
Mein erster Cornas stammte vom Weingut Vincent Paris, Jahrgang 2002. In diesem Jahr wurde die südliche Rhône von erschreckenden Überschwemmungen heimgesucht, und der Ruf des miserablen Jahrgangs dehnte sich über den damals gottgleichen Robert Parker auch auf die Nordrhône aus. Martin Kössler meinte hingegen, »probier den Wein lieber selbst und bilde dir dein eigenes Urteil!«. Der Cornas war roh, wild, tief, steinig, ich fand ihn großartig. Dass es trotzdem 20 Jahre brauchte, bis ich es nach Cornas geschafft habe, ist natürlich kein Ruhmesblatt. Dafür bin ich diesmal aber nur für euch in den Steilhängen von Chaillot und Reynard herumgekraxelt. Kommt also mit und schaut, was es hier im Königreich der Syrah zu entdecken gibt. Inklusive Weintipps und Kauflinks, der praktische Aspekt darf ja nicht fehlen.
Cornas – Was ist das?

Cornas ist ein Dorf und eine Herkunfts-Appellation an der Nordrhône, schräg nördlich von Valence und schräg südlich vom Hermitage. Bei gutem Wetter kann man von den steilen Hügeln westlich des Ortes weit in die Alpen hineinschauen. Ansonsten stehen Urlauber hier auch gern mal auf der Autobahn im Stau.
Cornas ist eine vergleichsweise winzige Appellation mit offiziell gerade einmal 164 Hektar Rebfläche. Bestanden ist alles mit der Rebsorte Syrah, und es gibt den Cornas auch ausschließlich aus Syrah und als Rotwein. Unten am Ortsrand dominieren noch Sand und Kiesel vom ehemaligen Flussbett. Die berühmten Einzellagen befinden sich allerdings nicht dort, sondern an den steilen Hängen und in den engen Seitentälern. Ähnlich wie mit Syrah als Rebsorte ist es hier der Granit, auf dem praktisch alles steht, was Rang und Namen hat.
Als ich klein war, hat mein Vater unsere Terrasse aus großen, rosafarbenen Granitblöcken gebaut, und in dieser Farbe hatte ich mir Granit auch immer vorgestellt. Tatsächlich besteht Granit aber aus Gneis, Feldspat und Glimmer, und die beiden letzteren können je nach mineralischer Dominanz auch anders gefärbt sein. Im Fall von Cornas sind die Steine in den Weinbergen meist schwarz-weiß gesprenkelt. Schwarz ist der magnesiumhaltige schwarze Glimmer, weiß der kaliumhaltige Feldspat und weiße Glimmer. Dazu kommen vor allem in den höheren Lagen noch lehmige Tone. Wenn der Granit verwittert, mischen sich Tone, Sande und eben Granitbestandteile zu dem lokal berühmten »Gore«-Boden. Erst in diesem Zustand, mit entsprechendem Bodenleben an Pilzen und Bakterien, können dann die Mineralstoffe für die Weinstöcke aufgeschlossen werden.
Jetzt will ich mir das aber auch mal in der Praxis anschauen und fahre deshalb in die Weinberge hinein.
In die Weinberge

Wenn man von Cornas aus zu den bedeutendsten Weinbergen kommen will, kann man entweder unten im Dorf halten und sich über Pfade emporarbeiten. Oder man nimmt das einzige schmale Sträßchen, die C5. Direkt hinter dem Ort steigen die Berge steil an, und es wird sofort felsig.

