Burgund 2021, 2022, 2023 – Was ist der beste Jahrgang?

Titel Burgund 2021 2022 2023

Stellt euch folgenden Fall vor: Ihr würdet sehr gern einen Rotwein aus dem Burgund kaufen. Zur Auswahl stehen die Jahrgänge 2021, 2022 und 2023, also die drei jüngsten, die auf dem Markt sind. Nur: Welchen nehmen? Leider könnt ihr nicht vorher probieren, und weder die Website des Weinguts noch die des Händlers helfen weiter. Also habe ich mir gedacht, kaufe ich doch alle drei, stelle sie nebeneinander, probiere sie und teile euch das Ergebnis mit. Was hiermit geschieht…

Welches Weingut habe ich ausgewählt?

Domaine Confuron-Gindre

Weil ich leider nicht sämtliche Weine im Burgund probieren kann, musste ich mir überlegen, was trotz der fehlenden Repräsentativität irgendeinen analytisch vernünftigen Vergleich bietet. In Frage kommt also nur, den gleichen Wein desselben Weinguts aus den drei Jahrgängen zu probieren. Und zwar eines eher konservativen Weinguts, das seit Jahr und Tag konstant arbeitet und nicht plötzlich innerhalb dieser Jahrgänge den Stil wechselt. So bin ich auf die Domaine Confuron-Gindre in Vosne-Romanée gekommen.

François und Claudine Confuron, beziehungsweise seit einem Jahrzehnt ihr Sohn Edouard, bewirtschaften elf Hektar Weinberge an der Côte de Nuits. Das allermeiste befindet sich in Vosne-Romanée, ein Stück auf der anderen Seite in Nuits-St-Georges und ein paar weitere, von Claudines Familie eingebracht, in Gevrey-Chambertin. Edouard hat den früher extrem festen Stil ein bisschen zugänglicher gemacht und nimmt mehr Ganztrauben für die Maische. Ansonsten bleiben die Weine aber doch sehr klassisch.

Lagen im Burgund – So nah und doch so fern

Burgund Vosne-Romanée Lagen

Auch wenn die Confurons mit dem Échezeaux auch einen Grand Cru besitzen, wollte ich mich beim Burgund-Test finanziell nicht überheben. Im Gegenteil. Die Basis des Portfolios bildet der »einfache« Bourgogne Pinot Noir, wobei die Anführungszeichen hier wahrhaft angebracht sind. Zwar ist der Ausbau im Holzfass nur relativ kurz, aber die Reben sind nicht nur zwischen 35 und 80 Jahren alt, sondern sie befinden sich auch alle auf dem Gemeindegebiet von Vosne-Romanée. 2,46 Hektar insgesamt, nicht gerade viel also. Wenn ihr euch mein Foto oben anschaut (ich weiß, für die Beschriftung wäre eine Lupe nicht schlecht…), seht ihr das wirklich krasse Burgund-Prinzip. Das Band der Weinberge an der Côte de Nuits ist extrem schmal, und zwischen unserem einfachen Bourgogne und dem Grand Cru liegen gerade einmal drei Parzellen. Und viele hundert Euro.

Der Test: Dreimal Burgund Pinot Noir

Für Freaks noch die Testbedingungen: Ich habe alle drei Weine zunächst frisch geöffnet probiert, und zwar erst blind, dann aufgedeckt. Benutzt habe ich das Zwiesel Allround Duo, das sich dem Namen entsprechend für alles Mögliche eignet, meinen Tests also grundsätzlich sehr entgegenkommt. Dann habe ich die Flaschen wieder verkorkt, bei kühler Raumtemperatur stehen lassen und zwei Tage später nochmal nachgetestet. Soviel also dazu.

2021

2021 war ein schwieriger Jahrgang im Burgund. Einem frühen Austrieb folgte später Frost, teilweise mit großen Verlusten. Mehltau kam im Sommer, später dann Botrytis, was viel Arbeit und viel Auslese bedeutete. Dafür war die Ernte relativ spät, um die notwendige Reife zu erhalten, insgesamt also ein sehr langer Vegetationszyklus – so wie früher. Sarah Marsh MW meint: »A difficult year that yielded some elegant wines«. Jasper Morris dito: »Delicious and will be ready earlier«. Jancis Robinson ist sogar ziemlich begeistert: »What 2021 delivers, in the right hands of course, is a return to classicism, the produce of weather more often encountered in the 1970s and 1980s but with first-class plant material in the vineyards and infinitely more skill and ambition in the cellar.«

Mein Wein besitzt 12,5 vol%, die anderen beiden Jahrgänge haben 13 vol%, also bereits analytisch ein etwas leichterer Charakter. In der Nase Kirsche, süß und sauer, etwas Unterholz, Veilchen, leicht Wacholder, im Vergleich aber klar am wenigsten Frucht. Im Mund gibt es mit kleinem Abstand die höchste Säure der drei. Leitfrucht bleibt die Kirsche, aber relativ herb gehalten, dennoch ohne Unreifetöne. Ansonsten gibt es hier Dinge, die bei den anderen beiden fehlen, nämlich viele kühl-pflanzliche Noten, Wacholder vor allem, Minze, Baumrinde. Wer Kitschfrucht furchtbar findet, ist hier super aufgehoben. Ansonsten mit der leichten, leisen und null kecken Art ein wunderbarer Speisenwein.

