Weinbars in Tokio – der große Guide

Minton House Jazzclub Tokio

Es ist ein strahlend sonniger Tag im späten November, als ich in der Bahnstation Nishi-ogikubo aussteige. Obwohl dies eine Gegend ist, die kein Tourist jemals aufsuchen würde, bin ich sofort gefangen von der Atmosphäre. Um den Bahnhof herum gibt es enge Gassen mit Suppenbars und Raucherkneipen. Dann folgen kleine Straßen, auf denen ab und zu ein Kei Car gemächlich fährt. Die Häuser sind ebenso klein, baukastenartig, mit gefliesten Mauern, Treppen, Hintereingängen. Ich komme am Winton House Jazzclub vorbei und blicke durch das nischenartige Fenster an der Front. Dort spielt zu dieser Stunde doch tatsächlich bereits eine Jazzcombo, so wie jeden Tag. Für einen geringen Eintritt kann man hineingehen und zuhören. Murakami winkt um die Ecke. Ich beschließe spontan, die nächsten Tage für einen Guide der Tokioter Weinbars zu nutzen. Denn diese Orte sagen so ungeheuer viel über den verborgenen Charakter einer Stadt aus, die Touristen als „sehenswürdigkeitsarm“ bezeichnen…

Weinbars in Tokio – der übertreibende Guide

Weinbars Tokio

Auf dem oberen Bild seht ihr eine der Bargassen am Bahnhof von Shibuya. Links befinden sich die Gleise, rechts die Bars – unter anderem der Wine Stand Bouteille, den ich weiter unten noch vorstellen möchte.

Ich habe aus Tokio schon vorher solche total übertriebenen und Vollständigkeit suggerierenden Artikel geschrieben, zum Beispiel zu den Antenna Shops (Essbotschaften der einzelnen Präfekturen) oder zu Sushi und Sashimi. Das Witzige bei Tokio und dem Wunsch nach Vollständigkeit ist, dass es immer nur beim Wunsch bleiben muss. In Wirklichkeit habe ich bei den folgenden Etablissements bereits extrem stark ausgesiebt. Bei Tabelog, der einschlägigen Restaurant-Suchseite (Links folgen bei jeder der Weinbars) ergibt die Suche nach dem Stichwort „Weinbar“ in Tokio 3.102 Treffer. Ja, so ist diese Stadt. Jedes Thema eignet sich hier für das Nerdwesen.

Tabelog listet übrigens jeweils die Adressen mitsamt Verortung auf der Karte, Öffnungszeiten, massig Fotos der Weinbars und auch Bewertungen auf. Deshalb von mir kein Kommentar dazu, klickt einfach auf den Link.

Mein Vorgehen

Ich habe mich auf einen bestimmten Typus des Wein-Etablissements konzentriert, getrennt in eher trinkorientierte und eher essorientierte Plätze. Wichtig war mir eine wirklich individuelle, gern auch etwas wilde Weinauswahl (kein Supermarktzeug oder ausschließlich Crus Bourgeois). Wichtig war mir auch die Ungezwungenheit des Ortes, denn Japaner wollen wirklich Spaß haben nach den oft ziemlich einengenden Tagesjobs. Das Publikum ist altersmäßig meist so zwischen 30 und 50, Frauen und Männer jeweils halbe-halbe. Am Tresen kann man mit allen schnell ins Gespräch kommen, allerdings je nach gegenseitigen Sprachkenntnissen unterschiedlich intensiv. Fotos von Innenräumen habe ich keine gemacht, weil in Japan schon lange vor dem Internet-Persönlichkeitsschutz galt, niemals fremde Menschen abzubilden.

Meine Tipps für die folgenden Orte bekam ich zunächst bei Recherchen im Internet, zum Beispiel bei Bertrand Celce, bei Time Out oder bei Tabelog. Nicht zuletzt habe ich mich aber per Schneeballsystem in Tokio selbst weitergehangelt, angefangen bei meinem Freund Yoshika über Ladenbesitzer, Sommeliers und Curryköchinnen – und natürlich Instagram.

Die Reihenfolge der Etablissements hat übrigens nichts mit einer Wertung zu tun, sondern ist ganz einfach meine Besuchsreihenfolge. Hinter dem Namen der Weinbar habe ich immer denjenigen der nächstgelegenen Bahnstation geschrieben.

Nun soll es aber losgehen bei der großen Tour de Weinbars durch Tokio.