Dort, wo die Straße den obersten Bereich der Lage Chaillot berührt (eine Karte der Lagen gibt es zum Beispiel hier oder auch sehr schön bei weinlagen-info), hat man einen fantastischen Blick über die Rhône-Ebene bis zum Vercors. Dabei fallen mir sofort zwei Sachen auf. Zum einen, dass Cornas bis auf den kleinen ebenen Teil ausschließlich Einzelstock-Erziehung bedeutet, mithin reine Handarbeit. Zum anderen aber auch, dass (wie so oft an der Mosel auch) der Untergrund noch wesentlich kahler aussieht, als er das natürlicherweise tun würde. Ja, trocken und karg wäre es hier ohnehin. Aber die vollkommene Abwesenheit von Beikräutern in nicht wenigen Parzellen deutet auf die generöse Verwendung von Glyphosat hin.
Auf der offiziellen Seite der AOC Cornas gibt es einen Abschnitt, in dem alle Weingüter mit Adressen und teilweise auch mit Statements vorgestellt werden. Das hatte ich mir natürlich vor meiner Tour hierhin angeschaut. Unter dem Stichwort »Your Dream of Happiness« (ich benutze hier die englische Version) schreibt Winzerin Laure Colombo von der Domaine de Lorient: »That we finally succeed in banning the use of the herbicide Glyphosate!« Offenbar ein großes Thema in der kleinen Appellation.
Cornas Anfang September

Was mich überrascht: Obwohl es erst der 3. September ist, hängt keine einzige Traube mehr in den Weinbergen. Nur unten in den schattigeren Bereichen wird noch gelesen. Und am Hermitage, über den ich hierhin gekommen bin. Einigen der teilweise winzigen Parzellen sieht man an, dass auch die Trockenheit ein Thema in Cornas ist. Tatsächlich war die Südostlage auf den »Terres Brûlées« ja erst der Grund, weshalb schon die Römer hier Reben pflanzten. Aber wie in vielen unserer einstigen Toplagen, kann das heutzutage zu viel an Sonne und zu wenig an Wasser bedeuten. Beziehungsweise, das Wasser kommt zu heftig und fließt zu schnell ab…

In einer Nische an der Grenze zu St-Joseph sehe ich ein einziges Team, das heute im Hang von Cornas noch Trauben liest.

Richtige Spazierwege sind das oben am Hang nicht. Ich gehe trotzdem in der Lage Chaillot den einzigen Pfad hinunter und wieder hinauf, sammle ein paar Steine und mache Fotos von Granitblöcken und Rebstöcken. Dass die Stickel hier öfter erneuert werden als die Reben, kann man an vielen Stellen erkennen.
Geologie und Lagen

Cornas als Weinbaugebiet ist allein des Reliefs wegen wahnsinnig kleinteilig. Es gibt keine großen Felder, und der Ertrag in den Toplagen dürfte ausgesprochen niedrig sein. Wie kleinteilig es dabei tatsächlich zugeht, könnt ihr oben erahnen. Auf der rechten Seite seht ihr Steine aus der angesprochenen Lage Chaillot, also den typischen Granit. Links hingegen liegen Steine, die ich in der nur 200 Meter entfernten Lage Reynard gefunden habe, und zwar auf derselben Höhe. Da gibt es einerseits kristalline Adern, andererseits aber viel weniger Glimmer und viel mehr schichtenhaft gepressten Stein. Faszinierend.

Die Lage Reynard öffnet sich wie ein Amphitheater in Richtung Süden und gilt als der heißeste (sprich: »beste«) Ort der gesamten Appellation. Weingüter, die in Chaillot und Reynard Reben stehen haben, versuchen in aller Regel, daraus einen Einzellagen-Wein zu keltern. Es handelt sich schlicht um die historischen Lagen mit dem größten Renommee. Vorn ums Eck von Reynard gibt es noch die wesentlich kleinere Lage Geynale, windmäßig exponierter, aber fast ebenso warm.
Im Jahr 1995 erstreckte sich die AOC Cornas noch über lediglich 84 ha, also genau die historischen Steillagen. Heute werden offiziell 164 ha deklariertes Rebland genannt, davon sind aber nur rund 110 ha tatsächlich bestockt. Die neuesten Erweiterungen betrafen natürlich nicht die Steillagen, sondern Flächen oberhalb der Hangkante. Diese Lagen sind flacher, wenngleich nicht wirklich flach, lehmiger, vor allem aber durch die Höhenlage eindeutig kühler. Vincent Paris, der sowohl in La Geynale als auch oben in St-Pierre Reben stehen hat, spricht von drei Wochen Reifeunterschied. Während Traditionalisten schimpfen, dass diese Rebflächen nicht dem »echten« Cornas-Charakter entsprechen würden, bedeuten die Hochlagen für viele Winzer, dass sie sowohl bei den Cuvées als auch bei den Weinbergsarbeiten deutlich mehr Flexibilität haben.
Clape & Co. – Weingüter in Cornas

