Meine schönsten Roséweine für den Sommer

Rosé Côtes du RhôneImmanuel Kant, unser alter Freund und Possenreißer, hat einmal behauptet, dass man über Schönheit und über Geschmack sehr wohl streiten könne. Denn anders als beim „Angenehmen“, das jeder persönlich anders empfinde, würde in dem Begriff der „Schönheit“ der Anspruch subjektiver Allgemeinheit mitschwingen. Wer etwas als „schön“ tituliert, meint damit nicht nur seine private Empfindung, sondern bringt zum Ausdruck, dass auch andere diese Einschätzung teilen müssten. Was ist also schön am Rosé? Immerhin haben Roséweine in den letzten Jahren weltweit einen ungeheuren Verkaufserfolg erzielt, müssen der Allgemeinheit also gefallen.

Als schön beim Rosé wird von den meisten Menschen wahrscheinlich bereits die Farbe empfunden. Jene kann vom ganz zarten Gelborange über lachsfarbene oder pinke Töne bis hin zum fast „richtigen“ Hellrubin reichen. Manchmal ist der Gelbanteil höher, manchmal der Blauanteil, aber immer suggeriert diese unterhalb von Rot stehende Farbe, dass es sich um einen vermeintlich leichteren Wein handelt. In Wirklichkeit haben Roséweine nicht unbedingt einen niedrigen Alkoholgehalt, aber die Abwesenheit der Gerbstoffe und die kühle Serviertemperatur lässt sie frischer wirken. Und schließlich hat es vor allem die Provence geschafft, ihre Roséweine unmittelbar mit dem Image sommerlicher, mediterraner Freuden zu verknüpfen.

Rosé-Weinbereitung

Lasst uns schnell das Technische abhaken, bevor es dann zu meinen Weinempfehlungen kommt. Da es zu (fast) jeder Regel eine Ausnahme gibt, bleibe ich hier beim Generellen. Also: Generell werden Roséweine aus roten Trauben gewonnen. Rote Trauben sind übrigens nur an der Schale rot geworden, der Saft innen ist weiß-gelblich wie bei weißen Trauben. Je länger man den Schalenkontakt zulässt, desto dunkler wird der Wein. Ergo dürften Roséweine aus Traubensaft stammen, der nicht sonderlich lange mit den Schalen in Kontakt gewesen ist.

Bei der Bereitung von Rosé gibt es im Prinzip zwei Verfahren. Auf gut Französisch sind das die pressurage direct (also die „Direktpressung“) und das saignée-Verfahren (das „Ausbluten“). Bei der Direktpressung werden zunächst, fachlich ausgedrückt, alle Trauben zermantscht. Anschließend lässt man Most und Schalen so lange vor dem Pressen in Kontakt, bis die gewünschte Farbe erreicht ist. Dann wird gepresst und der ausgepresste Saft genau wie beim Weißwein vergoren. In der Regel sind die Rosés aus Direktpressung etwas heller, aber das ist die Entscheidung des Winzers.

Beim Saignée-Verfahren ist der Rosé eigentlich nur eines von zwei Produkten. Hier zieht man nämlich dem gärenden Mantsch (fachlich: Maische) einen kleinen Teil des Saftes nach gut einem Tag ab, ohne die Trauben zu pressen. Dieser Saft ist in der Zwischenzeit schon rötlich eingefärbt – aus ihm wird der Rosé bereitet. Die im Gärbehalter verbliebene Maische wird für die Rotweinbereitung verwendet. Weil ein Teil des Mostes ja schon für den Rosé abgezogen wurde, macht dieses Verfahren die künftigen Rotweine konzentrierter. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.

Weil bei der Direktpressung nur ein einziger Wein gewonnen wird, nämlich der Rosé, erntet man die Trauben dafür oft ein bisschen früher und unreifer, um dem Wein mehr Frische und einen geringeren Alkoholgehalt mitzugeben. Beim Saignée-Verfahren sind die Trauben dagegen richtig reif (sie sollen ja primär Rotwein erzeugen), was in dunkleren, dichteren und alkoholreicheren Rosés resultiert. Generell zumindest, ich sagte es ja schon.