Biancara, M Inokashira

Weinbars Tokio Biancara

Direkt an der Bahnstation Inokashira gelegen, ist dies ein idealer Platz im Tokioter Westen. Wunderbar grün, in Fußweite von Park und See in Kichijōji. Hier möchten laut Umfrage die Tokioter am liebsten wohnen. Im Biancara gibt es Bistrotküche, französische und italienische Weine. An diesem Vormittag verkauft Inhaber Kodaira Hisanori tatsächlich selbstgezogenes Gemüse vor dem Eingang.

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  • Instagram: bianca_inokashira
  • letzter Wein auf der Instagram-Seite: Vin Nouveau du Tue-Boeuf, aber Angiolino Maule gibt es (bei dem Namen…) natürlich auch

Komorebi, M Shimo-kitazawa

Weinbars Tokio Komorebi

Auch das Komorebi hat einen strategischen Platz direkt an der Bahnstation Shimo-kitazawa inne. Eines der angesagtesten Viertel Tokios, auch im Westen, kleine Design-Läden. Das Komorebi ist eine Standing Bar im Keller, beides gute alte Tokio-Traditionen. Es gibt erstaunliche Weine wie den höchst begehrten Nana-Tsu-Mori Blanc des Noirs aus Hokkaido, L’Anglore, Sébastien Riffault, aber auch ein altes Schätzchen aus dem Hause Deinhard (später von Winning).

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  • Instagram: shimokitakomorebi
  • letzter Wein dort: tatsächlich der Müller-Thurgau von Bianka & Daniel Schmitt, zusammen mit Ganevats Pinot Noir Julien

Ahiru Store, M Yoyogi-hachiman

Weinbars Tokio Ahiru Store

Dies ist wahrscheinlich die bekannteste unter den Tokioter Weinbars. Immer voll, bereits jetzt um 16:30 Uhr, und draußen vor dem Laden warten noch fünf Leute in der Schlange. Klar, viele Weinbars sind winzig hier. Und es gibt den BBF und den DD von Tissot, viele Overnoys und Ganevats, dazu Massa Vecchia. Kultweine.

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  • Instagram: Seite ja, aber keine Beiträge
  • letzter Wein dort: unter dem Hashtag #ahirustore La Bueilloise von Renaud Guettier, ein Schäumer von der Loire

Le Cabaret, M Yoyogi-uehara

Weinbars Tokio Le Cabaret

Die zweite der bekannten Weinbars. Ein bisschen mehr Bistrot-Charakter als der Ahiru Store, mittlerweile auch mit einem Bib Gourmand im Guide Michelin ausgezeichnet. Die Heizlüfter draußen haben ihre Berechtigung, denn man hangelt sich langsam vor bis zum Tresen: erst stehen, dann draußen sitzen, dann drinnen. Der Barmann schenkt Probiergläser aus, man ist sofort im Gespräch mit den anderen. Das Angebot wechselt ständig, Abwechslung ist Pflicht in Tokio, wenn man Erfolg haben will.

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  • Instagram: lecabaretinfo
  • letzter Wein dort: Ergastoline von Aurélien Lefort aus der Auvergne, aber ich habe einen gereiften Mondeuse getrunken und den Morillon von Andreas Tscheppe

No. 501, M Gaiemmae

Weinbars Tokio No. 501

Von draußen ein Weinladen im Industriedesign mit schwerer Tür. Drinnen immer noch ein Weinladen im Industriedesign, aber auch eine Bar mit ein paar Hockern und zwei Tischen. Die Weinauswahl ist groß, dazu gibt es Häppchen. Essen kann man eigentlich überall in den Weinbars, immer wird irgendetwas frisch zubereitet. Auch das ist Pflicht in Tokio. Aus Japan gibt es unter anderem Weine von Cave d’Occi aus Niigata.

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  • Instagram: no.501.bottletokyo
  • letzter Wein dort: die ganze Linie von Gut Oggau (die mit den Gesichtern)

Wine Stand Bouteille, M Shibuya

Weinbars Tokio Wine Stand Bouteille

Einer der kleinen Schuppen an der Bahnlinie. Typisch für Tokio sind (lang mögen sie erhalten bleiben) die traditionellen Ess- und Trinkgassen nach der Arbeit und vor der Heimfahrt. Gekocht wird am Stand nicht, aber es gibt Oliven und andere Snacks. Weintechnisch sollte man sich überraschen lassen. Auch ein Kultort.