Unten im Dorf schaue ich mir noch die bekanntesten Weingüter an. Der Unterschied zu solchen Gegenden wie dem Bordelais könnte nicht größer sein. Nirgends steht der Name an einem Weingut, und in aller Regel handelt es sich um von außen extrem bescheiden wirkende Dorfhäuser. Ein paar Ausnahmen gibt es allerdings: Matthieu Barret von der Domaine du Coulet bewirtschaftet eine Art Aussiedlerhof am nördlichen Ortsrand (seine Weinberge befinden sich auch alle dort). An dem modern holzverkleideten Gebäude steht dick der Name des Weinguts. Auch Jean-Luc Colombo, der ja mehr ein Negociant ist, besitzt ein eher industrielles Gebäude an der Bahnlinie.
Nichts los ist hingegen bei der Domaine Clape rechts oben, die Ernte scheint komplett eingefahren. Nur der Name am Basketballkorb verrät, dass wir uns in einem der berühmtesten Weingüter des gesamten Rhônetals befinden. Links unten steht ein kleiner Weinbergschlepper in der Einfahrt der Domaine Alain Voge. Nachdem der Namensgeber vor einigen Jahren verstorben war, wird das Weingut heute von Lionel Fraisse als Winzer und Geschäftsführer weitergeführt. Offenbar sind heute früh noch Trauben eingebracht worden, denn ich sehe ihn herumlaufen und mit dem Wasserschlauch hantieren.
Rechts unten schließlich noch die Domaine Thierry Allemand, mittlerweile von Sohn Théo geleitet. Auch hier kein Namensschild und äußerlich kein Zeichen von Leben. Sowohl Allemand als auch Clape besitzen keine eigene Website. Selbst bei der wirklich weltberühmten Domaine Chave im Nachbardorf Mauves, wo ich die Chaves bei der Traubenannahme treffe (der Hermitage wird später gelesen) gibt es im Internet lediglich eine nichtssagende Einstiegsseite. Man liebt es offenbar diskret an der Nordrhône.
Wie schmecken die Weine?

