Weinreise Loire (V): Touraine

ChinonDie Touraine ist bequem. Das reimt sich sogar fast, wenn man viel guten Willen an den Tag legt. Sehr viel guten Willen. Aber vor allem stimmt es. Wenn Ihr Euch nur für eine der Weinregionen entlang der Loire entscheiden könntet, in der Touraine hättet Ihr Weingüter und touristische Highlights am dichtesten beeinander. Blois und Chambord, Cheverny und Chaumont, Amboise und Chenonceaux, Villandry und Azay-le-Rideau – alles liegt oft nur wenige Kilometer von interessanten Weingütern entfernt. Anders als im Anjou ist es diesmal auch wesentlich komplizierter, die ganzen Schlössernamen auswendig zu lernen, als einen Überblick über die Weinkultur zu gewinnen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt zwei Namen in Rot, Chinon und Bourgueil, und zwei Namen in Weiß, Vouvray und Montlouis. Fertig.

Zugegeben, ganz so einfach ist es natürlich nicht, wenn man sich ein bisschen mehr mit der Materie beschäftigt. Aber das liegt weniger an der Situation um die Stadt Tours herum, also die eigentliche Touraine, als vielmehr darin, dass man in den Weinguides unter dem Oberbegriff „Touraine“ etliche versprengte Weininseln zusammengefasst hat. So reicht das, was wir hier unter der Touraine vestehen, von Vendôme und Orléans im Norden bis zu den Ziegengegenden am Cher und im nördlichen Poitou. Einstmals handelte es sich allerdings um gar keine Weininseln, sondern um ein wahrhaftiges Weinmeer. Im Mittelalter und dann mit Aufs und Abs bis ins 19. Jahrhundert hinein war dies hier eines der bedeutendsten Weinbaugebiete der Welt. Um die Stadt Orléans herum standen einst 30.000 ha unter Reben; heute sind es gerade einmal 130 ha. Und so schrumpften die historischen Weinregionen immer mehr zusammen, und zwar so stark, dass sie heute gar kein eigenes Kapitel mehr für sich beanspruchen können.

Baudry GrangesFangen wir aber nicht an mit altem Glanz und Gloria, sondern dort, wo auch heute noch die Musik spielt. Im Westen grenzen Saumurois und Touraine direkt aneinander. Wenn man die Loire flussaufwärts fährt und kaum die Weinberge von Saumur-Champigny am südlichen Ufer hinter sich gelassen hat, beginnt am Zusammenfluss von Loire und Vienne die Touraine. Viel ändert sich dadurch aber erst einmal nicht. War Saumur-Champigny bereits Rotweinland, setzt sich dies sowohl an der Loire (mit den AOCs Bourgueil und St-Nicolas-de-Bourgueil) als auch an der Vienne (mit der AOC Chinon) fort. Ähnlich wie am Oberrhein wird in den breiten Flusstälern mit ihren Böden aus Fluss-Schottern und Auelehm kein hochwertiger Wein erzeugt. Die besten Weine entstehen hier an den so genannten „Coteaux“, den meist ein paar Kilometer rückwärtig gelegenen Hängen aus der Oberkreide. So richtig steil ist es hier allerdings auch nicht. Der Höhenunterschied zwischen Fuß und Kuppe der Weinberge beträgt kaum mehr als 50 Meter.

Der entscheidende Faktor für die günstigen Anbaubedingungen liegt aber auch nicht primär in einer ausgeprägten Sonnenexposition, sondern vor allem im ausgesprochen vorteilhaften Mesoklima. Durch ein ausgedehntes Wald- und Hügelland von den Nordwinden geschützt, dafür nach Westen in Richtung des milden Ozeans offen, zudem noch eher regenarm, kommen einige Faktoren zusammen, die den Anbau aller atlantischen Rebsorten ermöglichen. Die roten Trauben können hier also richtig reif werden – müssen das aber nicht. Kalte und nasse Jahre schmälern das Vergnügen manchmal sehr stark. Ebenso kann das aber auch bei Überertrag, Fäulnisproblemen und einem Winzer der Fall sein, der noch nie etwas von phenolischer Reife gehört hat. Was in diesen Fällen herauskommt, ist sicherlich jedem Weinfreund schon einmal untergekommen: ein kräutergrüner, dünner, säuerlicher und stumpfer Rhabarbersaft.

WeinhangWas kann man also bei kritischen klimatischen Verhältnissen im Weinberg tun? Vorbeugen. Drei Wochen Reifevorsprung hätten in der Regel die biodynamisch bewirtschafteten Parzellen, etwa zwei Wochen immerhin noch die „lediglich“ biologisch bewirtschafteten. Das berichtete uns unser Gastgeber, bei dem wir an der Loire untergekommen waren. Süffisant fügte er noch hinzu, dass sein konventionell arbeitender Nachbar diesen nicht zu leugnenden Reifevorsprung auf „das besondere Mikroklima bei dir“ zurückzuführen versuchte. Völlig unabhängig davon muss ich allerdings zugeben, dass ich persönlich appetitanregende Kräuternoten in Rotweinen von der Loire gar nicht per se als negativ ansehe. Aber mir ist natürlich bewusst, dass ich damit ziemlich allein stehe.

Ein wichtiger Hinweis noch, der selbstverständlich allein auf subjektiver Erfahrung beruht: Macht nicht den Fehler und trinkt einen vier- bis siebenjährigen Cabernet Franc von der Loire, wie wir das so gern mit unseren eigenen Roten zu tun pflegen (auch den Spitzen). Nach der jungfruchtigen Phase tauchen die Weine nämlich regelmäßig ab, bevor sie dann in Würde wieder erscheinen.

