Natürlicher Dienstag # 84 – Lassak Lemberger

Lassak Lemberger

Das Weingut Lassak in Hessigheim am Neckar gibt es erst seit 2016. Stefanie und Fabian Lassak sind allerdings auch wirklich jung. Und sie haben ihr momentan 3,4 ha großes Weingut from scratch aufgebaut. Die Parzellen dafür stammen alle aus Genossenschaftsbestand, wurden teilweise umveredelt (von Trollinger auf Lemberger) und auf biologische Bewirtschaftung mit biodynamischen Methoden umgestellt. Die beiden bieten zwar auch Spätburgunder und Riesling in ihrem Portfolio an, aber hier geht es um Lemberger. Und zwar um den „einfachen“ Lemberger, der aus einer wahrhaft spektakulären Lage stammt…

Lemberger 2018 vom Weingut Lassak aus Württemberg

Fabian Lassak Württemberg

Wenn ihr diesen Blog öfter lest, habt ihr sicher gemerkt, dass ich im Jahr 2020 sehr viel Regionales im Weinbereich gemacht habe. Einerseits notgedrungen, denn die großen Touren durch Andalusien oder Argentinien waren ja kaum möglich. Andererseits aber auch gar nicht so schlimm, denn die „Nachbarschaft“ hat schließlich jede Menge Interessantes zu bieten. Nachbarschaft bedeutet für mich natürlich in erster Linie Franken, dann (nach einem kleinen Sprung über den Thüringer Wald) Saale-Unstrut und (nach einem kleinen Sprung über die Hohenloher Ebene) Württemberg.

Ja, ich habe die Württemberg-Weine auch für den Falstaff-Guide getestet, aber das hatte sich erst ergeben, nachdem ich ehrlich gesagt voller Begeisterung von meinem Trip an den Neckar zurückgekommen war. Oben auf dem Foto seht ihr Fabian Lassak, wie er oben an der Abbruchkante des Steilhangs steht. Direkt unter ihm die Parzelle mit Lemberger-Reben, deren Trauben tatsächlich in den Gutswein gehen. Oder eher gingen, denn eigentlich ist das Material viel zu hochwertig, die Erträge viel zu gering und die Arbeit eh ausschließlich Hand und Fuß. Künftig wird es davon also eine eigene Abfüllung geben. Die Lage heißt Wurmberg, zu Füßen fließt der Neckar, und im Hintergrund seht ihr die Stadt Besigheim.

Bio Weinbau

Und so sieht es in der Parzelle Ende Juni aus. Ich möchte hier nicht das Bild wilden Wucherns als Idealzustand propagieren, aber gerade in Spätfrühling und Frühsommer kann man sehr schön sehen, für welche Art der Bodenbewirtschaftung sich die jeweiligen Winzer entschieden haben. Wenn es ein großes Oberthema im Weinbau bei den Lassaks gibt, dann ist es die Diversität. Von Anfang an waren sie davon überzeugt, dass eine möglichst große genetische Vielfalt im Weinberg das gesamte System ausgewogen und robust macht. Die Philosophie geht also eher in die Richtung, die Reben zu stärken, statt sie in einem Dauerzustand der Hilfsbedürftigkeit zu halten.

Wie schmeckt der Wein?

Fasskeller

Ein Blick in den Fasskeller offenbart, dass erstens alle Weine irgendwann in einem Holzfass landen und zweitens die Menge nicht allzu groß ist. Die Rotweine werden je nach Jahrgang abgebeert oder als Ganztrauben belassen. Die Vergärung erfolgt im Edelstahltank oder bereits im Holzfass. Nach der Pressung mit der Korbpresse kommen dann schließlich alle Moste ungeklärt ins Holz.

Der Guts-Lemberger 2018 ist mit einem sehr unbehandelt aussehenden Naturkork verschlossen und fließt dann in einem eher dunkleren Purpurrot ins Glas. In der Nase ist der Wein derzeit ziemlich zurückhaltend. Es gibt vergangene Gärnoten, Salbei, leicht Unterholz, Sauerkirsche, etwas Banane, aber wie gesagt alles auf einem dezenten Level. Im Mund perlt der Wein ein wenig, die Säure ist schön präsent, die Tannine auf einem gemäßigten Niveau. So frisch geöffnet präsentiert sich der Lassak-Lemberger ziemlich unruhig, waldbeerig, mit dem typisch blaufränkischen Eisenbiss. Gleichzeitig gibt es einen fruchtsüßkirschigen Kern.

Mich erinnert das ein wenig an die Gamays von Pothiers oder Sérol. Das ist ein zunächst etwas junger, ungestümer Stil, der primär den Naturel-Freaks gefällt. Aber in seiner Mitte besitzt der Wein auch eine lässige Ruhe, die sich mit längerer Lagerzeit immer deutlicher durchsetzen dürfte. Aus letzterem Grund habe ich mich auch dafür entschlossen, den Lemberger von Stefanie und Fabian Lassak in die Kategorie „Classique“ einzuordnen. Momentan würde ich ihn eher zu Brotzeiten, später dann zu Rindsrouladen reichen. Verzeiht mir diese Hausmannskost-Vergleiche, aber ich finde immer, damit wird die Richtung am besten deutlich.

Wo habe ich ihn gekauft?

Als ich das Weingut Lassak besucht habe, war der Keller schon extrem leer. Das liegt ganz einfach daran, dass in den letzten zwei Jahren ein paar ziemlich weitblickende Weinleute auf die Produkte von Stefanie und Fabian aufmerksam geworden sind. Zu Anfang, meinte Fabian bei meinem Besuch, wäre das noch ganz anders gewesen, und er hätte sich beim Anblick des vollen Kellers nach der Ernte 2018 gefragt, wohin sie bloß das ganze Zeug verkaufen sollten. Das ist zum Glück nicht mehr das Problem, ebenso wenig die fehlende Anerkennung in Weinkreisen. Aber wer sich mal die ganze Philosophie erzählen lässt und die vielen Details, mit denen die Reben hier angebaut werden, kann auch nichts anderes tun, als ständig zu nicken und zu denken, wow, die machen das alles richtig gut.

Den Lemberger 2018 vom Weingut Lassak habe ich ehrlich gesagt in keinem Online-Shop mehr gefunden. Auf der Website des Weinguts haben sie ja die ganzen Bezugsquellen aufgelistet, und bei denen war leider nix mehr. Ihr werdet aber sehen, es sind einige einschlägige Namen darunter, die zumindest den Nachfolgejahrgang führen. 16,50 € kostet der und ist kein bisschen schlechter. Richtig hochwertig wird es dann beim Lemberger Steige, aber der stammt von einer ganz anderen Parzelle mit einer ganz anderen Story.

Genießen wir also noch einmal den Blick aus dem Wurmberg auf den Neckar. Rechts am Bildrand verläuft übrigens der Neckar-Radweg. Ortsfremde, gebt zu: Das sieht doch ganz danach aus, als könnte man im Frühsommer mal zu einem Kurzurlaub hierher kommen…

Besigheim Hessigheim Wurmberg

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