Italienische Woche – Pasta Senatore Cappelli

Orecchiette Senatore Cappelli

Wer öfter in Bio- und Feinkostgeschäften unterwegs ist – oder gar in Italien selbst – wird vermutlich schon einmal den Namen „Senatore Cappelli“ gelesen haben. Es handelt sich dabei um eine alte Hartweizensorte, aus der alle möglichen Sorten von Pasta hergestellt werden. Aber was ist denn nun das Besondere an diesem Weizen? Und wer ist eigentlich dieser Herr Cappelli?

Nun, Letzteres ist ein bisschen leichter zu klären, also fange ich damit an: Raffaele Cappelli war Markgraf der Abruzzen und steckte ab Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit seinem Bruder Antonio viel Geld und Engagement in die Entwicklung der Landwirtschaft in Apulien. Unter anderem half er auch dem Pflanzenzüchter Nazareno Strampelli. Jener erwarb sich in späteren Jahren noch viele Verdienste erwarb und bedachte eine seiner früheren Weizenzüchtungen eben mit dem Namen seines Geldgebers.

Was ist Slow und Bio an Senatore Cappelli?

Vermutlich hatte Strampelli kaum im Sinn, eine Weizensorte zu entwickeln, die heutzutage mit Beiwörtern wie „historisch“, „schonend“ und „Niedrigertrag“ in Verbindung gebracht wird. Ende des 19. Jahrhunderts, das bedeutete gerade in Süditalien nämlich noch die Zeiten großer Hungersnöte. Insofern war es Strampelli und den Cappelli-Brüdern daran gelegen, eine Weizenart zu züchten, die hungerstillende Eigenschaften besaß. Der Cappelli-Weizen ist dabei kein italienischen Eigengewächs, sondern Strampelli ging nach Tunesien und erforschte dort die lokale Sorte „Jenah Rhetifah“, die als Grundlage für seine Züchtungen diente. Fast aus Versehen fand er dabei noch die Unterschiede zwischen Hartweizen und Weichweizen heraus und brachte den Hartweizen nach Italien.

Gegenüber den in Italien bislang üblichen Sorten erzielte der neue Weizen einen höheren Ertrag und eine bessere geschmackliche Qualität, zeichnete sich aber auch durch seine größere Robustheit aus – ein wichtiges Kriterium zur damaligen Zeit. Bis in die 1950er Jahre hinein wurden fast 60% des italienischen Hartweizens aus Cappelli erzeugt. Für heutige Getreide ist der Cappelli-Weizen ein Riese, denn seine Halme wachsen bis zu 1,60 m (oder sogar noch mehr) in die Höhe. Diese Eigenschaft wurde ihm dann auch zum Verhängnis, als sich nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach die nächste „grüne Revolution“ ankündigte.

Pasta

Zum einen ließen sich zunehmend günstige Stickstoff-Düngemittel entwickeln, mit denen der alte Cappelli nicht viel anfangen konnte. Dann kamen noch Herbizide dazu, was es ermöglichte, Weizen zu verwenden, der so niedrig wuchs wie das „Unkraut“ – das man ja jetzt eliminieren konnte. Zwar waren die neuen Sorten „Capeiti“ und „Patrizio“ geschmacklich nicht mit dem „Cappelli“ auf einer Höhe, und sie ließen sich auch schlechter mahlen. Aber sie brachten mehr Ertrag, waren leichter zu ernten und reiften auch früher. Später wurden dann unter anderem durch interspezifische Kreuzungen und Mutagenese immer kleinere und hochertragige und empfindlichere Sorten gezüchtet. Senatore Cappelli hatte ausgedient.

Ende und Neuanfang

Oder eben doch nicht. Seine Qualitäten blieben ja unbestritten, nur lohnte sich der Anbau in Konkurrenz mit den modernen Sorten finanziell kaum mehr. Im Bio-Anbau konnte er jedoch seine Stärke „Robustheit“ ausspielen; bei Anhängern des Lokalen, Alten und Diversen waren Erscheinungsform und Authentizität gefragt; und sein Geschmack schließlich war bei der Feinschmeckergemeinde hoch im Kurs.

Taralli

So gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Spitzenerzeugern, die die Bio-Feinschmecker-Nische mit Cappelli-Pasta versorgen. Denn um eine solche Nische handelt es sich in der Tat noch, das sollte man nicht vergessen. Nicht nur Spaghetti und Orecchiette werden übrigens mit dem Mehl von „Senatore Cappelli“ erzeugt, sondern auch verschiedene Taralli-Varianten, das typisch apulische Knabbergebäck.

Wenn ihr das nächste Mal in einem eurer bevorzugten Einkaufsläden seid (oder gar in Italien), schaut doch einmal, ob ihr ein Produkt findet, das aus der Weizensorte „Senatore Cappelli“ hergestellt wurde. Eure Geschmacksnerven werden sich bedanken. Und euer Sinn für den Erhalt guter Dinge auch.

Spaghetti Senatore Cappelli

Die italienische Woche:

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2 Kommentare zu Italienische Woche – Pasta Senatore Cappelli

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