Roséweine kann man aus allen roten Rebsorten herstellen und in allen Weinbauländern. Ich habe mir deshalb erlaubt, meine schönsten Rosés für den Sommer in Typen einzuteilen.

Rosé Elbling Luxembourg

Typ I – Saftige Durstlöscher

Diese Rosés stammen in der Regel aus nördlicheren Klimaten. Weil die Trauben häufig eine ganze Menge Säure enthalten, lassen die Winzer gern ein bisschen Restsüße im Wein. In dieser Kategorie findet Ihr selten edle Gewächse, die möglichst untechnisch mit viel Hingabe und Zeitaufwand erzeugt wurden. Dafür sind sie im besten Sinne des Wortes lecker, oft aus der Nachbarschaft und im Allgemeinen nicht teuer. Verwenden kann man die Saftigen Durstlöscher™ als saftige Durstlöscher, am besten draußen auf der Terrasse, am wackeligen Campingtisch, zu herzhaften Wurstplatten oder Ähnlichem. Auch das ist schön.

Wirklich gut geschmeckt hat mir tatsächlich der oben abgebildete Wein aus Luxemburg, gewonnen aus dem Roten Elbling. Natürlich ist das ein „technischer“ Wein, stark gefiltert, mit Reinzuchthefe vergoren und so weiter, aber er ist säuerlich-frisch und besitzt feine Erdbeer- und Kräuternoten. Außerdem hat er nur 10,5 vol% Alkohol, was gerade im Sommer angenehm ist. Wer mehr als 3,39 € für einen Wein dieser Kategorie ausgeben möchte, darf durchaus den Rosé Clarette von Knipser aus der Pfalz probieren. Das ist ein ähnlicher Typus mit ein bisschen mehr Anspruch.

Rosé Franken Bastian Hamdorf

Typ II – Eleganz in Rosa

Die edelste rote Rebsorte kühlerer und gemäßigter Weinbaugebiete ist der Pinot Noir, auf Deutsch Spätburgunder. Weil es zudem eine kapriziöse Rebsorte ist und Rotweine eigentlich bei allen Weinkennern mehr zählen als Rosés, werden gar nicht so furchtbar viele Roséweine aus Pinot Noir gekeltert. Wenn es aber der Fall ist, und das auch noch mit Umsicht gemacht wird, können höchst elegante Weine dabei herauskommen. Manchmal duften sie tatsächlich nach verwelkten Rosenblättern wie beim berühmten Rosé des Riceys aus der Champagne, der für eine längere Reifezeit angelegt ist. Mein Lieblingsexemplar dieses seltenen Weins stammt von Olivier Horiot. Allerdings müsst Ihr für solche Edelsteine schon an die 30 € anlegen.

Etwas günstiger, aber nicht weniger elegant geht es bei dem Rosé auf dem oberen Bild zu. Er stammt vom Weingut Bastian Hamdorf aus Klingenberg, und die Trauben wurden aus genau dieser Parzelle im Großheubacher Bischofsberg geholt. Zugegeben, Basti und Britta sind Freunde von mir, aber witzigerweise ist genau diese Tatsache dafür verantwortlich, dass ich den Rosé nur deshalb in meine Empfehlungen aufnehmen kann, wenn er mir wirklich sehr gut gefällt. (Ehrlich gesagt ist das der beste deutsche Rosé, den ich bislang getrunken habe.) Der Wein wurde im Stahltank spontanvergoren, zehn Monate auf der Hefe ausgebaut und knochentrocken abgefüllt. Das Ergebnis ist ein frischer, sehr würziger, hocheleganter und ein bisschen nach gelben Kirschen schmeckender Wein, gleichzeitig gehaltvoll und sehnig. Bio-zertifiziert zudem und 18 € ab Hof. Wem dieser Stil gefällt, wird ganz sicher auch bei einem Marsannay glücklich. Das ist die einzige Appellation im Burgund, die auch für Roséweine zugelassen ist.