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  • Instagram: bouteille_wine_stand
  • letzter Wein dort: ein Burgunder der Domaine Bonnardot, davor der Sweet Wine Freddie (ja, eine Hommage an Freddie Mercury!) von Julien Prével, Loire

Wine Stand Waltz, M Ebisu

Weinbars Tokio Wine Stand Waltz

Wahrhaftig schwer zu finden, selbst wenn man die Adresse kennt. Vor dem Wohnhaus in einer Hintergasse geht noch einmal ein Weg ab, und hier auf der linken Seite steht man abends beim Wein. Die Stehbars sind ebenfalls eine alte Tradition in Tokio, zum Suppe schlürfen oder zum Sake trinken, aber so wahnsinnig oft sieht man sie nicht mehr. Im Waltz gibt es auch Kaffee und Kuchen, dazu Weine von Frank Cornelissen oder Bruno Duchêne.

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  • Instagram: wine.stand_waltz
  • letzter Wein dort: Le Coste Rosso

Goût de Jaune, M Tameike-sannō

Weinbars Tokio Gout de Jaune

Einer dieser fantastischen Orte, die Tokio so einmalig machen. Links am Hauseingang befindet sich ein kleines Schild „Goût de Jaune“. Dort geht man eine Wendeltreppe hinunter und kommt dann in eine kleine Bar. Hier gibt es nur Jura-Weine, dafür aber alles, was das Herz begehrt. 40 Jahre alte Vins Jaunes, Traditionalisten, Kultproduzenten, Newcomer. Dazu kann man Nudeln, Reis und Suppe ordern.

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  • Instagram: nicht die Bar, aber der Inhaber: shohei_miumiu1109
  • letzter Wein dort: Les Granges Paquenesses und der Pinot Noir Les Varrons der Domaine Labet

Sansa, M Tameike-sannō

Weinbars Tokio Sansa

Das Sansa ist tatsächlich ein „beer public space“, und zwar einer für echte Freaks. Logisch in der Hauptstadt des Nerdismus. Es gibt Gueuze Tilquin, die Abbaye de Saint Bon-Chien aus dem Schweizer Jura, aber auch entsprechende Weine von Ganevat oder Ratapoil. Essen kann man Tonkatsu oder Spaghetti. Ist in der Nähe vom Goût de Jaune und eignet sich zum Pendeln, sollte der andere Laden schon voll sein.

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  • Instagram: sansa.space
  • letzter Wein dort: eine ganze Reihe Radikon – und das Aphrodite Brown Amber Ale

Limite, M Shinjuku-sanchome

Weinbars Tokio Limite

In einer kleinen Straße in Shinjukus Ausgehviertel gelegen, ein bisschen südlich vom Kabuki-cho. Wieder ist Spürnasentum angesagt. Das rote Schild in der oberen Bildmitte sagt „Limite“, und diesmal gibt es eine Tür im Erdgeschoss. Dahinter ein Tresen, eine Raucherbar klassischer Art, es gibt Schinken und Käse, dazu italienische Weine und Grappe. Auf Instagram grüßt der Besitzer oft mit „buona sera“ und dem Schwarzweiß-Foto einer Nightclub-Jazzsängerin.

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  • Instagram: wine_bar_limite
  • letzter Wein dort: Barolo Villero 2010 von Giuseppe Mascarello

Relax, M Akasaka

Weinbars Tokio Relax

Einer dieser Orte, die ich per Zufall beim Umherstreifen gefunden habe. Nicht etwa der Laden links ist das Relax, sondern es geht rechts mit der Treppe ein Stockwerk höher. Dort wartet ein kleiner, in Waldgrün gehaltener Raum auf Kunden. Weinschwerpunkt ist Italien, aber es gibt auch Grape Republic aus Japan und ein paar einfachere Rote wie den Unlitro von Ampeleia. Dazu Ragù, Pizza, Steak. „Relax“ ist übrigens wörtlich zu nehmen, denn die Japaner entspannen sich tatsächlich beim abendlichen Schlürfen.

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  • Instagram: relax_akasaka
  • letzter Wein dort: Munjebel von Cornelissen

Weinrestaurants

Organ, M Nishi-ogikubo

Restaurant Wein Tokio Tokio Organ

Das Organ in Nishi-ogikubo im gut zu erreichenden Westen der Stadt ist ein gastfreundlicher Ort. Es gibt Mobiliar vom Flohmarkt, viele Bücher in den Regalen, und wer keinen Platz findet, geht erst einmal zum Tresen. Gekocht wird nur mit Bio-Zutaten, und zwar eine raffinierte Bistrot-Küche. Zu trinken gibt es unter anderem den legendären günstigsten Vin Naturel der Welt (2,70 € der Liter ab Hof) von den Altkommunisten Louis & Chantal Julian.