Einen Beweis dafür, dass Chinons über längere Jahre sehr gewinnbringend zu reifen vermögen, liefern immer wieder die Weine von Charles Joguet. Auch wenn ich selbst der Meinung bin, dass hier nicht die absoluten Spitzenweine gekeltert werden, ist die Philosophie des Hauses schon immer gewesen, auch ältere Jahrgänge zurückzubehalten und erst später in den Verkauf zu geben. Drei rote Lagenweine gibt es hier, alle selbstverständlich aus Cabernet Franc: „Les Varennes du Grand Clos“ (aktueller Jahrgang: 18 €), „Clos du Chêne Vert“ (22 €) und „Clos de la Dioterie“ (24 €). Ihr könnt vor Ort aus einer großen Reihe von Weinen wählen. Drei ältere Weine der Domaine könnt Ihr zu sehr zivilen Preisen beispielsweise auch in Berlin kaufen.

Der derzeit größte Star in Chinon, der in Frankreich mittlerweile fast einen solchen Ruf genießt wie die Brüder Foucault, ist Philippe Alliet. Seine Weine sind wirklich ausgezeichnet, wobei ich persönlich den „Coteau de Noiré“ (20 € vor Ort, eigentlich) schon deutlich besser finde als die anderen. Das ist ein Rotwein, der in guten Jahrgängen zu den Spitzen Frankreichs gehört. Als Person ist Philippe allerdings ein bisschen schwierig und für Weinhändler schlichtweg die Hölle. Ein Händler vor Ort sagte mir, Philippe Alliet sei ein „homme sauvage“, ein wilder Mann, der auch schon mal von einer Weinmesse einfach abgehauen sei aus Ärger vor dem „blödsinnigen Publikum“.

Roger Michel vom Cave des Oblats hatte mir damals auf meine erstaunte Frage hin, warum der neue Jahrgang des „Coteau de Noiré“ denn 50% mehr kosten würde als der alte, geantwortet, dass er den Wein nicht billiger bekommen habe. „Philippe ist der Meinung, dass dieser Jahrgang besonders gut ist, und er macht die Preise – sonst niemand“. Zum Glück kann man die Weine mittlerweile in Deutschland hier auch online bestellen. Aber nicht zu früh aus dem Keller holen, die Verschlussphase ist beachtlich.

Baudry Clos GuillotEin weiterer Winzer in Chinon, der sehr gute Weine bereitet, und den Ihr völlig ohne Probleme besuchen könnt (am besten natürlich angemeldet, hier eine interessante Reportage mit vielen Fotos), ist Bernard Baudry. Beziehungsweise mittlerweile eher Matthieu Baudry, seinen Sohn. Die Weine der Baudrys besitzen unter kleineren Cavisten in Frankreich einen erstaunlich hohen Verbreitungsgrad. Das könnte zum einen daran liegen, dass es genug Wein gibt, immerhin rund 120.000 Flaschen pro Jahrgang. Andererseits gelten die Baudry’schen Weine auch als Archetyp eines roten Chinon. Und außerdem sind die Preise sehr auf dem Teppich geblieben. Den „Granges“ gibt es vor Ort für 8,50 €, und das Ende der Fahnenstange ist bereits bei 18 € für den „Croix Boisée“ erreicht. Ich selbst kaufe die Weine der Domaine seit Jahren, und meine Eindrücke sind die folgenden: Öffnet Ihr einen, auch länger gelagerten Wein, lasst Euch nicht durch den Stinker irritieren; diese Weine brauchen Luft, dann gibt sich das. Wollt Ihr einen roten Loirewein (relativ) jung trinken, kauft den Granges. Ich habe neulich den 2010er getrunken und war äußerst zufrieden: frisch, resch, animierend, dennoch keinerlei Unreifespuren. Habt Ihr mehr Zeit, nehmt den Croix Boissée. Nach einer Reihe von Jahren könnt Ihr damit auch viel Spaß als Pirat in einer hochklassigen St-Emilion-Probe haben.

Chinon CoulaineEine gewisse Schwäche besitze ich auch für die Weine des Château de Coulaine. Etienne de Bonaventure und Gérard Marula (letzterer macht auch vin naturel von seinen eigenen Parzellen) bereiten fruchtig-frische Weine, die ich gern jung konsumiere. Das Weingut ist nicht nur bio-zertifiziert, sondern vertreibt seine Weine auch tatsächlich teilweise über diese Kanäle. Den „einfachen“ Chinon habe ich zum Beispiel für weniger als 10 € in einem Bio-Supermarkt gekauft.

