall im Land der tausend Seen kleine Manufakturen, die seit langen Zeiten den Fang aus den örtlichen Gewässern erst räuchern und dann voller Saft und Geschmack in Dosen verfrachten. Meine Lieblingsmarke heißt „Willi“ aus Inari, aber auch die anderen, egal ob aus Karelien aus der Nähe von Oulu, können sich absolut sehen lassen. Die wichtigste Spezialität im Norden ist Muikku, die Kleine Maräne. Rautu, der Arktische Saibling, gilt hingegen als wervollster Edelfisch. Särki (Rotauge), Siika (Lavaret) oder – hier im Bild – Ahven (Flussbarsch) heißen die weiteren Leckereien, die ich im Laufe des Jahres 2017 zu mir genommen habe. Eine echte Entdeckung.

Auf dem Foto oben seht Ihr ganz eindeutig Macadamia-Nüsse. Aber natürlich sind das nicht irgendwelche Nüsse aus dem Supermarkt, sondern dahinter steht eine wahrhaft spannende Geschichte. Es ist die Geschichte von Matti Spiecker, lustigerweise auch ein halber Finne, der schon während seines Studiums die Idee für ein echtes Win-Win-Win-Projekt (und diesmal stimmt’s wirklich) namens Limbua hatte. Also gut und fair und profitabel, und zwar für alle, die daran beteiligt sind. Und gleichzeitig der Beweis, dass in Afrika allen Latent-Rassisten zum Trotz supermoderne Dinge funktionieren können. Die ganze Story dazu müsst Ihr unbedingt bei Beautyjagd nachlesen, die sich alles vor Ort in Kenia angeschaut hat. Das ist übrigens mein absoluter Lieblingsartikel auf ihrem Blog, aber wen wundert’s… Die Macadamia-Nüsse sind nämlich nicht nur „fair“, sondern auch geschmacklich von der besten Qualität, die ich je erlebt habe. Und ich bin ein sehr erfahrener Nussfreund. Mehr als fünf oder sechs davon habe ich wegen ihrer hohen Intensität nie hintereinander gegessen, aber sie sind mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Auf Produkt Nr. 3 – oder vielmehr auf die ganze Produktpalette – bin ich wiederum komplett per Zufall getroffen. Auf dem Markt von Dieulefit sind wir an dem Stand eines sehr nett wirkenden jungen Paares vorbeigekommen. Die beiden verkauften ganz offensichtlich Zubereitungen aus ihrem eigenen Garten, die sehr handgemacht aussahen. Wir haben probiert – und waren total begeistert. Was ich bis zur Recherche nachher im Internet nicht wusste: Dahinter steckt mit Jan Darmstadt ein junger Deutsch-Franzose, der das Ganze aus zwei Gründen macht: Handwerkskunst und Naturliebe. Und mit ein bisschen politischer Verve, bien sûr. Auf 5.000 Quadratmetern im Fabuleux Jardin in Buis-les-Baronnies werden Gemüse (beispielsweise alte Tomatensorten), Kräuter und Blumen in Permakultur angebaut, biodynamisch noch dazu. Und auch hier ist das Faire gleichzeitig das Exzellente. Das Purée Piquant aus sechs Paprika- und zwei Chilisorten ist schlichtweg großartig, die Zubereitungen aus Basilikum und anderen grünen Kräutern ebenfalls. Alles ist nicht eingekocht oder eingemacht, sondern wurde einfach so in die Gläser gefüllt und mit etwas Olivenöl bedeckt. Das eignet sich überhaupt nicht für den Verkauf im Supermarkt, und selbst nach der Autofahrt trieft es schon leicht. Aber wenn ich wieder in Dieulefit bin, werde ich den Marktstand sofort aufsuchen, da bin ich mir absolut sicher.