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  • Instagram: organ_tokyo
  • letzter Wein dort: Tireur des Litres von La Sorga

Maison Cinquante Cinq, M Yoyogi-uehara

Restaurant Wein Tokio Maison Cinquante Cinq

Während Weinbars sonst immer etwas versteckt in Gebäuden liegen, nimmt das Maison Cinquante Cinq tatsächlich ein ganzes Haus ein. Ein sehr schmales allerdings, wir sind schließlich in Tokio. In Fußweite vom Cabaret, vom Ahiru Store und der Weinhandlung A.day gibt es hier eine leichte französische Küche, viel Salatiges. Die Weine stammen von kleinen französischen Gütern, aber auch Lammershoek aus Südafrika ist im Angebot.

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  • Instagram: maisoncinquantecinqbistro
  • letzter Wein dort: eigentlich nur das Essen

Ăn Ði, M Gaiemmae

Restaurant Wein Tokio An Di

Das Ăn Ði befindet sich im zweiten Epizentrum der alternativen Tokioter Weinwelt neben Yoyogi. Wir sind hier im Süden des wunderbaren Parks Shinjuku-gyoen und im Norden von Aoyama und Harajuku. In unmittelbarer Nähe sind die Weinbars No. 501 und Ebiiro, das Curry-Restaurant Hatonomori, der General Store Doinel und die Weinhandlung Virtus (die einzige, die ihr braucht, wenn ihr interessante japanische Weine sucht). Im Ăn Ði, mittlerweile auch mit einem Bib Gourmand ausgestattet, gibt es kreative vietnamesische Küche und dazu eine Getränkeauswahl, die ihresgleichen sucht. Der Nora Blanc Fumisuki aus Japan, die Parzellenweine der Sadie Family aus Südafrika, Nicolas Joly, auch deutsche Weine von Mittelrhein und Ahr, Sake, Shochu, Cocktails. Einer der aktuellen In-Orte.

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  • Instagram: andivietnamese
  • letzter Wein dort: Sketch von Raúl Pérez

Odajima, M Roppongi

Restaurant Wein Tokio Odajima

Alle Japaner werden auf Nachfrage erklären, dass sie deshalb so gern Vin Naturel und Artverwandtes trinken, weil das so gut zur japanischen Küche passt. Lustigerweise gibt es aber in fast allen Vin Naturel-Bars französische Küche und keinesfalls Sushi, Soba oder Ramen. Eine hehre Ausnahme ist das Odajima, allerdings auf Spitzenniveau. Es wird im Kappo-Stil gekocht, also direkt vor den Gästen. Ebenso abwechslungsreich wie die vielen Tellerchen ist die Weinauswahl. Von Hatzidakis/Santorin über Moric und Friedrich Becker geht es nach Kalifornien, Domaine de la Côte zum Beispiel, Sauternes, Fonsalette, Mark Angeli. Das hat natürlich alles seinen Preis, ist aber gar nicht so schrecklich förmlich. Übrigens geht man wieder einmal links in den Keller zum Essen.

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  • Instagram: kappou_odajima
  • letzter Wein dort: Seña, Chile

Shonzui, M Roppongi

Restaurant Wein Tokio Shonzui

Das Wichtigste, was man auf der Suche nach Weinbars und Restaurants in Tokio beherzigen sollte, ist der Blick nach unten oder oben. Ein normales Wohnhaus kann im sechsten Stock ein Restaurant besitzen, ein Bürogebäude ein ebensolches seitlich im Keller. Das Shonzui befindet sich in diesem Haus. Geht man die Treppe ein Stockwerk höher, gibt es zwei Türen. Die rechte führt zu einem Curry-Laden, die linke ins Shonzui. Dort gibt es exzellentes Wagyu-Rind. Dazu werden interessanterweise Vins de Soif aus Frankreich gereicht, aber auch Casot de Mailloles.