Bevor wir Chinon verlassen, möchte ich Euch noch auf einen Weinhändler aufmerksam machen, der zu den absoluten Pflichtbesuchen bei einem Aufenthalt in dieser Gegend gehört. Patrice Claire vom „Cave Voltaire“ ist für mich irgendwie genau so, wie man sich einen französischen Cavisten vorstellt: engagiert, enorm kenntnisreich, intellektuell und politisierend, gleichzeitig den angenehmen Seiten des Lebens durchaus zugeneigt. Hier könnt Ihr aus einer großen Auswahl an Loireweinen auswählen – oder, viel besser, Euch je nach Vorliebe beraten und mit Tipps versorgen lassen. Ich habe deshalb keine Weine dort gekauft, die ich ohnehin schon kannte, sondern den „Arcestral“ von Philippe Pichard (von dem Matthieu Baudry sagt, dass er besser sei als seine eigenen Weine), den „Perrières“ von Catherine und Pierre Breton, die „Cuvée Marie“ von Béatrice und Pascal Lambert und die „Folies du Noyer Vert“ der Domaine de l’R. Alles Rotweine, alle aus der Umgebung, alle wirklich stark. Ihr seht also, es gäbe durchaus die Gelegenheit, diesen Artikel noch mehr auszuweiten. Wer sich umfassendst (dagegen bin ich ein wahrer Waisenknabe) über alle Lagen und Winzer von Chinon informieren will, sollte dies bei Richard Kelley tun. Auch ein heißer Tipp, wenn Ihr in eine der anderen Ecken der Loire fahrt und dort erst einmal bleiben wollt.

Auf dem Weg von Chinon nach Bourgueil kommt Ihr ziemlich unvermittelt an der „Céntrale nucléaire de Chinon“ vorbei, einem Atomkaftwerk mit seltsam dampfenden Töpfen statt hoch aufragender Kühltürme. Ja, auch das ist das ländliche Frankreich.

Genauso unvermittelt sind wir dann in Bourgueil, und alles sieht wieder so aus wie vorher in Chinon. Naja, fast. Der Fluss ist hier weit weg, und die Weinfelder ziehen sich breit und langsam die ansteigende Ebene hinauf. Der Untergrund aus Tuffgestein ist aber sehr ähnlich, und die klimatisch günstige Lage mit einem Wald im Norden stimmt ebenso überein. Ob die Weine von Bourgueil und seinem Nachbarort Saint-Nicolas-de-Bourgueil nun anders schmecken als jene von Chinon, ist schwer zu beurteilen. Mir erschienen die Weine aus Chinon crisper, spannungsgeladener, jene aus Bourgueil dafür dichtfruchtiger, vielleicht auch reifer. Vermutlich ist das aber eher dem Stil der betreffenden Winzer geschuldet als den natürlichen Gegebenheiten, denn die Stars aus Bourgueil und St-Nicolas heißen Yannick Amirault und Frédéric Mabileau, die beide dem etwas üppigeren Stil frönen. Das bedeutet in der Regel reife, aber deutlich präsente Tannine, einen spürbaren Holzeinfluss dank des Ausbaus und das (jedenfalls in besseren Jahrgängen) komplette Fehlen irgendwelcher vegetaler Noten. Wer einen Bordeaux neuerer Machart schätzt und genug Geduld mitbringt, sollte sich vielleicht einmal „La Petite Cave“ von Amirault (20 €) oder „Eclipse“ von Mabileau (22 €) zulegen.

Azay le RideauFahren wir von Bourgueil aus die Loire aufwärts, werden wir bis zum schnellstraßenumschlossenen und wahrhaft großstädtisch wirkenden Tours keine wirklich aufregenden Weine mehr finden. Gleich hinter Tours beginnt aber das Reich der Weißen mit den Appellationen Vouvray und Montlouis. Dank der Nähe zur Großstadt kann man als Winzer hier „Gott sei Dank seine Kinder auch aufs normale Lycée schicken und nichts ins Internat wie woanders auf dem platten Land“. Vouvray und Montlouis, das bedeutet 100% Weißwein, 100% Chenin, aber nur jeweils ein Appellationsname für alle möglichen Stile. „Vouvray“, das kann beispielsweise ein trockener Stillwein sein, aber auch ein halbtrockener oder ein edelsüßer Wein, gar ein Schaumwein nach „méthode traditionelle“ (Zweitgärung in der Flasche) oder ein Pétillant „méthode ancestrale“ (nur Erstgärung). Zum Glück sind die Winzer meist so nett, auf dem Etikett auf Art und Süßegrad des Weins hinzuweisen.

Vouvray - HuetWenn es ein Weingut an der Loire gibt, auf das sich wirklich alle Weinenthusiasten einigen können, dann ist es die Domaine Huet, die am nördlichen Rand von Vouvray schon halb in den Weinbergen liegt. Huet ist deshalb eine Legende, weil man dort nicht erst seit gestern vorzügliche Weine herstellt, sondern seit Jahrzehnten. Und noch legendärer wird die Sache dadurch, dass diese Weine nicht nur in der Literatur erwähnt werden, sondern wahrhaftig nach diesen Jahrzehnten der Kellerlagerung in den Verkauf gelangen. Schuld daran waren vor allem zwei Personen, die für die gesamte Region eine kaum zu überschätzende Bedeutung besitzen: Das ist zum einen Gaston Huet, der zusammen mit seinem Vater die Domaine im Jahr 1928 gründete und die Jahrzehnte danach dafür benutzte, sie peu à peu größer und die Weine immer besser werden zu lassen. Und Noël Pinguet, sein Schwiegersohn, der bis zu seinem Ausscheiden im Februar 2012 alles genauso weitermachte, vielleicht sogar noch etwas penibler als sein Schwiegervater.

