Natürlicher Dienstag #1 – Rainer Zang Silvaner Langgraben

Natürlicher Dienstag Zang Silvaner

„Natürlicher Dienstag“ – was soll denn das bitteschön wieder sein? Ganz einfach: Ich werde ab jetzt jeden Dienstag einen „natürlichen Wein“ auf diesem Blog und auch auf Instagram vorstellen. Wieso Dienstag? Weil Dienstag ein idealer Tag für Wein ist. Am Dienstag beschäftigen sich die Menschen nämlich gemäß persönlich durchgeführten, höchst repräsentativen Umfragen am allerwenigsten mit Wein. Da ist also noch jede Menge Luft nach oben. Und was bedeutet „natürlicher“ Wein? Nun, nicht etwa das Gegenteil von künstlichem Wein, sondern einfach ein Wein, der mindestens aus biologischem Anbau stammt, dann aber alle Freiheiten des Ausdrucks besitzen darf. Egal ob Maischegärung oder ohne Schwefel, rot oder gelb, superlecker oder fordernd, alles ist dabei.

Rainer Zang Silvaner Langgraben 2016

Anfangen möchte ich die Serie mit einem Wein aus Franken. Denn wie heißt es so schön, „support your local heroes“! Dabei könnte ich wetten, wenn ich Rainer Zang als „local hero“ bezeichnen würde, er wäre leicht entsetzt ob dieser plakativen Zuschreibung. Sowohl Wein als auch Winzer führen nämlich kein Leben auf den großen Lautsprecherbühnen dieser Welt. Das Weingut liegt in Nordheim am Main, der sogenannten Weininsel gegenüber vom Escherdorfer Lump. Seit 1990 arbeitet die Familie Zang nach ökologischen Prinzipien und ist Mitglied bei Naturland. Die Weine werden ausschließlich mit den natürlichen Hefen vergoren und haben dann viel Zeit, um sich im Holzfass zu finden. Abgefüllt wird meist erst im September des folgenden Jahres, und Rainer Zang empfiehlt noch mindestens zwei bis drei Jahre Flaschenlagerung, bevor der Wein sein optimales Potenzial entfaltet.

Das Interessante an dieser Philosophie des Zeitlassens ohne önologische Hilfsmittel und Tricks ist ja, dass sie gleichzeitig ultra-traditionell und avantgardistisch daherkommt. Auf diese Weise (gelegentlich aber nicht mit derselben Sorgfalt…) hat man hier schon vor 100 Jahren Weine bereitet. Jetzt allerdings stellt Rainer Zang den Silvaner Langgraben völlig zu Recht in seine Linie „Avantgarde“, die Struktur und Tiefe über Primärfrucht stellt. Der Langgraben ist übrigens eine Parzelle im Nordheimer Vögelein, aber weil die Lage so groß und heterogen ist, bezeichnet er die Weine lieber nach ihrer genaueren Herkunft.

Wie schmeckt der Wein?

Auch Weinfreaks können sich mal irren. Als ich nämlich den Silvaner Langgraben das erste Mal probierte, war ich nicht so richtig beeindruckt. Ein bisschen schwermütig erschien mir der Wein, der auf meiner Sauseschritt-Probentour irgendwie nicht mit mir sprechen wollte. Zum Glück habe ich mir jedoch eine weitere Flasche besorgt, und beim Probieren musste ich mein vorschnelles Ersturteil zunehmend revidieren. Dieser Wein hat sich nämlich Zeit gelassen beim Werden, und eine ebensolche Zeit sollte man ihm auch beim Probieren geben. Jetzt sitze ich hier, der Wein befindet sich seit drei Tagen in der wiederverkorkten Flasche. Die Flasche wiederum habe ich vor zwei Stunden aus dem Kühlschrank geholt, so dass ich jetzt mindestens auf halber Strecke zur Raumtemperatur bin. Rechtzeitig ins Glas und ausreichend Luft nehmen lassen. Und dann?

Dann kommen schon in der Nase gelbe Früchte, also sehr reife Zitrone, Zedrat, Quitte, Mango, gelber Apfel, und das alles deutlich mehr als die silvanerübliche Birne. Viel Würze gibt es, aber das Holz wirkt nicht süßlich, sondern vielmehr ein bisschen robust. Der Wein strahlt eine spätsommerliche Note aus, das Gefühl abgeernteter Felder. Die feine Säure macht ihn auch am Gaumen überhaupt nicht müde, obwohl es sich um ein durchaus vollmundiges Exemplar handelt.