Momente

Nordlichter in Inari/Finnland. Wir waren zum Glück gerade fertig mit dem Abendessen, als die Chefin hereingelaufen kommt: „Die Nordlichter!“ Zusammen mit den vor Begeisterung kreischenden Chinesen stürze ich nach draußen, den Fotoapparat fest in der Hand. Minus 23 Grad sind es bereits, und die Jacke liegt gut verstaut im Zimmer, aber egal, es wird ja nicht so lang dauern. Tut es natürlich doch, und so werde ich von diesem Abend neben dem unglaublichen Erlebnis grüngelber Lichterscheinungen unter sternenklarem Himmel auch eine leichte Erkältung davontragen. Ein Tipp noch (außer der Winterjacke): Nehmt ein Stativ mit, Euer Fotoapparat wird es Euch danken, wenn Ihr ihn nicht direkt in den Schnee steckt. Und wählt eine laaange Belichtungszeit, sonst sieht man nachher nur die große Schwärze. Ansonsten: Den Winter im Norden, den habe ich mir immer als dunkel, kalt und fad vorgestellt. Aber mitnichten. Der Schnee knirscht ganz anders als bei uns, die Sonne unterhalb des Horizonts sorgt für indirektes Licht, und nachts gibt es die magischen Lichter.

Im Broome Street General Store, Los Angeles/USA. Eigentlich stiefele ich nur hinterher in diesen Laden, dessen Konzept es ist, komplett unterschiedliche Dinge zu verkaufen, die aber alle ausgesprochen geschmackvoll sind. Kein Bling Bling, sondern Sachen aus Kleinstproduktion, Pullover, Schokolade, Lippenstift, ein Buch, ein Glas Marmelade. Während ich mich umschaue, erklingt als Untermalung Musik aus den Lautsprechern. Das hat wieder so etwas Elfengleiches, so etwas Versponnenes, aber ohne jede Beliebigkeit. Es hört sich an wie C Duncan, der auf meiner Liste der Jahres-Lieblinge auch ganz weit oben steht. Ich nehme mir vor, mir wenigstens die Melodie zu merken, aber natürlich habe ich sie zwei Stunden später schon vergessen. Irgendwie umgibt mich während meines Besuches im „Broome Street General Store“ so ein seltsames Gefühl von „hm, vielleicht möchte ich auch zu so etwas gehören“ und dann, „vielleicht gehöre ich ja tatsächlich dazu, seit Jahren schon, nur habe ich’s mir nie ansehen lassen…“

Kolibri in Los Angeles/USA. „Komm mal ans Fenster, da draußen am Busch ist ein großer Schmetterling!“ Ich eile mit dem Fotoapparat herbei und klicke, aber der Schmetterling ist bereits erstaunlich schnell um die Hausecke geflitzt. Als ich mir das Foto später anschaue, sehe ich, dass der angebliche Schmetterling einen Schnabel zu haben scheint. Ob das vielleicht ein Vogel war? Etwa ein Kolibri, dieses Wunderding aus den Tropen? Seitdem sitze ich nach dem Frühstück immer noch ein paar Minuten da und schaue auf den Busch vor dem Nachbarhaus. Der Vogel könnte ja wiederkommen. Und er tut es.

Auf den Tiroler Bergen bei Leutasch/Österreich. Anfang Juli bin ich in Leutasch in Nordtirol, weil Jürgen Schmücking mich netterweise eingeladen hat, bei seinem Best of Bio als Juror mitzumachen. Weil ich die Berge aber so selten besuche, komme ich schon einen Tag eher, um noch die Gelegenheit zu einer „kleinen Wanderung“ zu nutzen. Ganz früh bin ich aufgestanden und stapfe im leichten Morgennebel durch den Wald. Keinen Menschen treffe ich, bis ich bei Sonnenschein oben wieder aus den letzten Föhren trete. Wie schön es hier ist! Das ist doch ein Anblick, der des Menschen Herz erfreut. Und prompt nehme ich mir schon wieder etwas vor, für 2018, aber auch überhaupt: Ich möchte öfter draußen sein, in der Natur, auf dem Land, auch zu Fuß. Nicht aus sportlichen Gründen, sondern aus Gründen der Erbauung. Nach so einer Tour geht man nämlich mit einem ganz anderen Gemüt wieder zurück an den Schreibtisch.

Über dem Fuji/Japan. Die Chancen standen nicht allzu schlecht bei einer Flugroute von Tokio nach Hongkong, jedenfalls wenn man sie mit dem Lineal zieht. Obwohl ich schon öfter in Tokio war, hatte ich den heiligen Berg des Landes, den Fuji-san, noch nie aus der Nähe zu sehen bekommen. Meine Hoffnungen schwinden auch dahin, als der Pilot kurz nach dem Start einen leichten Rechtskurs einschlägt. Dabei hatte ich extra der Aussicht wegen einen Fensterplatz auf der rechten Seite gewählt. Aber plötzlich reißt die Wolkendecke auf, und als ich meinen Kopf direkt ans Fenster halte, sehe ich dort unten den großen Berg in all seiner Pracht. Triumph. Im nächsten Moment beschleicht mich jedoch noch ein anderes Gefühl: Das Heiligtum so geschrumpft unter mir zu sehen, kommt mir auf einmal irgendwie anmaßend vor. Es ist schon kein Zufall, dass jede anständige Pilgerreise viel mehr mit dem Aufblicken als mit dem Herabschauen zu tun hat…