Noël hatte nach einigen Überredungskünsten im Jahr 1990 das biodynamische Arbeiten auf der Domaine eingeführt, obwohl er sich als ehemaliger Mathematiker als strikt rationalistisch bezeichnen würde. Was Gaston und Noël neben der Begeisterung für ihre Weine noch einte, war die Leidenschaft, in einem ausgedehnten Tuffkeller die großen Weinschätze fast für immer aufzubewahren. Jedes Jahr wurden einige Flaschen in den Verkauf gegeben. Das alles scheint jetzt aber vorbei zu sein, und diese Geschichte trug sich (wahrscheinlich) so zu:

Huet und Pinguet konnten großartige Weine bereiten, aber den Markt hatten sie dabei nicht immer im Blick. So produzierten sie auch in den 1990er Jahren noch mit irrsinnigem Aufwand herrliche Süßweine, die zu jener Zeit aber niemanden interessierten. Trocken hieß das neue Süß, die Domaine blieb konsequenterweise auf ihren Süßweinen sitzen und geriet in eine finanzielle Schieflage. Aus dieser Lage errettete sie Anthony Hwang, ein geldschwerer Investor aus den USA mit philippinisch-chinesischen Wurzeln, der das Anwesen im Jahr 2003 kurzerhand kaufte. Alle befürchteten das Schlimmste, allein, es trat nicht ein. Hwang ist nämlich selbst ein Weinfreak, der die Weine der Domaine schon vorher schätzte und Noël Pinguet deshalb weiterhin nach Belieben schalten und walten ließ.

Ein bisschen erinnert mich diese Geschichte vom „guten Investor“ an das Weingut Robert Weil im Rheingau mit Wilhelm Weil an der Spitze und dem Suntory-Konzern im Rücken. Wie harmonisch es dort läuft, darüber kann ich mir kein Urteil bilden, aber die Geschichte mit Noël und Anthony ging nach ein paar erfolgreichen Jahren leider nicht gut aus. Angeblich soll Anthony schon seit längerem darauf gedrängt haben, doch mehr auf die trockenen Weine zu setzen, die sich einfach besser verkaufen und auch vielseitiger zum Essen passen. Noël hingegen, ohnehin mit einer vielleicht winzertypischen Dickköpfigkeit gesegnet, sah das große Familienerbe in Gefahr, wenn man jetzt „jeder Mode hinterherläuft“. Als wir bei Huet waren, kam zufälligerweise auch Anthony Hwang mit dunklem Anzug und Tochter Sarah auf eine Art „Verhandlungs- und Kontrollbesuch“ vorbei, und man sah Noël und die beiden nur recht hektisch und gar nicht so richtig harmonisch durch die Gewölbe hetzen.

Das Ende vom Lied war, dass Noël seinen Ausstieg aus dem Weingut bekanntgab, drei Jahre vor dem Plan. 2011 war der letzte Jahrgang, den er verantwortete, wobei sein Team zunächst einmal an Bord bleibt.

Mittlerweile muss es zum richtigen Bruch gekommen sein. Noël, dem zufolge die Hwangs ja ohnehin nie das rechte Verständnis für die edlen Süßen gezeigt hatten, ließ eines unschönen Tages den Keller mit den gesammelten Schätzen räumen. Einerseits muss man als neutraler Freund dieser großen Winzertradition den Bruch sehr bedauern. Andererseits werden, so wurde mir durch den Artikel von Jancis Robinson deutlich (danke noch mal für den Link!), dass es bei den Importeuren Berry Bros und Vinaturel diese ganzen Schätze jetzt für uns Weinfreaks zu erwerben gibt. Mögen sie in die Hände derjenigen gelangen, die wissen, was sie daran haben.

Vouvray - Clos du BourgJetzt werdet Ihr Euch vielleicht sagen, „toll, schon wieder eine breit getretene Social Interest Story, aber kein einziger Wein beschrieben“. Euch sei also schnell das Portfolio der Huet’schen Weine vorgestellt: Es gibt drei Parzellen, „Le Haut-Lieu“ (der Ersterwerb von 1928), „Le Mont“ (1957 erworben) und „Le Clos du Bourg“ (1963 dazugekommen). Die Parzellen sind alle ein paar hundert Meter voneinander entfernt und stehen auf unterschiedlichen Böden. Der „Haut-Lieu“ von recht tiefem Lehmboden produziert in der Regel die am schnellsten genussreifen Weine, „Le Mont“ wirkt kompakter, und der „Clos du Bourg“ schließlich, am höchsten gelegen und dennoch meist zuerst geerntet, liefert die für mich „dicksten“, substanzreichsten Weine. Die Weine aller Parzellen gibt es in drei Versionen: sec, demi-sec und moelleux, also trocken, halbtrocken und süß. Daneben gibt es noch die süße Version als première trie, als Erstpflückung, gelegentlich als Süßweinwunder schlechthin die „Cuvée Constance“ und noch zwei bemerkenswerte Schaumweine. Letztere sind Pétillants, also Perlweine mit nur einer Gärung, und man muss wissen, was man da im Glas hat. Ich dachte beim ersten Mal irrigerweise, es handele sich um eine Art Crémant und befürchtete, die Kohlensäure sei durch irgendeine undichte Stelle abhanden gekommen. Man lernt immer dazu.

