Natürlicher Dienstag #15 – Théodore Planas-Rastoin Vin Rouge

Théodore Planas-Rastoin Vin Rouge

Etikettentrinker – das sind immer die anderen. Das sind diese Leute, die Wein nicht trinken, weil er ihnen schmeckt, sondern allein deshalb, weil ein prestigeträchtiger Name auf dem Etikett steht. Es gibt aber auch noch die andere Sorte von Etikettentrinkern. Die kaufen einen Wein, wenn auf dem Etikett eine Katze abgebildet ist oder der Name des Weins an eine vergangene Jugendliebe erinnert. Zu dieser Sorte der Assoziations-Etikettentrinker gehöre ich ehrlich gesagt auch manchmal. Auf dem Etikett des Weins von Théodore Planas-Rastoin aus der Provence ist zwar von Katzen oder Jugendlieben keine Rede, aber es hat mich trotzdem neugierig gemacht. Denn einerseits steht da ganz simpel „Vin Rouge“, was einfach ziemlich cool ist. Und andererseits bezeichnet sich Théodore als „Landmann, Bäcker, Winzer“. Da muss doch irgendeine Story dahinter sein…

Théodore Planas-Rastoin – Vin Rouge aus der Provence

Der Anfang der Geschichte klingt zunächst einmal nicht so schrecklich ungewöhnlich. Théodore ist ein junger Mann aus der Provence, der nach ein paar Jahren als Personaler in Paris wieder in seine Heimat zurückgekehrt war. Um Wein zu machen selbstverständlich. Nun dachte ich, dass T. aufgrund seines altertümlich-edlen Namens eventuell ein Adelssprössling sein könnte mit einem immensen Weingut dahinter. Andererseits nennt sich ein solcher in Frankreich kaum „Paysan„, denn das ist eine ganz bewusste Bezeichnung. Die agriculture paysanne beschreibt nämlich eine Form der Landwirtschaft, die viel mit Solidarität und Respekt vor der Natur und wenig mit Gewinnmaximierung zu tun hat. Ein ziemlich alternativer Ansatz, man kann es sich denken.

So hatte sich Théodore die Sache auch vorgestellt, als er nach seiner Rückkehr auf den elterlichen Feldern 3,5 ha mit Reben bepflanzte. In Einzelstockerziehung übrigens, wie an der Mosel, was in Frankreich extrem selten ist. Nach kurzer Zeit kam ihm jedoch die Erkenntnis, dass er bis zur ersten Werdung seines Vin Rouge noch vier Jahre warten müsste, in der Zwischenzeit aber Geld zum Leben brauchen würde. Also lernte er gleichzeitig Bäcker und Winzer, besorgte sich Getreide von der Kooperative Longo maï aus der Haute Provence, backte damit Brot und verkaufte es auf dem Markt. Mittlerweile kann Théodore seine Backwaren in einer ganzen Reihe von Bioläden verkaufen, und der Wein kommt auch langsam ins Rollen.

Wie schmeckt der Wein?

Der „Vin Rouge“ ist nominell ein Vin de France, obwohl sich die Reben direkt neben dem berühmten Château Simone in der Appellation Palette befinden. Aber um die AOP zu bekommen, müsste Théodore auch innerhalb dieser Grenzen vinifizieren. Er besitzt jedoch noch keinen eigenen Keller und macht den Wein ein paar Kilometer weiter im Haus seiner Eltern. Und schon ist auf diese Weise aus dem prestigeträchtigen Produkt ein schnöder Tafelwein geworden. Der „Vin Rouge“ besteht aus Syrah, Grenache, Mourvèdre, Cinsault und Carignan, stammt aus dem Jahr 2017 und besitzt lediglich 12,5 vol% Alkohol. Nach biodynamischen Prinzipien bereitet, bio-zertifiziert, spontan vergoren, unbehandelt, nur eine kleine Menge vulkanischer Schwefel bei der Abfüllung – fertig ist die Chose.

Ehrlich gesagt hatte ich überhaupt nicht vor, dieses Wein in meiner Reihe der natürlichen Dienstage vorzustellen. Ich hatte ihn eigentlich nur aus Neugier als abendlichen Trinkwein gekauft. Aber er schmeckt gut! Erst kommt ein kleiner Gärstinker in der Nase, dahinter dann klassische Syrah-Noten nach rotem Fleisch und Graphit. Im Mund ist der Wein relativ leichtgewichtig und enorm trinkig. Ein gibt einen leichten „Naturel-Touch“, viel Frische, Aromen nach grüner Banane, kleine rote und rotschwarze Früchte, Brombeere, Heidelbeere, wieder Graphit. Das sind nicht Hitze und Würze des Südens, sondern eine kühle und bergige Note bestimmt den Wein. Blind hätte ich sofort auf Nordrhône getippt, aber eben nicht intensiv und streng, sondern unkompliziert. Schwarze Tapenade auf geröstetem Weißbrot müsste dazu sehr gut passen.

Wo habe ich ihn gekauft?

Aix-Les-Milles, La Cave du Vigneron

Gekauft habe ich den Wein für 16,50 € in dieser, tja, flachen Baracke, die irgendwie so typisch ist für das Weinland Frankreich. Hinter der wenig luxuriösen Fassade, gelegen an einer Schnellstraße und gegenüber dem Carrefour-Hypermarché, verbirgt sich nämlich ein äußerst seriöser Weinhändler, der Cave du Vigneron in Aix-Les-Milles. Natürlich kennt man sich in der Gegend, und so bekam Théodore die Chance, seinen „Vin Rouge“ hier einem größeren Publikum zu präsentieren.

Théodore selbst ist übrigens der Meinung, dass er noch unheimlich viel zu lernen habe und seine Weine bei weitem nicht so seien, wie er sich das wünschen würde. Nachdem er aber viel positive Rückmeldung bekommen habe, hätte er auch ein bisschen an Selbstvertrauen gewonnen. Ich finde den Wein sehr vielversprechend, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass künftige Weine noch mehr Dichte und Tiefe enthalten dürfen. Jedenfalls bin ich sehr froh, den „Vin Rouge“ als Etikettentrinker ohne jegliches Hintergrundwissen mitgenommen zu haben. Mal schauen, was Théodore in den nächsten Jahren noch alles aus seinen Reben holt…

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