Rosé Provence Clos Cibonne Tibouren

Typ III – Die Krone der Provence

Nun kommen wir zu den Klassikern der Zunft. Roséweine aus der Provence gibt es vom Discounter-Pick für 2,99 € bis zum teuersten Rosé der Welt – ich stelle ihn Euch weiter unten vor. Auch qualitativ ist alles dabei. Provence-Rosés werden zum Großteil aus Direktpressung bereitet. Sie besitzen oft eine helle Farbe, deutlich mehr Würze als Frucht und eignen sich deshalb als relativ neutrale Begleiter einer Vielzahl von Speisen. Um ehrlich zu sein, sind sie auch nur in dieser Disziplin wirklich stark. Zum Solotrinken finde ich die anderen Typen weitaus ansprechender.

Vielleicht den allerbesten Rosé überhaupt seht Ihr auf dem oberen Bild. Jedenfalls hat er den großen Blindtest der aktuellen Ausgabe der Revue du Vin de France gewonnen. Ich hatte ihn letztes Jahr schon getrunken und war ehrlich gesagt ebenfalls ziemlich beeindruckt. Bereitet wird die Cuvée Prestige Caroline vom Clos Cibonne fast ausschließlich aus der Rebsorte Tibouren, die wahrhaft selten ist. Allerdings haben wir hier keinen Leckerschmecker im Glas, sondern einen Wein, der im Barrique ausgebaut wurde und dementsprechend in der Nase erst einmal vanillig-würzig und weniger fruchtig wirkt. Im Mund ist das alles besser eingebunden, aber man kann oder sollte vielleicht sogar dem Wein ein wenig Reifezeit gönnen. Wenn man ihn blind probiert, glaubt man zunächst, einen guten Meursault im Glas zu haben. Erst weiter hinten kommt eine leicht waldbeerige pfefferige Würze, sehr subtil allerdings, die die Weinfarbe verrät. Ich würde sagen, das ist ein Wein für Connaisseure, und ich war sehr überrascht, dass es einen Online-Shop in Deutschland gibt, der sämtliche Weine vom Clos Cibonne führt.

Rosé Provence Bellet Nice

Noch ein Clos, aber aus einer Gegend weiter östlich. Die Appellation Bellet befindet sich auf den Hügeln nördlich von Nizza und ist sehr klein. Zudem frisst sich die Urbanisierung immer weiter in das wertvolle Land mit Meerblick hinein. Da braucht es schon gestandene Winzer wie Joseph Sergi, um sich mit den Spekulanten anzulegen. Ich traf ihn im Mai bei der 501Biodyn-Messe in München und war besonders von seinen Rotweinen begeistert. Aber natürlich kann „Gio“, wie er von allen genannt wird, auch Rosé. Ähnlich wie beim Clos Cibonne wird der Clos St-Vincent aus einer raren Rebsorte gekeltert, nämlich Braquet. Mehr als 30 ha gibt es davon weltweit nicht. 30 € muss man in der Regel auch zahlen für dieses biodynamische Schmuckstück, von dem nur 6.500 Flaschen jährlich hergestellt werden. Was den Wein von allen bisherigen unterscheidet, ist seine fruchtige Note in Richtung Aprikose und Mandarine, verbunden mit einer ungeheuren Lässigkeit im Trinkfluss. Das ist der optimale Wein für alle orientalischen Gerichte wie Couscous oder Taboulé.

Rosé Garrus d'Esclans expensive

Und nun zum teuersten Rosé der Welt, ich habe ihn ja schon weiter oben angekündigt. Sacha Lichine ist ein waschechter Bordelaiser und führte dort auch das familieneigene Weingut Château Prieuré-Lichine. Vor gut zehn Jahren kam er allerdings auf die Idee, in der Provence Rosé machen zu wollen. Und zwar nicht einfach so, sondern mit einem Knall direkt ins Rampenlicht. Der Rest ist eigentlich einen eigenen Artikel wert, weil die premiumbepreisten Produkte erst niemand kaufen wollte. Dann aber wurde Sacha klar, dass er seinen Garrus, den mit 90 € „teuersten Rosé der Welt“ (so wird er auch beworben) in kleinen Mengen braucht, um große Mengen seines „Whispering Angel“ verkaufen zu können, seines Einstiegsweins, der auch immer noch 17 € kostet. In einem Interview wies Sacha Lichine darauf hin, dass er sich die Strategie von den Champagnerhäusern abgeschaut habe: „Der Whispering Angel ist mein Moët und der Garrus mein Dom Pérignon“, sagt er. Von den mittlerweile 6,4 Millionen Flaschen Rosé, die er von seinem Château d’Eclans in diesem Jahr auf den Markt wirft (und verkauft!), sind nur 18.000 vom Garrus. Aber ohne das Prestige des Garrus würde das alles nicht funktionieren.

