Mittagstisch im Home Office

Mittagessen, home office, TKG

Jetzt hängen wir also zu Hause fest. Nicht alle von uns, denn ich habe gelesen, dass nur 27% der Erwerbstätigen in Deutschland auf Home Office umgestiegen sind (mussten oder konnten, je nach Sichtweise). 53% suchen weiterhin ihren normalen Arbeitsplatz auf. Für diejenigen, die die Arbeitswoche in den eigenen vier Wänden verbringen, ist diese Zeit mit bestimmten Herausforderungen verbunden. Prominentestes Beispiel: kein sich selbst erneuerndes Klopapier, weil der Service das nicht automatisch nachfüllt. Aber auch kein Essen in der Kantine, so schlimm das auch immer gewesen sein mag. Jetzt sind wir selbst die Kantine. Und – ich gebe es gern zu – ich muss mittags schlichtweg warm essen, weil mein Biorhythmus auf diese Energiezufuhr eingerichtet ist. Hier seht ihr also fünf Gerichte, die ich von Montag bis Freitag im Home Office zubereitet habe. Prämisse 1: darf nicht aufwändig sein. Prämisse 2: muss trotzdem interessant schmecken.

Montag: Moules Farcies

Mittagessen, home office, Moules farcies

Was ist das?

Das ist ein typisches Essen der südfranzösischen Hafenstadt Sète, in ähnlichen Varianten aber auch entlang der Mittelmeerküste verbreitet. Es besteht aus Miesmuscheln, die mit Muschelfleisch und gewürztem Hackfleisch gefüllt sind, das Ganze in einer tomatigen Suppe. Dazu gibt es Nudeln als Einlage, Reibekäse und die Würzpaste Rouille. Letztere enthält ordentlich Knoblauch, aber hey, wir sind ja im Home Office!

Wie mache ich das?

Moules Farcies von Hand zuzubereiten, macht eine Menge Arbeit. Die möchte ich mir sparen, also benutze ich die bereits präparierte Version von Azaïs-Polito. Jene hatte ich in einem französischen Supermarkt gekauft, good times. Ebenso die Rouille im Glas. Ich koche also nur die Nudeln. In diesem Fall sind es Avoines, eigentlich macht man das aber mit Fidelinis. Hartkäse gerieben und alles zusammen in die Schüssel – fertig. Das ging wirklich schnell und schmeckt nach Mittelmeer.

Dienstag: Hainanese Chicken Rice

Mittagessen, home office Hainanese chicken rice

Was ist das?

Ich bin ja ein totaler Fan der Würzpasten vom Asian Home Gourmet (gibt’s im Asia-Laden und in größeren Rewes und Edekas). Um ehrlich zu sein, ist der flott AHG abgekürzte Hilfskoch ziemlich oft bei uns zu Gast. So bin ich auch darauf gekommen, den Hainanese Chicken Rice im Home Office zuzubereiten. Als ich vor Jahren einige Zeit in Bangkok war, habe ich das Gericht immer an einem Stand in der Nähe meines Zimmers gegessen. Genau an dieser Ecke war das.

Wie mache ich das?

Alles wird in einer einzigen Pfanne zubereitet. Reis waschen, zusammen mit der Würzpaste und 550 ml Wasser in der Pfanne verrühren, Hähnchenschenkel drauf, dazu noch zwei Löffel selbst gemischte Soja-Chili-Sesamöl-Paste, aufkochen, Viertelstunde bei geschlossenem Deckel köcheln lassen. Dann die Tomatenscheiben dazu, Herd ausstellen, Deckel weg, zehn Minuten ziehen lassen. Mit Gurkenscheiben garnieren – fertig.

Mittwoch: Frühlingsallerlei

Mittagessen, home office

Was ist das?

Am Tag davor war ich unterwegs, um für den denn’s Bio-Blog Weinflaschen in der Landschaft zu fotografieren. Weil es dabei um Wein zu Frühlingsgemüse ging, hatte ich auch das entsprechende Gemüse eingekauft und abgelichtet. Also Grünen Spargel, Frühkartoffeln, Rucola zumindest. Natürlich schmeiße ich so etwas danach nicht weg, sondern esse die einstmalige Deko auf.

Wie mache ich das?

Keine hohe Kochkunst, aber die gibt es zum Corona-Mittag im Home Office ohnehin nicht. Ich koche also die Kartoffeln, schäle den Spargel ein bisschen, und letztlich wird alles zusammen mit Ei und vegetarischen Pilztalern in der Pfanne gebraten. Dazu gibt es einen Grünen Veltliner, den ich für den Artikel besprochen habe. Resteverwertung der anderen Art.

Donnerstag: Spaghetti Pesto

Mittagessen, home office Spaghetti pesto

Was ist das?

Muss ich das wirklich beschreiben? Ich glaube kaum. Zutaten sind Spaghetti (die letzten aus Bologna, puh…), ein Glas Pesto und ein paar Cocktailtomaten zum Reinschnippeln.

Wie mache ich das?

Hm, mal überlegen. Spaghetti kochen, abgießen, Inhalt des Pestoglases dazu und ein paar Tomatenschnitze. Diesmal hatte ich etwas zu viel Kochwasser bei den Nudeln behalten, das Pesto wird dadurch ein bisschen suppiger. Als Student hatte ich mal eine Periode, in der ich 14 Tage lang jeden Tag Nudeln gegessen habe, mit nur leicht variierten Saucen. Ganz so schlimm ist es nicht mehr, aber Pasta mag ich immer noch sehr gern.