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  • Instagram: kein Account
  • letzter Wein dort: (mit Hashtag in Kanji) Albert, Adelaide Hills

Hatonomori, M Sendagaya

Restaurant Wein Tokio Hatonomori

Noch ein Ort, an dem ich zufällig vorbeigekommen bin auf meiner Tour durchs Epizentrum Aoyama-Nord. Das Hatonomori befindet sich direkt neben einem Art Space und einem Aufnahmestudio. Echtes künstlerisches Publikum garantiert. Es wirbt mit der Kombination aus „Natural Wines and Spices“. Gemeint sind die verschiedensten Curries. Curry ist in Tokio ein leicht alternatives, ein bisschen rockiges Gericht. Der Gegenentwurf zur Kaiseki-Küche oder auch zum livrierten Auftreten in Spitzenrestaurants. Ich habe jedenfalls mehrere Curry-Köchinnen und -Köche bei meinen Weintouren kennengelernt.

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  • Instagram: hatonomori
  • letzter Wein dort: nur Curries

Und noch…

In der Gegend von Tokyo Station

  • Aux Amis, Tokyo: 35. Stock, Blick über Tokio, französische Küche und Weine, Jean-Louis Chave Hermitage 1985, Gauby Muntada, Claude Dugat, Philippe Pacalet… wer will, kann viel Geld ausgeben.
    • Instagram: auxamis_tokyo (gerade erst gestartet)
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  • La Pioche, Suitengumae: Bistrotküche im heute etwas abweisenden Nihonbashi, dem alten Edo. Es gibt französische Weine mit (in der Szene) bekannteren Namen: Jean Foillard, L’Anglore, Binner, Richaud, Overnoy…
  • Yaoyu, Takebashi: Neo-französische Küche mit leichten japanischen Einsprengseln, Michelin-Stern. Interessanterweise gibt es neben L’Anglore oder Overnoy auch einfachere französische Weine aus dem Süden.

In Meguro und Minato

  • Bunon, Hiro-o: Ziemlich weit von der Metro entfernt, in einer Gegend, in der auch Westerners leben. Das Essen im Izakaya-Stil besteht deshalb aus japanischen und europäischen Häppchen. Die Weinkarte ist groß, Strohmeier, Norapon und Beau Paysage (Japan-Kult), Massa Vecchia…
    • Instagram: nicht die Bar, aber der Inhaber: shigerunakaminato
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  • Kabi, Fudomae: In einem Wohnbezirk von Meguro gelegen, weit von Metrostationen entfernt. Man kommt auch mit dem Auto, skandinavisch eingerichtet, es gibt kreative Spitzenküche im Kappo-Stil. Exzellente Getränkeauswahl, nicht nur Wein, auch Sake, Gin, Craft Beer, Longdrinks, selbstgemachter Kombucha.
    • Instagram: restaurantkabi
    • Tabelog
  • Un Jour, Meguro: Das ehemalige Verre Volé und die Chance, mehr englisch- als japanischsprachige Menschen zu treffen. Französische Weine wie im Vorbild in Paris, alle Nordrhône-Syrahs von Dard & Ribo, dazu anders gestrickte Burgunder von Romuald Valot.
    • Instagram: ja, aber kaum Beiträge: meguro_unjour
    • Tabelog

Shibuya und Shinjuku

  • Hibana, Yotsuya-sanchome: Ganz anders als das Bunon in nicht-angesagter Gegend, rein japanisch, aber (mir weitgehend unbekannte) italienische Weine, vom Besitzer auf Italienreisen entdeckt.
    • Instagram: hibana_arakicho
    • Tabelog
  • 3amours, Ebisu: Ein Weinladen mit kalter Küche und gebratenen Boudins, geöffnet bis 21 Uhr. Ohnehin sind auch Weinbars keine Nachtangelegenheit in Tokio. Um 18 Uhr, kurz nach der Öffnung, beginnen sie sich schon zu füllen, sind dann um 20 Uhr voll besetzt und schließen – da oft in Wohngegenden und Wohnhäusern – meist um 23 Uhr. Im 3amours gibt es dem Weinladen entsprechend eine große Auswahl, u.a. einen rosa Schaumwein von Stéphane Tissot.
    • Instagram: wineshop.3amours
    • Tabelog

Im Westen der Stadt

  • Lug, Hatagaya: Sympathischer Ort direkt an der Bahnstation, der viermal am Tag sein Gesicht wechselt: Frühstückscafé, Mittagspause, Tagescafé, Weinbar. Günstige Preise, Loire-Chenins und PetNats.
  • Bricca, Sangenjaya: Alles Italienisch im Südwesten der Metropole. Essen sowieso, Weine von Occhipinti, Trinchero, La Stoppa und anderen.
  • Margo, Yutenji: Restaurant mit einer Art dicker Galettes als Spezialität, dazu Bratwurst. Der Inhaber ist Koch und Schlagzeuger, es gibt französische Naturels und The Bridge, einen Riesling, halb Mosel, halb Oregon, von Immich-Anker und Teutonic.
    • Instagram: margo_wineshokudo
    • Tabelog
  • Uguisu, Sangenjaya: Beliebtes Bistrot, mittags und abends geöffnet. Auf der Weinkarte Südfrankreich, Didier Barral, Yannick Pelletier – und zwar beide mit ihren Weißweinen.