Was allen Weinen von Huet eigen ist: Sie sind extrem sauber. Es ist sozusagen die gleichermaßen biodynamische Antithese zu den früher oft oxidativen Exzentrikgewächsen aus dem Hause Nicolas Joly. Ich habe mittlerweile eine ganze Reihe von Huet-Weinen im Keller – mit allen Süßegraden. Mal schmeckt mir in einem Jahr (oder an einem bestimmten Tag) ein Wein aus dieser Parzelle besser, mal einer aus jener, aber es gibt bislang keinen einzigen, der mir noch nicht gefallen hätte. Gelegentlich sind sie mir (das muss ich peinlicherweise gestehen) allerdings ein wenig zu glatt, zu perfekt, da will ich den Wein ein wenig „dreckiger“. Wer darüber hinwegsehen kann, wird hier aber zu sehr zivilen Preisen nichts anderes als Weltklasseweine finden. Der trockene „Haut-Lieu“ kostet vor Ort 14 €, halbtrocken 22 € (ein ungemein leckerer Wein, meist mein Favorit), „Le Mont“ und der „Clos du Bourg“ beginnen trocken bei 19 € und gehen in der Version Moelleux Première Trie beim „Clos du Bourg“ bis zu 38 €.

Jetzt habe ich so viel über Huet geschrieben; gibt es denn in Vouvray noch jemanden, der ihm das Wasser reichen kann? Fast. Philippe Foreau von der Domaine du Clos Naudin macht ebenso kristallklare Weiße in allen drei Formen, auch die Preise sind praktisch dieselben. Der einzige Grund, weshalb ich dennoch immer zu Huet neigen würde ist die Tatsache, dass Philippe Foreau im Gegensatz zu Noël Pinguet seine Weinberge konventionell bearbeitet. Weniger Umweltbelastung bei ebenso gutem Resultat, das ist eine Gleichung, die ich leicht verstehe.

Vouvray - ChidaineSeit ein paar Jahren muss man noch einen Winzer als die „Spitze von Vouvray“ nennen, der ursprünglich hier überhaupt nicht erschien, weil seine Weinberge eigentlich südlich der Loire in Montlouis liegen. Es handelt sich um François Chidaine, der irgendwie ein wahrer Tausendsassa ist. Auch hier wird auf mittlerweile 37 ha seit 15 Jahren biodynamisch gearbeitet, und wie sie das alles schaffen, habe ich mich zuerst gefragt. Es ist nämlich so, dass die Frau von François, Manuéla, gleichzeitig als Weinhändlerin arbeitet. Für uns war das der allerpraktischste Weingutsbesuch: Am Loirekai von Montlouis haben wir das Auto abgestellt, sind über die Straße in den „Cave Insolite“ gegangen und haben dort die ganze Palette der Chidaine-Weine probieren können (okay, und danach im Laden noch ein paar sehr schöne Flaschen der Winzerkollegen erstanden). Wir waren übrigens total beeindruckt von unserer Gastgeberin. Ich habe selten jemanden getroffen, der sympathischer, herzlicher und dennoch komplett unbedrängend gewirkt hat als Manuéla Chidaine. François und sein Cousin Nicolas Martin haben auch noch kurz vorbeigeschaut, und jetzt glaube ich zu wissen, wie sie das alles schaffen: Das sind einfach ungemein tatkräftige, positiv denkende Leute.

Meine Lieblingsweine der Chidaines waren der halbtrockene oder vielmehr eher zarte Montlouis „Clos Habert“ (15,40 €) und der trockene Vouvray „Clos Baudoin“ (selber Preis, die 2006 erworbene, legendäre Lage). Aber es fiel mir ungeheuer schwer, mich zu entscheiden, denn eigentlich fand ich alle Weine gut. Wer preislich ein wenig aus der Reihe tanzen möchte und den beeindruckenden „Bournais“ von wurzelechten Reben erwerben will, muss dafür allerdings 61,90 € auf den Tresen legen.

Vouvray - Taille aux LoupsUnd noch etwas: In Montlouis und Vouvray habe ich die besten Winzer-Crémants der gesamten Loire gefunden; genau solche hatte ich in Saumur eigentlich gesucht. „Crémant“ heißen sie natürlich nicht, sondern entweder „Méthode Traditionelle“ oder „Pétillant“, ich hatte es weiter vorn ja schon geschrieben. Bei Chidaine gibt es den „Brut Traditionel“ und den „Pétillant“ für jeweils 11,30 €. Huet verlangt für seinen einfachen „Pétillant“ 11,50 €, für die Reserve aus dem Traumjahr 2002 20 € und für den Brut 12 €. Jacky Blot von der Domaine de la Taille aux Loups, einen Kilometer in Montlouis den Berg hinauf, verkauft seinen Pétillant „Triple Zéro“ für 14 € und seinen Brut sogar nur für 10 € (wenn ich mich recht erinnere). Wer bei diesen Schaumweinen nicht zugreift, dem ist wirklich nur sehr schwer zu helfen.

Leider scheint mir nur der „Triple Zéro“ einen etwas größeren Verbreitungsgrad zu besitzen (hier habe ich ihn in Deutschland gefunden), wobei – der Name deutet es an – keine Chaptalisierung durchgeführt wird, keine Zweitgärung durch Hefezufuhr gestartet wird (deshalb pét’ nat’, reine Spontangärung) und auch keine Dosage den Zuckergehalt der Ursprungstrauben verändert. Das samtene Etikett macht vor allem haptisch enorm viel her. Nur einmal zuvor hatte ich einen solchen Stoff auf einer Flasche gespürt. Es war im Mix-Markt, als ich eine Flasche halbtrockenen „Hochzeitssekt“ (ganz in Weiß) von der Krim aus dem Regal gezogen hatte.