Freitag: Rahmschnitzel

Mittagessen, home office, Rahmschnitzel

Was ist das?

Fränkisches Soulfood! Legendär ist das Rahmschnitzel vom Gasthaus Stark in Zeegendorf. Weil ich mir nicht anmaße, dieses Geheimrezept auch nur annähernd original nachkochen zu können, gibt es diesmal eine ganz andere Variante. Und weil wir am Wochenende sowieso arbeiten (so geht Selbständigkeit…), kann es dieses eigentliche Sonntagsessen auch mal an einem Freitag geben.

Wie mache ich das?

Herd vorheizen, Bauernkroketten backen. Salat waschen und anrichten. Statt des originalen Schweineschnitzels haben wir Pute genommen, weil Schwein in Bioqualität ziemlich knapp ist. Für die Sauce nehme ich meinen ganzen Mut zusammen. Normalerweise wird die mit Sahne und ein bisschen Paprikapulver zubereitet. Diesmal kommt statt der Sahne allerdings Oatly Hafer Cuisine dazu. Für einen klassischen Boomer wie mich ganz schön krass, es riecht auch sehr getreidig. Interessanterweise verkocht sich der Hafergeschmack aber, und ich bin mit dem Ergebnis ehrlich gesagt ziemlich zufrieden.

TKG

Was ist das?

Zum Schluss noch zu dem Essen auf dem Titelfoto. Das haben wir öfter gegessen, wenn wir abends noch zum Essen verabredet waren und deshalb nicht mittags schon etwas Schweres zu uns nehmen wollten. Abends verabreden, selige Zeiten. However, dies hier ist TKG, was nicht etwa TKKG ohne Klößchen bedeutet, sondern Tamago kake gohan. Das erste Mal gegessen habe ich das zur Kleinen Regenzeit in Tokio. Kann man aber auch bei uns im Home Office zubereiten.

Wie mache ich das?

Reis kochen im Reiskocher. Misosuppe anrühren (tatsächlich ist das noch der Rest von meinem wunderbaren Besuch bei den Onozakis – zwei Kilo halten doch eine Weile…). In eine kleine Schüssel zwei rohe Eier geben, dazu etwas Sojasauce, verrühren. Den Inhalt auf den Reis geben, wiederum verrühren und noch Gomasio draufstreuen oder getrocknete Algen oder was man sonst mag. Wer sich mit rohen Eiern nicht anfreunden kann, ist bei TKG natürlich aufgeschmissen. Aber es gibt ja auch Alternativen. 14 Tage Spaghetti zum Beispiel.

Und am Wochenende im Home Office?

Am Wochenende wird weiter gekocht und gegessen, als ob nichts geschehen wäre. Aber halt. Am Samstag um 20:15 Uhr gehe ich ja wieder auf Instagram live mit dem Boomer-Talk. Das ist neu, seitdem wir so ein kleines bisschen eingesperrt sind. Diesmal wird es eines der schlimmsten Lieder der 80er zum Mitraten geben und einen echt wilden Wein, von dem ich noch gar nicht weiß, wie er sich so gerieren wird. Aber ein bisschen Spaß hat ja schließlich noch niemandem geschadet.

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4 Kommentare zu Mittagstisch im Home Office

  1. Conne sagt:

    Sehr vergnüglich, an die gefüllten Muscheln mache ich mich mal, Danke. Falls es mal ein ToGo sein sollte, das Culina ist sicher ein erhaltenswerter Platz:
    https://www.restaurant-culina.de/speisekarte/take-away-tageskarte.html
    Neben einigen schwefelfreien italienischen Flaschen, gibt’s im Moment auch einen Vetter CK 15 zum mitnehmen, glaube ich. Der ist vielleicht auch nicht ganz so sauer ☺️
    Herzlichen Gruß
    Cornelius

    • Matze sagt:

      Danke für den Tipp, hört sich super an! Natürlich wieder mal Nordstadt, Nürnberg ist da schon ein bisschen arg fokussiert 😉 . Ich glaube, mittlerweile gibt es noch nicht mal mehr einen Weinladen südlich der Bahnlinie (also vor Corona schon…). Ich habe übrigens noch einen schönen Vetter-Silvaner im Keller, kommt demnächst zum Einsatz!

  2. Stefan Krimm sagt:

    Sehr gute Idee, macht Appetit! Nur das dazugehörige Weinangebot scheint mir leider etwas begrenzt zu sein. Fastenzeit?
    Merke: Liquidum non frangit ieiunum!

    • Matze sagt:

      Mea culpa 😉 . Stimmt natürlich, hole ich hiermit nach. Zum TKG passt natürlich die Misosuppe und kein Extragetränk, höchstens Oolong-Tee. Die Moules Farcies begleite ich je nach Tomatenlastigkeit am liebsten mit einem klassischen Rosé oder einem Südweißen. Rosé eher rhôneartig-kräftig, weiß von Grenache Blanc bis Vermentino. Zum Hainanese Chicken Rice wird vor Ort die Brühe getrunken, in der das Huhn gekocht worden war. Alternativ Bier, geht sogar ziemlich hopfig. Frühlingsallerlei hatte ich ja schon. Pesto, tja, auch wieder ein südlicher Weißer oder gar ein leichter Bardolino. Und Rahmschnitzel, da gibt’s idealerweise nur fränkisches Landbier 😉 Oder Trollinger, fand ich auch sehr schön, tatsächlich schöner als ein Weißer.

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