
Ich war in diesem Jahr zum ersten Mal auf der WineParis. Und so wie mir ging es vermutlich nicht wenigen Leuten, egal, ob vor oder hinter den Ständen. Offizielle Zahlen der WineParis selbst zeigen, dass genau 63.541 Besucherinnen aund Besucher auf 6.537 Aussteller getroffen sind. In beiden Fällen war das eine Zunahme von 20% gegenüber dem Vorjahr, was die WineParis zur weltweit größten Wein-Fachmesse macht. Schaut hier also, was ich in Form eines Tagebuchs vor, während und nach der Messe in Paris gesehen habe.
Sonntags am Gare de l’Est

Heureka, es gibt eine direkte Zugverbindung von Berlin nach Paris! Natürlich völlig ausgebucht, aber einigermaßen pünktlich. Dass mich das Ticket dabei wesentlich weniger gekostet hat, als wenn ich in mein Heimatdorf fahren will, muss mir der Fairness-Direktor der Bahn allerdings nochmal erklären.
Sonntag Nachmittag am Gare de l’Est anzukommen, bedeutet für mich immer die seltene Chance, ein paar südindische und srilankische Snacks einzukaufen. Zwischen Gare de l’Est und Gare du Nord kurz vor der Metrostation La Chapelle erstreckt sich nämlich das, tja, tamilische, aber auch anderweitig südindische Viertel. Was die Snacks anbelangt, möchte ich da nicht unangemessen ins Detail gehen, aber wer von euch gern (sehr) würzig knuspert, das ist ein echtes Highlight. Kennengelernt hatte ich solche Sachen übrigens vor Jahren in Colombo, ganz zu Anfang meiner Blogzeit.
Zweites Gourmetziel: La Grande Epicerie

Zum Glück für mich haben in Paris mittlerweile viele Läden auch sonntags geöffnet. Das nutze ich aus, denn ich möchte noch gemütlich auf dem Zimmer essen und mich auf die Messe vorbereiten. Deshalb fahre ich in meine Hotelgegend an der Grenze zwischen 6. und 7. Arrondissement und stürze mich ins Gewühl der Grande Epicerie. Wer sich gourmetmäßig einen Überblick verschaffen möchte, was es in Paris oder vielmehr Frankreich alles gibt, die Grande Ep des Kaufhauses Bon Marché ist für mich da immer die Adresse #1, deutlich vor Lafayette Le Gourmet, dem großen Konkurrenten.
Den größten Andrang gibt es übrigens vor dem Butterschrank, in dem sämtliche Kreationen von Beurre Bordier lagern. Für mich ist das immer interessant zu sehen, wie man von einem Alltagsprodukt ausgeht, um daraus eine Luxusversion zu machen, die die Weltherrschaft übernimmt. Dass Bordier sowas geschafft hat, bedeutet, dass auch bei anderen Lebensmitteln noch viel Luft nach oben sein dürfte. Wenn man denn so etwas machen möchte, clever ist und Investitionsgeld hat.
Ritz oder nicht

Was mich selbst anbelangt, erschöpft sich mein Luxus darin, Gourmetprodukte zu kennen, zu kaufen und zu probieren. Oben links seht ihr nämlich mein 7 m²-Schachtelzimmer im Souterrain, gut geheizt, Dusche, wunderbar ruhig. Irgendwo muss man ja schließlich Geld sparen, und solange ich gut schlafen kann, soll mir das total recht sein.
Beim Betrachten der Ritz-Boutique hingegen fiel mir auf (analog zu Bordier), dass es im Aufbau von und Lohnherstellung für Prestigemarken bestimmt auch noch interessante Chancen gibt. Warum gibt es zum Beispiel noch keine Marke wie »Kölner Dom« oder »Neuschwanstein« mit konsequent durchdachtem Luxus-Merch für außereuropäische Märkte? Oder meinethalben auch »Tresor Berlin«.
Yann Couvreur