Ich hatte die Weine von Sacha Lichine auf der Prowein probiert (bei der ich allerdings nur über seltene Rebsorten berichtet hatte), und ehrlich gesagt war ich vorher ein bisschen skeptisch. Der Whispering Angel ist dabei in der Tat kein Wein, den ich kaufen würde, erst recht nicht zu diesem Preis. Aber die Top-Cuvées Les Clans und Garrus sind für diejenigen, die es sich leisten wollen, schon einen Versuch wert. Beide sind aus Grenache und Rolle = Vermentino, also einer roten und einer weißen Rebsorte. Das ist in der Provence erlaubt, wenn alles zusammen vergoren wird. Benutzt wird bei beiden Weinen lediglich der Vorlaufmost, also das, was ohne Pressen herausrinnt. Ebenso werden beide Weine für zehn Monate im kleinen Holzfass ausgebaut. Der Unterschied besteht darin, dass der Garrus von 80-100 Jahre alten Reben von der Hügelkuppe stammt. In der Nase ist das Holz deutlich spürbar, im Mund aber schon wesentlich weniger. Im Grunde sind das beides verkappte Weißweine, der Garrus noch stärker als der pikantere Les Clans. Aber es sind zweifellos gute Weine, für die man als Weiße, so aufwändig sie auch bereitet sein mögen, aus dieser Region niemals entsprechende Preise abrufen könnte.

Rosé Tavel Pfifferling L'Anglore

Typ IV – Die Natürlichen

Zum Schluss noch zum exakten Gegenteil vom Garrus. Wenn ich von Den Natürlichen™ spreche, dann meine ich damit Roséweine, die so untechnisch wie möglich bereitet wurden. Im Spitzenbereich bedeutet das allerdings, dass der Winzer sehr kenntnisreich sein muss, sehr aufmerksam und auch sehr risikobewusst. Nach meiner Erfahrung (die zwar nicht gering ist, aber dennoch selbstverständlich subjektiv bleibt) sind komplett ungeschwefelte und unfiltrierte Weine für den Sommergebrauch ein bisschen kritisch, wenn sie nicht gleich an Ort und Stelle getrunken werden. Deutlich stabiler als die Rosé-Stillweine sind dabei die Rosé-„PetNats“, die Pétillants Naturels, also Sprudler mit nur einer Gärung und oft ein bisschen Restsüße. Solche PetNats benötigen keinen Schwefelzusatz, weil sie durch die natürliche Kohlensäure teilkonserviert werden. Fast alle sind mindestens aus Bio-Anbau, ein Kauf lohnt sich also auf jeden Fall. Aber eigentlich gehören Sprudler ja nicht in diesen Artikel…

Wahrhaftig in diesen Artikel gehören hingegen Weine aus einer südfranzösischen Appellation, die ausschließlich für Roséweine existiert: Tavel. Tavels werden in der Regel per Direktpressung bereitet, aber mit der Pressung selbst wird so lange gewartet, bis der Most ziemlich farbstark ist. Leider habe ich nur selten einen guten Tavel getrunken, weil die Weine letztlich doch ziemlich technisch, himbeerig und uninteressant daherkommen. Mit einer Ausnahme, und das ist der Wein auf dem oberen Foto.

Eric Pfifferling ist in Tavel geboren, war zunächst Imker und hat als Winzer seine Trauben bis zum Jahr 2002 an die Genossenschaft abgeliefert. Aber dann. Seit Eric auf seiner Domaine L’Anglore alles selbst macht, ist er sozusagen in den Rosé-Himmel aufgestiegen. Er besitzt extrem alte Reben und arbeitet ohne Pestizide im Weinberg. Im Keller geht die No-Intervention-Philosophie weiter: keine Hefen, keine Enzyme, keine Filtrierung, kaum Schwefel. Was dabei herauskommt, ist einmalig. Wenn der Garrus eigentlich ein verkappter Weißwein ist, ist der Tavel von Eric Pfifferling ein verkappter Rotwein. Oder doch nicht ganz. In der Farbe ein helles Rot, trüb, aber ohne jede Orange- oder Rosaeinsprengsel. In der Nase können gleich nach dem Öffnen ein bisschen unangenehme Noten dabei sein, aber das verfliegt. Am Gaumen ist das Walderdbeere, also wirklich fruchtig, dazu viel Druck, keine Gerbstoffe trotz der Farbe bei erstaunlich gut eingebundenem Alkohol. Ein gleichzeitig samtiger, feuriger und echt bekömmlich wirkender Wein. Ich persönlich würde ja sagen, das ist eher ein Wein für den kühleren oder zumindest den späteren Sommer, aber die Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Siehe Kant.