Die Schmetterlinge vom Hong Kong Park. Schmetterlinge mit ihrem gaukelnden Flug und ihrer Farbenvielfalt haben mich schon als Kind fasziniert. Und nachdem ich dieses Interesse über die vergangenen Jahrzehnte ein bisschen verloren hatte, hat es mich seit ein paar Jahren wieder gepackt. Frohen Mutes war ich also unterwegs zum Hong Kong Park, einer Art grüner Lunge im Hochhausmeer, obwohl ich annahm, dass der November nicht gerade der ideale Schmetterlingsmonat sein dürfte. Immerhin schien die Sonne, und das bereits seit einer ganzen Weile, es hatte schon länger nicht mehr geregnet. Als ich im Park ankomme, fangen die Gärtner dort nämlich an, die Blumen und Büsche mit einem Wasserschlauch zu gießen. Darauf haben die Schmetterlinge offenbar nur gewartet. Innerhalb weniger Minuten fliegen Hunderte von Schmetterlingen aus der Umgebung herbei, um sich auf die Blätter zu setzen und an den Wassertropfen zu saugen. Oben seht Ihr beispielsweise zwei Vertreter der Monarch-Familie, nämlich den Common Tiger und den Blue Tiger. Etliche einheimische Fotografen hatten sich extra dafür eingefunden, und gemeinsam bewundern wir die verschiedenen Sorten, die seltenen wie die häufigen.

Und damit bin ich am Ende meines ganz persönlichen Jahresrückblicks angekommen. Was ich nicht beschrieben habe (und wovon hier auf dem Blog ohnehin nie die Rede ist), das ist die ganze Zeit zwischen den Highlights, also das, was man gemeinhin als „Alltag“ bezeichnet. Die größte Veränderung, die sich bei mir mit Ablauf des Jahres 2017 vollzogen hat, betrifft nämlich genau diesen Bereich. Ich hatte es in der Einleitung ja schon angedeutet.

Wie oben auf dem Foto kommt man immer wieder im Leben an solche Weggabelungen, bei denen man sich entscheidet, ob es nun auf dem rechten oder auf dem linken Weg weitergeht. Egal ob beruflich oder privat. Richtig sehen kann man dabei nur bis zur nächsten Kurve. Alles dahinter bleibt im Bereich des Spekulativen.

Eigentlich war ich von außen betrachtet gar nicht in der Situation einer Weggabelung. Mein Job war nicht schlimm, die Kollegen nett, alles hätte auch noch 25 Jahre lang weitergehen können. Oder doch nicht wirklich. Denn da sangen mir die Engel, oder waren’s die Sirenen, schon im Broome Street General Store zu, „Come back to yourself! Nicht alles, was du tun kannst, musst du auch tun.“ Und so bin ich vom Weg abgebogen, nicht in eine komplett andere Richtung, aber doch auf eine Weise, dass ich jetzt auf eigenen Füßen stehe.

Sofern Ihr mir gewogen bleibt, werdet Ihr diese Veränderung auch auf dem Blog sehen können. Noch nicht in den nächsten Tagen natürlich, so etwas will gut vorbereitet sein, aber allzu lang wird es nicht mehr dauern…

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5 Kommentare zu Die gute Primzahl – meine Tops des Jahres 2017

  1. Thea sagt:

    Alles Gute auch für 2018. Auf den neuen Weg bin ich natürlich sehr gespannt.

  2. Thomas Riedl sagt:

    Hallo Matthias,

    Du machst es aber spannend! Alles Gute dafür im Neuen Jahr

    Liebe Grüße

    Thomas

    • Matze sagt:

      Naja, Du weißt ja, wie das ist bei mir: Alles, was gleich zu bleiben scheint, ist in Wirklichkeit ein Rückschritt, weil die Zeit ja weiter nach vorn geht 😉

  3. Stephan sagt:

    Ich frei mich weiterhin von Dir zu lesen.
    Beste Grüße Stephan

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