Direkt neben meinem Hotel befindet sich eine Zweigstelle von Yann Couvreur, der auch eine echte Erfolgsgeschichte hinter sich hat. Erst solides Handwerk gelernt, dann ikonisches Produkt oder vielmehr Symbol ausgedacht (Fuchs), dann realisiert, Kult-Follower bekommen und mit Anschubfinanzierung ausgedehnt. Ich weiß, wenn es so einfach wäre, würden das möglicherweise noch viel mehr Leute machen. Aber so ein strategischer Masterplan ist schon viel wert, und je mehr ich derartige Erfolgsgeschichten betrachte, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass Zufall da die geringste Rolle gespielt hat…
Endlich auf der WineParis

Jetzt aber endlich: WineParis. Ein bisschen muss ich schon über mich lachen, dass ich quasi im kompletten Businessmode hier angereist bin und selbst Butter und Schokolade primär unter strategischen Gesichtpunkten betrachte. Zu Anfang der Messe wird das sogar noch schlimmer, denn meine erste Handlung ist der Besuch einer Veranstaltung von Areni Global. Areni Global ist ein »unabhängiger Think Tank«, wie es heißt, der sich mit Fine Wine-Marktforschung beschäftigt. In Paris stellte Leiterin Pauline Vicard die Ergebnisse einer Studie vor, für die junge Leute in sechs wichtigen Städten weltweit zu fine wine befragt wurden. In erster Linie danach, wie sie zu dem Thema gekommen sind und wie es sich weiter entwickelt hat.
Neben vielen anderen Ergebnissen gab es zwei zentrale Erkenntnisse, die ich hier nur ganz kurz anschneiden möchte: 1. Freunde sind wichtiger als Familie, weil man sich sozusagen gemeinsam und im Austausch weiterbewegt. Es mag eine Initiation im familiären Kontext gegeben haben, aber alle Schritte danach erfolgen eher innerhalb der peer group. 2. Frauen interessieren sich zu Anfang fast genauso stark für Wein wie Männer (wir sprechen hier von privilegierteren Kreisen). Tatsächlich nimmt die weibliche Beteiligungsrate aber in höheren Altersstufen ab. Das kann ein Kohorteneffekt sein (bzw. ist es ganz sicher), weil ja unterschiedliche Altersgruppen zum selben Zeitpunkt befragt wurden, und Gesellschaften bewegen sich definitiv weiter.
Aber es hängt nach Aussagen der Befragten auch damit zusammen, dass es zu wenig öffentliche safe spaces für Alkoholkonsum gibt. 8% der befragten Frauen räumten ein (plus Dunkelziffer), schon einmal sehr unangenehme Situationen erlebt zu haben, bei denen Männer sie »abfüllen« oder anderweitig gefügig machen wollten. Das finde ich grundsätzlich schon sehr bedenklich. Tatsächlich aber, betonte Pauline Vicard, dass damit auch schlicht Geschäfte verloren gehen, wenn beispielsweise eine Weinbar zu wenig Wert darauf legt, Frauen eine solche safe space-Atmosphäre zu bieten.
Die Tatsache, dass junge Frauen Interesse an Wein haben, könne man auch daran sehen, dass sie ganz stark Bildungs- und Fortbildungsangebote nachfragen. Natürlich auch mit einer Berufsperspektive im Hinterkopf, denn das ist das Neue. Früher ging es meist »nur« ums Sammeln, was eine entsprechende Geldverfügbarkeit voraussetzte, heute gibt es auch oft um die Perpektive Top-Sommelière, Önologin oder Wein-Geschäftsführerin. Das kann ich von meinen beiden WSET-Kursen definitiv bestätigen. In London (WSET2) war ich in meiner kleinen Gruppe der einzige Mann, in Hong Kong (WSET3) waren wir höchstens pari-pari.
Darüber gäbe es natürlich noch viel mehr zu sagen und zu diskutieren. Bevor das ausufert, lieber erstmal zum Wein rechts auf dem Foto. Riffel Pinot Noir Scharlachberg, burgundische sélection massale, ganz neu auf dem Markt, bio-zertifiziert, 12 vol%, 60 €. Das ist der neue internationale Markt und unsere Chance auf ihm. Ganz tolles Zeug, ganz feine Klinge – aber halt speziell für Leute, die diesen Ansatz nachvollziehen können.
Levin – alkoholfreier »Wein« ohne Entalkoholisierung

