Altwein-Pein

Seht den Römer voll goldgelben Weins, nehmt ihn, lasst euch sanft sinken in den waldgrünen Breitcord-Sessel, vom Plattenspieler kommt Happysound zum Mitklatschen – ihr seid in den 70ern, tief in den 70ern. Der passende Wein für eine solche Zeitreise mutet für heutige Snobisten derart grotesk an, dass ich alle entscheidenden Merkmale einzeln schreibe: 1974 – Rheinhessen – halbtrocken – Kabinett – Scheurebe & Müller-Thurgau. Ebenso grotesk (obwohl… wäre heute genauso möglich – habichnichtgesagt): Goldene Kammerpreismünze Rheinland-Pfalz, Großer DLG-Preis. Kann man sowas trinken? Weiterlesen

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Eine andere Riesling-Welt

Aus gegebenem Anlass, weil ich ihn nämlich gerade im Glas habe: Dieser Riesling ist der Hammer. Der Hammer-Stinker allerdings auch, denn aus dem Glas springt einen förmlich die typische Spontangärungsnote an, einem gepflegten Kuhstall nicht ganz unähnlich. Dann aber kommen eine enorm erdige Würze, unheimlich dunkle Noten für einen Weißwein und eine tolle Harmonie von Säure und Süße. Als ich diesen Wein frisch das erste Mal verkostet habe, hat er mir noch in die Zunge gebissen. Jetzt ist alles an seinem Platz.

Von welchem Wein rede ich überhaupt? Na, vom 2007er Riesling Quarzit von Peter Jakob Kühn natürlich. Ich weiß, dass sich bei den Kühn’schen Weinen die Geister scheiden, aber für mich gehören sie zum Individuellsten, Herausforderndsten und deshalb auch Besten, was die hiesige Weinszene zu bieten hat. Sollte – wie schon vereinzelt angemahnt – die Interview-Serie mit Winzern ihre Fortsetzung finden, Peter Jakob Kühn wäre bei mir ganz oben auf der Wunschliste.

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Pulver aus Mauritius

In wenigen Tagen muss ich raus auf der Wohnung, und das Leben aus dem Koffer beginnt. Während manche Sachen schnell noch am letzten Tag umzupacken sind, ist das mit den Vorräten so eine Sache: Wegwerfen ist oft zu schade, also lieber aufessen. Im hintersten Winkel des Vorratsschranks habe ich eine Packung namens “Gateau-Piment” gefunden. Inhalt: ein weißes Pulver. Hm. Weiterlesen

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Last days of summer

In den letzten Tagen ist es ja plötzlich entsetzlich kalt geworden. Wie gut, dass wir den letzten warmen Tag noch genutzt hatten, um draußen ein bisschen auf unsere Art zu grillen. Was man dafür braucht? Klappstühle und einen Klapptisch, Geschirr und Besteck, einen Campingaz-Kocher und eine passende Gasdose. Und natürlich Grillwaren: Steaks und Würste, dazu Olivenöl, Knoblauch und eine Fertig-Taboulé-Packung aus dem Supermarkt. Alles ganz einfach, nichts Elaboriertes, keine Kochkünste vonnöten, denn das Essen schmeckt einfach an frischer Luft viel besser als im Haus. In diesem Sommer haben wir von dieser Möglichkeit zum Glück sehr häufig Gebrauch gemacht, und mit dem portablen Esszimmer kann man sich ganz schnell an einem angenehmen Standort einrichten. Schade, dass das jetzt vorbei ist. Aber – Gemütlichkeitsspezialisten wissen das – auch der Winter hat nicht nur Nachteile.

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Matzes neue Weinbewertung

Es sei mir an dieser Stelle gestattet, die werte Leserschaft darauf hinzuweisen, dass ich in der Kopfzeile dieses Blogs einen neue Kategorie eingefügt habe namens …”Matzes neue Weinbewertung”. Ich schreibe das deshalb hier unten rein, weil es ja sonst wieder keinem auffällt, obwohl es wichtig ist. Es ist aber auch ein Kreuz mit den Punkten…

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Weintest 5: La Marnière 2008 – Chardonnay aus Belgien

Wein wird in den seltsamsten Gegenden der Erde angebaut, wobei nicht die Gegenden an sich seltsam sind, sondern ihre Kombination mit Weinbau. Ich spreche hier von der Südseeinsel Tahiti, von den Monsunbergen östlich der indischen Metropole Mumbai, von der mexikanischen Wüste, aber auch vom Werderaner Wachtelberg vor den Toren Berlins. In eine ähnliche Kategorie Exotismus wie Letztgenannter gehört auch dieser Wein hier, ein Chardonnay aus Ostbelgien, aus der Mitte des Städtedreiecks Aachen-Maastricht-Liège. Handelt es sich also um ein schauderhaftes Produkt, die Reben am Gartenzaun hochgezogen, um ein technisch hingetrimmtes Tröpfchen oder doch eher um eine glückliche Fügung dank globaler Klimaerwärmung? Seht selbst:

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