Natürlicher Dienstag #27 – Muster Graf Morillon

Muster Graf Morillon Steiermark

Knapp, sehr knapp ist es vor dem Weihnachtsfest. Da darf es doch noch einmal ein Wein sein in dieser Serie, der für mich (und vielleicht nicht nur für mich) zu den wichtigsten Vertretern seines Genres gehört. Aus der südlichen Steiermark kommt der Graf Morillon von Maria und Sepp Muster. Als Etikett das Bild „Horizonte“ von Beppo Pliem, in der Flasche trockener, naturbelassener, lang ausgebauter Chardonnay aus biodynamischem Anbau.

Maria & Sepp Muster Graf Morillon 2012

Sepp Muster

Und hier als Kontrast zu allem Geschmackvollen das vermutlich mieseste und unschärfste Foto, das es je auf diesen Blog geschafft hat. Grund dafür ist aber einfach, dass es sich um das einzige von mir handelt, auf dem Sepp Muster abgebildet ist. Rechts von ihm, deutlich zu erkennen, übrigens Claus Preisinger. Aufgenommen wurde das Werk (wenn ich mich nicht täusche) bei der K&U-Hausmesse im Jahr 2013. So lang schon wieder her.

Die Musters allerdings machen ihre Weine mit ihrer eigenen Philosophie schon wesentlich länger. Über die Jahre haben sie dabei nicht wenige andere Winzer/innen wissentlich und willentlich, manchmal vielleicht auch versehentlich beeinflusst. Sobald Sepp und Maria den Muster-Hof im Jahr 2001 übernahmen, begannen sie biodynamisch zu wirtschaften, seit 2003 Demeter-zertifiziert. 10 ha stehen auf dem Einzelhof im steirischen Leutschach unter Reben, bis nach Slowenien sind es gerade einmal zwei Kilometer Luftlinie. Die Rebstöcke werden in Umkehrerziehung angebaut, was in diesem Fall bedeutet, dass sie an einzelnen Kastanienholzpfählen nach oben ranken und dort auf 1,80 m Höhe jeweils an einem einzelnen Draht weitergeleitet werden. Die Trauben hängen dadurch wesentlich höher, und ein ganz klein wenig erinnert es mich an das interessante Kordonsystem, das die Japaner von der Coco Farm & Winery mit ihrem Petit Manseng errichtet haben.

Graf“ heißt der Hof der Musters urkundlich belegt schon seit 1727. Da lag es nahe, diesen Namen auch im Wein wiederzufinden. Gewachsen auf Opok-Böden, also steinigem Kalkmergel, wird der Graf nicht weniger als zwei Jahre im großen Holzfass ausgebaut. Aktueller Jahrgang ist übrigens 2013. Das nennt man Geduld.

Wie schmeckt der Wein?

Interessanterweise hatte ich eine dunklere Farbe erwartet, aber der Wein fließt in mittleren Gelbtönen ins Glas. In der Nase gibt es so frisch geöffnet noch einige Gärnoten, Apfelmost, Rauch, dahinter eine pikante Zitrusmaterie. Am Gaumen fällt mir sofort auf, dass der Wein viel Luft braucht. Die bekommt er auch, denn warum sollte ich mit einem Wein, der mit so viel Geduld ausgebaut wurde, beim Trinken anders umgehen? Ein Stündchen später und ein paar Grad wärmer sind nicht nur die Gärnoten in der Nase verschwunden, der Wein hat aromatisch auch deutlich aufgemacht. Wesentlich cremiger jetzt, kommen Bratapfel- und Mirabellennoten zum Vorschein, die aber keineswegs vorn stehen. Irgendwie habe ich das Gefühl, der Wein gibt nach und nach kleine Aromenkaskaden preis, bevor alles in einem ruhigen Pool endet. Mich erinnert der Graf an einen Jurawein von Stéphane Tissot aus einem wärmeren Jahr, schon anspruchsvoll, aber nach einer gewissen Zeit immer gelassener.

Wo habe ich ihn gekauft?

Gekauft habe ich den Wein bei Vinaturel. Der 2012er ist zwar inzwischen ausverkauft, aber dafür steht der 2013er im Programm. Solltet ihr „nur“ private Weinkunden sein, gibt es den Graf Morillon auch bei Vinocentral, und zwar für 29,50 €.

Ich bin mir ziemlich sicher (nein, vollständig), dass Sepp und Maria Muster überhaupt nichts davon halten würden, würde man sie als „Kultwinzer“ und ihre Produkte als „Weinlegenden“ bezeichnen. Ich kenne sie zwar nicht gut, aber bei den vielleicht drei Gelegenheiten, da ich mit ihnen gesprochen habe, hatten sie jedesmal einen ausgesprochen freundlichen und bescheidenen Eindruck gemacht. Da schwingt irgendwie immer eine gewisse Demut vor der Natur mit, so wie sie vielen echten Biodynamikern eigen zu sein scheint.

Zum Abschluss sei mir deshalb gestattet, einen ziemlich bekannten Winzer aus der Wachau zu zitieren. Ich traf ihn vor einiger Zeit bei der ProWein und hatte ihn gefragt, weshalb er auf seinem Weingut nicht biologisch, biodynamisch oder artverwandt arbeiten würde. Da sagte er: „Ich trau mich halt nicht, das machen hier so wenige. Wenn ich den Sepp Muster als Nachbarn hätte, wäre das sicher schon längst passiert.“ Ich denke, das kann man einfach mal so stehen lassen.

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