Fabien Gross beschäftigt sich seit 25 Jahren wissenschaftlich mit alkoholfreien Getränken. Nachdem es ja Fermentation bei Kombucha oder Brot oder Joghurt gibt, bei der kaum oder kein Alkohol entsteht, hat er in jahrelanger Bastelarbeit versucht, etwas Ähnliches auch bei Weintrauben hinzubekommen. Also eine Gärung in erster Linie mit Hilfe bestimmter Bakterien und ganz wenig Hefen. Im Prinzip Malolaktik auf fortgeschrittene Art.
Das Ergebnis heißt Levin, was dem Namen nach an Levain (= Sauerteig) erinnert, in Wirklichkeit aber fermentierter Traubensaft ist. Geschmacklich gehen die jetzigen Produkte in Richtung entalkoholisierter Wein mit deutlicher Frucht und leicht laktischer Komponente. Pro Liter sind gut 30 g Zucker drin, pasteurisiert werden musste der Saft auch. Aber erstens braucht es keinen Schwefelzusatz, und zweitens ist halt nichts entzogen worden. Und die CO2-Bilanz sieht ebenfalls deutlich günstiger aus als beim entalkoholisierten Wein. Fabien meinte allerdings, dass er das Gefühl hat, erst auf einem Zwischenschritt zu sein. Das bleibt also definitiv spannend.
Jörg Geiger auf der WineParis

Anschließend bin ich zum freien Tasting in der Zero-Halle unterwegs gewesen. Das Produkt, das mich dabei am allermeisten an einen »echten« Wein erinnert hat, war dieses hier, der rote Lamothe von Jörg Geiger. Jener sagte mir dazu, dass sie sich nach einigem Probieren die Freiheit genommen hätten, den entalkoholisierten Wein mit ein wenig roten Säften, Kräutern und Glycerin aufzupeppen. Schließlich ist es ja uninteressant, ob da tatsächlich »Wein« draufstehen darf oder nicht, wenn es so eindeutig wie Wein wirkt. Und das tut es tatsächlich. Dank der Aromate waren sie auch in der Lage, den Zuckergehalt auf lediglich 9 g pro Liter (oder nach dem Lebensmittelrecht: 0,9 g pro 100 ml) zu begrenzen, ohne dass es scharf oder zu säuerlich wirkt. Das ist für mich echt fortgeschrittenes Know-how.
Neues von Plaimont auf der WineParis

Letztes Jahr war ich bei Plaimont in Frankreichs Südwesten, und jetzt auf der WineParis habe ich germerkt, was so ein Besuch alles verändern kann. Plötzlich kennt man sich und freut sich wirklich darüber, sich wiederzusehen und zu plaudern. Ein bisschen wie bei alten Freunden, die man lange nicht gesehen hat. Links seht ihr einen Roten aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, auf den die Plaimontesen besonders stolz sind. Die Trauben stammen nämlich vom Elternweingut von Pierre Seillan, der auch bei der Vinifizierung beraten hat. Seillan hat mit seinem kalifornischen Kultweingut »La Vérité« rekordhaft 17mal 100 Parker-Punkte abgeräumt. Für den Gratitude sind wir aber ganz stark im saftigen Cabernet Franc drin, dazu mit genau abgestimmten Gerbstoffen und Säure. Klasse mit Tradition.
Für die Rosé-Serie Océanide hat sich Plaimonts Aline (rechts auf dem Foto) sechs unterschiedliche Etiketten ausgedacht, die einfach gemischt in die Kartons hineinkommen. Eine kleine Collector’s Edition sozusagen. Der Wein selbst ist eine Top-Alternative zu Provence-Rosés. Vielleicht eignen sich die hier verwendeten Rebsorten Tannat und Pinenc mit ihrer saftigen Frische sogar noch besser für ein solches Produkt als Cinsault oder Mourvèdre.
Große Rosés aus der Provence