Anspruchsvoll ist der Wein schon, sonst hätte ich ihm nicht so viel Zeit geben müssen. Das ist ein festlich-natürliches Getränk – aber kein Freak-Stoff. Irgendwie erinnert es mich ein bisschen an einen „sec tendre“ aus Vouvray. Ein extrem entspannter Einstieg also in den natürlichen Dienstag.

Wo kann man ihn kaufen?

Natürlicher Dienstag Weinstelle Nürnberg

Hier kann man ihn kaufen. Oder vielmehr, man kann auch ein Glas davon probieren, so wie von vielen anderen spannenden Weinen. Hier, das ist die Weinstelle in Nürnberg, der lockere Feierabendtreff im Nürnberger Burgviertel. Verantwortlich für diesen weintechnisch vermutlich interessantesten Ort der Frankenmetropole ist Florian Seyberth. Das aussagekräftige T-Shirt lässt befürchten, dass er neben Musik und Wein und Gastgebertum möglicherweise immer noch weitere Talente besitzt, die er lieber nicht gewinnbringend einsetzt.

Florian schätzt den Zang-Silvaner sehr. „Der ist super-stabil, hält sich offen ohne Probleme mindestens eine Woche!“ Ein idealer Wein für den glasweisen Ausschank also oder aber für einen natürlichen Dienstag, an dem man zum Abendessen keine ganze Flasche leer machen möchte.

Den Silvaner Langgraben gibt es selbstverständlich auch direkt bei Rainer Zang in Nordheim. Er kostet ab Hof 12 €, was für ein derartiges Schätzchen eine sehr gute Sache ist. Bitte weitersagen, denn solche Weine von solchen Winzern machen die Welt besser. Aber bitte nicht zu laut weitersagen, denn ein bisschen Zauber sollte auf jeden Fall erhalten bleiben…

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5 Kommentare zu Natürlicher Dienstag #1 – Rainer Zang Silvaner Langgraben

  1. Thomas Riedl sagt:

    Hallo Matthias,

    ich bin auf Rainer Zang gestoßen, als ich mich mit der von Weinfreaks wie uns verschmähten Rebsorte Müller-Thurgau beschäftigt habe.
    Herr Zang lässt auch dem „Müller“ Sorgfalt und Aufmerksamkeit zukommen und viel Zeit durch ein langes Hefelager. In die Flasche kommen dann wunderbar entspannte, strukturierte Weine, die Gemüse- und Fischgerichte bestens begleiten und preislich „Bodenhaftung“ behalten. Eine echte Empfehlung!
    Ich überlege sowieso, privat nur noch Bio-Weine zu kaufen.

    Schönen Gruß!

    Thomas

    • Matze sagt:

      Ich muss zugeben, dass ich gar nicht das ganze Zang-Portfolio kenne /was sich aber sicher ändern ließe 😉 ). Was ich aber kenne, ist der Müller-Thurgau „Gegenstrom“, und da bin ich absolut deiner Meinung! Mit den Bio-Weinen sehe ich das ähnlich. Lediglich die Neugier treibt mich manchmal dazu, von diesem Prinzip abzuweichen 😉

  2. Pingback: Natürlicher Dienstag #2 - Les Foulards Rouges Octobre - Chez MatzeChez Matze

  3. Tobias sagt:

    Wir waren heute zufällig in Nordheim um ins Café zu sitzen und haben dann direkt gegenüber vom Weingut geparkt. Die bessere Hälfte sagt nur laut Zang und in meinem Kopf war sofort die Frage „Rainer Zang?“ wegen diesem Beitrag (und einem Originalverkorkt Podcast von vor einer Weile)

    Sind dann in der Probierstube gelandet und haben den Silvaner und auch andere Weine später ins Auto geladen. Super freundlich, tolle Probierstube und großartige Weine. Muss wohl Schicksal gewesen sein.

    • Matze sagt:

      Das freut mich ja! Wenn das Schicksal laut Zang sagt, kann eigentlich auch ansonsten nicht viel schief gehen 😉

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