2022

Burgund 2021 2022 2023

2022 war für die Winzer im Burgund eine Erleichterung. Trocken, gleichmäßig heiß, keine Krankheiten, 75% mehr Ernte als im Vorjahr. Um die Weine aber nicht zu reif wirken zu lassen, musste extrem früh gelesen werden. Viele fingen schon im August damit an. Als ich Mitte September in Vosne-Romanée war, hingen nur in den Weinbergen der Domaine de la Romanée-Conti noch Trauben. Sonst tatsächlich nirgends. U.S.-Weinhändler K&L sagt: »Even though it was a really hot vintage, 2022 was a consistently hot vintage. And the wines have amazing acidity and brightness and freshness for such a hot vintage.« Der Wine Spectator ist ebenfalls begeistert: »The reds show terrific balance and harmony in 2022, with freshness, vibrant profiles and pure fruit.« Und Sarah Marsh MW meint: »An early harvest made the vintage. More accurately, it saved the vintage, for the style is fresher and lighter than might be expected of the season.«

In der Nase schon deutlich mehr Frucht als 2021, Süßkirsche vor allem, Himbeere, ein wenig Cranberry. Im Mund gibt es sofort spürbar mehr Reife. Der Wein wirkt viel kraftvoller als der Alkoholunterschied von nur 0,5 vol% zum Vorgänger suggeriert. Das liegt aber auch an den wesentlich präsenteren Tanninen, dem Pfeffer, dem Lorbeer. Das Schöne ist, dass die Frucht pinottypisch zart bleibt und nicht zähflüssig dicht wird. Mehr Reife als hier hätte ich aber auf keinen Fall haben wollen, denn ein Bourgogne hat nun einmal nicht die Struktur eines Grand Cru. Trotzdem ist es der Wein, der von den dreien am längsten braucht, um ganz da zu sein.

2023

Die warmen Wintermonate sorgten dafür, dass 2023 als Ganzes neue Temperaturrekorde aufstellte. Trotzdem war es kein ganz so heißes Traubenjahr wie 2018, 2020 oder 2022. Die warmen Temperaturen, kombiniert mit fast immer ausreichendem Wasser, hatten hohe Erträge zur Folge. Das, die Entscheidung, wann und wieviel entblättert wurde oder wann in welchem Reifestadium gelesen wurde, macht 2023 winzerabhängiger als die beiden Jahre davor. Aber die Ergebnisse sind grosso modo vor allem eines: fruchtig und, ja, lecker. Tim Atkin meint: »Tasting Burgundy’s 2023 vintage for this report was a surprising delight. The wines covered here are generally immediately appealing and well-balanced.« Jancis Robinson findet: »Charming reds, fruity with acidities slightly higher than 2022 and no sign of heat stress.« Und schließlich Matthew Hemming MW: »I went expecting, at best, a modest vintage with a few stand-outs; I returned having tasted several wines to rival absolutely top-tier examples.«

Mein Wein zeigt in der Nase eine zugängliche, sehr reintönige Frucht, Himbeere am stärksten, dazu etwas Zimt. Am Gaumen fällt mir sofort der leichtere Angang gegenüber 2022 auf. Erst ein kleines Bitterchen, dann aber ein relativ leichter Fluss. Das trinkt sich viel einfacher weg als der 2022er, der ja den gleichen Alkohol nominell hat. Der »Zug« kommt auch daher, dass die Tannine äußerst feinkörnig sind, kaum zu spüren bei gleichzeitig angenehm frischer, ausgewogener Säure. Wegen dieses fast schwerelosen Flusses in Verbindung mit der sanften Himbeerfrucht ist das für mich der Wein, der am frühesten genussreif werden dürfte. Mir ist er momentan noch ein bisschen zu jung, aber das wird immer ein charmanter Roter bleiben.

Mein Burgund-Fazit

Pinot Noir DRC

Es ist selbstverständlich völlig irrwitzig, aufgrund eines einzigen Rotweins einen bestimmten Jahrgang im Burgund charakterisieren zu wollen. Das will ich auch gar nicht tun. Andererseits fallen bei meinem Test die Ergebnisse so aus, dass sich klare Jahrgangsunterschiede zeigen – und zwar im Prinzip so, wie es die zitierten Autor:innen auch schon festgestellt hatten.

Wer jetzt sofort einen Roten aus dem Burgund aufmachen und zum Essen reichen möchte, voilà, da bietet sich der 2021er an. Das ist weder duftig noch kraftvoll, aber auch niemals enttäuschend. Klassisch gradlinig.

2022 fand ich schon ein wenig diskutabler. Einerseits hat der Wein vermutlich das größte Potenzial. Aber vor dem Kauf sollte man vielleicht noch mal den Alkoholwert checken, um zu sehen, wann die Trauben eingeholt wurden (manchmal wurden die einfachen Weine nach den hochwertigen gelesen; gibt’s bei uns ja mittlerweile auch…). Und nach dem Öffnen auf jeden Fall Luft geben.

Auch der 2023er ist natürlich noch nicht auf seinem Höhepunkt, aber ich persönlich würde mir genau den kaufen, wenn ich mich entscheiden müsste. Feine Gerbstoffe, potenziell am elegantesten – das ist doch genau das, was man an Burgund und Pinot Noir so liebt.

Bleibt ganz zum Schluss noch der Hinweis, wo ich die drei Weine denn gekauft habe. Bei Kierdorf war das, und alle drei Jahrgänge kosten jeweils 16,60 € pro Flasche. Das finde ich ausgesprochen fair bepreist für Burgund, denn da gab es ja in den letzten Jahren häufig unangemessene Preissteigerungen. Dies hingegen ist ein spekulationsfreier, klassischer Bourgogne, von dem mir letztlich alle drei Jahrgänge geschmeckt haben. Kein Ausbund an Tiefe, aber Pinot Noir, wie er sein soll.

P.S. Noch ein persönlicher Tip, eine Stufe weiter oben hinsichtlich der Raffinesse, aus Biodyn-Anbau: Michel Lafarge Bourgogne. Kostet allerdings auch fast das Doppelte.

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