Rosé Kreta

Und damit wünsche ich Euch weiterhin einen schönen, roséreichen Sommer, den Ihr hoffentlich nicht in der städtischen Dachgeschosswohnung verbringen müsst…

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9 Kommentare zu Meine schönsten Roséweine für den Sommer

  1. Andreas Göpfert sagt:

    Hallo nach Nürnberg!
    Welche Sommerwein-Empfehlungen haben Sie, wenn Sie als Franke (auch) einen fränkischen Wein empfehlen? Quasi Heimatkunde… 😉
    Grüße, Andreas Göpfert

    • Matze sagt:

      Ich glaube, ich würde die Weine von Stephan Krämer empfehlen (https://www.kraemer-oeko-logisch.de/index.php/startseite.html), das sind Taubertäler Weine. Stephan arbeitet mit Maischestandzeit bei den Weißen, was die Weine etwas gerbiger = für mein Empfinden erfrischender macht. Außerdem ist der Alkohol in aller Regel viel niedriger als bei den allermeisten Mainweinen. Noch weniger Alkohol hat Stefan Vetter aus Gambach (https://vetterwein.wordpress.com/) in seinen Weinen. Die sind komplett durchgegoren bei teilweise unter 10 vol%! Das liegt vor allem daran, dass Stefan die Trauben sehr früh erntet. Für den Winter finde ich das manchmal ein bisschen karg, aber im heißen Sommer gibt es wahrscheinlich nichts besseres.

  2. Danke für diesen, wie immer, sehr informativen Bericht über Roséweine. Auch wenn ich mir keinen Wein für 90 € leisten würde (probieren wäre sich sehr interessant) genießen wir doch jeden Sommer gerne wieder französische Roséweine, die das leichte südfranzösische Sommerfeeling auch nach Deutschland bringen.
    Übrigens ganz besonderen Dank für die ausgewogene Stellungnahme zu den französischen Hypermarchés, die wahrlich zu mehr taugen, als nur zum Waschmittelkauf…

  3. Ralf sagt:

    Schöner Artikel,

    eigentlich wie immer von dir. Allerdings entsteht der (wohl nicht gewollte) Anschein gute Rosé kämen ausschließlich aus Frankreich – was wohl weder du, noch ich, annehmen wirst – „trés francophil“, was eine entsprechend französisch geprägte Vino-Sozialisation bei dir vermuten lässt.

    Ebenso könnte ich wohl ausschliesslich, qua meiner Vino-Sozialisation, Italienische Rosés empfehlen. Schliesslich sollte man stets nur von dem berichten, dessen man fundiert weis und entsprechende Erfahrungen besitzt.
    In diesem Sinne vergesst mir bei den Rosés nicht all die guten Chiarettos, Cerasuolos, Kretzers und Rosatos, die der Stiefel vom Schaft bis zur Spitze und den Inseln, zu bieten hat.

    … übrigens hält auch Italien bei den teueren Rosés durchaus mit. Einen Valentini Montepulciano d’Abruzzo Cerasuolo bekommt man hier in D, wenn überhaupt, auch erst über 90 € – zugegebenermaßen beträgt der Preis in I „lediglich“ ab 60 € aufwärts 😉

    Mal seh’n ob sich noch ein „Blanc de Noir“ Pinot Nero vom Kränzelhof in Tscherms, ein Pinot Nero Rosé vom Haas aus Montan oder ein Lagrein Krtzer der Abtei Muri, allesamt veritable Rosés aus Südtirol, in meinem Keller findet … sonst muss, wie in diesem Sommer recht häufig, einmal mehr ein Vernatsch seine erfrischenden Dienste offerieren.