Having said that, gibt es natürlich auch in der Provence ausgezeichnete Rosés. Man muss sie allerdings ganz schön suchen und dafür ehrlich gesagt meist den Premium-Bereich ansteuern. Hier meine beiden Favoriten.
Die Domaine de Terrebrune befindet sich in der AOC Bandol, und zwar ziemlich dicht am Meer und noch vor der Hügelkette, hinter der es im Sommer so heiß werden kann. Natürlich spielt das Terroir mit seinen auf- und ablandigen Winden und den kalkigen Böden eine große Rolle. Aber es braucht halt auch jemanden mit einer Erfahrung wie Reynald Delille, der hier seine 46. Ernte eingefahren hat. Produziert wird auf Terrebrune (bio-zertifiziert von Anfang an) genau ein Roter, ein Weißer und ein Rosé. Alle zeichnen sich durch eine faszinierende transparente Eleganz und Frische aus, die man am Mittelmeer gar nicht vermuten würde. Zudem entwickeln sie sich vorteilhaft und tragen auch ihren jeweiligen Charakter in sich. Wunderbarer Stoff.
Ein bisschen anders sieht es bei Clos Cibonne aus, meinem zweiten Provence-Highlight. In der freien Verkostungszone hatte ich vorher viel herumprobiert, aber nur der Clos Cibonne hat mich komplett überzeugt. Dabei sind die Weine der Familie Deforges total anders als jene von Terrebrune: viel kräftiger im Alkohol, würziger, mehr vom Holzfassausbau geprägt. Aber beide Wege führen in diesem Fall nach Rom, und Clos Cibonne hat ehrlich gesagt auch Jahrzehnte dickköpfiger Fokussierung auf die Rebsorte Tibouren gebraucht, um jetzt endlich überall als Somm-Kult anerkannt zu sein.
Rosé-Paradies WineParis

Wo ich grad dabei bin, möchte ich euch jetzt ganz schnell noch zwei Rosés ganz besonderer Art vorstellen. Links seht ihr Arnaud Fabre, Geschäftsführer von Champagne Alexandre Bonnet. Was dieses Haus so besonders macht, das sind nicht ihre »gewöhnlichen« Champagner, obwohl man die auch nicht verachten sollte. Nein, das ist ihr Rosé des Riceys, ein seit Jahrhunderten auf dieselbe Art hergestelltes Produkt. Ein rosé de macération, ausschließlich Pinot Noir von der Südseite der Hügel. Farblich viel dunkler als die Provence-Produkte, schmeckt das fast wie ein eleganter Pinot Noir ohne Tannin.
Rechts seht ihr António Guerreiro von Monte Bluna, einem Boutique-Weingut nördlich von Lissabon. Antónios Rosés namens Reserva und Tictac sind sowohl in portugiesischen als auch brasilianischen Weinguides ganz hoch bewertet worden als beste Exemplare des Landes. Zurecht. Die Reserva hauptsächlich aus Tinta Miúda besitzt ein intensives Aroma und gut Säure, der Tictac aus Syrah erinnert an Salz-Orange. Superinteressantes, gastronomisches Zeug. Weil Antónios Kunden übrigens hauptsächlich Sternerestaurants sind, verschickt er aus dem Online-Shop in alle Welt.
Weißes zum Staunen