Weine aus Cornas gibt es aber überraschenderweise doch zu kaufen. Wenngleich nicht im Ort selbst (das hätte einen jetzt auch gewundert), sondern in der Nachbarschaft und letztlich in aller Welt.
In einem Interview mit dem Grape Collective wurde Lionel Fraisse gefragt, ob der Ruf von Cornas früher schon genauso gut gewesen sei. »Nein, überhaupt nicht«, antwortete er. Hermitage und Côte-Rotie seien hoch im Kurs gewesen, während Cornas von Bauern und großen Négociants dominiert wurde. Die einen haben robusten Bistrot-Wein gekeltert, die anderen möglichst billig wenig gepflegte Trauben eingekauft. Erst junge Winzer wie Auguste Clape, Noël Verset oder Alain Voge hätten das geändert, die alten Hänge wieder neu bepflanzt. Was er in diesem Fall nicht sagt, aber auch hinzugefügt werden muss: Die alten groben Weine wurden zunächst durch penible Lese und luxuriösen Holzausbau kraftvoller und »moderner« gemacht, ehe in diesem Jahrtausend auch die Finesse Einzug fand. Weil die Alkoholgradation per AOC-Dekret nach oben auf 13,5 vol% begrenzt ist (eine erstaunliche Sache, wie ich finde), kann es letztlich auch nicht total überreif werden.
In dem Laden oben auf dem Foto, Au Sommelier in Tain, könnt ihr Cornas-Weine von nicht weniger als 17 Erzeugern zu Weingutspreisen erwerben und teilweise auch glasweise probieren. Das war auch der Ort, an dem ich zum ersten Mal einen echten ungeschwefelten Naturwein getrunken habe, der sowohl vollkommen fehlerfrei als auch weinlich schlicht brilliant war, den Cornas sans soufre ajouté von Franck Balthazar. Welche großen Weine gibt es also aus Cornas, und wo könnt ihr die kaufen (außer beim Sommelier in Tain…)?
Einkaufstipps Weine aus Cornas
Ich muss hier vorwegschicken, dass die folgende Auflistung am 31.12.25 gemacht wurde, die Verfügbarkeit und die Preise sich also auf diesen Tag beziehen. Erfahrungsgemäß wird aber so ein kleiner Grundsatzartikel wie dieser über Jahre gelesen. Mit anderen Worten: Während der Granit in Cornas so bleibt wie er ist, könnte sich bei den Weinen doch ein bisschen was ändern.
Auguste Clape
Der bekannteste Name und stilistisch der größte Klassiker. Es gibt zwei Weine, den »normalen« Cornas (Blend aus Lagen La Côte, La Sabarotte und Reynard) und den Renaissance (jüngere Reben). Beide Weine brauchen Zeit für die Entwicklung, sind aber immer tief und nie grob oder gar neuholzig.
Bei Sébastien Visentin gibt es August Clape in Breite: Renaissance 2020 und 2021 (je 88 €), Cornas 2014 (nur Club), 2018 (166 €), 2021 (149 €) und 2022 (auch 149 €). Wer etwas weiter zurückgehen möchte, findet den Renaissance 2016 bei der Weinzeche für 80 € (letzte Flaschen). Schließlich bietet noch Lobenberg den Cornas 2022 für 159 € an (nur Weinclub), den Renaissance 2021 für 99 €.
Thierry Allemand
Thierry Allemand ist der Kultwinzer von Cornas, noch vor Clape, und das ändert sich auch mit Sohn Théo nicht. Zwei Weine gibt es hier, den Chaillot (oder mittlerweile einfach »C« genannt) und den Reynard (mittlerweile »R«). Beide sind begehrt und teuer. Der C stammt von 25-35 Jahre alten Reben, der R von 55-65 Jahre alten Reben, ist also etwas dichter. Beide kommen aber mit eindeutigem Naturel-Touch daher, was manchmal hochspannend sein kann, manchmal aber auch etwas herausfordernd. Bei einer der legendären Corona-Verschickproben von Christoph Raffelt war, wenn ich mich nicht täusche, der Reynard unser Sieger – trotz oder vielmehr gerade wegen seines leicht schrägen Einschlags.
Bei WeinArt gibt es den Cornas C 2021 für 209 €, bei Fenske den 2022er für 199 €, der R ist ausverkauft. Ältere Allemand-Weine kann man natürlich auch bei iDealwine ersteigern, muss aber auch dort immer mit mindestens 200 € rechnen.
Franck Balthazar
Von außen schmucklos aussehendes Weingut an der Bahnlinie neben Colombo. Der »Einstiegswein« heißt Casimir nach einem Vorfahren, darüber dann der Chaillot in leicht geschwefelter und in ungeschwefelter Version. Wenn es nicht so akademisch wäre (bei den Preisen denke ich eher an einmaliges Vergnügen), könnte man einen wunderbaren Vergleich zwischen beiden machen.
Franck Balthazar gibt es online bei Christ/Alles Wein, und die Auswahl ist groß. Von der Cuvée Casimir gibt es die Jahrgänge 2020, 2021 und 2022 (41-50 €, wird gerade reduziert), der Chaillot derselben Jahrgänge kostet 63-73 €, der Cornas sans soufre ajouté 2021 und 2022 63-67 €.
Vincent Paris
Aus den wilden Weinen Anfang der Nuller-Jahre hat sich Vincent nach einschneidenden Verfeinerungen 2009 zu einem Finessen-Cornasler gemausert. Es gibt den Granit 30, den Granit 60 und den Einzellagen-Wein La Geynale.
Früher gab es die Weine wie oben geschrieben bei K&U, mittlerweile habe ich sie bei einfachweinkaufen entdeckt. Die RVF zeigte sich vom 2022er enttäuscht, vom 2023er aber wieder sehr angetan. Insofern habe ich hier die 23er herausgesucht: der Granit 30 kostet 30 €, der Granit 60 42,50 € und La Geynale 55 €.
Alain Voge
Voge war zur Parker-Zeit als Neuholz-Fan bekannt, das hat sich aber mittlerweile relativiert. Sein Einstiegs-Cornas heißt Les Chailles, in der Mitte Vieilles Vignes und Chapelle St-Pierre von einer 400 m hoch gelegenen Parzelle und als Topwein die Vieilles Fontaines (Lage Lafontaine aus dem Tal südlich von La Geynale).
Lobenberg hat das Voge-Portfolio im Programm. Les Chailles, Chapelle-St-Pierre, Vieilles Vignes und sogar Vieilles Fontaines, die Preise bewegen sich zwischen 50 und 122 €. Chapelle-St-Pierre und Vieilles Vignes ließen auch noch einen schön nerdigen Lagenvergleich zu.
Domaine du Coulet
Der kleine Mann mit dem Bart (was Stéphane Tissot zu der Kose-Bezeichnung »kleiner brauner Bär« veranlasste) macht in den nördlichen Lagen sein eigenes Ding. Los geht es dort mit dem Brise Cailloux, gelegentlich gibt es auch die Géniale Patronne und oben drauf die Billes Noires.
Vielleicht müsst ihr mir nochmal erklären, was online der Unterschied zwischen Lebendige Weine und Vinaturel ist. Dasselbe Programm aus nominell unterschiedlichen Shops, einmal für Privatkunden und einmal für Gastro? Oder doch ganz anders? Beide Shops haben jedenfalls die Weine von Matthieu Barret am Start. La Géniale Patronne (Lage La Patronne) gibt es aus 2017 für 69 €, Brise Cailloux 2022 (untere und mittlere Anlagen) für 50 €, Billes Noires 2020 (Parzelle Sommet des Arlettes, Untergrund Granitverwitterung Gore) für 99 €.
Domaine de Lorient
Das Weingut von Laure Colombo (Tochter von Jean-Luc) ist bio-zertifiziert wie Coulet, Voge und Balthazar (Allemand auch, aber er schreibt es nicht drauf). Wenn ihr also garantiert keine Trauben von herbizidbehandelten Böden haben wollt, dann sind das eure Adressen. Was natürlich nicht heißen soll, dass Clape & Co. es anders handhaben müssen, aber ich weiß es halt nicht.
Lorient gibt es jedenfalls exklusiv (soweit ich das sehe) bei K&U, und zwar den 2021er für 51,90 €, den 2022er für 58,50 € und den 2023er zum selben Preis.
Andere Cornas-Weine
Sehr empfohlen werden die Weine der Domaine Lionnet, nämlich Terre Brûlée (40 €, hier jetzt Ab-Hof-Preise), Pur Granit (50 €) und Chaillot (60 €), aber ich muss gestehen, dass ich sie aus der Praxis nicht kenne. Die Domaine Farge macht einen hoch bewerteten Reynard (95 €). Ziemlich neu dabei ist die Domaine Vendome, die von Aprikosen auf Wein umgeschwenkt ist und mit dem Baryte (43 €) einen sehr guten Cornas bereithalten soll. Alle drei genannten Weingüter sind bio-zertifiziert. Finkenweine hat Lionnet und Verset im Programm.
Wer das Terroir nicht superwichtig findet, aber mal den Stil der Cornas-Winzer antesten möchte: der Syrah-Landwein von Vincent Paris kostet 12,90 € (bei einfachweinkaufen) und der »No Wine’s Land« der Domaine du Coulet von einer Kalk-Lehm-Kiesel-Parzelle knapp nördlich der Appellation 23,50 € (bei Lebendige Weine).