Außerhalb von Tokio

  • W Yokohama, Yokohama: Italienische und französische Küche, von Pizza, Seeigel und Austern bis zu Steak Frites (in japanischer Fleischqualität). Weine stehen hoch im Kurs und sind breit aufgestellt: Maule/Veneto, Giachino/Savoyen, Slowenisches, auch viele japanische Weine: Rita Farm/Hokkaido, Cave d’Occi Albariño/Niigata oder Fattoria Al Fiore/Miyagi. Praktisch am Bahnhof von Yokohama gelegen, falls ihr geschäftlich dort seid.

Shop Festivin, M Shinjuku-sanchome

Weinbars Tokio Shop Festivin

Zum Schluss noch ein besonderer Ort, der nicht zu den eigentlichen Weinbars gehört. Im zweiten Untergeschoss des Luxuskaufhauses Isetan in Shinjuku gibt es eine Etage mit Naturkosmetik und diesen kleinen Weinladen. An der Bar (geschlossen wird um 20 Uhr) werden fünf ständig wechselnde Weine glasweise ausgeschenkt. Ohnehin rotiert das Angebot sehr schnell, das hält die Stammgäste bei Laune. Weshalb ich das Festivin mit aufnehme? Weil ich hier den Gastgeber, Sommelier Yoshikazu Okada, kennengelernt habe, meinen wichtigsten Tippgeber zur Weinszene in Tokio. Eine schöne Angewohnheit ist mittlerweile, dass wir bei jedem Besuch Weine austauschen, einen deutschen gegen einen japanischen. Von ihm habe ich Grape Republics Koshu Amphora, Beau Paysage oder (ganz neu!) Takahiko Sogas Pinot Noir-Kult Nana-Tsu-Mori. Er hat von mir Weine von Stefan Vetter, Michael Teschke oder jetzt eine gereifte Auslese von J.B. Becker bekommen. Ein Ort, den ich nicht missen möchte. Genau wie Tokio selbst…

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  • Instagram: shopfestivin
  • letzter Wein dort: Grape Republic Rosso und Benoît Lahaye Blanc de Noirs

Und damit sind wir schon durch! Glaubt mir, wenn ihr euch ein Weilchen in Tokio aufhaltet, werdet ihr merken, dass ich das mit dem Wörtchen schon tatsächlich ernst gemeint habe…

Jetzt hoffe ich, dass ihr entweder Anregungen für euren nächsten Besuch bekommen habt – oder aber die Eingebung, doch endlich einmal nach Tokio zu fliegen. Ich sage Sayonara und bis zum nächsten Mal.

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2 Kommentare zu Weinbars in Tokio – der große Guide

  1. Claas sagt:

    Hallo Matthias, eine sehr schöne Liste, vielen Dank! Ein par kannte ich schon, aber auch viele neue Entdeckungen. Da habe ich dann nächstes mal viel vor…
    So oft und gerne wie du in Tokyo bist, wundert’s mich allerdings immer ein wenig, dass du noch nie was über Sake geschrieben hast. Nicht so dein Geschmack oder bloß noch keine Gelegenheit gehabt? (gerade die etwas ungewöhnlicheren Sachen von Niida Honke u.Ä, wie bei Kabi vorkommen sind für dich doch bestimmt interessant könnte ich mir vorstellen) Wenn du magst schicke ich dir gerne eine kleine Liste für die nächste Reise, mit ein par Bars und Geschäften die dir eine gute Introduktion geben können (wenn ich jetzt noch da wohnen würde hätte ich das sonst auch persönlich übernommen, but alas…) Liebe Grüße, Claas

    • Matze sagt:

      Danke, sehr nett! Doch, ich finde Sake schon sehr interessant. Irgendwie habe ich aber (wenig überraschend) festgestellt, dass Sake eine ungemein komplexe und ausgefeilte Welt ist. Das heißt, ich habe mir ein kleines Erklärbüchlein gekauft und auch einige probiert, aber in meiner Laienhaftigheit wollte ich das nicht allen erzählen 😉 . Da ist also in der Tat noch viel Luft nach oben…

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