WeinfeldWir verabschieden uns nun von dem Herzen der Touraine und machen einen kurzen Abstecher in ein Flusstal, das sich etwa 50 Kilometer nördlich fast parallel hinzieht. Warum es so ist, weiß ich auch nicht, aber der Fluss, der dieses Tal bildet, heißt Loir. Der Loir fließt in die Loire – zwischen Angers und Savennières übrigens, aber da waren wir ja schon. In der Gegend zwischen der sehr besuchenswerten Stadt Vendôme (ultrafranzösisch nach meinem Dafürhalten) und Château-du-Loir befindet sich ein einstmals sehr bedeutendes Weinbaugebiet. Chenin kann man hier an seiner nördlichen Klimagrenze mit Müh und Not konstant anbauen. Oberhalb von Blois geht das übrigens auch im Loiretal nicht mehr. Dennoch ist es neben dem Pineau d’Aunis vor allem der Chenin, der in den AOCs Jasnières und Coteaux du Loir noch einmal zu wahren Spitzenleistungen fähig ist.

Oder vielleicht liegt es doch wieder einmal am Winzer. Eric und Christine Nicolas von der Domaine de Bellivière waren lange Jahre die einzigen aus dieser historischen Region, deren Weine man guten Gewissens empfehlen konnte. Als sie vor zwanzig Jahren anfingen, war ihnen bereits bewusst, was sie machen wollten: Spitzenweine. Und so wird draußen weitgehend biodynamisch gearbeitet (eine neu erworbene Parzelle ist noch in Umstellung) und im Keller sehr schonend, alles mit äußerster Sorgfalt. Teil des Konzepts ist es auch, in die Gärung der Weine nicht einzugreifen. Je nach Jahrgang besitzen vor allem die alten Reben der Cuvées „Calligramme“ und „Vieilles Vignes Eparses“ einen unterschiedlich hohen Zuckergehalt, mit dem die kellereigenen Hefen unterschiedlich gut zurechtkommen. Was ich dabei wirklich vorbildlich finde: Die Nicolas’ lassen ihre potenziellen Kunden nicht im Unklaren darüber, wie der Wein ausgefallen ist, sondern haben auf ihrer sehr informativen Website teilweise bis in die 1990er Jahre hinunter angegeben, wie der Wein ausgefallen ist – und zwar nicht nach analytischen Parametern, sondern nach Geschmackstyp (von trocken bis süß: sec, sec tendre, sec fruité, demi-sec, moelleux).

Wie ich bereits in Teil 2 dieser Serie geschrieben hatte, produziert die Domaine de Bellivière mit dem „Hommage à Louis Derré“ vermutlich den größten Pineau d’Aunis, den es gibt. Abgesehen davon liegen die Stärken natürlich im Weißweinbereich. Ich hatte die Weine schon mehrfach sehr jung verkostet und war jedesmal verblüfft, wie schwach und flach sie sich in diesem Stadium präsentiert haben. Ohnehin – wie ihre Macher – auf jede Vordergründigkeit verzichtend und mit einer großen Subtilität ausgestattet, müssen diese Weine reifen. Die halbtrocken ausgefallenen Versionen können allenfalls zum „lecker antrinken“ benutzt werden oder auch die kleinen Roten „Castor“ (Cabernet Franc) und „Pollux“ (Gamay, je 8 €), die ich noch nie bei einem Weinhändler gesehen habe. Nach oben werden preislich mittlerweile die 40 € angekratzt. Das ist bei der Qualität und der Lagerfähigkeit der Weine mehr als berechtigt, aber natürlich elitär. Bildungsbürgerlich-elitär wohlgemerkt, nicht neureich-elitär, aber wie gesagt, bei letzteren werdet Ihr zu Tisch ohnehin niemals einen Wein von der Loire angeboten bekommen.

Ein anderes Preisniveau (nämlich alles unter 10 €), aber eben auch keinen vergleichbaren Anspruch könnt Ihr bei Patrice Colin (bio-zertifiziert) probieren. Die Weißen sind lebendig und gelten für viele als die bessere Wahl, aber wie ich bereits erwähnt habe, manchmal gelüstet es mich auch nach einem rustikalen Roten.

Da wir schon einmal „hier oben“ sind, sei der Vollständigkeit halber noch die auf demselben Breitengrad, aber wieder im Tal der Loire gelegenen AOCs Orléans und Orléans-Cléry hingewiesen. Einstmals – Ihr kennt das ja schon – war dies ein berühmtes Weinbaugebiet von 30.000 ha und einem absoluten Höhepunkt zur Zeit der Renaissance. Heute gibt es hier noch sieben Berufswinzer und zwei Genossenschaften für die Hobby- und Nebenerwerbswinzer, die AOCs wurden erst im Jahr 2006 etabliert. Richtig interessant ist in dieser Gegend nur der Clos Saint-Fiacre von Bénédicte und Hubert Piel. Noch interessanter als die Weine selbst (6-14 €) sind allerdings die Reben an sich. In dieser Gegend hat sich nämlich die alte Tradition des gemischten Satzes noch erhalten, und so sind die Roten oft das Ergebnis zusammen wachsender Reben von Pinot Noir und Pinot Meunier (= Müllerrebe = Schwarzriesling). Dadurch, dass auch noch Chardonnay angepflanzt wird, kann man sich fast ein wenig wie in der Champagne fühlen. Aber nicht ganz. Der Chardonnay wird hier nämlich als „Auvernat blanc“ bezeichnet und der Pinot Meunier als „Auvernat noir“, weil man dachte, die Rebsorten stammten aus der Auvergne. Also herkunftsphilosophisch gesehen alles andere als champagnös.