Ich selbst hatte mich im Carrefour vor Ort mit dem Cornas der Domaine Lemenicier bestückt. Kein großer Ruf, aber dafür auch »nur« 23,55 €. Und ich muss sagen, der Wein war absolut köstlich. In der Nase mit einem leichten Reduktivstinker und Noten nach eingetrockneten schwarzen Waldbeeren, etwas Leder, ultratypisch Syrah und Nordrhône. Im Mund dann mit einem extrem feinkörnigen Tannin, sogar Himbeere, Schwarzkirsche, Minze und keinesfalls so abweisend, wie die Nase es angedeutet hat. Nicht superkomplex, aber als hochwertig zu erkennen und jetzt schon schön zu trinken. Ehrlich gesagt hat die Qualität dieses mir bislang völlig unbekannten Weinguts mich nochmal zusätzlich dabei motiviert, diesen Artikel zu schreiben. Weil es in Cornas nicht nur berühmte Weine gibt, sondern weil man da selbst beim Blindgriff tolle Sachen finden kann.
Fazit Cornas
Cornas ist Granit, Sonnenhitze, Steilhänge, Einzelstöcke, die pure Essenz der Syrah. Und zumindest in den guten Lagen auch pure Handarbeit, weshalb ein Cornas niemals ein billiger Wein sein kann. Aber dafür schmeckt er auch nach alldem, was ihn ausmacht. Falls ihr euch schon gut auskennt, könnt ihr mir ja mal eure persönlichen Favoriten schreiben. Ansonsten: Traut euch ran, entweder über einen kleinen Syrah oder gleich mit einem der oben erwähnten Weine. Cornas als Ort ist alles andere als ein Touristenziel. Cornas als Weinberg aber spektakulär und mehr als einen Umweg wert.