    • Matze sagt:

      Ja, selbstverständlich gibt es in Italien gute Rosés! Und das hast Du klar erkannt, meine Wein-Sozialisation hat einen gewissen französischen Schwerpunkt 😉 . Ich habe auch noch die Schilcher und Cviceks vergessen zu erwähnen, das ist ja nun ein ausgesprochen erfrischender Weintyp. Aus Frankreich hätte ich noch gern den Vignes Métissées von Roc des Anges dabei, aber an den bin ich bislang leider nicht herangekommen. Was ich mir auch gut vorstellen kann bei der dynamischen Entwicklung dort: Es muss doch sicher auch sehr gute Rosés aus Sizilien geben, wobei ich da weniger an Nero d’Avola denke, sondern an Nerello Mascalese. Da gibt es ja mittlerweile einige verblüffend zarte Rotweine…

      • Ralf sagt:

        Ohne Zweifel wird es gute Rosato aus Sizilien geben – so Umfangreich die Sortenpalette an Roten, so umfangreich ist dann eben auch die Möglichkeit Rosato zu erzeugen. In Sizilien eben aus Syrah, Pinot Nero, Tannat, Merlot, Nero d’Avola, Frappato, Nerello Mescalese, Perricone, etcpp.
        Und ob das fertige Produkt dann auf Frucht, Restsüsse oder Feingliedrigkeit fußt hängt dann wohl im Wesentlichen von den verfolgten Absichten / Marketing / Philosophie und der Kunst / Können des Winzers ab.
        Gern würde ich dir nun aus der Hüfte „den“ Rosato vom Etna empfehlen – leider nicht mein Gebiet.

  4. Thomas Riedl sagt:

    Hallo Matthias,

    danke mal wieder für Deine Mühe und Deine Empfehlungen. Ich ergänze gerne:
    Mein bester Rosé bisher ist der „Saignée“ vom DEMETER-Weingut Pflüger aus Herxheim am Berg (Mittelhardt). Aus reinem, reifen Spätburgunder, so gewonnen wie Du es beschreibst. Rote Früchte und Würze in der außerdem leicht minzigen Nase, trocken im Antrunk, präsent am Gaumen, auch im Mund rote Früchte, saftige, frische Säure und ein guter fruchtbetonter Abgang. Herrlich leichte 11,5% vol. und ein erfreulicher Preis von 7.80 € ab Hof.
    Der Wein hat genügend innere Substanz, um gebratenen Lachs an Salat oder auch helles Grillfleisch zu begleiten.
    Da bin ich Eduardo Capurro, dem Inhaber des Brühler Weinhandels Ambrosia, sehr dankbar für diesen Tipp und dass er den Wein und andere von Pflüger in sein Angebot aufgenommen hat.
    Liebe Rosé-Freund*innen, da braucht es keine überteuerten Provencalen, um den Sommer zu feiern!

    Schönen Gruß, Thomas

    • Matze sagt:

      Ich kenne von Pflüger bislang nur die Weißen, aber das hört sich doch sehr vielversprechend an!

      Was ich übrigens im Artikel nicht ausreichend deutlich gemacht habe: Bis auf die Kategorie der erfrischenden Durstlöscher sind die anderen Weine die besten Rosés aus meiner bescheidenen Excel-Verkostungstabelle der letzten fünf Jahre. Und in der sind ja insgesamt mehr als 3.000 Weine drin. Natürlich mehr Rote und Weiße, aber halt auch ein ganzer Schwung Rosés. Ich fürchte, das ist der Grund dafür, weshalb ich in dem Artikel so gar keine Rücksicht auf Preis-Leistung gelegt habe. „Schön“ und sehr gut zu trinken sind natürlich viele viele andere Weine auch, die weitaus weniger kosten. Also: Den Garrus muss man sich wegen des halben Punkts mehr nicht kaufen, aber das ist halt – neben der Story – der Grund dafür, weshalb er in diesem Artikel ist 😉.

      Vielleicht könnte ich mal einen Artikel schreiben wie „Meine schönsten Rotweine unter zehn Euro“, also quer durch den Garten. Würde mir auch Spaß machen…

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