Zum Abschluss unserer Touraine-Tour gehen wir in das „leere Land“ zwischen Blois an der Loire und dem südlich entlang mäandrierenden Flüsschen Cher. Hier in der Mitte zwischen allen Dingen, in der Sologne, gibt es kaum eine Erhebung. Administrativ sind wir hier schon im „Centre“, und ähnlich wie in Deutschland besitzt Frankreich auch diese erstaunlich leere (im Sinne von bevölkerungsarme) Mitte. Die Böden der Sologne sind nährstoffarm, sauer, sumpfig, weshalb sich hier statt einer intensiven Landwirtschaft weite Wälder und eine traditionelle Teichwirtschaft erhalten haben. Die Felder dazwischen erscheinen dagegen riesig, und man tut sich schon sehr schwer, zwischen ihnen einzelne Parzellen mit Reben auszumachen. Zur Jagdzeit würde ich in den Wäldern der Sologne übrigens nicht unterwegs sein wollen; die Franzosen besitzen ja ein starkes Faible für die Privatjagd. 1,3 Millionen Jäger gibt es laut Verbandsangaben in Frankreich. Über die Anzahl der jährlichen Jagdunfälle sind sich die verschiedenen Lobbygruppen hingegen uneins.

In dieser etwas brandenburgisch anmutenden Gegend erstaunt es irgendwie umso mehr, einen der engagiertesten Vertreter des naturnahem Weinbaus und einen angesehenen Retter alter Reben anzutreffen. Ich spreche von Claude Courtois und Henry Marionnet. Beginnen wir mit Claude. Natürlich funktioniert die Website seines Weinguts Les Cailloux du Paradis nur so halb. Und natürlich sind die Weine in Pariser vin naturel-Bars leichter zu finden als im Nachbardorf. Claude Courtois scheint es aber offenbar hervorragend gelungen zu sein, seine Begeisterung für Reben und Weinbereitung an die nächste Generation weiterzugeben. Alle drei Söhne haben irgendetwas mit Wein zu tun, und sie haben nicht einfach die väterliche Domaine peu à peu übernommen. Julien Courtois hat neben der Arbeit zusammen mit dem Vater bereits ein eigenes kleines Weingut von 4 ha in Besitz, auf denen er beispielsweise wurzelechte Gamay- und Cabernet-Sauvignon-Reben pflegt. Zudem widmet sich Julien den alten Rebsorten „Menu Pineau“ und „Gascon“. Die Weine sind ein wenig wild, die Etiketten sind ein wenig wild, und das Ganze passiert hier alles andere als zufällig. Wer selbst ein bisschen Bobo ist, wird wahrscheinlich gleich eine Nachbarparzelle pachten wollen. Freunden alter und seltener Rebsorten sei der Besuch in Soings-en-Sologne allerdings auch dringend ans Herz gelegt.

Das führt uns gleich weiter zur Domaine de la Charmoise von Henry und Jean-Sébastien Marionnet, die zwar ein komplett anderes Erscheinungsbild pflegen, aber mit ebenso großer Vehemenz die alten Reben und Rebsorten vor dem Verschwinden bewahren wollen. Der erste Wein von Henry Marionnet, den ich vor Jahren erwarb, war der „Gamay de Bouze“. Genau wie beim „Gamay de Chaudenay“ von Julien Courtois handelt es sich dabei um eine alte Färberrebe. Interessanterweise sind die Weine aus diesen Trauben für heutige Verhältnisse überhaupt nicht besonders dunkel. Dennoch wurden sie früher dem noch helleren Pineau d’Aunis beigefügt, der für sich allein oft nur eine „Clairet“-Farbe erreicht hätte.

Das Spektrum, das die Marionnets aus ihren beachtlichen 65 Hektar holen, ist sehr breit. Der Gamay ist mengenmäßig allerdings der König. Aber auch hier gibt es höchst unterschiedliche Weine: den „Première Vendange“, einen für den frühen Konsum gedachten Roten aus Kohlensäuremaischung, aber komplett ohne Schwefelgabe; den „Vinifera“ aus wurzelechten Reben, wobei es die Wurzelechten auch aus Chenin, Sauvignon und Côt gibt; und schließlich noch den klassischen Domainenwein. Alle Weine der Marionnets sind unkompliziert, ansprechend und dafür gedacht, eine herzhafte Mahlzeit entsprechend zu begleiten, wobei die Weine von wurzelechten Reben auch eine gewisse Kellerlagerung belohnen. Ein Wein tanzt allerdings völlig aus der Reihe, der „Provignage“. Diesen reinsortigen Romorantin von 160 Jahre alten Reben habe ich ja schon im zweiten Teil dieser Serie kurz vorgestellt. Irgendwie ist es viel eher ein Zeitdokument als ein Wein, und wenn man eine Flasche davon öffnet, fühlt man sich ermuntert, philosophisch angehauchte Diskussionen zu führen. Oder ein wenig sentimental zu werden, ganz nach persönlichem Gusto.