Bei diesen beiden Weingütern bin ich tatsächlich zufällig vorbeigekommen, ganz mit der inneren Einstellung eines Weinliebhabers. Das war auch mal sehr schön. Links seht ihr Clara Gil und José da Mota von Herdade do Portocarro. Das ist ein Weingut in Alcacér do Sal, ein paar Kilometer vom Atlantik entfernt. Und irgendwie glaubt man das Salz auch in den Weinen zu spüren. Unter dem Label »Partage« verarbeitet José dabei Trauben von uralten Weinbergen kleiner Winzer, die zum Teil noch die Madeira-Rebsorten Bual und Sercial anbauen. Ich hatte den Bual (oder Boal) seinerzeit tatsächlich auf Madeira erstanden, später aber gesehen, dass es die Weine auch bei Lobenberg gibt. Das sind alles echte Charaktere, perfekt für, nun ja, Weinliebhaber.
Auf der rechten Bildhälfte bin ich bei Zuccardi aus Argentinien. Da war ich noch nie, noch nicht mal annähernd, aber immerhin hatte ich zur Corona-Zeit eine echt spannende Online-Verkostung der Botschaft mitgemacht. Was mir da schon aufgefallen war: Tag heiß, Nacht kalt und Höhenlage kann ausgesprochen frisch-präzise Weine ergeben. Und: Die Weißen hinken den Roten keinesfalls hinterher. So auch hier. Beide Weine oben stammen aus Chardonnay, derselben Höhenlage (1.400 m), wurden gleich vinifiziert, und nur der Boden ist anders. Der Botánico aus Gualtallary zeigt eine dunklere Mineralität, ist tief, aromatisch und expressiv, der Fósil aus San Pablo hingegen floral, weich und fast hefig. Wahrscheinlich würde der Botánico mehr Punkte bekommen, während der Fósil etwas für Finessetrinker ist. Beides aber großartige Weine.
WineParis am Meer

Zum Abschluss bleibe ich noch ein bisschen in terra incognita für mich, nämlich in Südamerika. Die beiden Ladies von Casa Marín stammen eigentlich aus den Niederlanden, wobei Jamie Verbraak das Weingut gemeinsam mit Ehemann Felipe und dessen Bruder Nicolas leitet. Jamie sagt, »die Leute denken immer, in Südamerika ist es ständig heiß. Bei uns direkt am Pazifik wird es im Sommer aber nicht wärmer als in Amsterdam…«. Das Geheimnis ist der kalte Humboldtstrom, der aus der Antarktis kommend fast die gesamte Westküste Südamerikas entlangstreicht. Erinnert euch gut an den Erdkundeunterricht!
Während die Weißen von Casa Marín dementsprechend dem auch aus Europa bekannten cool climate-Profil entsprechen, finde ich die Roten wirklich ziemlich einmalig. Natürlich müssen sie bei Syrah und Grenache jedes Jahr ein bisschen um die Reife kämpfen, aber genau an dieser klimatischen Grenze entstehen halt auch die spannendsten Sachen. Der Syrah erinnert an die Nordrhône, aber ohne diese Côte-Rôtie-Bissigkeit. Und der Grenache ist allerhöchstens mit den angesagten Hochlandweinen aus der Sierra de Gredos zu vergleichen. Oder auch nicht, denn kontinentale Höhenlage ist halt doch etwas anderes als kühles Meer. In jedem Fall absolut probierenswert.
Au revoir, WineParis 2026!

Das war es also von der WineParis 2026. Mit vielen (gerade deutschen) Weingütern hatte ich dort auch darüber gesprochen, wie der Besuch bei ihnen läuft und wie sie die Konkurrenz zur ProWein sehen. Ich glaube, ich werde die Tage auf LinkedIn noch mehr dazu schreiben. Die meisten zeigten sich jedenfalls durchaus angetan von der Besuchsfrequenz und von der Ernsthaftigkeit des Interesses. Ob wirklich der Export damit angekurbelt wird, zeigt sich natürlich erst in ein paar Wochen. Nicht wenige können sich vorstellen, künftig zu alternieren, also ein Jahr ProWein, ein Jahr WineParis. Aber so ganz sicher, wie es weitergehen wird, sind sich die wenigsten. Für mich war es jedenfalls ein sehr erfolgreicher Besuch mit vielen Informationen, Kontakten und auch einigen Entdeckungen, wie ihr hier sehen konntet.
Paris ma belle