Lieber Matthias, wieder ein wunderbares Stück über einen Flecken Erde, der ganz besonders ist. Was ich verstanden habe: Geringer Ertrag x hohe Qualität x reichlich Nachfrage = Preis mit drei Zahlen vorm Komma – und die erste ist keine null. Passt die Ernte, geht die Wette auf. Aber was passiert, wenn mal ein Jahrgang abschmiert? Gehen die dort wirklich jedes Jahr “All-in” oder gibt es ein Plan B, wenn die Rechnung mit Flaschenpreisen jenseits der 100 Euro nicht mehr aufgehen?
Vom Jahrgangsverlauf her »abschmieren« meinst du, also wegen Naturkatastrophen? Das könnte ja eigentlich nur dann sein, wenn eine Flut wie im Ahrtal passiert. Darauf ist sicher niemand wirklich vorbereitet. Ansonsten gehörten Schwankungen wahrscheinlich immer dazu.
Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass der Markt Schwierigkeiten macht und die teuren Weine nicht mehr abnehmen will. Oder sagen wir: die Länder, in die bislang exportiert wurde. Da kann man natürlich als Plan B deklassieren und günstiger verkaufen, um die eigenen Topweine nicht zu gefährden. Lässt die Einnahmen halt schrumpfen, aber wenn du unter 20 € Produktionskosten pro Flasche bleibst, kann es sich vielleicht im Durchschnitt ganz knapp noch rechnen. Plan C wäre, die Bewirtschaftung besonders problematischer Parzellen vorübergehend einzustellen. Passiert ja leider derzeit überall, ist aber ein bisschen der Anfang vom Ende.
Andererseits gibt es in den drei »teuren« Nordrhône-Appellationen Cornas, Hermitage und Côte-Rôtie jährlich nur etwa 2,7 Millionen Flaschen für den gesamten Weltmarkt. Allein die Appellation Margaux im Bordelais produziert schon 10 Millionen. Das heißt, ich könnte mir vorstellen, dass allein ein Shift bei den Exportländern da schon etwas bewirken kann. Aber mal abwarten. Ich denke, wir werden bei den aktuellen Jahrgängen sehen, ob die Preise tatsächlich weiter leicht steigen oder eben nicht…