Cour-ChevernyDie Weißweine aus dem Gebiet südlich der Loire, aus der Sologne, aus Cour-Cheverny (hier meine Empfehlung der „François Premier“ der Domaine des Huards, ein reinsortiger Romorantin) und noch viel mehr aus der etwas abseits gelegenen AOC Valençay sind für mich übrigens die nicht zu toppenden Begleiter der verschiedenen Ziegenkäse der Region. Einer von ihnen, drei Wochen gereift und von einer aschebestäubten Rinde umhüllt, trägt sogar den Namen „Valençay“. Er sieht aus wie ein Pyramidenstumpf, und dazu gibt es (wie bei allen kulinarischen Dingen in Frankreich) auch eine Geschichte: Napoleon soll nach seiner katastrophalen Niederlage in Ägypten im Schloss von Valençay Halt gemacht haben. Als er den Käse sah, der genau die Form einer Pyramide hatte, wurde der kleine Mann von einer großen Wut ob der Schmach im Land der Pyramiden gepackt. Kurzerhand hieb er mit seinem Schwert die Spitze des Käsestücks ab. Und so wird seit diesem Tag der Valençay nur noch in stumpfer Form bereitet.

Ein Ziegenkäse von Jean-Pierre Moreau in der einen Hand, ein Stück Brot von Jacques Mahou in der anderen, vor mir den Weißen vom Claux Delorme im Glas, und das am besten noch an einem geheimen Picknickplatz wie diesem, an dem der Cher langsam vorbeizieht – so richtig viel mehr braucht man doch gar nicht, um sich rundum wohl zu fühlen.

Und damit verabschieden wir uns aus der Touraine und machen uns im letzten Teil dieser Serie auf nach Sancerre und später zu den Vulkanbergen der Auvergne.

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14 Antworten zu Weinreise Loire (V): Touraine

  1. Jens sagt:

    Matze!!!! Wie immer ein hervorragender Bericht und ein sehr intimer und profunder Überblick über das doch riesige Gebiet. Anlass zur Kritik habe ich dennoch. Wie konntest Du Piere Caslot von der Domaine de la Chevalerie in Bourgeuil vergessen???? Für mich ist Caslot die Nummer 1 in Bourgeuil.

    Chinon habe ich auch schon zweimal als Basislager für meine Ausflüge in die Umgebung ausgewählt. Von dort ist man relativ schnell überall – ob Schlösser oder Winzer und mit Patrice hast Du natürlich die Quelle für guten Wein in Chinon genannt. Ich habe es sehr genossen mit Patrice zu palieren, der übrigens fließend Deutsch spricht weil er mal Sommilier am Rhein war (ich glaub das Kronenschlösschen wars, bin mir jedoch nicht ganz sicher), ein Glas Wein zu trinken, oder zwei und die hausgemachten Pasteten von Patrice zu kosten. Wer sich zunächst einmal einen Überblick über Chinon, seine Weine, Winzer und Restaurants verschaffen will ist hier richtig. Patrice hat immer einen Tip parat.

    Deine Einschätzung bezüglich des Vergleichs zwischen Chinon und Bourgeuil teile ich übrigens auch. Crisp ist genau der richtige Ausdruck.

    Meine Kritik von oben nicht ernst nehmen Matze! Weiter so. Freue mich schon auf den nächsten Teil.

    Jens

    • Matze sagt:

      Ob Du’s glaubst oder nicht, ich wollte die Domaine de le Chevalerie erst mit reinnehmen, zumal ich vor kurzem ihren 2010er gekauft habe, der wirklich super ist. Ich hab’s dann doch sein lassen, allerdings nur weil ich dachte, die Leser werden eh schon verrückt bei den ganzen Namen, die ich hier aufliste. Aber Du hast recht, es sei hiermit ausdrücklich empfohlen, Pierre Caslot zu besuchen und die Weine zu probieren: http://www.domainedelachevalerie.fr/ 38 Hektar, neun oder zehn Weine, alles Rote, vom Frischwein bis zum Lagermonster.

  2. Jens sagt:

    Wo hast Du die 2010er gekauft? Vor Ort oder hast Du eine Adresse in Deutschland?

  3. Jens sagt:

    Ach ja. Ich vergaß……Allein der Preis…..;-)

  4. conne sagt:

    Reihe mich in die Danksagungen ein. Für die Details wie das Gesamtpaket. Obwohl erst aus Frankreich samt Loire-Kurzbesuch zurück, würde ich am liebsten gleich wieder ins Auto steigen.
    Finde auch, die Domaine de le Chevalerie gehört dazu. Ich hatte mir einen Querschnitt mitgenommen, da passt Alles, von vorne bis hinten. Sehr schön ist, nun ein Adresse für cremants zu haben. Da bin ich nämlich bis jetzt nie so richtig fündig geworden.
    Es gibt ein nettes Buch mit dem, wie ich finde, etwas verungückten Titel, “Die Loire, des Lebens ganze Süße” http://www.daedalus-verlag.de/front_content.php?idart=169
    Da gibt es ein amüsantes Kapitel über die Sologne- sie ist wohl hoffnungslos überjagt und überfischt- deswegen wird zur Jagssaison, wenn halb Frankreich/Paris in der Sologne einfällt, jede Menge zahmes Wild ausgesetzt. Das dann schon mal freudig dem strammen Jägersmann entgegen läuft…

    • Matze sagt:

      Das freut mich ja, dass Du eine schöne Frankreich-Tour hattest. Und à propos Jägerei: Ich war letztes Jahr im September unvorsichtigerweise an einem Sonntag im Wald spazieren. In der Nähe von Cairanne, südliche Rhône. Auf einmal fängt es an zu knallen von allen Seiten: Die Jägersleut’, örtliche Winzer und Bauern übrigens, aber nirgends angekündigt, kein Schild. Ich war wirklich froh, dass ich unbeschadet wieder aus dem Wald gekommen bin. Der Herbst kann für Naturliebhaber in Frankreich eine unangenehme Zeit sein…

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