Was internationale Besucher zur WineParis zieht, ist natürlich nicht nur die Messe selbst, sondern auch die Stadt. Gut, ich freue mich in Düsseldorf auch auf die Shops in der Immermannstraße, aber ansonsten ist das, wie wir alle wissen, schon eine ganz andere Liga. Als ich nach der WineParis nachmittags durch die Rue Montorgueil streife, komme ich an einem Fischladen vorbei, in dem ganz selbstverständlich Seeigel aus der Bretagne und Belon-Austern angeboten werden. Ich nehme sechs Stück, das Austernmesser liegt ja auf dem Hotelzimmer…
Super Idee – Fou de Pâtisserie

Nebenan befindet sich das mittlerweile einzige Ladengeschäft der Fou de Pâtisserie. Vielleicht kennt ihr den Namen, denn eigentlich handelt es sich um eine Zeitschrift. Weil dort aber so viel über neue Talente berichtet wird, dachten sich die Macher, warum nicht einen passenden Laden eröffnen? Auf diese Weise könnt ihr hier turnusmäßig immer neue Werke spannender Newcomer entdecken. Selbstverständlich ein totales Must für mich. Diesmal gab es Kreationen von u.a. Christophe Appert, Alice Lin (Pépite), Valentin Garnot (Land&Monkeys), Johanna Roques und Cookie by Moon’s.
Neues von Cédric Grolet

Cédric Grolet ist ein internationaler Megastar mit seinen Pâtisseriewaren in Fruchtform. Die TikToks gehen viral, und in trendaffinen Metropolen wie Istanbul gibt es mittlerweile x Copycats. Sollte euch das nichts sagen, fragt eure Kinder. Kürzlich hat Cédric zwei Häuser neben seiner Pâtisserie auch noch eine ziemlich spektakuläre Chocolaterie mit Kakaobaum eröffnet. Direkt daneben befindet sich übrigens mit Jade Genin noch eine Schoko-Künstlerin in völlig anderem Stil. Natürlich musste ich hinfahren und probieren. Cédric Grolet hat sich neben der fancy Aufmachung auf Schoko-Nussprodukte ohne Alkohol spezialisiert, und das passt auch sehr gut, denn viele der Kunden schienen aus der Golfregion zu stammen. Lohnt sich also schon.
Totales Kontrastprogramm dann für mein letztes Abendessen. Ich gehe zum Maison Vérot, dem legendären Haus für Pasteten, genannt pâté en croûte, und anderweitige Wurstwaren. Ein bisschen gierig bin ich da, wie ich später feststelle. Aber erstens kann ich davon auch etwas als Reiseproviant in den Zug mitnehmen, und zweitens habe ich nach Messetagen eh immer ziemlich viel Hunger…
246 Käsesorten

»Wie kann man ein Land regieren, das 246 Käsesorten besitzt?«, soll de Gaulle seinerzeit in rhetorischer Verzweiflung gefragt haben. Tatsächlich kann man sich auch fragen, wie ein winziges Käsegeschäft wie Barthélemy gefühlt ebendiese 246 Käsesorten in seinen vier Wänden unterbringt. Zum Glück ist hier kurz vor der Schließung und bei hässlichem Regen nicht mehr viel los, so dass ich nicht vor der Tür warten muss, weil nur zwei Kunden hineinpassen. Angesichts der Zugfahrt besorge ich mir ein Stück korsischen Schafskäse und ein Stück Persillé de Tignes aus den Alpen. Beides sehr würzige Varianten, die aber den Vorteil haben, nicht allzu duftintensiv zu sein.

Mit der Zimt-Babka von Babka Zana und dem eingeblendeten Rosé des Riceys zwecks Farbvorstellung verabschiede ich mich von euch aus Paris. Auch ohne WineParis müsste man als Food-Mensch eigentlich jedes Jahr mindestens einmal hier sein.
